Midlife-Crisis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. September 2017
Startseite » Krankheiten » Midlife-Crisis

Jahrelang galt die Midlife-Crisis als Mythos; heute weiß man, dass es sie tatsächlich gibt und vor allem Männer zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr betroffen sind. Die Midlife-Crisis, auch als Klimakterium virile oder Andropause bekannt, ist aber keine Krankheit im klassischen Sinn, sondern ein Lebensabschnitt. Die Andropause kann weder gezielt behandelt, noch vorgebeugt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Midlife-Crisis?

Nicht nur die Frau durchlebt ab einem bestimmten Alter Veränderungen; auch die Männer müssen Veränderungen erleben und in weiterer Folge akzeptieren. Bei Männern handelt es sich um einen schleichenden Rückgang der Sexualhormone; die Frau wird jedoch abrupt vor die Tatsache gestellt, in der Menopause zu sein.

Die Midlife-Crisis ist kein Mythos, sondern eine ernstzunehmende Veränderung des männlichen Körpers. Spätestens dann, wenn sich die Herren der Schöpfung fragen, ob sie alle Ziele in ihrem Leben erreichen konnten und die Frage stellen, ob es keine anderen Erfolge mehr gibt, liegt der Verdacht einer Midlife-Crisis nahe.

Doch nicht nur das oft als „merkwürdig“ bezeichnete Verhalten lässt auf eine Midlife-Crisis schließen; es gibt zahlreiche Symptome, die darauf schließen lassen, dass der Mann Veränderungen durchlebt.

Ursachen

Mit dem 30. Lebensjahr steigt die Testosteron-Produktion an. Bis zum 40. Lebensjahr bleibt die Produktion des Sexualhormons auf demselben Niveau; danach geht sie - Jahr für Jahr - um rund ein Prozent zurück. Gleichzeitig steigt aber der Globulin-Anteil, der die Sexualhormone bindet. Es wird daher nicht nur weniger Testosteron produziert, sondern auch jener Bestand, der vorhanden ist, vermindert.

Ein Umstand, den der Mann sehr wohl bemerkt und der dazu führt, dass die sogenannte Midlife-Crisis eintritt. Betroffene Männer stellen sich oft die Frage, ob sie alle Ziele im Leben erreicht haben, werden unsicher und versuchen - unterbewusst - den sinkenden Testosteronspiegel auszugleichen. Sie beginnen neue Hobbies, suchen nach Herausforderungen und stellen sich die Frage, ob sie noch mehr im Leben erreichen können.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome einer Midlife-Crisis sind eher unspezifisch und auch deutlich geringer ausgeprägt als jene, die im Rahmen der Menopause bei der Frau auftreten. Mögliche Symptome sind eine Abnahme der Libido, ein verminderter Bartwuchs, Erektionsstörungen, Osteoporose, Abbau von Muskel.

Gleichzeitig kann eine Zunahme von Fettmasse, innere Unruhe, Nervosität, nachlassende Motivation sowie Leistungsfähigkeit, Schweißausbrüche, Hitzewallungen und Depressionen erfolgen.

Jedoch müssen nicht alle angeführten Symptome eintreten, damit der Mediziner sicher sein kann, dass es sich um eine Midlife-Crisis handelt. Studien haben ergeben, dass gerade einmal drei Symptome des sexuellen Bereichs - in Verbindung mit einem zurückgehenden Testosteronwert - ausreichen, um die Voraussetzungen einer Midlife-Crisis zu erfüllen. Vor allem die fehlende Morgenerektion kann ein Hinweis auf eine eingetretene Midlife-Crisis beziehungsweise Andropause sein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zu Beginn folgt das Gespräch mit dem behandelnden Arzt; idealerweise einem Endokrinologe oder Urologe. Im weiteren Verlauf werden körperliche Untersuchungen durchgeführt. Dabei versucht der Mediziner organische Ursachen auszuschließen.

Die Diagnose kann nur mittels Blutuntersuchung erfolgen; der Arzt misst die Konzentration der Sexualhormone und kann feststellen, ob eine Andropause eingetreten ist oder nicht. Liegt ein niedriger Testosteronwert vor und befindet sich der Mann zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr, ist von einer Midlife-Crisis auszugehen.

Hellhörig werden Mediziner dann, wenn das Testosteron unter einen bestimmten Wert fällt und weitere Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen hinzukommen. Das Hormon beeinflusst derartige Erkrankungen, die sich wiederum auf das Testosteron auswirken. Ein nicht zu unterschätzender „Teufelskreis“. Die Wechseljahre sind, so vermuten zumindest Mediziner, mit dem 75. Lebensjahr abgeschlossen.

Bislang ist aber nicht eindeutig geklärt, ob es sich tatsächlich um eine derart lange Phase handelt oder nicht, da die Midlife-Crisis bei vielen Männern unbemerkt eintritt. Viele Männer bemerken gar nicht, dass ihr Körper eine Veränderung durchmacht. Andere Männer spüren durchaus, dass etwas nicht stimmt, werden unruhig und versuchen den gesunkenen Testosteronspiegel zu kompensieren.

Komplikationen

Komplikationen kann eine Midlife-Crisis zwar auslösen - aber selten haben diese einen Krankheitswert. Die komplizierten Verwicklungen und die dramatischen Gefühlslagen entstehen durch die krisenhafte Situation, in die viele Menschen durch hormonelle Veränderungen in der Lebensmitte hineinschlittern.

Obwohl eine Lebenskrise in den mittleren Lebensjahren bei beiden Geschlechtern vorkommen kann, scheinen Männer davon häufiger betroffen zu sein. Daher wird die Andropause auch als Klimakterium virile bezeichnet. Bei Frauen spricht man nur vom Klimakterium beziehungsweise der Menopause. Beide sind hormonellen Veränderungen geschuldet, die einiges im Organismus durcheinanderwürfeln.

Zu den üblichen Komplikationen einer Midlife-Crisis gehören Hormonschwankungen, Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen und Depressionen. Dadurch ausgelöst kann es auch zu Identitäts- und Lebenskrisen kommen. Diese können die Betroffenen dazu bringen, mit den bisherigen Lebensentwürfen nicht mehr zufrieden zu sein. Vielfach wird darum der Beruf gewechselt, eine funktionierende Ehe geschieden oder der Lebensstil verändert.

Während es bei manchen Betroffenen zu körperlichen Beschwerden, Haarausfall, Problemen mit der Libido, Gewichtszuwachs oder Faltenbildung kommen kann, verläuft die Krise bei anderen Menschen völlig ohne Komplikationen. Anhaltende Depressionen während einer Midlife-Crisis sollten jedoch behandelt werden. Der Gang zum Psychotherapeuten ist angezeigt, wenn sich der Betroffene immer mehr zurückzieht oder gar Suizidgedanken hegt. Bei Partnerschaftsproblemen, die in der Midlife-Crisis auftreten, kann eine Eheberatung angezeigt sein.

Behandlung & Therapie

Der Rückgang der Hormonproduktion stellt den natürlichen Prozess im Leben eines Mannes dar. Aus diesem Grund ist es nicht notwendig, eine spezielle Therapie zu beginnen; die Midlife-Crisis ist im Endeffekt ein Lebensabschnitt, der eintritt und nicht verhindert oder aufgehalten werden kann. Bei Männern wird auch keine HAT – Hormonersatztherapie - angewandt.

Frauen erhalten jene Therapie zur Linderung der Wechseljahrs-Beschwerden. Da Männer jedoch keine „typischen“ Beschwerden haben, werden auch keine derartigen Therapien empfohlen oder angewandt. Mitunter kann zwar eine Testosteronsubstitutionsbehandlung erfolgen, jene Behandlung zählt aber nicht zum Standard-Verfahren einer Behandlung auf Grund einer eingetretenen Midlife-Crisis.

Die Behandlung ist auch nicht unumstritten, da sie zahlreiche Nebenwirkungen mit sich bringt. Testosteron steht unter anderem im Verdacht, Prostatakrebs zu begünstigen. Zudem gibt es auch keine Langzeit-Studien, die einen tatsächlichen Aufschluss darüber geben, ob die Behandlungen mit Hormonen hilfreich sind oder nicht. Am Ende bleibt nur die Gelassenheit darüber, sich zu verändern und reifer zu werden. Der Mann muss sich, auch wenn es hart klingen mag, mit dem Lauf der Natur abfinden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Der altersbedingte Rückgang der Sexualhormone ist ein natürlicher und auch harmloser Prozess, der definitiv nicht aufgehalten oder gestoppt werden kann. Der Mann kann dennoch fit bleiben, wenn er ausreichend Bewegung hält und sich auch ausgewogen ernährt. Mit einer gesunden Lebenseinstellung, kann er mögliche Beschwerden reduzieren.

Das können Sie selbst tun

Viele Menschen, die eine Midlife-Crisis erleben, fühlen sich orientierungslos. Psychologische Techniken können einem Betroffenen dabei helfen, sich persönliche Bedürfnisse und Ziele bewusst zu machen und sie aktiv anzugehen. Solche Techniken sind zum Beispiel im Selbst-Management zu finden und bilden eine praktische Maßnahme, die sich als Selbsthilfe im Alltag umsetzen lässt.

Ein Beginn kann beispielsweise darin bestehen, Dinge aufzuschreiben, die in der aktuellen Lebensphase gut und schlecht laufen, um anschließend konkrete Entscheidungen und Veränderungen für das eigene Verhalten daraus abzuleiten. Dieser Prozess kann längere Zeit in Anspruch nehmen. Andere Selbsthilfemethoden unterscheiden zentrale Lebensbereiche wie Familie, Beruf und Hobbys. Der Betroffene überlegt anschließend, wie der gegenwärtige Ist-Zustand aussieht und was er sich als Soll-Zustand wünscht. Zum Selbst-Management gehören auch spezifische Hilfsmittel zur Motivation oder zum Zeitmanagement. Im Internet finden sich zahlreiche Anleitungen zu diesen Themen.

Während der Midlife-Crisis spielt soziale Unterstützung oft eine wichtige Rolle. Im Alltag können Betroffene deshalb in ihrem Umfeld nach solchen Ressourcen suchen und bei Bedarf auf die Unterstützung von Familienmitgliedern oder Freunden zurückgreifen.

Nicht immer reicht die Selbsthilfe aus, um eine Midlife-Crisis erfolgreich zu bewältigen. Hinter der scheinbar normalen Lebenskrise kann sich auch eine psychische Krankheit verbergen. In diesem Fall ist es sinnvoll, einen Arzt, Psychologen, Psychotherapeuten oder Berater aufzusuchen und sich nicht allein auf die Selbsthilfe zu verlassen.

Bücher über Wechseljahre

Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Kleine, B., Rossmanith, W.G.: Hormone und Hormonsystem. Springer Verlag, Berlin 2010
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: