Mirror-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2017
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Das Mirror-Syndrom ist ein Krankheitsbild, das sich während der Schwangerschaft manifestieren kann. Die Kardinalsymptome sind Ödeme, fetaler Hydrops und Bluthochdruck bei der Mutter. Als Ursache kommen verschiedene Grunderkrankungen in Betracht, von denen die Therapie des Syndroms abhängt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Mirror-Syndrom?

Beim Mirror-Syndrom handelt es sich um eine Reihe von Symptomen, die bei Frauen während der Schwangerschaft auftreten können. Die Kernsymptome sind Wassereinlagerungen im Körper der Mutter (Ödeme) und im Körper des Fötus (Hydrops). Die Erkrankung ist sehr selten: Die Fachliteratur beschreibt deutlich weniger als 100 Fälle.

Forscher gehen jedoch davon aus, dass praktizierende Ärzte das Mirror-Syndrom häufig nicht als solches diagnostizieren. Da Wassereinlagerungen in den Beinen – vor allem in den Waden und Füßen – bei Frauen sehr häufig während der Schwangerschaft auftreten, erregen sie in der Regel keinen Verdacht. Darüber hinaus ähnelt das klinische Bild sehr stark der Erscheinung ähnlicher Syndrome.

Das Mirror-Syndrom geht auf das englische Wort für „Spiegel“ zurück. Das Krankheitsbild verdankt seinen Namen dem Umstand, dass die mütterlichen Ödeme und der fetale Hydrops einander widerspiegeln. Der schottische Arzt John Williams Ballantyne beschrieb das Krankheitsbild als Erster. Gelegentlich taucht in der medizinischen Fachliteratur deshalb auch die Bezeichnung Ballantyne-Syndrom auf.

Ursachen

Als Ursache für das Mirror-Syndrom kommen verschiedene Erkrankungen infrage. Die genauen Mechanismen, die zur Entstehung des Krankheitsbildes führen, bedürfen noch weiterer Erforschung. Eine potenzielle Ursache für das Mirror-Syndrom ist eine Rhesus-Inkompatibilität. Der Rhesusfaktor ist eine Eigenschaft des Blutes. Bei Rhesus-positiven Personen besitzen die roten Blutkörperchen das Rhesusfaktor-Antigen.

Vermischen sich Rhesus-positives und Rhesus-negatives Blut, kommt es zu einer Immunreaktion und der Körper baut fälschlicherweise die roten Blutkörperchen ab. Normalerweise sind der Blutkreislauf der Mutter und des ungeborenen Kindes durch die Plazentaschranke voneinander getrennt; rote Blutkörperchen sind zu groß, um diese Barriere zu überwinden. Minimale Verletzungen, Infektionen und andere Umstände können die Durchlässigkeit der Plazentaschranke allerdings erhöhen, sodass mütterliches und fetales Blut direkt in Berührung kommen.

Die Rhesus-Inkompatibilität führt auf diese Weise zu einer hämolytischen (blutauflösenden) Anämie. Das Mirror-Syndrom ist lediglich eine symptomatische Folge. Eine weitere mögliche Ursache für das Mirror-Syndrom sind virale Infektionen und Missbildungen. Sie können dazu führen, dass der Organismus Wasser einlagert oder eindringende Flüssigkeit nicht aus dem Gewebe pumpen kann.

Darüber hinaus kommt beim Mirror-Syndrom das fetofetale Transfusionssyndrom als Grunderkrankung infrage. Dabei handelt es sich um eine Störung der Durchblutung und Ernährung, die bei eineiigen Zwillingen auftreten kann. In der Regel führt sie dazu, dass einer der Zwillinge sich schlechter entwickelt.

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Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Für das Mirror-Syndrom ist das gleichzeitige Auftreten von Wassereinlagerungen bei der Mutter und dem Fötus charakteristisch. Die Ödeme der Mutter können unterschiedlich stark ausgeprägt sein – wie auch der Hydrops des Fötus. Es existiert keine spezifische Schwelle. Schwangere mit Mirror-Syndrom weisen außerdem einen erhöhten Blutdruck (Hypertonus) auf.

Dieser äußert sich möglicherweise in Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Nasenbluten und Schlafstörungen. Vor allem in besonders schweren Fällen können auch Sehstörungen, starker Durst und Schwierigkeiten bei der Atmung auftreten. Bluthochdruck verläuft in vielen Fällen jedoch ohne spürbare Symptome. Viele dieser Beschwerden zeigen sich auch unabhängig davon während einer Schwangerschaft, was die Diagnostik des Mirror-Syndroms erschwert.

Ein anderes Anzeichen für das Krankheitsbild ist das übermäßige Ausscheiden von Eiweißen durch den Urin (Proteinurie). Rund 20 Prozent aller Frauen leiden in der Schwangerschaft unter Proteinurie; das Mirror-Syndrom ist hingegen viel seltener. Das Auftreten eines einzelnen Symptoms muss deshalb nicht zwingend bedeuten, dass das Mirror-Syndrom vorliegt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ärzte diagnostizieren das Mirror-Syndrom, indem sie in sorgfältigen Untersuchungen die einzelnen Symptome nachweisen. Zur Feststellung des fetalen Hydrops ist mindestens eine Ultraschall-Untersuchung erforderlich. Das geschwollene Gewebe ist im Ultraschallbild oft sichtbar. Für die Diagnostik der Proteinurie sammeln Schwangere ihren Urin über 24 Stunden hinweg.

Das Labor kann anschließend die Eiweißmenge im Sammelurin bestimmen. Normal sind 50–150 mg. Differentialdiagnostisch müssen Ärzte eine Präeklampsie ausschließen. Die Schwangerschaftsvergiftung kann ähnliche Symptome hervorrufen wie das Mirror-Syndrom. Des Weiteren müssen Ärzte eine Verwechslung mit dem HELLP-Syndrom ausschließen. Die korrekte Diagnose ist Voraussetzung für eine effektive Behandlung.

Komplikationen

Das Mirror-Syndrom stellt selber eine Komplikation in der Schwangerschaft dar. Es tritt sehr selten auf und kann meist nur durch einen Schwangerschaftsabbruch behandelt werden. Dabei kann das Leben des Kindes sehr häufig nicht gerettet werden. Die Beschwerden der Mutter verbessern sich nur, wenn die Ursachen der Wassersucht und des Polyhydramnions beseitigt werden können.

Die Prognose für das Kind ist abhängig vom Schwangerschaftsalter und von der zugrunde liegenden Erkrankung. Auch der vorzeitige Tod des Ungeborenen ist möglich. Die Risiken für weitere schwere Komplikationen wachsen mit der Dauer der Schwangerschaft. Daher ist es für das Leben der Mutter und teilweise auch für das Kind notwendig, den Schwangerschaftsabbruch oder die vorzeitige Geburt umgehend einzuleiten.

Bei überlebenden Kindern treten aufgrund der guten medizinischen Betreuung heute seltener Spätschäden auf als früher. Allerdings kann der Auslöser auch eine erblich bedingte Missbildung sein. In diesen Fällen leidet das überlebende Kind immer unter einer Behinderung. Seltene Komplikationen bei der Mutter sind starker Abfall des Hämoglobins, Kreislaufzusammenbrüche und Herzinsuffizienz.

Diese Beschwerden sind häufig gleichzeitig mit dem Absterben des Embryos verbunden. Aufgrund der Rechtsherzinsuffizienz kann es auch zu einem Lungenödem und Pleuraergüssen kommen, die auch tödlich enden können. Aufgrund der unterschiedlichen Ursachen und der Seltenheit des Mirror-Syndroms ist keine allgemeingültige Aussage über die Prognose dieser Komplikation möglich.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In der Regel muss die werdende Mutter beim Auftritt des Mirror-Syndroms auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen und eine Behandlung durchführen lassen. Leider endet die Behandlung in den meisten Fällen mit einem Abbruch der Schwangerschaft, sodass das Kind nicht mehr gerettet werden kann. In vielen Fällen verstirbt das Ungeborene schon sehr früh. Falls die Schwangerschaft schon vorangeschritten ist, muss der Arzt beim Mirror-Syndrom eine vorzeitige Geburt einleiten. Damit wird das Leben der Mutter und das Leben des Kindes gerettet. Da es beim Mirror-Syndrom zu sehr schwerwiegenden Komplikationen kommen kann, ist eine dringende Behandlung notwendig.

Die Mutter sollte den Arzt dann aufsuchen, wenn während der Schwangerschaft die Symptome des Mirror-Syndroms auftreten. Dazu zählen zum Beispiel starke Kopfschmerzen, Schwindel und Nasenbluten. Auch Sehstörungen und Schlafstörungen können auftreten. Vor allem macht sich das Mirror-Syndrom durch einen starken Durst und durch Probleme beim Atmen bemerkbar. Sollten diese Symptome während einer Schwangerschaft auftreten, so muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Mirror-Syndrom hängt von der Grunderkrankung ab. Zur Therapie der Rhesus-Inkompatibilität ist unter Umständen eine Bluttransfusion erforderlich. Die Schwangere erhält dabei Blut, das von einem Spender stammt. Die Bluttransfusion kann bis zu einem begrenzten Maß die roten Blutkörperchen ersetzen, die der Körper in der Hämolyse fälschlicherweise abbaute. Nach der Geburt ist für das Kind häufig eine intensivmedizinische Versorgung notwendig.

Da sich in der Lunge ebenfalls Flüssigkeit angesammelt haben kann, muss die Atmung unter Umständen künstlich unterstützt werden. Auch in den Hohlräumen des Herzens kann sich Wasser einlagern. Punktion des betroffenen Gewebes und andere eventuelle Maßnahmen helfen dabei, die überschüssige Flüssigkeit zu entfernen. Auch das Neugeborene muss möglicherweise eine Bluttransfusion erhalten.

Abhängig vom Gesundheitszustand der Mutter und des Kindes kann es beim Mirror-Syndrom ratsam sein, wenn die Geburt möglichst früh stattfindet. Im Normalfall ist eine frühe Geburt mit höheren Risiken verbunden: Beim Mirror-Syndrom können die Risiken der Frühgeburt unter Umständen jedoch geringer sein als die Risiken, die bei diesem Krankheitsbild mit einer normal-langen Schwangerschaft verbunden sind. Ärzte und Eltern müssen im Einzelfall abwägen, was das Beste für Mutter und Kind ist.

Aussicht & Prognose

Als Komplikation einer Schwangerschaft ist das Mirror-Syndrom äußerst bedenklich. Glücklicherweise tritt es nur sehr selten auf, denn es kann auch heute noch oft nur durch den Abbruch der Schwangerschaft behandelt werden. Das Leben des Kindes ist dabei in der Regel leider nicht zu retten und auch die Beschwerden der Mutter verschwinden nur, wenn die Auslöser des Polyhydramnions und der Wassersucht eliminiert werden können. Die Prognose für das Ungeborene hängt vom Schwangerschaftsmonat und dem auslösenden Krankeitsbild ab.

In den meisten Fällen stirbt das Baby vorzeitig, denn je länger die Risikoschwangerschaft andauert, umso schwerer werden die Komplikationen. Deshalb ist es für das Leben von Mutter und Kind zwingend nötig, sich für einen Schwangerschaftsabbruch oder eine vorzeitige Geburt zu entscheiden. Überlebt das Baby diesen Schritt, sind die Aussichten dank der verbesserten medizinischen Betreuung heutzutage relativ gut, da seltener Spätschäden auftreten.

Ist eine Erbkrankheit ursächlich für das Mirror-Syndrom, ist das Neugeborene mit hoher Wahrscheinlichkeit behindert. Doch nicht nur für das Baby bedeutet das Mirror-Syndrom schlimme Konsequenzen, auch die Mutter erleidet Komplikationen wie einen starken Abfall ihres Hämoglobinspiegels, einen Kreislaufzusammenbruch oder eine Herzinsuffizienz. Diese Symptome stehen häufig mit dem unmittelbaren Verlust des Embryos in Verbindung.

Liegt zudem eine Rechtsherzinsuffizienz vor, kann es bei der Schwangeren zu Pleuraergüssen oder einem Lungenödem kommen, die beide fatal enden können. Aus medizinischer Sicht lässt sich jedoch aufgrund der unterschiedlichen Auslöser und der geringen Anzahl an bekannten Fällen keine verbindliche Aussage über die Prognose des Mirror-Syndroms tätigen ohne die Betroffene zu untersuchen.

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Vorbeugung

Da es sich beim Mirror-Syndrom nicht um eine eigenständige Erkrankung handelt, sondern um eine Folge verschiedener Ursachen, ist eine generelle Vorbeugung nicht möglich. Die Komplikationen infolge der Rhesus-Inkompatibilität können durch Medikamente häufig kontrolliert werden, bevor sich das Mirror-Syndrom entwickelt.

Das können Sie selbst tun

Da keine kausale Therapie besteht, sollten sich die erkrankten Frauen auf ihre psychische Verfassung fokussieren. Aufgrund der spezifischen Folgen des Mirror-Syndroms kann es zum Absterben der Leibesfrucht, also auch zu Todgeburten kommen. Dieser Umstand ist für werdende Eltern nur schwer zu verkraften. Deshalb kann es ratsam sein, die Hilfe von Beratungsstellen in Anspruch zu nehmen. Sofern innerhalb einer Beziehung Schwierigkeiten auftreten, kann auch eine Paartherapie ratsam sein. Denn gerade dem partnerschaftlichen Zusammenhalt kommt eine erhebliche Bedeutung zu.

Darüber hinaus sollten die betroffenen Frauen die grundsätzlichen Verhaltensregeln einer Schwangerschaft verstärkt beachten. Vor allem gegen Ende der Schwangerschaft sind plötzliche Bewegungen zu vermeiden.

Ferner ist es hilfreich, einen gesunden Lebensstil zu führen. Zwar kann hierdurch keine kausale Verringerung des Komplikationsrisikos erreicht werden. Allerdings führt ein gesunder Lebensstil zu einer merkbaren Stärkung des Körpers, was die Wundheilungsfähigkeiten und die physische Widerstandsfähigkeit verbessert.

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Quellen

  • Haag, P., Hanhart, N., Müller, M.: Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 263. Auflage. De Gruyter, Berlin 2011

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