Minimal-Change-Glomerulonephritis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 9. August 2017
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Bei der Minimal-Change-Glomerulonephritis handelt es sich um eine spezielle Art der Glomerulonephritis. Die Erkrankung wird von einigen Ärzten auch mit der Abkürzung MCGN bezeichnet. Die Minimal-Change-Glomerulonephritis stellt eine Krankheit dar, die in erster Linie bei kleinen Kindern vorkommt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Minimal-Change-Glomerulonephritis?

Die Minimal-Change-Glomerulonephritis ist in zahlreichen Fällen der Auslöser für das sogenannte nephrotische Syndrom, an dem manche Kinder erkranken. Mit besonders großer Häufigkeit tritt die Minimal-Change-Glomerulonephritis bei Kindern zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr auf. Etwa 90 Prozent aller Erkrankungen mit diesem Syndrom finden in diesem Alter statt.

Im Vergleich dazu sind es bei erwachsenen Patienten lediglich 10 bis 15 Prozent. Einige Mediziner plädieren dafür, die Minimal-Change-Glomerulonephritis als Minimal-Change-Glomerulopathie zu bezeichnen, da der Krankheit bestimmte Merkmale einer Entzündung fehlen. Grundsätzlich handelt es sich bei der Minimal-Change-Glomerulonephritis um eine Krankheit, die vor allem die Nierenkörperchen betrifft.

Während die Funktionsweise der Nieren in den meisten Fällen bei kindlichen Patienten durch die Erkrankung nicht beeinträchtigt wird, zeigt sich bei einigen erwachsenen Personen eine geringfügige Abnahme der Nierenleistung. In seltenen Fällen kommt es zu einem akuten Versagen des Organs.

Ursachen

Als Ursachen für die Minimal-Change-Glomerulonephritis werden verschiedene Faktoren diskutiert. Im überwiegenden Teil der Fälle handelt es sich um eine idiopathische Erkrankung. Das bedeutet, dass die konkreten Ursachen für die Entstehung der Minimal-Change-Glomerulonephritis nicht identifizierbar und damit unbekannt sind. Somit ist es eher die Ausnahme als die Regel, dass sich bei einem Patienten Ursachen für die Krankheit feststellen lassen.

Als mögliche Auslöser kommen zum Beispiel bestimmte Medikamente infrage, etwa nichtsteroidale Antiphlogistika. Aber auch Wirkstoffe wie Interferon, Ampicillin und Lithium sind für einen Teil der Krankheitsfälle verantwortlich. Zudem begünstigen einige Erkrankungen die Entwicklung einer Minimal-Change-Glomerulonephritis. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Leukämien und Morbus Hodgkin.

Darüber hinaus tritt die Krankheit teilweise in Verbindung mit Karzinomen der Nierenzellen oder der Pankreas sowie gemeinsam mit Thymomen auf. Auch in Zusammenhang mit Karzinomen der Prostata zeigt sich unter Umständen eine Minimal-Change-Glomerulonephritis. Einige Vermutungen gehen davon aus, dass die Zellen der Tumoren spezielle Zytokine absondern. Grundsätzlich ist ein gemeinsames Auftreten mit Karzinomen allerdings vergleichsweise selten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Beschwerden im Zusammenhang mit der Minimal-Change-Glomerulonephritis sind vielfältig und unterscheiden sich unter Umständen leicht bei den erkrankten Patienten. Das Hauptsymptom der Erkrankung stellt das nephrotische Syndrom dar, welches akut auftritt. Es äußert sich in einer Proteinurie sowie einer Hypoprotein- und Hyperlipoproteinämie. Zudem sind Ödeme in der Folge einer Hypalbuminämie möglich.

Der Anteil an der Substanz Kreatinin im Serum des Blutes ist bei Patienten im Kindesalter in der Regel nicht auffällig. Bei Personen im Erwachsenenalter ist die Konzentration jedoch unter Umständen minimal gesteigert. Zudem weisen erwachsene Patienten in zahlreichen Fällen eine Erhöhung des Blutdrucks auf. In seltenen Fällen versagt die Niere der Betroffenen akut.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Minimal-Change-Glomerulonephritis wird mit Hilfe von verschiedenen Untersuchungsverfahren diagnostiziert. Wenn eine Person die typischen Symptome einer Minimal-Change-Glomerulonephritis zeigt, ist in jedem Fall so schnell wie möglich ein Arzt aufzusuchen. Dieser untersucht die vorliegenden Beschwerden, wobei er zuerst eine Anamnese mit dem betroffenen Patienten durchführt.

Hinsichtlich der klinischen Untersuchung kommen zum Beispiel Analysen des Gewebes der Niere zum Einsatz. Das entsprechende Gewebe stammt aus einer Punktion der Niere. Möglich ist auch die Anwendung eines Elektronenmikroskops zur Untersuchung der Gewebeproben. Dabei zeigen sich typische Hinweise auf die Minimal-Change-Glomerulonephritis. Essenziell ist zudem eine Analyse des Urins, wodurch zahlreiche Symptome der Krankheit nachweisbar sind. Eine Nierenbiopsie sichert die Diagnose der Minimal-Change-Glomerulonephritis in der Regel.

Komplikationen

Die Minimal-Change-Glomerulonephritis kommt in den meisten Fällen nur bei kleinen Kindern vor. Die Betroffenen selbst leiden dabei an einem stark erhöhten Blutdruck. Diese Beschwerde kann sich dabei negativ auf die Gesundheit des Patienten auswirken und zu verschiedenen anderen Beschwerden führen. Durch den Bluthochdruck kann der Betroffene im schlimmsten Falle auch einen Herzinfarkt erleiden und dadurch versterben.

Ebenso kommt es nicht selten zu spontanen Blutungen oder zu einem blutigen Geschmack im Mund, der vor allem bei hohen Belastungen auftritt. Weiterhin kann die Minimal-Change-Glomerulonephritis zu Beschwerden an den Nieren führen, sodass die Betroffenen im schlimmsten Falle eine Niereninsuffizienz erleiden. Diese muss dringend behandelt werden, da es anderweitig zum Tode des Patienten kommt. Bei der Behandlung ist der Betroffene in erster Linie auf eine Dialyse angewiesen, wobei die Transplantation einer Niere angestrebt wird.

Damit verringert sich auch die Lebenserwartung durch die Minimal-Change-Glomerulonephritis erheblich. In der Regel kann die Erkrankung mit Hilfe von Medikamenten sehr gut geheilt werden, sodass die Beschwerden vollständig verschwinden und eingeschränkt werden. Weitere Komplikationen treten dabei nicht auf. Auch bei einem erneuten Auftreten kann eine erneute Behandlung durchgeführt werden.

Behandlung & Therapie

Im überwiegenden Teil der Fälle zeigen Glukokortikoide bei der Therapie der Minimal-Change-Glomerulonephritis sehr gute Erfolge. Bei mehr als 90 Prozent der Patienten verschwindet die Proteinurie nach der Einnahme vollständig. Insbesondere Personen im Kindesalter reagieren gut auf den entsprechenden Wirkstoff. Aus diesem Grund wird bei ihnen in der Regel keine Biopsie der Niere durchgeführt.

Bei Kindern stellt sich die Besserung in den meisten Fällen nach wenigen Wochen ein. Anders verhält es sich bei erwachsenen Patienten, bei denen es mitunter einige Monate dauert, bis die Behandlung mit dem Wirkstoff Erfolge zeigt. Eine Nierenbiopsie wird hier obligatorisch durchgeführt. Sobald sich der Zustand der betroffenen Personen und insbesondere die Proteinurie bessert, werden die Glukokortikoide nach und nach in ihrer Dosis reduziert.

Jedoch entwickelt sich die Proteinurie bei einem Großteil der betroffenen Patienten auch nach erfolgreicher Behandlung erneut. Bei einem kleinen Teil der an der Minimal-Change-Glomerulonephritis erkrankten Personen kommt es innerhalb der kommenden zwei Jahrzehnte zu einer Nierenschwäche von terminaler Art. Bei Patienten im Kindesalter wird oftmals der medizinische Wirkstoff Prednison eingesetzt.

Die Dosis liegt dabei zu Beginn der Verabreichung vergleichsweise hoch. Nach einer bestimmten Zeit reduziert der Arzt die Dosierung des Medikaments. Diese Art der Therapie zeigt in der Regel nach spätestens einem Monat Erfolg bei den kindlichen Patienten. Jedoch kommt es bei zahlreichen Personen zu Rückfällen.

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Vorbeugung

Der Minimal-Change-Glomerulonephritis lässt sich nur eingeschränkt vorbeugen, denn die konkreten Ursachen der Krankheit sind im Einzelfall oftmals unklar.

Bücher über Proteinurie

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Speer, C.P., Gahr, M. (Hrsg.): Pädiatrie. Springer, Berlin 2013

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