Methylphenidat

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Methylphenidat ist mit Amphetamin chemisch verwandt und hat als Arzneimittel eine stimulierende Wirkung. Es ist auch bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin®. Das Medikament wird hauptsächlich für die Behandlung der als ADHS bezeichneten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und der Narkolepsie angewendet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Methylphenidat?

Methylphenidat wirkt wie Amphetamin kurzfristig leistungssteigernd und stimulierend, wobei körperliche Warnfunktionen, wie Schmerz oder Erschöpfung, unterdrückt werden. Außerdem hemmt es den Appetit.

Bei bestimmten psychischen Störungen können sich diese Eigenschaften kurzfristig positiv auswirken, sodass Methylphenidat auch als ein Element der Behandlung dieser Erkrankungen angewendet werden kann. Methylphenidat wird vom Körper schnell resorbiert. Dabei ist es unerheblich, ob es gleichzeitig mit der Nahrung aufgenommen wird.

Es ist bis zu 30 Prozent biologisch verfügbar, wobei es seine maximale Plasmakonzentration nach ca. 2 Stunden erreicht. Die Halbwertzeit seiner Eliminierung aus dem Plasma beträgt wiederum 2 Stunden. Methylphenidat entfaltet seine volle Wirkung für 4 Stunden, bevor es wieder vollständig abgebaut ist.

Pharmakologische Wirkung

Die Wirkung von Methylphenidat beruht auf seinem inhibierenden Einfluss auf die Transporter der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin. Diese Transporter sind verantwortlich für die Wiederaufnahme dieser Neurotransmitter in die präsynaptischen Nervenzellen aus dem synaptischen Spalt.

Da unter dem Einfluss von Methylphenidat die Wiederaufnahme gehemmt wird, bleibt die Konzentration von Dopamin und Noradrenalin im synaptischen Spalt für längere Zeit erhöht. Das bedeutet auch, dass die beiden Neurotransmitter für diese Zeit ihre stimulierende Wirkung auf den Sympathikus aufrechterhalten können. Der Sympathikus sorgt wiederum für eine erhöhte Leistungsbereitschaft des Körpers, wobei damit auch eine erhöhte Aufmerksamkeit verbunden ist.

So treten je nach Ausgangssituation unterschiedliche und scheinbar widersprüchliche Wirkungen auf. Bei in sich gekehrten Personen führt die Stimulierung zu einer erhöhten Aktivität, während bei Personen, die an Aufmerksamkeitsstörungen und gleichzeitig ungerichteter Hyperaktivität leiden, eine Beruhigung mit Steigerung der Konzentrationsfähigkeit eintritt. Da der Sympathikus der Gegenspieler des Parasympathikus ist, werden die Körperfunktionen, die mit der Aktivität des Parasympathikus zusammenhängen, reduziert. Das betrifft die Darmtätigkeit, das Hungerzentrum sowie die Sekret- und Schweißdrüsen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Das Medikament wird hauptsächlich für die Behandlung von ADHS angewendet.

Methylphenidat wird hauptsächlich bei zwei Symptomenkomplexen, dem ADHS und der Narkolepsie, angewendet. Während beim ADHS die Hyperaktivität mit einer Aufmerksamkeitsstörung im Vordergrund steht, sind die Hauptsymptome bei der Narkolepsie der extreme Schlafdrang und die Müdigkeit.

Beide Erkrankungen können mit Methylphenidat gut modulierend in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden positiv beeinflusst werden. Da die Ursachen beider Erkrankungen äußerst komplex sind, ist eine alleinige Behandlung mit Methylphenidat nicht ausreichend. Es können nur Symptome behandelt werden, nicht jedoch die Ursachen. So beruht ADHS z. B. auf einer Fehlregulierung der Signalweiterleitung durch nicht abgestimmte unterschiedliche Aktivitäten bestimmter Neurotransmitter in verschiedenen Bereichen des Gehirns.

Methylphenidat reguliert und normalisiert in der Zeit seiner Wirkung diese Aktivitäten. Zu beachten ist auch, dass auf der Grundlage der medikamentös reduzierten Symptome eine psychotherapeutische Behandlung von ADHS bessere Erfolge bringt. Vor allem Kinder ab 6 Jahren mit den Symptomen von ADHS sprechen gut auf die kombinierten Behandlungsmethoden an. Durch die medikamentöse Dämpfung der Hyperaktivität und Steigerung der Aufmerksamkeit können z. B. die schulischen Leistungen dieser Kinder verbessert werden, was sich wiederum auf ihr Selbstwertgefühl positiv auswirkt.

Daher kann die Behandlung von ADHS mit Methylphenidat nur im Gesamtkontext betrachtet werden. Bei Narkolepsie wird Methylphenidat häufig zur Reduzierung der Tagesmüdigkeit verordnet.

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Risiken & Nebenwirkungen

Die Einnahme von Methylphenidat muss immer unter ärztlicher Aufsicht stehen, weil sein Einsatz auch viele Nebenwirkungen hervorrufen kann. So ist es erforderlich, je nach Reaktion auf dieses Medikament die Dosierung individuell abzustimmen. Bei Narkolepsie-Patienten kann es häufig zu Konzentrationsstörungen, starkem Schwitzen und Geräuschempfindlichkeit kommen.

Allgemein kann eine Vielzahl von psychologischen und neurologischen Nebenwirkungen unterschiedlicher Art auftreten. Auch Herz-/Kreislaufstörungen, wie Herzrhythmusstörungen, Erhöhung des Blutdrucks und sogar Herzinfarkte oder Schlaganfälle werden beobachtet.

Die Vielzahl von unterschiedlichen, teilweise sogar widersprüchlichen Nebenwirkungen, deutet auf die komplexen Prozesse hin, die bei der medikamentösen Beeinflussung der Regulierungsmechanismen im Körper stattfinden.

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