Methämoglobinämie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Methämoglobinämie

Von einer Methämoglobinämie spricht man bei einem erhöhten Anteil von Methämoglobin im Blut. Beim Methämoglobin handelt es sich um ein Derivat des Hämoglobins, welches den roten Blutkörperchen ihre Farbe verleiht und Sauerstoff zum Transport durch den Körper bindet. Da Methämoglobin keinen Sauerstoff binden kann, kommt es bei der Methämoglobinämie zu einer systemischen Unterversorgung mit Sauerstoff, die sich u. a. durch bläuliche Hautverfärbungen, Müdigkeit und Schwindel bemerkbar macht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Methämoglobinämie?

Eine Methämoglobinämie liegt vor, wenn der Anteil des Methämoglobins am Gesamthämoglobingehalt des Blutes seinen physiologischen Wert übersteigt. Ein genauer Schwellenwert ist dabei nicht definiert.

Bei einem Gesunden liegt der Methämoglobinanteil bei etwa 3%. Erste klinische Symptome treten ab ca. 10% auf, ernsthafte Gewebehypoxien ab 30% (insbesondere im Gehirn). Ab 40% Methämoglobinanteil besteht Lebensgefahr. Hämoglobin (Hb) ist ein Protein, das aus 4 Untereinheiten besteht. In jede Untereinheit ist ein Eisenatom der Oxidationsstufe II eingebettet, das Sauerstoffmoleküle binden und abgeben kann. Wird das zweiwertige Eisenatom zu einem dreiwertigen Eisenatom oxidiert, entsteht Methämoglobin (MetHb).

Methämoglobin kann nicht nur selbst keinen Sauerstoff binden, sondern beeinflusst auch das Hämoglobin in seiner Umgebung dahingehend, dass dieses den Sauerstoff nur noch bindet, aber nicht mehr abgibt. Daher gefährdet eine Methämoglobinämie die Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus.

Ursachen

Grundsätzlich unterscheidet man eine angeborene Methämoglobinämie von einer erworbenen Methämoglobinämie. Die angeborene Variante geht auf Gendefekte im Hämoglobin oder in Enzymen, die einer Oxidation des Hämoglobins vorbeugen, zurück, ist aber sehr selten.

Wesentlich häufiger entsteht eine Methämoglobinämie durch Intoxikation. Als Auslöser kommen viele verschiedene Substanzen infrage: Im klinischen Alltag treten Methämoglobinämien am häufigsten nach Gabe bestimmter Medikamente auf, darunter Dapsone und Lokalanästhetika vom Typ Amide. Auch aromatische Verbindungen in Farbstoffen (z. B. Anilin) und Nitritverbindungen sind als Auslöser bekannt.

Zu Nitritvergiftungen kommt es beispielsweise durch Pökelsalz, ungekühlt aufbewahrte Spinatgerichte oder bei der Zubereitung von Babynahrung mit nitrathaltigem Wasser. Gehäufte Fälle von Methämoglobinämie bei Säuglingen (sog. Säuglingsblausucht) in den 1950er und 1960er Jahren haben in Deutschland zur Einführung von Nitrat-Grenzwerten im Trinkwasser geführt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Erstes Anzeichen einer Methämoglobinämie ist eine Zyanose, d. h. eine bläuliche bis gräuliche Verfärbung der Haut. Diese macht sich insbesondere an den Lippen und an Schleimhäuten bemerkbar.

Das Methämoglobin selbst weist eine braune Farbe auf; daher sieht unter Methämoglobinämie frisch entnommenes Blut schokoladenbraun aus. Weitere Symptome sind Schwindel, Müdigkeit, Bewusstseinsstörungen, Atemnot und ein beschleunigter Herzschlag (Tachykardie). Gesichert wird die Diagnose Methämoglobinämie durch eine spektroskopische Blutuntersuchung.

Daneben existiert ein einfacher Bedside-Test, bei dem ein Tropfen normales Blut und ein Tropfen Patientenblut nebeneinander auf ein Filterpapier geträufelt und eine Minute später verglichen werden. Bei Methämoglobinämie behält das Patientenblut seine charakteristische braune Farbe. In die Irre führen kann eine pulsoxymetrische Messung der Sauerstoffsättigung:

Diese zeigt auch bei schwerer Methämoglobinämie noch eine hohe Sauerstoffsättigung an. Eine unbehandelte Methämoglobinämie kann tödlich enden, wenn der Sauerstoffmangel so schwer und langanhaltend ist, dass Gewebe abstirbt. Besonders empfindlich reagieren Gehirn und Nieren.

Komplikationen

Durch die Methämoglobinämie kommt es beim Patienten in erster Linie zu einer stark verringerten Versorgung an Sauerstoff. Diese Unterversorgung wirkt sich sehr negativ auf die gesamte Gesundheit des Patienten aus und kann die Lebensqualität deutlich verringern. In den meisten Fällen werden auch die inneren Organe durch diese Unterversorgung geschädigt.

Die Betroffenen leiden dabei auch an Kopfschmerzen und an einer Müdigkeit, wobei es in schwerwiegenden Fällen durch die Methämoglobinämie auch zu einer Atemnot kommen kann. Weiterhin wird auch das Gehirn durch die mangelnde Versorgung geschädigt. Im weiteren Verlauf der Krankheit kommt es zu einem Bewusstseinsverlust und damit möglicherweise zu einer Verletzung, falls es dabei zu einem Sturz kommt.

Die Betroffenen leiden an einer Störung des Bewusstseins und an einer Blaufärbung der Haut. Die Belastbarkeit des Betroffenen wird durch die Methämoglobinämie deutlich gesenkt, sodass auch die Ausführung gewöhnlicher Tätigkeiten oder Berufe eingeschränkt sei kann. In der Regel kann die Methämoglobinämie relativ einfach und schnell behandelt werden, sodass es in den meisten Fällen nicht zu Komplikationen oder Folgeschäden kommt.

Komplikationen treten in der Regel dann auf, wenn es nicht zu einer Behandlung kommt und die Unterversorgung über einen längeren Zeitraum andauert. Daher wird auch die Lebenserwartung durch die Methämoglobinämie in der Regel nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Die Prognose einer Methämoglobinämie ist in der Regel gut. Leichte Intoxikationen bilden sich von allein zurück, sofern die toxische Substanz nicht weiter zugeführt wird.

Grundlage dieser Rückbildung ist die Tatsache, dass im menschlichen Körper ständig Erythrozyten abgebaut und neu gebildet werden (etwa 2 Millionen pro Sekunde) und die vergifteten Erythrozyten auf diesem Weg ausgetauscht werden. Bei ernsten Vergiftungen besteht die Therapie aus Sauerstoffgaben und einer intravenösen Zufuhr von Lösungen mit Redoxfarbstoffen wie Methylenblau oder Toluidinblau.

Bei sehr schweren Fällen kann auch eine Bluttransfusion nötig werden. Ein weiteres Antidot ist Ascorbinsäure (Vitamin C). Tägliche Vitamin C-Gaben sind das Mittel der Wahl bei erblichen Methämoglobinämien; diese sind nicht heilbar, sondern können nur gelindert werden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Einer Methämoglobinämie lässt sich im Wesentlichen dadurch vorbeugen, dass man den Umgang mit toxischen Auslösern vermeidet. Säuglinge, die besonders anfällig für eine Methämoglobinämie sind, dürfen keine Lebensmittel mit hohem Nitritgehalt konsumieren.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Methämoglobinämie genügt es meistens, die auslösende Substanz zu meiden. Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten in Rücksprache mit dem Arzt auf ein anderes Arzneimittel wechseln oder die Dosis verringern. Sollte es in Folge einer übermäßigen Einnahme von Pökelsalz oder Spinatgerichten zu den typischen Beschwerden kommen, ist ebenfalls ein Arztbesuch angezeigt.

Die Betroffenen sollten außerdem ihre Ernährung umstellen und bei anhaltenden Beschwerden mit einem Ernährungsmediziner sprechen. Die einzelnen Symptome müssen individuell behandelt werden. Bei Kopfschmerzen und Müdigkeit helfen Schlaf und sanfte Beruhigungs- und Schmerzmittel aus der Naturheilkunde. Schwindel und Verwirrtheit können meist durch Bewegung an der frischen Luft gelindert werden. Je nach Intensität der Beschwerden ist außerdem Bettruhe und Schonung angezeigt.

Sollten Komplikationen auftreten, muss mit einer Methämoglobinämie auf jeden Fall in ein Krankenhaus gegangen werden. Vor der Behandlung einer Methämoglobinämie ist eine ausreichende Ernährung und viel trinken wichtig. Ansonsten kann es zu einem Kreislaufschock und Beschwerden wie Fieber kommen. Nach der Therapie gilt für den Betroffenen zunächst Bettruhe und Schonung. Der zuständige Arzt kann weitere Tipps geben, wie die Beschwerden am besten überwunden werden können.

Bücher über Blutwerte

Quellen

  • Burkhardt, D.: Gesund leben. Laborwerte deuten. Müller Verlag, Köln 2005
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: