Mitoxantron

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Mai 2017
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Der Arzneistoff Mitoxantron gehört der Gruppe der Zytostatika an. Das Mittel wird gegen Krebserkrankungen sowie Multiple Sklerose verabreicht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Mitoxantron?

Das Zytostatikum Mitoxantron zählt zur Anthracenidiongruppe. Es dient zur Behandlung von bösartigem Krebs und Multipler Sklerose. In der Medizin trägt der Wirkstoff auch die Bezeichnungen Mitoxantronhydrochlorid, Mitoxantronum oder Mitoxantroni hydrochloridum PhEur.

Die Zulassung des Medikaments fand Mitte der 1980er Jahre statt. In Deutschland wird Mitoxantron als Monopräparat unter den Handelsnamen Novantron®, Haemato-tron® und Onkotrone® angeboten. Ferner sind unterschiedliche Generika auf dem Markt.

Pharmakologische Wirkung

Mitoxantron verfügt über die Eigenschaft, Krebszellen zu zerstören. Auf welche Weise dies geschieht, ließ sich bislang allerdings noch nicht abschließend klären. Durch das Zytostatikum kommt es zur Schädigung der DNA (Erbsubstanz), was das Hemmen des DNA-Aufbaus sowie den anschließenden Tod der Zelle zur Folge hat. Krebszellen werden durch diesen Vorgang besonders in Mitleidenschaft gezogen, da ihre Teilung schneller abläuft als bei gesunden Zellen.

Mitoxantron ist in der Lage, seine Wirkung einerseits gegen wachsende Zellen und andererseits gegen Zellen im Ruhezustand zu entfalten. Dabei hängt sein Wirkeffekt nicht vom Status der Zellteilung ab. Innerhalb des Zellzyklus entfaltet das Zytostatikum sich in der Phase, in der sich die Erbsubstanz der neuen Zelle zusammensetzt.

Die Schädigung der Erbsubstanz durch Mitoxantron erfolgt auf unterschiedliche Weise. So sorgt das Zytostatikum dafür, dass der Aufbau der Erbsubstanz gehemmt wird. Nach deren Verknäulen findet das Brechen der DNA-Stränge statt.

Darüber hinaus entsteht ein Überschuss an RNA. Dabei handelt es sich um Moleküle, die für die Beschaffung von Bausteinen der Erbsubstanz verantwortlich sind. Auf diese Weise bilden sich mehrere identische DNA-Ketten, was wiederum den Tod der Zelle nach sich zieht.

Mitoxantron kann sich aber nicht nur negativ auf Krebszellen auswirken, sondern auch auf Bakterien, Viren und Parasiten. Dadurch lässt sich die Immunabwehr des menschlichen Körpers unterstützen.

Im Unterschied zu den Anthrazyklinen, die oftmals zur Behandlung von Krebs zum Einsatz gelangen, verfügt Mitoxantron nur über eine gering ausgeprägte Neigung zur Herstellung von freien Radikalen innerhalb des Gewebes. Gleiches gilt für die Oxidation von Blutfetten. Diese Vorgänge sorgen dafür, dass sich die Anthrazykline schädlich auf die Funktionen des menschlichen Herzens auswirken. So weist Mitoxantron diesbezüglich weniger Nebenwirkungen auf als die Anthrazykline.

Da Mitoxantron intravenös verabreicht wird, liegt seine Bioverfügbarkeit bei 100 Prozent. Es besteht eine Proteinbildung von 78 Prozent. Die Gewebeverteilung des Zytostatikums ist nach der intravenösen Verabreichung sehr hoch ausgeprägt. Die Verstoffwechselung des Wirkstoffes findet über mehrere Cytochrom P450-Enzyme statt. Die Ausscheidung erfolgt über Urin und Stuhl.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Mitoxantron eignet sich für mehrere Anwendungsgebiete. Dazu gehören unterschiedliche Krebserkrankungen wie fortgeschrittener Brustkrebs, der mit der Bildung von Metastasen (Tochtergeschwülsten) einhergeht, akute myeloische Leukämie (Blutkrebs), bösartiger Lymphdrüsenkrebs (Non-Hodgkin-Syndrom) sowie fortgeschrittener Prostatakrebs, der sich nicht mit Hormonen behandeln lässt.

Abgesehen vom Brustkrebs wird Mitoxantron stets gemeinsam mit anderen Krebsmitteln verabreicht. Im Falle von Prostatakrebs kann auch eine Kombination mit Glukokortikoiden in niedriger Dosierung vorgenommen werden. Auf diese Weise soll eine Linderung der Schmerzen erfolgen, die sich durch Analgetika oder Bestrahlungen nicht mehr gewährleisten lässt.

Ein weiteres Anwendungsgebiet von Mitoxantron stellt die Multiple Sklerose (MS) dar. Dabei dient das Zytostatikum zur Therapie der sekundär chronischen Multiplen Sklerose. Außerdem eignet es sich zum Bekämpfen der schubförmigen MS, die rasch voranschreitet. Studien ergaben durch Mitoxantron eine deutliche Senkung der Schubrate.

Verabreicht wird Mitoxantron immer durch eine intravenöse Infusion. Gegen mögliche Übelkeit kann außerdem Ondansetron gegeben werden, was ebenfalls intravenös erfolgt.

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Risiken & Nebenwirkungen

Die Darreichung von Mitoxantron ist nicht selten mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden. In den meisten Fällen kommt es zu Haarausfall, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Schwächegefühlen und Müdigkeit.

Bei weiblichen Patienten bleibt die Regelblutung aus, während bei Männern eine unzureichende Samenbildung zu verzeichnen ist.

Weitere mögliche Nebeneffekte sind ein Mangel an weißen Blutkörperchen, Herzrhythmusstörungen, eine Entzündung der Mundschleimhaut, Überempfindlichkeitsreaktionen, Atemprobleme, eine verringerte Pumpleistung des Herzens, Störungen der Leberfunktion, bläulich verfärbter Urin, Bauchschmerzen, Verstopfung, Appetitlosigkeit und Durchfall.

Seltener zeigen sich eine Herzmuskelschwäche, ein Herzinfarkt, ein Mangel an Blutplättchen, Magen-Darm-Blutungen, Brustschmerzen, die Verweigerung von Nahrung, Anämie (Blutarmut) sowie eine bläuliche Verfärbung von Venen und Nägeln.

Als Kontraindikation von Mitoxantron gilt eine Überempfindlichkeit gegen den Arzneistoff. Ein sorgfältiges Abwägen zwischen Risiko und Nutzen der Behandlung ist erforderlich, wenn beim Patienten Infektionen, schwere Nieren- bzw. Leberfunktionsstörungen, ausgeprägte Herzerkrankungen oder ein Mangel an sämtlichen Blutzellen vorliegen. Gleiches gilt bei einer vorherigen Behandlung mit Anthrazyklinen, da diese das Herz in Mitleidenschaft ziehen können.

Von einer Anwendung des Zytostatikums sollte auch während der Schwangerschaft abgesehen werden. Außerdem empfiehlt sich bei einer Mitoxantron-Therapie eine konsequente Verhütung. So kann das Erbgut durch das Mitoxantron geschädigt werden, was sich negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirkt. Ebenso muss das Stillen des Babys bei einer Behandlung mit dem Zytostatikum unterbleiben. Auch Männern wird geraten, im Rahmen einer Mitoxantron-Behandlung bis zu sechs Monate nach Therapieende zu verhüten. Eine Behandlung von Kindern findet nicht statt.

Bei einer gemeinsamen Verabreichung von Mitoxantron und anderen Krebsmedikamenten besteht die erhöhte Gefahr von Nebenwirkungen. Im Falle einer Kombination mit weiteren Zytostatika können mitunter Blutkrebs oder Knochenmarkschädigungen auftreten.

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