Mischgliom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. August 2017
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Ein Oligoastrozytom ist ein Mischgliom, das sowohl Anteile eines Oligodendroglioms als auch Anteile eines Astrozytoms aufweist. Die Gehirntumore rufen allgemeine Hirndruckzeichen hervor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Oligoastrozytom?

Das Oligoastrozytom ist eine Mischform aus einem Astrozytom und einem Oligodendrogliom. Das Oligodendrogliom, früher auch Oligodendrozytom genannt, ist ein Tumor, der von den Oligodendrozyten ausgeht. Er gehört damit zu den neuroepithelialen Tumoren. Die Oligodendrozyten sind Zellen der Glia. Glia ist ein Sammelbegriff für alle Zellen im Nervengewebe, die keine Nervenzellen sind.

So übernehmen die Gliazellen häufig Stütz- und Haltefunktionen im Nervensystem. Astrozytome sind die häufigsten Tumore im Gehirn. Sie treten überwiegend im mittleren Lebensalter auf und entspringen den Astrozyten. Astrozyten gehören ebenso wie die Oligodendrozyten zu den Gliazellen und damit zum Stützgewebe.

Oligodendrogliome, Astrozytome und damit auch die Oligoastrozytome gehören zu den Gliomen. Gliome sind Tumor des Zentralnervensystems. In den meisten Fällen treten sie im Gehirn auf, sie können aber auch im Rückenmark und im Bereich der Hirnnerven entstehen.

Ursachen

Grafische Illustration und Infogramm einer typischen Krebszelle.

Die Ursache von Oligoastrozytomen ist noch unbekannt. Einzelne Fälle zeugen davon, dass die Tumore nach ZNS-Bestrahlungen oder Hirnverletzungen auftreten. Sie entwickeln sich in diesen Fällen scheinbar aus dem Narbengewebe. Auch bei Multipler Sklerose wurden Oligoastrozytome beobachtet. Es wird zudem diskutiert, ob es eine genetische Veranlagung für Oligoastrozytome gibt. Die Befundlage zu dieser Hypothese ist widersprüchlich.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das häufigste Symptom des Oligoastrozytoms ist der epileptische Anfall. Er tritt bei mehr als 50 Prozent der Patienten auf und geht auf die Infiltration und die Schädigung benachbarter Nervenzellen zurück. Da der Tumor im Schädel stetig wächst, erhöht sich der Hirndruck. Weitere Symptome des Oligoastrozytoms sind deshalb Zeichen des erhöhten Hirndrucks.

Zu den Hirndruckzeichen gehören Übelkeit und Erbrechen. Die Patienten leiden unter teils sehr starken Kopfschmerzen und unter Müdigkeit. Sie sind unruhig und haben einen verlangsamten Herzschlag. Der Blutdruck ist hingegen erhöht. Mithilfe dieses sogenannten Druckpulses versucht der Körper die Durchblutung trotz des gesteigerten Hirndrucks weiter zu gewährleisten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Mithilfe eines Ophtalmoskops kann eine Stauungspapille diagnostiziert werden. Eine Stauungspapille ist eine Flüssigkeitsansammlung an der Einmündung des Sehnervs in die Netzhaut. In der Augenspiegelung wird dieses Ödem als Anschwellung des Sehnervenkopfes sichtbar. In der Regel liegt die Stauungspapille beidseitig vor.

Wenn die Symptomatik nicht frühzeitig erkannt wird und der Hirndruck weiter ansteigt, kommt es zu Störungen des Bewusstseins. Im schlimmsten Fall fallen die Patienten ins Koma. Persönlichkeitsveränderungen können auch ein Zeichen für ein Oligoastrozytom sein. Schon Jahre vor der Diagnosestellung zeigen sich zudem neurologische Zeichen wie Kopfschmerzen, Lähmungen oder Störungen der Hirnnervenfunktion.

Beispielsweise haben die Betroffenen leichte Sehstörungen, Schwindelanfälle oder Probleme mit dem mimischen Ausdruck. Die fünf-Jahres-Überlebensrate bei Männern mit einem Oligoastrozytom liegt bei 40 bis 50 Prozent. Nach zehn Jahren leben noch 20 bis 30 Prozent der Patienten. Bei Frauen ist die Prognose etwas besser. Hier liegt die fünf-Jahres-Überlebensrate bei 65 Prozent. Nach zehn Jahren leben noch 40 Prozent der Patientinnen.

Bei Verdacht auf ein Oligoastrozytom kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Als primäres Verfahren dient die Magnetresonanztomografie (MRT) ohne und mit Kontrastmittelgabe. Oft gleichen die Untersuchungsbefunde den Befunden bei einem Hirninfarkt. Die Computertomografie zeigt unscharfe Hypodensitäten oder Ödeme. Auch zystische Formationen können auftreten.

Bei der Untersuchung mit Kontrastmittel zeigen sich runde Masseneffekte mit Anreicherung von Kontrastmittel. Patienten, bei denen sich das Kontrastmittel während der Untersuchung im Tumor anreichert, haben ein deutlich erhöhtes Rezidivrisiko. Weder der Liquorbefund noch die Hirnangiografie sind auffällig. Im Positronen-Emissions-Scan des Glucose-Stoffwechsels imponiert das Oligoastrozytom als kalter Knoten. Das Gewebe hat also einen verminderten Energie- und Stoffumsatz.

Innerhalb der kalten Knoten erscheinen manchmal heiße Knoten mit einem erhöhten Energieumsatz. Histologisch kann nur sehr schwer eine Grenze zwischen den astrozytären und zwischen den oligodendrialen Komponenten gezogen werden. Auch die Graduierung nach der WHO-Definition ist bei Oligoastrozytomen nur schwer möglich. So gilt eine Mitose bei einem Astrozytom normalerweise als Grund, den Tumor als Grad III einzustufen.

Bei Oligodendrogliomen können mehrere Mitosen auftreten und der Tumor wird trotzdem nur als Grad II eingestuft. Da das Oligoastrozytom eine Mischform beider Tumore ist, unterscheiden sich die Einstufungen je nach Neuropathologe. Da die Einstufungen unterschiedliche therapeutische Konzepte erfordern, ist die diagnostische Unterscheidung eigentlich sehr wichtig.

Komplikationen

Durch den Tumor im Gehirn kommt es im Allgemeinen zu den gewöhnlichen Beschwerden eines Tumors. In der Regel kann sich dieser auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und das gesunde Gewebe dort ebenfalls beschädigen. Die Lebenserwartung des Patienten wird in den meisten Fällen durch das Mischgliom deutlich verringert.

Weiterhin leiden die Patienten an epileptischen Anfällen und an starken Kopfschmerzen. Diese Schmerzen schränken die Lebensqualität deutlich ein und führen zu Erbrechen und zu einer Übelkeit. Ebenso kommt es zu einer verringerten Belastbarkeit und zu einer Müdigkeit des Patienten. Die Betroffenen wirken unruhig und leiden an einer langsamen Atmung. Dabei kann es auch zu einem Bewusstseinsverlust kommen.

Die Beschwerden können auch zum Herztod führen. Nicht selten kommt es auch zu Veränderungen der Persönlichkeit oder zu einem Koma. Die Betroffenen leiden weiterhin an Schwindel und an Sehstörungen. Auch bei den Angehörigen kann es durch die Beschwerden des Mischglioms zu psychischen Störungen und zu Depressionen kommen.

Die Behandlung des Tumors erfolgt durch eine Strahlentherapie oder durch eine Chemotherapie. Dabei kommt es nicht zu Komplikationen, wobei eine Chemotherapie in der Regel mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden ist. Ob es zu einer Verringerung der Lebenserwartung kommt, kann in der Regel nicht im Allgemeinen vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Bei der Therapie steht die operative Entfernung im Vordergrund. Früher wurden die Tumore so früh wie möglich operiert. Da heute die Diagnosestellung durch die verbesserten Diagnoseverfahren oft schon erfolgt bevor Symptome vorliegen, wird mittlerweile dafür plädiert erst zu operieren, wenn neurologische Ausfälle vorliegen. Studien haben gezeigt, dass sich bei Patienten, die vor der Operation mit der Strahlentherapie behandelt werden, die Überlebensrate steigert.

Allerdings können bei einer Ganzkopfbestrahlung auch Strahlennekrosen des Hirngewebes entstehen. Die Chemotherapie hat bei der Behandlung der Oligoastrozytome keine Bedeutung. Hauptursache für ein Versagen in der Therapie ist die Ausbildung eines lokalen Rezidivs. Wenn der Tumor nach der Entfernung wieder wächst, wird zunächst eine Biopsie durchgeführt. Anschließend erfolgen engmaschige radiologische Kontrollen. Bei einem weiteren Wachstum wird eine weitere Resektion notwendig.

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Vorbeugung

Die genaue Entstehung des Oligoastrozytoms ist ungeklärt, sodass es derzeit auch keine Prävention gibt. Wenn Kopfschmerzen über einen längeren Zeitraum auftreten oder wenn neurologische Ausfälle zu beobachten sind, sollte zur Abklärung ein Arzt aufgesucht werden. Je früher das Oligoastrozytom behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Bücher über Gehirntumor

Quellen

  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014
  • Sauer, R.: Strahlentherapie und Onkologie. Urban & Fischer, München 2009

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