Methadon

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. Juni 2017
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Methadon ist als Wirkstoff im Rahmen eines Heroinentzugs bekannt. Das Opioid verfügt über starke schmerzstillende Effekte.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Methadon?

Bei Methadon handelt es sich um ein Opioid, das komplett synthetisch hergestellt wird. Bekanntheit erlangte der Wirkstoff als Ersatzmittel bei der Entziehung von Heroin. Seit dem Jahr 2005 steht Methadon auf der WHO-Liste der unentbehrlichen Medikamente.

Die Entwicklung von Methadon fand 1937 durch die deutschen Chemiker Max Bockmühl (1882-1949) und Gustav Ehrhart (1894-1971) statt, die für die I.G. Farben tätig waren. 1938 folgte die Anmeldung des Wirkstoffes zum Patent. Zur Feststellung der schmerzstillenden Wirkung von Methadon kam es jedoch erst 1942. 1945 wurde der definitive Nachweis dieses Effektes erbracht.

Nach Ende des 2. Weltkrieges gelangte Methadon durch die Patent- und Vorschriftenenteignung in die USA, wo es 1947 seinen gebräuchlichen Namen erhielt. Das Herstellungsrecht ließ sich von jedem Unternehmen erwerben, sodass Methadon mit unterschiedlichen Namen vertrieben wurde. Nachdem in Deutschland 1949 die I.G. Farben aufgelöst worden war, gelangte das Mittel auch dort als starkes Schmerzmittel auf den Markt.

Der Einsatz von Methadon als Substitutionsmittel gegen die Abhängigkeit von Heroin begann in den 1960er Jahren. Dabei diente der Arzneistoff als Ersatzmittel. Auf diese Weise sollten die Patienten eine nachhaltige Abstinenz vom Heroin erlangen.

Pharmakologische Wirkung

Zur Therapie einer Heroinsucht gehört nicht nur das Bekämpfen der körperlichen Sucht, sondern auch der psychischen Abhängigkeit. Nach dem Absetzen der Droge denkt die betroffene Person nur noch daran, wie sie sich das Mittel erneut beschaffen kann. Außerdem leidet sie unter Übelkeit, Schweißausbrüchen und Zittern. Mediziner sprechen in einem solchen Fall auch vom Craving.

Um dieses wirksam zu bekämpfen, kommt Methadon zur Anwendung. Dabei bindet sich das synthetische Opioid an dieselben Andockstellen im Körper wie Heroin. Weil es die Rezeptoren jedoch für längere Zeit blockiert, erweist sich die Euphorie, die beim Heroinkonsum auftritt, als deutlich geringer und der typische „Heroinkick“ fällt aus. Einen weiteren Effekt stellt das Abmildern oder Verhindern der Entzugserscheinungen dar.

Wird die richtige Methadon-Dosis erzielt, ist der Patient in der Lage, seinen Alltag wieder leichter zu bewältigen. Außerdem fühlt er sich ohne die Entzugsbeschwerden besser und hat wieder Kontrolle über seine körperlichen und geistigen Kräfte. Auf diese Weise kann er Schritt für Schritt wieder in ein normales Leben zurückkehren.

Die Wirkung des Methadons, das oral verabreicht wird, setzt ca. 30 Minuten nach seiner Darreichung ein. Etwa vier Stunden nach der Einnahme erreicht das Mittel seine höchste Wirkung, die ungefähr 24 Stunden vorherrscht, sofern die korrekte Dosierung gewählt wurde.

Zu rund 80 Prozent wird Methadon im Darm aufgenommen. Von dort aus erreicht es das zentrale Nervensystem, wo es seinen positiven Effekt entfaltet. Das Ausscheiden des Arzneistoffes findet über die Nieren statt.

Eine schnellere Wirkung erzielt Methadon, wenn es zur Therapie von Schmerzen in die Blutbahn injiziert wird. Auch dann erfolgt der Abbau des Medikaments aus dem Körper über die Nieren.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Methadon ist als Wirkstoff im Rahmen eines Heroinentzugs bekannt. Das Opioid verfügt über starke schmerzstillende Effekte.

Zur Anwendung kommt Methadon in erster Linie zur Bekämpfung von Heroinsucht. Auf diese Weise wird das Heroin durch eine andere Droge ersetzt, deren Verabreichung kontrolliert erfolgt. Im Laufe der Zeit verringert sich die Methadon-Dosis mehr und mehr, um die betroffene Person allmählich vom Heroin zu entwöhnen.

Als Levomethadon wird das Opioid auch zur Behandlung von stark ausgeprägten Schmerzen verabreicht. Dies kann zum Beispiel bei Krebsleiden der Fall sein. Es wird zudem diskutiert, ob Methadon möglicherweise positiven Einfluss auf die Bekämpfung von Tumoren nehmen kann. Einzelfälle lassen darauf schließen, jedoch wurden bisher keine großangelegten Studien finanziert.

Die Verabreichung von Methadon findet oral durch das Schlucken eines Sirups statt. Die Einnahme des Mittels wird einmal am Tag vorgenommen, was in der Anfangsphase unter Aufsicht eines Arztes oder Apothekers erfolgt. Nach gewisser Therapiezeit besteht die Möglichkeit, dass der Patient seinen wöchentlichen Methadonbedarf unter Vorbehalt in den eigenen vier Wänden einnimmt.

Wird Methadon gegen Schmerzen eingesetzt, lässt es sich in Form von Tropfen oder Injektionslösungen verabreichen. Die empfohlene Tagesdosis schwankt zwischen 2,5 und 7,5 Milligramm.

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Risiken & Nebenwirkungen

In der Anfangsphase der Methadon-Behandlung können sich unterschiedliche Nebenwirkungen zeigen. Dazu gehört in erster Linie die Dämpfung, die in den ersten vier bis sechs Wochen zu verzeichnen ist. Der beruhigende Effekt lässt normalerweise im weiteren Behandlungsverlauf nach. Häufig treten zudem Schweißausbrüche und Verstopfung auf, was auf die Auswirkungen des Methadons auf das vegetative Nervensystem zurückzuführen ist. Im Laufe der Behandlung kommt es jedoch zu einer Toleranz des Nervensystems gegenüber Methadon.

Als weitere denkbare Nebeneffekte treten Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Juckreiz, Mundtrockenheit, eine langsamere Atmung und Schlafstörungen auf. In solchen Fällen kann das Absenken der Methadon-Dosis sinnvoll sein.

Besonders bedenklich ist eine Methadonvergiftung durch eine Überdosierung. Diese kann mitunter sogar lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Das Risiko an einer unbehandelten Heroinsucht zu sterben, liegt allerdings deutlich höher.

Als Gründe für Todesfälle durch Methadon gelten eine unsachgemäße Einnahme oder der Konsum von weiteren Drogen wie Alkohol. U.a. steigt dadurch die Gefahr einer Atemlähmung an. Bemerkbar macht sich eine Methadonvergiftung durch einen flachen langsamen Puls, eine Verengung der Pupillen, den Abfall des Blutdrucks, Bewusstseinsverlust und herabgesetzte Atmung. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Atemstillstand kommen. Zeigen sich derartige Symptome, ist umgehend ein Notarzt zu benachrichtigen.

Nicht verabreicht werden darf Methadon, wenn der Patient unter erheblichen Störungen der Leberfunktion leidet.

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