Minimaler Bewusstseinszustand (MCS)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
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Ein minimaler Bewusstseinszustand (MCS) ist nicht zu verwechseln mit einem Wachkoma, obwohl sich beide Erkrankungen sehr ähneln. Betroffene erscheinen zeitweilig wach, da die Augen geöffnet und Bewegungen als auch ein Minenspiel vorhanden sind. Ein minimaler Bewusstseinszustand kann vorübergehend als auch dauerhaft sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein minimaler Bewusstseinszustand?

Ein minimaler Bewusstseinszustand (MCS) - auch als Minimal Concious State bezeichnet - ist ein Dämmerzustand, der dem des Wachkomas sehr ähnlich ist.

Im Gegensatz zum Wachkoma jedoch, reagieren die Betroffenen gelegentlich auf äußere Reize, wie z. B. Berührungen, Töne oder Lichteffekte. Der minimale Bewusstseinszustand wird vom vegetativen Nervensystem gesteuert, welches unabhängig vom Großhirn funktioniert, so dass immer noch ein Schlaf-Wach-Rhythmus vorhanden ist.

Ein minimaler Bewusstseinszustand kann sich aus einem Koma oder auch aus einem Wachkoma entwickeln. Es kann vorübergehend sein, jedoch nach ca. 12 Monaten verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Betroffene aus dem minimalen Bewusstseinszustand wieder erwacht und es geht in einen Dauerzustand über.

Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für einen minimalen Bewusstseinszustand. Bei einem MCS liegt eine Störung in der Großhirnfunktion vor. Diese wird oftmals als Folge von Erkrankungen oder durch Verletzungen ausgelöst.

Folgende Erkrankungen oder Störungen im Gehirn können zu einem minimalen Bewusstseinszustand führen: Apoplex (Schlaganfall), Schädel-Hirn-Trauma, Epilepsie, Meningitis, Enzephalitis, Tumore, Gehirnblutungen.

Aber auch Stoffwechselerkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus, Leberfunktionsstörungen, Schilddrüsenerkrankungen und Nierenerkrankungen können ein Auslöser für den minimalen Bewusstseinszustand sein. Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen können auch Alkohol- und Drogenmissbrauch einen minimalen Bewusstseinszustand auslösen.

Ein MCS tritt nicht sofort ein. Wenn die o. g. Ursachen einen schweren Verlauf nehmen und die Patienten ins Koma fallen, kann sich aus diesem ein minimaler Bewusstseinszustand entwickeln.

Typische Symptome & Anzeichen

  • Augen sind meist geöffnet
  • Patient kann nicht allein essen und trinken
  • Patient kann nicht mit der Außenwelt kommunizieren
  • Bewusstsein scheint sich in einer Art Schlaf oder Dämmerzustand zu befinden
  • Inkontinenz (Harninkontinenz)
  • Stuhlinkontinenz
  • Patient bedarf kompletter Fürsorge

Diagnose & Verlauf

Diagnostiziert wird der minimale Bewusstseinszustand von Neurologen. Die Diagnostik gestaltet sich äußerst schwierig, da sich MCS und Wachkoma zum Verwechseln ähnlich sind. Um einen minimalen Bewusstseinszustand zu diagnostizieren, werden bildgebende Verfahren eingesetzt.

Neben einem regulären MRT und CT, kommt auch eine sog. funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) zum Einsatz. Im umgangssprachlichen Bereich wird das fMRT auch als Hirnscanner bezeichnet. Mithilfe dieser Untersuchungsmethode lassen sich die Hirnaktivitäten in den verschiedenen Regionen des Gehirns messen.

Der Verlauf bei einem minimalen Bewusstseinszustand ist nicht vielversprechend. Die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene aus dem MCS aufwachen, ist höher, als ein Aufwachen aus dem Wachkoma. In den ersten Wochen und Monaten ist die Wahrscheinlichkeit noch am größten, dass der Betroffene erwacht. Sind jedoch schon mehr als 12 Monate seit Beginn des MCS vergangen, so wird es immer unwahrscheinlicher, dass der Betroffene erwacht. Der minimale Bewusstseinszustand wird zu einem Dauerzustand.

Erwacht ein Betroffener aus dem MCS, so bleiben i. d. R. schwere Schäden zurück. Je länger das MCS angehalten hat, desto ausgeprägter werden die körperlichen und psychischen Behinderungen sein. Ein minimaler Bewusstseinszustand kann viele Jahre anhalten, bevor der Betroffene schließlich stirbt.

Komplikationen

Der minimale Bewusstseinszustand wirkt sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus und kann zu sehr schweren psychischen Beschwerden oder zu Depressionen führen. Die Betroffenen befinden sich dabei in einem Wachkoma und können nicht mehr alleine essen oder trinken. Sie sind damit in der Regel immer auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen.

Weiterhin sind auch die Augen geöffnet, sodass die Patienten Geschehnisse aus der Außenwelt immer mitbekommen, sich aber nicht aktiv einbringen können. Auch Sprechen in der Regel auch nicht möglich ist. Weiterhin kommt es auch zu einer Inkontinenz des Patienten. Nicht selten sind auch die Eltern, Kinder oder die Angehörigen der Betroffenen durch den minimalen Bewusstseinszustand deutlich betroffen und leiden an starken psychischen Einschränkungen und an depressiven Verstimmungen.

Es kann dabei nicht im Allgemeinen vorausgesagt werden, ob es dabei zu einem positiven Krankheitsverlauf kommen wird oder ob der Betroffene sein gesamtes Leben lang in diesem Zustand verbringen wird. Auch eine gezielte Behandlung des minimalen Bewusstseinszustandes ist in der Regel nicht möglich. Mit verschiedenen Therapien können die Gelenke unterstützt werden, sodass diese nicht versteifen. Die Lebenserwartung selbst wird durch diesen Zustand in den meisten Fällen allerdings nicht verringert oder beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Zu Beginn eines minimalen Bewusstseinszustands erfolgt eine intensivmedizinische Pflege. Danach können die Betroffenen in die Pflegeabteilungen des Krankenhauses oder in spezielle Pflegeeinrichtungen verlegt werden. Des Weiteren ist es auch möglich, dass die Angehörigen zu Hause die Betreuung übernehmen.

Neben einer allgemeinen medizinischen Versorgung und fachgerechten Pflege, sind vor allem physiotherapeutische, ergotherapeutische und logopädische Maßnahmen sinnvoll. Mithilfe der Krankengymnastik, als auch der Ergotherapie, werden die verschiedenen Gliedmaßen bewegt, so dass die Gelenke nicht versteifen.

Des Weiteren werden verschiedene Reize eingesetzt, um das Gehör als auch das Sehfähigkeit anzuregen. Es gibt hierfür spezielle Musiktherapien und die sog. basale Stimulation, bei der mit Sinnesreizen versucht wird, eine Reaktion des Betroffenen zu bewirken.

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Vorbeugung

Einem minimalen Bewusstseinszustand kann man nicht vorbeugen. Es können nur allgemeine prophylaktische Maßnahmen ergriffen werden, im Sinne von Unfallverhütung im Haushalt, am Arbeitsplatz und im Straßenverkehr.

Des Weiteren sind eine gesunde Ernährung und ausreichende körperliche Bewegung eine gute Maßnahme für ein gesundes und langes Leben. Um Krankheiten vorzubeugen bzw. um diese rechtzeitig zu erkennen, ist es sinnvoll, regelmäßig an den Vorsorge- und Gesundheitsuntersuchungen teilzunehmen.

Sollte man wirklich erkranken, so hat man eine gute Ausgangsbasis, um die Krankheit zu besiegen, so dass sich daraus kein minimaler Bewusstseinszustand (MCS) entwickeln kann.

Das können Sie selbst tun

Patienten, die sich im minimalen Bewusstseinszustand befinden, können für sich selbst und die Verbesserung ihrer Lage nur wenig beitragen. Die Angehörigen oder das Pflegepersonal sind dadurch in der Hauptverantwortung, um die Rahmenbedingungen für den Patienten zu optimieren.

Insbesondere die Hygiene und die Schlafbedingungen sind wichtig, um keine zusätzlichen Beschwerden auszulösen. Der Körper des Patienten muss regelmäßig bewegt und gründlich gereinigt werden. Da sich der Erkrankte nicht in der Lage befindet, dieses selbst zu erledigen, sollten helfende Hände diese Aufgaben übernehmen. Der Schlafplatz ist ebenfalls zu reinigen und mit sauberen Schlafutensilien auszustatten. Es gilt das Risiko für die Ausbildung von Bakterien oder anderen Krankheitserregern zu minimieren, da der Patient aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes sehr anfällig für weitere Erkrankungen ist. Die Zufuhr von frischer Luft ist dabei nicht zu vergessen. Diese hat einen fördernden Effekt auf die Atemwege des Patienten.

Mehrere Studien legen nahe, dass die Nähe und Stimme von Angehörigen einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben kann. Daher empfiehlt es sich, mit dem Patienten zu reden oder ihm Geschichten vorzulesen, auch wenn dieser nicht antworten kann. Gleichzeitig sollten die Angehörigen auf ihr eigenes Wohlbefinden achten. Zur Stärkung ihrer mentalen Kraft im Umgang mit der Erkrankung helfen Psychotherapien oder auch Entspannungsverfahren.

Bücher über MCS & Wachkoma

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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