Miktionsurosonografie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Die Miktionsurosonografie ist eine spezielle Ultraschalldiagnostik von Harntrakt und Niere unter Einsatz von Kontrastmittel. Ihr Hauptziel ist es, ein eventuelles Zurückfließen von Urin aus der Blase in die Nieren zu entdecken. Meist wird diese Untersuchung bei Kindern durchgeführt, die einen Harnwegsinfekt durchgemacht haben, bei dem aufgrund begleitenden Fiebers eine Nierenbeteiligung vermutet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Miktionsurosonografie?

Im Begriff der Miktionsurosonografie (MUS) stecken die Miktion (das Entleeren der Blase), die Urologie (medizinische Fachrichtung, die sich mit den harnableitenden Organen beschäftigt) und die Sonografie (Ultraschalluntersuchung von Organen). Die häufig bei Kindern durchgeführte Untersuchung hat den Zweck, mithilfe von Kontrastmittel einen vesico-uretero-renalen Rückfluss (VUR), also das Zurückfließen des Harns aus der Blase über die Harnleiter bis zur Niere zu diagnostizieren.

Sie ergänzt klassische Untersuchungen wie die normale Ultraschalldiagnostik sowie die Labordiagnostik, zum Beispiel die Untersuchung des Urins auf Keime sowie spezielle Blutuntersuchungen. Um die physiologischen Vorgänge im Harntrakt des Patienten nicht nur als Momentaufnahme, sondern auch im Hinblick auf die funktionelle Aktivität zu erfassen, wird die Untersuchung auch während des Wasserlassens beziehungsweise der anschließenden Wiederfüllung der Harnblase durchgeführt.

Häufig wird die Darstellung eines möglichen VUR mithilfe der farbcodierten Doppler-Sonographie durchgeführt, da hier der Verlauf des Kontrastmittels besonders exakt dargestellt und auf diese Weise eine sehr genaue Diagnose gestellt werden kann.

Funktion, Wirkung & Ziele

Wenn Kinder einen Harnwegsinfekt erleiden, der mit Fieber einhergeht, besteht der Verdacht, dass die Niere am Krankheitsgeschehen beteiligt ist. Ursache hierfür sind Keime, die über ein unphysiologisches Zurückfließen des Urins aus der Harnblase in die Niere gelangen. Dieser Reflux kann zum einen aufgrund angeborener anatomischer Störungen geschehen (primärer VUR), aber auch durch erworbene Defekte wie Operationsfolgen, Entzündungen oder Harnabflussstörungen (sekundärer VUR) bedingt sein.

Um einer Nierenschädigung durch häufige Erkrankungen dieser Art vorzubeugen, ist ein eventueller Rückfluss zeitnah festzustellen. Da die klassische Sonografie dies allein nicht leisten kann, wird die Genauigkeit der Diagnostik durch die Miktionsurosonografie erheblich verbessert. Bei Untersuchungsbeginn wird den in der Regel leicht sedierten Patienten ein dünner Katheter in die Blase eingeführt und ein herkömmlicher Ultraschall vom Zustand der Niere und Harnorgane durchgeführt. Anschließend wird die Harnblase mit einer körperwarmen physiologischen Kochsalzlösung gefüllt und das zur Darstellung notwendige Kontrastmittel hinzugegeben.

Bereits an dieser Stelle kann die Miktionsurosonografie unter Umständen schon erste wichtige Hinweise liefern: Ist hier schon ein Zurückfließen der mit Kontrastmittel angereicherten Flüssigkeit zu erkennen, kann von einem Niederdruckreflux, also einem Reflux bereits bei Blasenfüllung, ausgegangen werden. Im weiteren Verlauf der Untersuchung wird die Bewegung des Kontrastmittels während der Miktion sonografisch beobachtet. Fließt hierbei Urin zu den Nieren zurück, spricht man von einem Hochdruckreflux, da sich der Druck innerhalb der Blase beim Wasserlassen erhöht. Mitunter ist es für eine zuverlässige Diagnosesicherung wichtig, den Vorgang des Füllens und Entleerens der Blase in der Miktionsurosonografie mehrmals zu überprüfen.

Die Miktionsurosonografie ist eine spezielle Ultraschalldiagnostik von Harntrakt und Niere unter Einsatz von Kontrastmittel.

In der gleichen Untersuchung ist es auch möglich, die Harnblase mit Luft zu füllen, um zu sehen, ob Luftbläschen in die Nierenregion hinaufsteigen. Mit der Untersuchung kann nicht nur zweifelsfrei gesichert werden, wenn ein Reflux vorliegt. Durch die seitengetrennte Darstellung der Funktion von Harnleiter und Nieren kann – im Gegensatz zu Laboruntersuchungen – das für den Rückfluss verantwortliche Areal oft bereits erkannt werden. Die Aussagefähigkeit der Miktionsurosonografie im Hinblick auf den VUR ist – besonders bei der Beobachtung mehrerer Miktionen und bei Verwendung eines Farbdopplers – sehr hoch.

Es empfiehlt sich jedoch bei befundloser Untersuchung, beim Auftreten weiterer Harnwegsinfekte mit Fieber konsequent den Urin auf Keimbelastung zu untersuchen und eventuell die Miktionsurosonografie erneut mit der Fragestellung auf einen Reflux durchzuführen. Der Nutzen, einer eventuellen Nierenschädigung vorzubeugen, ist hier in der Regel größer als die Unannehmlichkeiten, die mit dieser Untersuchung verbunden sind.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Risiken der Miktionsurosonografie sind – vor allem im Vergleich zu ansonsten womöglich übersehenen Nierengefährdungen durch einen möglichen Reflux – gering. Im Vergleich zur alternativen Diagnostik, der Miktionszystourethrografie (MCU), bietet die MUS sogar einen deutlichen Vorteil: Im Gegensatz zur MCU, die die Röntgenstrahlung auch in den Bereich der Geschlechtsorgane der meist jungen Patienten schickt, kommt die sonografische Variante der urologischen Diagnostik völlig ohne Strahlung aus.

Die verwendeten Ultraschallwellen sind absolut unschädlich und können beliebig oft eingesetzt werden. Das Kontrastmittel wird in der Regel gut vertragen. Um gerade Kindern die Angst oder das Unbehagen bei der etwas unangenehmen Untersuchung zu nehmen, ist eine leichte Sedierung möglich, die ebenfalls in der Regel gut toleriert wird. Bis sich das beruhigende Medikament aus dem Körper ausgeschlichen hat, muss das Kind gut beobachtet werden, damit es sich beispielsweise durch eine leichte Einschränkung der Koordinationsfähigkeit keinen Sturz zuzieht.

Die Sedierung bringt auch den Vorteil mit sich, dass eine Verletzung beim Einführen des Katheters durch einen unruhigen Patienten vermieden werden kann. Eine mögliche, aber seltene Nebenwirkung der Miktionsurosonografie kann es sein, dass es trotz sorgfältiger und vorschriftsmäßiger Desinfektion zu einem Einbringen von Keimen und einem daraus resultierenden Harnwegsinfekt kommt. Aus diesem Grund ist es wichtig, in den Tagen nach der Untersuchung auf typische Symptome, vor allem auf Fieber zu achten. Beim Verdacht auf einen Infekt ist rasch eine Urinuntersuchung durchzuführen und bei Keimen im Urin die notwendige Antibiotikagabe durchzuführen.

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Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Strauss, A.: Ultraschallpraxis. Springer, Berlin 2008
  • Wetzke, M. et. al.: Bildgebende Verfahren. Urban & Fischer, München 2012

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