Minor-Test

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Der Minor-Test dient dem Sichtbarmachen vermehrter Schweißbildung am menschlichen Körper. Dabei wird eine speziell abgemischte Jodlösung gleichmäßig auf die Haut gepinselt.

Meist handelt es sich um eine Mischung aus Jod beziehungsweise Kaliumjodid, Glycerin oder Rizinus sowie Alkohol. Sobald die Lösung eingetrocknet ist, wird sie mit einem Stärkepulver oder Chinizarin überpudert. Im nächsten Schritt wird durch Verabreichen von Aspirin oder Lindenblütentee starkes Schwitzen herbeigeführt. Körperstellen mit besonders starker Schweißbildung verfärben sich daraufhin blau bis schwarz.

Es entstehen kleine Punkte auf weißem Grund, die sich mit der Zeit vergrößern und ineinander verfließen (konfluieren). Die Methode wird besonders dann angewendet, wenn Patienten unter erhöhter Schweißdrüsenaktivität im Achselbereich leiden. Dort ist dann die Verfärbung besonders auffällig. Oft verweist der Minor-Test auch auf vermehrtes Transpirieren an den Händen. Der Jod-Stärke-Test ist 1928 eingeführt worden und nach seinem Erstanwender Minor benannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Minor-Test?

Die verwendete Chemikalienmischung wird auch Lugolsche Lösung genannt. Sie wurde bereits 1835 von dem französischen Arzt Jean Guillaume Lugol erfunden. Ihr lateinischer Name ist Solutio Lugoli. In ihrer ursprünglichen Form handelt es sich um eine Lösung von Jod in Wasser, der Kaliumjodid zugegeben wurde.

Die Lugolsche Lösung wird für äußerst verschiedene Zwecke in der Chemie und der Medizin eingesetzt, so unter anderem zum Nachweis von Chitin oder Alkaloiden und als Desinfektionsmittel. Sie ist bräunlich-rot gefärbt und weist den typischen Jodgeruch auf. Das klassische Mischungsverhältnis ist 1:2 Jod zu Kaliumjodid in Wasser. Die Farbreaktion bei dem Minor-Test auf der Haut basiert auf der Einlagerung von Jodionen in Stärkemoleküle. Als Modifikation des Minor-Tests ist das Verfahren nach Achenbach bekannt, bei dem stärkehaltiges Papier verwendet wird, das mit Jodkristallen imprägniert ist.

Wird dieses Papier auf stark schwitzende Hautgebiete gelegt, verfärbt es sich entsprechend. Dieser modifizierte Test wird in bestimmten zeitlichen Abständen wiederholt, um eine Verbesserung der Situation zu verdeutlichen. Tritt diese ein, verkleinert sich das blau bis schwarz verfärbte Areal mit der Zeit. Der Minor-Test ist bis heute führendes Verfahren zur Verifizierung einer Hyperhidrose, der übermäßigen Schweißproduktion. Sie kann lokal, besonders unter den Armen, an den Händen und den Füßen auftreten, aber auch den gesamten Körper inklusive des Gesichts betreffen.

Beim Durchführen des Minor-Tests kommt es entscheidend darauf an, das übermäßig schwitzende Hautgebiet gründlich zu trocken, ehe die Lugolsche Lösung aufgebracht wird. Nur so ist das genaue Sichtbarmachen der betroffenen Körperareale möglich. Ergänzend kann die Gravimetrie verwendet werden, um die Menge des Schweißes, die in einer bestimmten Zeit abgesondert wird, exakt zu bestimmen. Hier kommt ein spezielles Filterpapier zum Einsatz, das den Schweiß aufsaugt. Gewogen wird er sodann mit einer ultrafeinen Waage. Jedoch sind für das Ergebnis keine Grenzwerte festgesetzt, die Bedeutung für eine mögliche Behandlung haben könnten.

Funktion, Wirkung & Ziele

Von einer Hyperhidrose sind schätzungsweise ein bis zwei Prozent der gesamten Bevölkerung in Deutschland betroffen. Diese Erkrankung tritt in aller Regel unabhängig von der Temperatur und der Tages- oder Jahreszeit auf.

Die kräftige Schweißabsonderung lässt sich ohne Hilfsmittel nicht bewusst steuern. Starkes Schwitzen spielt sich zu 60 Prozent an den Händen und Füßen, 40 Prozent in den Achselhöhlen und zehn Prozent am Kopf beziehungsweise an der Stirn ab. Für den Betroffenen ist das übermäßige Schwitzen stets von der subjektiven Einschätzung sowie dem persönlichen Leidensdruck bestimmt. In der Wissenschaft wird unter einer Hyperhidrose die Produktion von insgesamt 100 Milligramm Schweiß in einer Achselhöhle im Zeitraum von fünf Minuten verstanden. Von solchen Werten abgesehen: Das Schwitzen ist lebenswichtig für den menschlichen Organismus, weil es zur Regulierung der Körpertemperatur beiträgt. Nicht nur die Haut wird abgekühlt, sondern ebenso das Körperinnere inklusive aller Organe.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die übermäßige Schweißproduktion kann angeboren sein und wird in diesem Falls als primäre Hyperhidrose bezeichnet. Diese macht sich gewöhnlich schon im Kindes- bis Jugendalter bemerkbar, tritt unvorhersehbar auf und ist nicht zu kontrollieren.

Die sekundäre Hyperhidrose dagegen ist immer die Folge einer Erkrankung, zumeist des Kreislaufs. Bei der sogenannten Bromhidrose befeuchtet der überschüssige Schweiß die Hornschicht der Haut und trägt so zur Vermehrung von Keimflora bei, was einen unverkennbaren Übelgeruch herbeiführt. Bezogen auf die Achselhöhlen kann der Minor-Test hier wertvolle Aufschlüsse über das Ausmaß einer Hyperhidrose geben. Sie wird als stark klassifiziert, wenn die Schwitzflächen unter den Armen größer als 20 Zentimeter sind sowie der Schweiß von den Hand- und Fußflächen abtropft. Darüber hinaus tritt eine generalisierte Hyperhidrose auf, beispielsweise bei großer körperlicher Anstrengung oder im Laufe des sogenannten Abfieberns.

In beiden Fällen ist hier das Schwitzen eine Regulierung der Körpertemperatur, die sich über das normale Maß hinaus erhöht hat. Durch die vermehrte Schweißproduktion wird so übermäßige Wärme an die Umwelt abgegeben. Keinen Aufschluss gibt der Minor-Test jedoch über die Gründe des wiederholten starken Schwitzens. Beispielsweise kann eine Hyperhidrose hormonelle Ursachen haben. Diese haben unter Umständen mit den Wechseljahren, einer Schilddrüsenüberfunktion oder in selteneren Fällen mit Adrenalin ausstoßenden Tumoren zu tun. Kreislaufschwächen sowie noch häufiger Übergewicht sind außerdem natürliche Gründe für die andauernde vermehrte Schweißabsonderung. Oft wird diese noch durch psychische Probleme oder Störungen sowie speziell belastende Stressfälle verstärkt.

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Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016
  • Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2016
  • Netter, F.H.: Netters Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2009

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