Mikrotie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. Oktober 2017
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Bei einer Mikrotie handelt es sich um eine Fehlbildung der Ohrmuschel, die angeboren ist. Dabei wird das äußere Ohr nicht vollständig gebildet. Mitunter ist der Gehörgang nur sehr klein oder fehlt vollständig. Eine Rekonstruktion des Ohres und eine Operation zur Verbesserung der Hörfähigkeit sind mögliche Behandlungsformen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Mikrotie?

Die Fehlbildung des äußeren Ohrs ist angeboren. Durch die unvollständige Entwicklung des Ohrs kann es zu kleineren Fehlbildungen kommen oder der Gehörgang ganz fehlen. Abgeleitet wird der Begriff Mikrotie durch die Übersetzung „kleines Ohr“. Eine Knorpelplatte trennt das Außenohr vollständig vom Innenohr ab, was in weiterer Folge eine deutliche Einschränkung des Hörvermögens zur Folge hat.

Die Mikrotie kann entweder nur an einer Seite des Kopfes auftreten oder auch an beiden Seiten. In vielen Fällen tritt gleichzeitig mit einer Mikrotie eine Unterentwicklung des Unterkiefers auf. die Mikrotie zählt zu den größten Ausprägungen angeborener Ohrdefekte. Bei der Mikrotie wird nach vier Stufen eingeteilt:

  • Grad 1 beschreibt eine minimale Fehlbildung, bei der der größte Teil des Ohrs eine normale Anatomie aufweist.
  • Grad 2 weist eine optisch normale Ohrmuschelbildung auf, besonders im unteren Teil. Der Gehörgang kann jedoch anders, kleiner oder völlig geschlossen sein.
  • Bei Grad 3 hat das Ohr eine der Erdnuss ähnlichen Form und verfügt über keinen Gehörgang.
  • Bei Grad 4 fehlen das äußere Ohr sowie der Gehörgang vollständig.

Ursachen

Die Ursachen für eine Mikrotie ist vermutlich nicht ganz klar. Eine Rolle könnten sowohl genetische Faktoren als auch Umwelteinflüsse bei dieser angeborenen Fehlbildung spielen. Allerdings dürfte die Genetik nur bei fünf Prozent der Patienten tatsächlich verantwortlich sein. Möglich sind auch vaskuläre Störungen, die in der Entwicklung des Fötus aufgetreten sind, was jedoch nicht eindeutig bewiesen sein dürfte.

Mögliche Ursachen einer Mikrotie dürften in Zusammenhang mit dem Genuss von Kaffee, Alkohol oder Drogenmissbrauch während einer Schwangerschaft liegen – insbesondere im ersten Drittel der Schwangerschaft. Auch Medikamente könnten für diese Fehlbildung mögliche Auslöser darstellen. Die Häufigkeit des Auftretens einer Mikrotie findet sich unter bestimmten Völkern wie Asiaten oder Bewohnern aus den Anden häufiger. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind mit einer Mikrotie geboren wird liegt bei 1 zu 6000 beziehungsweise 12.000 Geburten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Mikrotie findet sich bei zehn Prozent der Betroffenen auf beiden Seiten, die sogenannten bilaterale Mikrotie. Die Häufigkeit dieser angeborenen Anomalie findet sich meistens öfter auf der rechten Kopfseite und bildet sich meistens nur auf einer Seite. Beschwerden sind vor allem der Hörverlust, da ein normaler Gehörgang sowie Trommelfell und Gehörknöchelchen fehlen. Betroffene mit einer Mikrotie hören zwar noch ein paar Töne, das jedoch nicht über den Gehörgang. Bei der Mikrotie fehlt die Ohrmuschel, mitunter ist ein Ohrläppchen mit einem Rest der Ohrmuschel vorhanden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Abklärung bei einer familär häufiger auftretenden Mikrotie sollte die Humangenetik konsultiert werden. Auch eine frühzeitige Abklärung durch Fachärzte wie HNO-Ärzte, Kinderärzte sowie Phoniater und Pädaudiologen ist empfohlen. Mögliche negative Einflüsse während der Frühschwangerschaft sollten abgeklärt werden.

Ab dem 10. Lebensjahr kann eine Computertomographie genaueren Aufschluss über die Mittelohrstrukturen liefern. Bereits im frühkindlichen Alter ist eine Diagnose der Fehlbildung empfohlen. Geeignete Methoden zur Abklärung sind dabei regelmäßige Hörtests und eine Computertomographie, um Mittelohrdefekte zu erkennen.

Komplikationen

Durch die Mikrotie kommt es bei den Patienten in erster Linie zu Hörbeschwerden. Durch die fehlerhafte Ausbildung der Ohrmuschel kann es dabei zu einer Einschränkung beim Hören oder zu einer vollständigen Taubheit kommen. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch diese Beschwerde allerdings nicht verringert oder eingeschränkt. Vor allem junge Menschen oder kleine Kinder können aufgrund der Mikrotie starke psychische Beschwerden oder Depressionen entwickeln.

Die Betroffenen können dabei nur noch bestimmte Töne hören und leiden an deutlichen Einschränkungen in ihrem Alltag. Bei Kindern kann die Mikrotie auch zu Störungen der Entwicklung führen, sodass diese verlangsamt ist und es daher zu Folgeschäden im Erwachsenenalter kommt. In einigen Fällen kann die Mikrotie auch zu Gleichgewichtsstörungen führen.

Die Beschwerden der Krankheit können mit Hilfe von Implantaten und Hörgeräten relativ gut eingeschränkt und gelöst werden. Dabei kommt es nicht zu besonderen Komplikationen oder Beschwerden. Allerdings müssen die Eltern das Selbstwertgefühl ihrer Kinder stärken, damit es nicht zu Minderwertigkeitskomplexen kommt. Durch einen operativen Eingriff können die Hörbeschwerden noch weiter reduziert werden. Auch hierbei kommt es nicht zu besonderen Komplikationen.

Therapie & Behandlung

Durch die mit der Mikrotie verbundene Einschränkung des Hörvermögens ist die Behandlung durch Pädaudiologen und HNO-Ärzte hilfreich. Der bestehende Hörverlust muss kontinuierlich abgeklärt und entsprechend behandelt werden. Mit einer sogenannten Otoplastik kann die fehlende Ohrmuschel aus dem körpereigenen Gewebe nachgebildet werden. Das normal hörende Ohr benötigt ebenfalls eine konsequente Kontrolle. Sollte ein Schallleitungs- oder Schallempfindungschwerhörigkeit auftreten, ist Handlungsbedarf gegeben.

Bei einer beidseitigen Fehlbildung durch die Mikrotie kann da Kind mit einem Knochenleitungshörgerät versorgt werden. Eine Operation, um die Fehlbildung zu korrigieren, sollte frühestens im Alter von vier bis fünf Jahren erfolgen, um die notwendige körperliche Reife für diesen Eingriff zu haben. Alternativ kann bei einer Mikrotie ein Implantat eingesetzt werden, um das invasive Verfahren mittels Operation zu vermeiden. Da die Mikrotie nicht so deutlich sichtbar ist wie Defekte im Gesicht ist die psychische Belastung nicht unbedingt groß.

Jedoch ist eine Rekonstruktion des Ohres eine Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen und auch eine Stärkung des Selbstwertgefühls. Zudem ist die Minderung des angeborenen Defizits der Mikrotie mit einer Steigerung der Sicherheit im sozialen Umfeld verbunden. Da bei der Mikrotie die Hörfähigkeit nahezu immer eingeschränkt ist, ist eine Operation der HNO-Chirurgie zur Verbesserung des Gehörs meist notwendig oder empfehlenswert.

Vor dem Aufbau des Ohrs ist eine Operation des Mittelohrs durchzuführen, da bei einem umgekehrten Ablauf mögliche Narben den Ohraufbau behindern könnten. Die Operation erfolgt in mehreren Teilschritten. Nach ungefähr einem Jahr kommt bei Betroffenen das Gefühl in der neu aufgebauten Ohrmuschel zurück. Der Hörgewinn nach einer Operation zur Verbesserung der Hörfähigkeit liegt zwischen 20 bis 40 Dezibel.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Mikrotie sollte insbesondere im ersten Drittel der Schwangerschaft besonders darauf geachtet werden, dass schwangere Frauen keine alkoholischen Getränke zu sich nehmen, rauchen oder Drogen konsumieren. Möglicherweise sollte auch der Konsum von Medikamenten mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden, um ein etwaiges Risiko auszuschließen.

Das können Sie selbst tun

Die Betroffenen leiden in der Regel nicht nur unter dem Hörverlust, sondern auch unter der ästhetischen Beeinträchtigung, die mit der fehlenden oder unvollständig ausgebildeten Ohrmuschel einhergeht.

In Familien, in denen eine Fehlbildung der Ohrmuschel verbreitet ist, sollte bereits bei Kleinstkindern ein Hörtest durchgeführt werden, um eventuelle Störungen frühzeitig zu entdecken. Ein nicht erkannter Hörschaden kann zu einer Verzögerung der Entwicklung führen, der die Betroffenen in schweren Fällen selbst als Erwachsene noch beeinträchtigt. Defizite beim Hören können in der Regel zunächst durch Hörgeräte ausgeglichen werden. Später ist meist auch eine Korrektur der Beeinträchtigung durch einen operativen Eingriff am Mittelohr möglich. Eine plastisch-chirurgische Rekonstruktion der Ohrmuschel empfiehlt sich erst danach.

Die operativen Eingriffe am Ohr werden jedoch meist nicht schon im Kindesalter durchgeführt. Kinder, die an einer Mikrotie leiden, die mit einer deutlich sichtbaren Fehlbildung des äußeren Ohres einhergeht, werden deshalb im Kindergarten und in der Grundschule oft gehänselt. Eltern sollten darauf achten, ob ihr Kind auch psychisch unter der Störung leidet und rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Oft helfen schon einfache Mittel, zum Beispiel eine Frisur, die die Ohren bedeckt, so dass die Fehlbildung im Alltag nicht ständig sichtbar ist. Sofern Kinder unter der ästhetischen Beeinträchtigung seelisch stark leiden, sollte ein Kinderpsychologe hinzugezogen werden.

Bücher über Mittelohrentzündung

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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