Miktionssynkope

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. Oktober 2017
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Die Miktionssynkope ist eine kurze Ohnmacht beim oder nach dem Wasserlassen. Diese Erscheinung stellt sich in der Regel im Rahmen einer Prostatahyperplasie ein. Zur Behandlung der Synkope kommen Medikamentengaben, aber auch Kreislauftrainings und blutdruckregulierende Anwendungen in Frage.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Miktionssynkope?

Im Rahmen der Miktionssynkope stellt sich beim oder kurz nach dem Wasserlassen eine Bewusstlosigkeit ein. Die Bewusstlosigkeit ist lediglich von kurzer Dauer, kann aber schwere Sturzverletzungen zur Folge haben. Durchschnittlich sind die Betroffenen nur ein oder zwei Minuten bewusstlos. Frauen sind vergleichsweise seltener von der Erscheinung betroffen als Männer. In der Regel sind die Patienten jüngere Personen des männlichen Geschlechts.

Rund fünf Prozent aller Synkopen sind Miktionssynkopen. Auch die Ohnmacht bei oder unmittelbar nach der Stuhlentleerung wird im weitesten Sinne als Miktionssynkope verstanden. Rund ein Viertel aller nachts auftretenden Synkopen sind Miktionssynkopen. Trotzdem ist die Miktionssynkope eine eher seltene Erscheinung. Die Bewusstlosigkeit kurz nach dem oder sogar beim Wasserlassen wird zur vasovagalen Synkope gerechnet, die insgesamt die meisten Formen der Synkope umgreift.

Ursachen

Wenn das Wasserlassen durch Krankheiten wie eine Prostatahyperplasie, also eine vergrößerte Prostata erschwert ist, stellt sich als Reflex ein überschießender Vagotonus ein. Dieser Tonus verursacht eine Ohnmacht. Beim Vagotonus handelt es sich um den Erregungszustand des parasympathischen Nervensystems. In der Regel betrifft die Miktionssynkope vor allem schlaftrunkene Personen mit übervoller Blase.

Besonders oft stellt sich die Bewusstlosigkeit beim Urinieren nach Alkoholkonsum ein. Da die Erscheinung typischerweise nachts auftritt, steht sie zudem mit der Vasodilatation in Zusammenhang, wie sie durch Bettwärme verursacht wird. Wichtig sind vermutlich auch die orthostatischen Effekte, die sich beim Wechsel von liegender in stehende Position einstellen. Bei der Miktion wird der Blutdruck zudem nicht mehr durch die volle Blase gestützt. Auch diese Tatsache kann einen Kreislaufkollaps verursachen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Vor der Ohnmacht stellt sich im Rahmen einer Miktionssynkope ein diffuser Schwindel mit Desorientierung und Schwitzen ein. Manchmal rauschen ihnen zudem die Ohren. Die Erscheinung kommt abrupt und tritt unsystematisch auf. Die Dauer des Schwindels ist begrenzt und signalisiert den Betroffenen somit nicht rechtzeitig genug, dass sie gleich das Bewusstsein verlieren. Daher kommt es im Rahmen von Miktionssynkopen oft zu einem schweren Sturz, der schlimmstenfalls Knochenbrüche zur Folge hat.

Meist leiden die Betroffenen nach einem Wechsel von liegender oder sitzender Position in die stehende Position an einem allgemein schlechten Kreislauf. Ein Herzschlag von unter 60 Schlägen pro Minute kann bei der Miktionssynkope als symptomatisch bezeichnet werden. Dasselbe gilt für blasse Haut und klonische Zuckungen. An die Zeit der Bewusstlosigkeit erinnern sich die Betroffenen nicht. Nach der Ohnmacht reorientieren sie sich schnell und ihre Werte normalisieren sich binnen kurzer Zeit.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Arzt stellt die Diagnose auf eine Miktionssynkope mittels der Anamnese. Gegebenenfalls veranlasst er neurologische Untersuchungen, um eine neurologische Erkrankung als Ursache ausgeschlossen zu wissen. Bei der Ursachenforschung wird der Arzt zudem eine Prostatauntersuchung anordnen, um gegebenenfalls Hyperplasien zu erkennen. Diese Hyperplasien sind in der Regel gutartig, sorgen aber für einen vermehrten Blasenauslasswiderstand und sollten daher korrigiert werden.

Die Untersuchung entspricht in der Regel einer rektal digitalen Untersuchung oder dem Abtasten. Wenn die Prostatahyperplasie nicht der Grund der Ohnmachtsattacken ist, wird der Arzt weitere Untersuchungen in die Wege leiten. Der Verlauf einer Miktionssynkope wird von der Schwere des dadurch verursachten Sturzes bestimmt. Im Einzelfall hat eine Miktionssynkope schon zum Tod geführt, so zum Beispiel bei Seglern auf offener See, die durch die Bewusstlosigkeit über Bord gegangen sind.

Komplikationen

In erster Linie führt die Miktionssynkope zu starken Schwindelgefühlen beim Patienten. Die Betroffenen selbst fühlen sich desorientiert und verwirrt und verlieren weiterhin auch nicht selten das Bewusstsein. Ebenso kann es durch den Bewusstseinsverlust durch einen Sturz zu verschiedenen Verletzungen kommen.

Nicht selten treten die Ohnmachtsanfälle sehr spontan und ohne besondere Symptome auf, sodass diese in der Regel nicht vermieden werden können. Die Betroffenen können sich dabei auch schwerwiegende Verletzungen oder sogar Knochenbrüche zuziehen. Durch diese Beschwerden schränkt die Miktionssynkope die Lebensqualität des Betroffenen deutlich ein.

Weiterhin leiden die Patienten an einem verringerten Puls und an einer blassen Haut. Es treten Zuckungen auf und die Patienten fühlen sich müde und abgeschlagen. Auch die Belastbarkeit des Patienten nimmt durch die Miktionssynkope erheblich ab, sodass anstrengende Tätigkeiten für den Betroffenen in der Regel nicht mehr möglich ist.

Die Behandlung der Miktionssynkope kann mit Hilfe von Kompressionsstrümpfen erfolgen, die den Blutdruck hoch halten und damit die Ohnmachtsanfälle verringern oder vollständig vermeiden. Komplikationen treten dabei nicht auf. Allerdings ist auch eine ursächliche Behandlung notwendig, falls die Miktionssynkope nicht von alleine wieder verschwindet.

Behandlung & Therapie

Verschiedene Behandlungswege stehen bei einer Miktionssynkope zur Auswahl. Zu den therapeutischen Möglichkeiten ist zum Beispiel die Vermeidungsstrategie zu rechnen. In der Regel treten die Synkopen stets in denselben Situationen ein. Wer die auslösende Situation vermeiden kann, wird somit nicht mehr unter Miktionssynkope leiden. Eine noch hilfreichere Strategie ist ein Kreislauftraining. Bei diesem Training lernen die Betroffenen, die Ohnmachtsattacken durch bewusste Atmung und andere Mittel zu vermeiden.

Die Verwendung von Kompressionsstrümpfen kann zudem das venöse Pooling minimieren und so zur Aufrechterhaltung des normalen Blutdrucks beitragen. Wenn der Blutdruck nicht mehr bedrohlich weit sinkt, wird auch keine Ohnmacht mehr eintreten. Auch Medikamentengabe kann bei der Therapie einer Miktionssynkope in Frage kommen. So kann zum Beispiel die vermehrte NaCl-Zufuhr gute Dienste leisten. Dasselbe gilt für die Behandlung mit Propranolol oder kreislaufstabilisierenden Medikamenten wie Fludrocortison.

Falls die Synkope in Wirklichkeit mit den orthostatischen Effekten bei der Bewegung aus der liegenden Position heraus in Zusammenhang steht, kann eventuell schon das langsame Aufrichten die Ohnmachtsattacken verhindern. Wenn der Patient vor dem Aufstehen die Beine bewegt, sich erst aufrichtet und in sitzender Position einige Zeit lang verharrt, dann tut sich sein Herz-Kreislauf-System mit der Anpassung leichter.

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Vorbeugung

Um Miktionssynkopen zu vermeiden, kann gezieltes Kreislauftraining helfen. Durch eine schnelle Reaktion auf den abrupt einsetzenden Schwindel und das rechtzeitige Setzen oder Hinlegen kann der Betroffene zudem das Risiko für Sturzverletzungen reduzieren.

Das können Sie selbst tun

Wenn eine Miktionssynkope vorliegt, besteht die wichtigste Maßnahme darin, auslösende Situationen zu vermeiden. Eine Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems, etwa durch sportliche Betätigung oder eine Umstellung der Ernährung, kann zur Reduzierung der Ohnmachtsattacken beitragen. Auch bewusste Atmung, Entspannungstechniken und andere Mittel können zuverlässig gegen plötzliche Synkopen helfen.

Die Betroffenen sollten aber immer auch mit einem Arzt sprechen. Der Mediziner wird die Beschwerden zunächst untersuchen und die ursächliche Erkrankung abklären. Abhängig vom zugrunde liegenden Leiden können dann weitere Maßnahmen ergriffen werden. Sind Blutdruckschwankungen ursächlich, kann die Verwendung von Kompressionsstrümpfen sinnvoll sein, denn diese stabilisieren den Blutfluss und verhindern somit eine Ohnmacht. Zudem sollte sich der Patient beim morgendlichen Aufstehen Zeit lassen, damit das Herz-Kreislauf-System sich an die Positionsveränderung anpassen kann. Es empfiehlt sich, zunächst die Beine zu bewegen, dann langsam den Oberkörper aufzurichten und in die sitzende Position überzugehen, bevor nach einigen Minuten des Verharrens aufgestanden wird.

Bei chronischen Beschwerden sollten im Badezimmer entsprechende Haltevorrichtungen montiert werden. Unter Umständen können auch Matten verlegt werden, um ernste Verletzungen nach einem Sturz zu verhindern.

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Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Hautmann, R., Huland, H.: Urologie. Springer, Heidelberg 2010

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