Metamorphopsie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. Oktober 2017
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Patienten mit einer Metamorphopsie leiden an subjektiv empfundenen Sehstörungen. Die Ursache für dieses Phänomen ist meist im psychischen oder neurogenen Bereich zu suchen, wobei die Sehstörung von Verzerrungen bis Proportionsveränderungen unterschiedliche Form annehmen kann. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Metamorphopsie?

Der Sehsinn ist aus evolutionsbiologischer Sicht eines der wichtigsten Sinnessysteme des Menschen. Gegenüber anderen Lebewesen hat das Sehsystem des Menschen einen Überlebensvorteil gesichert. Seit Anbeginn der Menschheit hat sich der Mensch mitunter am meisten auf die Wahrnehmung durch die Augen verlassen, um Gefahren und Chancen in seiner Umwelt abzuschätzen.

Menschen gelten daher als augengesteuerte Lebewesen. Da das Sinnessystem wie alle anderen Sinnessysteme einem hochkomplexen, neuronal gesteuerten System entspricht, treten Störungen des Sehsystems relativ häufig auf. Eine Gruppe aus Sehstörungen bildet die Metamorphopsie. Hierbei handelt es sich um eine subjektiv empfundene Sehstörung, die nicht zwingend auf körperliche Ursachen zurückzuführen ist.

Die Metamorphopsie kann in unterschiedlichen Formen auftreten. Beispiele sind die Mikropsie, die Makropsie, die Dysmorphopsie oder die Teleopsie und die Pelopsie. Weitere Formen liegen mit der Achromatopsie, der Chromatopsie, der Akineteopsie und dem Corona-Phänomen vor. In jedem Fall berichten die Betroffenen von einer verzerrten oder anderweitig veränderten Wahrnehmung ihrer Umgebung. Neben der einfachen Metamorphopsie existiert eine komplizierte Metamorphopsie, die psychische Auswirkungen zeigt.

Ursachen

Als Ursachen einer subjektiv empfundenen Sehstörung kommen körperliche und psychische Phänomene in Betracht. Falls körperliche Pathogenese vorliegt, leiden die Betroffenen entweder an einer Augenerkrankung oder an einer neurogenen Erkrankung. Mit neurogener Ursache tritt die Metamorphopsie vor allem nach Beschädigungen des Sehnervs oder der Sehbahnen ein.

Diesen Phänomenen können beispielsweise Schlaganfälle oder Hirnblutungen im Rahmen eines Schädel-Hirn-Traumas vorausgehen. Auch entzündliche Veränderungen innerhalb der neuronalen Sehzentren kommen als neurogene Faktoren in Frage. Psychische Ursachen können zum Beispiel im Rahmen einer Derealisation vorliegen.

Als Derealisation wird ein Zustand bezeichnet, bei dem die Patienten ihre Umwelt als entfernt, künstlich oder unecht wahrnehmen. Proportionen können dabei zum Beispiel als fehlerhaft empfunden werden. In den meisten Fällen gehen Derealisationen mit Depersonalisation einher. Ein solcher Zustand kann sich zum Beispiel einstellen, wenn Menschen eine lebensbedrohliche Situation durchmachen.

Über Derealisation und Depersonalisation entzieht sich der Patient der Welt beziehungsweise nimmt die Welt nicht mehr als real wahr, um sich vor den lebensbedrohlichen oder anderweitig traumatisierenden Umweltgeschehnissen zu schützen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Verschiedene Symptome kennzeichnen die Metamorphopsie im Einzelfall. Der Zustand der Patienten hängt von der Form der Metamorphopsie ab. Bei der Mikropsie nimmt der Patient seine Umgebung oder einzelne Details daraus zum Beispiel in Verkleinerung wahr. Bei der Makropsie sieht er Details oder die Gesamtumgebung in Vergrößerung.

Patienten mit Dysmorphopsie erleben ihre Umgebung dagegen als unförmig und verzerrt. Bei der Teleopsie rückt die Umwelt in weite Ferne und bei der Pelopsie rücken Objekte unnatürlich nahe heran. Patienten mit Achromatopsie nehmen keine Farben wahr. Bei der Chromatopsie verändert sich die Farbwahrnehmung von einzelnen Objekten oder, wie bei der Cyanopsie, der Gesamtumgebung.

Patienten mit Akineteopsie nehmen bewegte Objekte überhaupt nicht mehr wahr und beim Corona-Phänomen liegt eine farbige Umrahmung um einzelne Gegenstände der Umwelt. Vor allem bei einer Gesamtverzerrung der visuellen Wahrnehmung stellen sich häufig psychische Beschwerden ein, so zum Beispiel Angst oder depressive Verstimmung. Falls dem Wahrnehmungsphänomen eine psychische Ursache zugrunde liegt, liegen begleitsymptomatisch in der Regel abnorme Emotionsregungen vor.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Charakterisierung einer jeden Sehstörung umfasst eine differentialdiagnostische Abklärung des Problems. Die ersten Hinweise auf eine Metamorphopsie erhält der Arzt in der Anamnese. Er grenzt im Rahmen der Diagnostik die Ursache auf den neurologischen, den augengeweblichen oder den psychischen Bereich ein.

Mit diesem Ziel erfolgt neben einer ophthalmologischen und neurologischen Abklärung eine psychiatrische Einschätzung des Patienten. Innerhalb der Augenheilkunde steht zum Zweck der Sehstörungsdiagnostik der Amsler-Test zur Verfügung. Die Prognose der Patienten variiert in Abhängigkeit von der Ursache. Neurogene Sehstörungen haben die mitunter schlechtesten Heilungsaussichten.

Komplikationen

In den meisten Fällen führt die Metamorphopsie sowohl zu psychischen als auch zu physischen Einschränkungen beim Patienten. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an Sehstörungen und Sehbeschwerden, die allerdings durch psychische Ursachen auftreten. Sehstörungen können sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken und diese verringern.

Auch der Alltag wird durch diese Störungen deutlich erschwert, sodass es zu Beeinträchtigungen bei verschiedenen Tätigkeiten kommt. Nicht selten führen die Sehbeschwerden zu Schwindel, Übelkeit und zur Störung der Konzentration und der Koordination. Vor allem bei Kindern kann die Metamorphopsie zu Störungen der Entwicklung führen.

Durch die Krankheit erscheint die Außenwelt für den Patienten entweder vergrößert oder verkleinert. Dabei kann es auch zu gefährlichen Situationen kommen, wenn der Patient bestimmte Gefahren nicht erkennen oder nicht einschätzen kann. Weiterhin tritt die Metamorphopsie in der Regel zusammen mit Depressionen und Angstzuständen auf. Die Betroffenen können auch an epileptischen Anfällen leiden.

Eine direkte Behandlung der Metamorphopsie ist nicht möglich, die Behandlung richtet sich stark nach der psychischen Ursache. Ob es dabei zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt, kann nicht allgemein vorausgesagt werden. In der Regel wird die Lebenserwartung des Patienten durch die Metamorphopsie allerdings nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Die Therapie von Patienten mit Metamorphopsie richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Bei psychischen Ursachen wie einer Derealisation sind unterschiedliche Therapieansätze in Anwendung. Die medikamentöse Therapie soll den Patienten vor allem die Angst vor den verzerrten Wahrnehmungen nehmen. In der psychotherapeutischen Therapie wird oft ein kognitionsdynamischer Ansatz verfolgt.

Die Patienten lernen dabei, ihre visuellen Wahrnehmungen neu zu bewerten und sie nicht mehr als irreal oder verzerrt zu empfinden. Die subjektive Sehstörung tritt in Assoziation zu körperlichen Ursachen vor allem im Rahmen eines Alice-im-Wunderland-Syndroms auf. Dieses Syndrom kennzeichnet häufig Migräne-Anfälle oder epileptische Anfälle. In diesem Zusammenhang bessert sich die Metamorphopsie der Patienten, sofern sich die Grunderkrankung bessert.

Die Betroffenen werden in der Regel konservativ medikamentös versorgt, um die Anfälle hinauszuzögern. Falls Vernarbungen im Bereich der Augen mit der Sehstörung in Zusammenhang stehen, werden die Narben so gut wie möglich mit einem Laser abgetragen. Metamorphopsien aufgrund von rechtsseitig posterioren Hirnschädigungen lassen sich kaum behandeln. Nervengewebe im Gehirn ist hochspezialisiert. Das Gehirn kann sich von Schädigungen daher meist nicht vollständig erholen.

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Vorbeugung

Psychisch bedingten Metamorphopsien lässt sich vorbeugen, indem die psychische Konstitution des Patienten gestärkt wird. Eine Verbesserung der Konstitution lässt sich zum Beispiel mit rechtzeitiger Psychotherapie in Belastungssituationen erzielen.

Das können Sie selbst tun

Die Möglichkeiten der Selbsthilfe und Selbstbehandlung bei der Metamorphopsie sind relativ stark eingeschränkt.

In der Regel sind die Betroffenen immer auf eine ärztliche Behandlung angewiesen, um die Beschwerden einzuschränken. Dabei eignet sich vor allem eine psychologische oder therapeutische Behandlung der Erkrankung. Diese kann in vielen Fällen durch Gespräche mit Freunden oder dem eigenen Partner unterstützt und begleitet werden. Auch Gespräche mit anderen Betroffenen der Metamorphopsie können sich positiv auf den Verlauf der Erkrankung auswirken. Da die Patienten häufig an Migräne und an epileptischen Anfällen leiden, sollten keine gefährlichen oder anstrengenden Tätigkeiten im Alltag durchgeführt werden. Bei einem epileptischen Anfall ist sofort ein Notarzt zu rufen. Falls der Patient ansprechbar ist, so sollte dieser beruhigt werden. Im Falle eines Bewusstseinsverlustes sind eine regelmäßige Atmung und eine stabile Seitenlage sicherzustellen.

Die Metamorphopsie kann in der Regel vermieden werden, indem der Betroffene schon früh psychische Beschwerden oder Depressionen erkennt und diese therapieren lässt. Dabei sind nicht immer Besuche bei einem Arzt notwendig. Häufig helfen auch klärende Gespräche mit den Eltern oder mit anderen engen Menschen.

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Quellen

  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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