Milkman-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. Oktober 2017
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Als Milkman-Syndrom werden Pseudofrakturen bezeichnet, die durch Osteomalazie ausgelöst werden. Es handelt sich bei den Pseudofrakturen um Merkmale, die bei radiologischen Untersuchungen auftreten und sich weiß und bändchenartig in den Röntgenbildern darstellen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Milkman-Syndrom?

Die Pseudofrakturen des Milkman-Syndroms sind keine realen Brüche, sondern krankhafte Umbauprozesse in den Knochen, die meistens einer Osteomalazie oder einer ähnlichen Knochenerkrankung geschuldet sind. Sie wurden von Dr. Emil Looser entdeckt und beschrieben und werden demnach auch als Looser-Umbauvorgänge bezeichnet. Die Symptomatik wurde von Dr. Milkman im Jahr 1930 zusammengefasst und wird deswegen auch Milkman-Syndrom genannt. == Komplikationen ==

Das Milkman- Syndrom tritt am häufigsten bei Frauen im Alter von 40 bis 70 Jahren auf und wird durch eine mangelnde Dichte des Knochengewebes begründet. Die mangelnde Dichte entsteht als Ausdruck von Deminalerisierung im Knochen. Zusätzlich entstehen Verdichtungen unter- und oberhalb der Pseudofraktur. Halbmondförmige Kalzifikationen, also Kalkeinlagerungen, können auf der Substantia compacta (der äußersten Knochenschicht unter dem Periost) beobachtet werden und zeigen sich als eine Verformung auf dem Periost (der Knochenhaut).

Die Pseudofrakturen sind zumeist symmetrisch gelagert und zeigen sich in fortgeschritten Stadien diverser Knochenerkrankungen wie der Osteomalazie. Besonders an dem Hüftbein (Os coxae), der Elle des Unterarms (Ulnar), dem Oberschenkelknochen (Femur) und dem Schulterblatt (Scapula) sind die Pseudofrakturen zu beobachten.

Ursachen

Das Milkman-Syndrom tritt bei Knochenerkrankungen wie der Osteomalazie beziehungsweise Rachitis auf. Auslöser für das Syndrom wie auch die Erkrankungen ist zumeist ein mangelnder Vitamin-D3-Haushalt. Vitamin D3 ist sowohl für den Transport als auch die biologisch sinnvolle Einbindung von Kalzium verantwortlich. Eine Mangelerscheinung kann sich daher durch die Looser- Umbauvorgänge in radiologischen Untersuchungen abzeichnen.

Die Looser- Umbauvorgänge werden durch eine übermäßige Aktivierung der Osteoblasten und Osteoklasten bewerkstelligt. Durch den Vitamin D3 Mangel und den daraus resultierenden Kalziummangel werden die Nebenschilddrüsen zur Sekretion des Parathormons angeregt. Dieses stimuliert die Bildung von Vitamin D3 in den Nieren und die Absorption von Kalzium im Darm.

Es aktiviert aber auch gleichzeitig die Knochenzellen. Durch die übermäßige Aktivierung der Osteoblasten und Osteoklasten wird Knochenmaterial sowohl ab- als auch umgebaut. Da ein ausgeglichener Vitamin-D3-Haushalt von mehreren Einflüssen innerhalb und außerhalb des Körpers abhängig ist, kann ein Mangelzustand durch mehrere Faktoren begründet sein.

Vitamin D wird zunächst in den unteren Hautschichten der Epidermis durch Sonneneinstrahlung gebildet. Hierbei kann es zu Komplikationen kommen. Wenig Aufenthalt in der Sonne bedeutet eine geringe Vitamin D Produktion und begünstigt Knochenerkrankungen wie Osteomalazie oder Osteoporose. Circa eine dreiviertel Stunde ist aber bereits ausreichend um angehende Mangelzustände wieder auszugleichen.

Ein weiterer wesentlicher Faktor neben der Sonnenexposition ist die effektive Aufnahme der UV-B-Strahlung durch die Haut. Leidet die Haut unter ernsthaften Schädigungen wie starken Verbrennungen, Entzündungen, Nekrosen kann eine ausreichende Aktivierung von Vitamin D nicht gewährleistet werden. Haut und Vitamin-D-Produktion bilden hier eine Form von Gegenbedingtheit.

Da die Keratinozyten der Haut ohne Vitamin D keine gesunden Hautzellen herstellen können und andersherum ohne eine gesunde Haut auch keine effektive Vitamin-D-Aufnahme über die Sonneneinstrahlung möglich ist. Eine ausreichende Vitamin-D-Zufuhr durch Sonnenexposition ist hier ebenfalls schwierig. Nach der Aktivierung durch die Sonnenexposition muss das Vitamin in Leber und Nieren zu Vitamin D3 umgewandelt werden. Treten hier organische Defekte wie eine Leberzirrhose auf, so ist eine Umwandlung in das biologisch aktive Vitamin D3 nur noch bedingt möglich.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Da es sich bei dem Milkman-Syndrom um Pseudofrakturen handelt, bestehen die typischen Schmerzen, die bei Knochenbrüchen auftreten, nicht. Da das Syndrom aber ein Bestandteil der fortgeschrittenen Osteomalazie ist, treten gleichzeitig dumpfe Knochenschmerzen am ganzen Körper auf und werden häufig mit rheumatischen Beschwerden verwechselt. Diese Beschwerden sind jedoch losgelöst vom Milkman- Syndrom und typisch für eine Osteomalazie im akuten Stadium.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Das Milkman-Syndrom kann bei radiologischen Aufnahmen festgestellt werden. Insbesondere bei der Osteomalazie (Knochenerweichung von erwachsenen Menschen) und der Rachitis (Knochenerweichung von Kindern) lassen sich die Looser-Umbauzonen des Milkman-Syndroms beobachten. Bei Kindern mit Rachitis kommt es bereits in den ersten Lebensmonaten zu vermehrter Schweißabsonderung, Unruhe und Hautausschlag (Miliaria).

Anschließend treten dann Muskelschwäche und Knochenerweichungen am Schädel auf. Weitere Symptome wie eine erhöhte Muskelerregbarkeit und Krämpfe folgen. Der Hinterkopf flacht ab und Hand- und Fußgelenke zeigen eine zunehmende Verbreiterung. Weitere Knochenverformungen wie O- Beine mit Schwerpunkt in den Röhrenknochen können auftreten.

Zu diesem Zeitpunkt ist das Milkman- Syndrom bereits in vielen Röntgenaufnahmen ersichtlich und die Looser- Umbauzonen breiten sich ohne die richtige Behandlung aus. Besonders schwerwiegend bei der Rachitis scheint der Umstand, dass die Mangelerscheinung in das Wachstum des Kindes eingreift und somit eine lebenslange Schädigung hervorrufen kann. Die Wachstumsfugen können bei erwachsenen Menschen nicht einer derartigen Verformung unterliegen, was den wesentlichen Unterschied der Osteomalazie zur Rachitis darstellt.

Komplikationen

Durch das Milkman-Syndrom kommt es bei den Patienten zu Brüchen an den Knochen und damit auch zu starken Schmerzen. Ebenso treten erhebliche Einschränkungen in der Bewegung des Patienten auf, die den Alltag deutlich erschweren können. Ebenso leiden die meisten Betroffenen an starken Kopfschmerzen und an Knochenscherzen, die am gesamten Körper auftreten.

Es kommt zu einer erhöhten Schweißbildung und zu einer allgemeinen inneren Unruhe. Nicht selten leiden die Patienten auch an psychischen Beschwerden oder an Depressionen und weiterhin auch an einer Muskelschwäche. Die Belastbarkeit des Patienten nimmt durch das Milkman-Syndrom deutlich ab und es kommt nicht selten zu Krämpfen. Ruheschmerzen können dabei vor allem in der Nacht zu einer Schlaflosigkeit und damit zu einer Gereiztheit des Patienten führen.

In der Regel kann das Milkman-Syndrom relativ gut und einfach behandelt werden, wobei es nicht zu besonderen Komplikationen kommt. Auch die Lebenserwartung wird durch das Milkman-Syndrom in der Regel nicht eingeschränkt. Die Behandlung selbst findet dabei mit Hilfe von Medikamenten statt und führt schnell zu einem Erfolg. Weiterhin kommt es nicht zu besonderen Komplikationen.

Behandlung & Therapie

Für eine sachgemäße Behandlung muss zunächst der Ursprung der Mangelerscheinung festgestellt werden. Die Differenzierung zwischen einem organischen Defekt und einer mangelhaften Sonnenexposition erscheint für die Therapie besonders wichtig. Der Vitamin-D-Mangel und ein daraus resultierender gestörter Kalziumhaushalt können durch herkömmliche Nahrungsergänzungsmittel wie Lebertran und Vitamin-D-Tabletten behandelt werden.

Eine Nahrungsergänzung durch Kalzium ist ebenfalls sinnvoll. Optimal zur Kurierung von Vitamin-D-Mangelerscheinungen sind jedoch ausgiebige Sonnenbäder. Hier sollte wiederum auf eine geeignete Sonneneinstrahlung geachtet werden, da eine zu lange und intensive Exposition zu Verbrennungen führen kann, die sich wiederum auf die Vitamin D-Zufuhr negativ auswirken und ursächlich für weitere gesundheitliche Beschwerden sein können.

Osteomalazie und Rachitis können jedoch auch durch organische Störungen ausgelöst werden. Ein gestörter Umwandlungsprozess des Vitamins sollte deswegen im Vorfeld abgeklärt werden.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Knochenerkrankungen wie der Osteomalazie wird eine ausreichende Sonnenexposition empfohlen. Hierzu kann bereits ein einstündiger Aufenthalt an der frischen Luft ausreichen. Sollte eine ausreichende Sonnenbestrahlung nicht vorhanden sein, was in der nördlichen Hemisphäre besonders im Herbst und Winter der Fall ist, so ist eine Supplementierung durch Nahrungsergänzungsmittel notwendig.

Das können Sie selbst tun

Ein Milkman-Syndrom bedarf auf jeden Fall einer ärztlichen Diagnose. Abhängig davon, welche Ursache der Mangelerscheinung zugrunde liegt, erfolgt dann eine medizinische Behandlung. Diese kann unter Umständen durch verschiedene Selbsthilfe-Maßnahmen unterstützt werden.

Um das Defizit an Kalzium schnell auszugleichen, sollte zunächst die Ernährung umgestellt werden. Kalzium ist vor allem in Grünkohl, Brokkoli, Paranüssen, Joghurt und Käse zu finden – diese Lebensmittel sollten gerade in der ersten Zeit nach der Diagnose reichlich verzehrt werden. Begleitend dazu empfehlen sich Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin-D-Tabletten. Auch Lebertran kann bei regelmäßiger Einnahme dazu beitragen, dass die Beschwerden des Milkman-Syndroms rasch zurückgehen. Ein Mangel an Vitamin D kann durch ein ausgiebiges Sonnenbad kuriert werden. Daneben gilt es, die einzelnen Symptome zu behandeln.

Knochenschmerzen bedürfen einer medikamentösen Therapie, die zum Beispiel durch Baldrian, Arnika und andere sanfte Beruhigungs- und Schmerzmittel aus der Natur unterstützt werden kann. Ein bewährtes Mittel aus der Homöopathie ist Belladonna, am besten in der Potenz D12. Der Arzt sollte den Einsatz dieser Präparate zuvor absegnen. Regelmäßige Arztbesuche sind ohnehin angezeigt, denn nur so können weitere Komplikationen ausgeschlossen werden.

Bücher über Vitamin D

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hg.) Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Verlag GmbH, Neustadt an der Weinstraße 2015
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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