Mesenterialinfarkt

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
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Ein Mesenterialinfarkt bezeichnet den akuten Verschluss eines Darmgefäßes, der unbehandelt zum Absterben von Darmabschnitten führt. Es handelt sich um ein lebensbedrohliches Krankheitsbild, das häufig zu spät erkannt wird und eine hohe Letalität aufweist. Betroffen sind meist Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Mesenterialinfarkt?

Beim Mesenterialinfarkt wird ein Darmgefäß durch eine Embolie oder eine Thrombose verstopft, wobei sowohl Darmarterien als auch Darmvenen betroffen sein können.

Der Darm im Versorgungsgebiet des betroffenen Gefäßes wird nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, sodass - ohne rechtzeitige Gegenmaßnahmen - das Gewebe abstirbt (Infarzierung und Nekrotisierung). Beim arteriellen Mesenterialinfarkt ist in 85% der Fälle die Arteria mesenterica superior („obere Eingeweidearterie“) betroffen, welche große Teile des Dünndarms, Dickdarms und der Bauchspeicheldrüse versorgt.

Die übrigen 15% entfallen zu etwa gleichen Teilen auf den Truncus coeliacus („Bauchhöhlenstamm“), in dessen Versorgungsgebiet neben Magen, Leber, Milz und Bauchspeicheldrüse der Zwölffingerdarm liegt, und auf die Arteria mesenterica inferior („untere Eingeweidearterie“), die den absteigenden Dickdarm und den oberen Mastdarm ernährt. Ein Mesenterialinfarkt der Arteria mesenterica inferior hat eine bessere Prognose.

Ursachen

Die Ursache eines Mesenterialinfarkts liegt entweder in einer Embolie oder einer Thrombose. Embolien treten typischerweise bei Patienten mittleren Alters auf.

Kardiale Vorerkrankungen wie Herzarrhythmien oder künstliche Herzklappen begünstigen die Entstehung eines Embolus im Herzen, der zunächst in die Aorta und schließlich in die Eingeweidegefäße verschleppt wird. Thrombosen in den Mesenterialarterien entstehen eher bei älteren Patienten durch Arteriosklerose.

Durch Fetteinlagerungen, Bindegewebswucherungen und entzündliche Vorgänge verdickt sich die Gefäßwand, bis kein ausreichender Blutfluss mehr möglich ist. Seltener ist eine Mesenterialvenenthrombose verantwortlich für den Mesenterialinfarkt. Ihr geht meist eine Thrombose begünstigende Grunderkrankung voraus, z. B. eine lokale Entzündung, eine Sepsis oder eine Gerinnungsstörung.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Ein Mesenterialinfarkt verläuft klassischerweise in 3 Stadien. Leitsymptom im Anfangsstadium ist ein akutes Abdomen: ein plötzlich einsetzender, starker, kolikartiger Bauchschmerz.

Abwehrspannung ist oft initial nicht vorhanden. Leider ist das akute Abdomen ein relativ unspezifisches Zeichen, das viele Ursachen haben kann. Deshalb wird die Notfalldiagnose häufig nicht schnell genug gestellt. Hinzu kommt, dass die Schmerzen nach einigen Stunden durch das Versiegen der Darmperistaltik nachlassen und so eine scheinbare Besserung einsetzt.

Diese zweite Phase bezeichnet man als „faulen Frieden“. Eine Blutgasuntersuchung liefert wichtige Hinweise (metabolische Azidose, Laktatazidose). Erhöhte Leukozytenwerte weisen auf entzündliche Prozesse hin. Apparativ lässt sich der Mesenterialinfarkt durch eine Röntgenübersicht des Abdomens, durch Sonografie und/ oder CT-Angiografie darstellen.

Wird der Mesenterialinfarkt nicht rechtzeitig diagnostiziert, verschlechtert sich der Zustand des Patienten nach ca. 12 Stunden durch fortgeschrittene Darmnekrosen massiv. Das Endstadium beginnt: Der Patient gerät in einen septischen Schock mit Darmverschluss (Ileus) und Bauchfellentzündung (Peritonitis). Unbehandelt ist der Mesenterialinfarkt ein sicheres Todesurteil.

Komplikationen

Durch den Mesenterialinfarkt kommt es im schlimmsten Fall zum Tode des Patienten. Diese Komplikation tritt in der Regel allerdings nur dann auf, wenn der Mesenterialinfarkt nicht behandelt wird. Die Betroffenen leiden dabei an sehr starken Schmerzen im Bereich des Magens und des Darms, wodurch es zu erheblichen Einschränkungen in der Lebensqualität kommt.

Ebenso kommt es nicht selten zu Durchfall und zu einem angespannten Bauch. Die Belastbarkeit des Patienten sinkt und es kommt oft zu einer Abgeschlagenheit. Nicht selten führt der Mesenterialinfarkt auch zu einem verringerten Appetit und damit auch zu Mangelerscheinungen. Durch die dauerhaften Schmerzen leiden viele Patienten auch an Depressionen und psychischen Beschwerden oder Verstimmungen.

Beim Mesenterialinfarkt ist eine direkte Operation notwendig, um Folgeschäden und den Tod des Betroffenen zu vermeiden. Diese muss in der Regel einige Stunden nach dem Auftritt des Mesenterialinfarktes auftreten. In den meisten Fällen kommt es bade nicht zu Komplikationen, allerdings müssen abgestorbene Teile des Darms entfernt werden.

Nach dem Eingriff kommt es in den meisten Fällen zu einer großen Narbe auf dem Bauch. Ob die Lebenserwartung durch den Mesenterialinfarkt verringert wird, kann in der Regel nicht vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Der Mesenterialinfarkt ist ein internistischer Notfall und erfordert schnelles Handeln. Bereits 2 Stunden nach Einsetzen des Infarkts können Darmnekrosen auftreten.

Das betroffene Darmgewebe kann also nur gerettet werden, wenn eine frühe Operation die Gefäße wieder durchgängig macht. Die Operation erfordert einen großen Bauchschnitt und wird als Laparatomie mit (versuchter) Embolektomie bezeichnet. Ist das Gewebe bereits irreversibel geschädigt, müssen die abgestorbenen Darmanteile entfernt werden. Häufig wird ca. 12 Stunden nach erfolgreicher Erstoperation eine sog. Second-Look-Operation durchgeführt, um etwaige weitere Nekrosen zu resezieren.

Die postoperative Versorgung muss einer Sepsis und Peritonitis sowie weiteren Thrombosen entgegenwirken. Besonders wegen des kurzen Zeitfensters für eine erfolgversprechende Therapie hat ein Mesenterialinfarkt eine ungünstige Prognose. Im Durchschnitt liegt die Letalität des Mesenterialinfarkts bei 90%. Operierte Patienten haben eine Überlebenschance von 50%.

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Vorbeugung

Der Prävention eines Mesenterialinfarkts dienen zum einen Maßnahmen, die generell Arteriosklerose vorbeugen: Verzicht auf Zigaretten, gesunde Ernährung mit gesunden Fetten sowie ausreichende Bewegung. Zum anderen ist bei Risikopatienten eine Thromboseprophylaxe mit Gerinnungshemmern wichtig, insbesondere bei älteren Herzkranken. Jenseits der Prävention ist es entscheidend, gerade bei diesen Risikopatienten im Ernstfall an die mögliche Diagnose Mesenterialinfarkt zu denken, um keine rettende Zeit verstreichen zu lassen.

Das können Sie selbst tun

In der Regel kann ein Mesenterialinfarkt nicht durch verschiedene Selbsthilfebehandlungen bekämpft werden. Bei dieser Erkrankung ist auf jeden Fall das Aufsuchen eines Arztes notwendig, um Komplikationen oder im schlimmsten Falle den Tod des Betroffenen zu vermeiden.

Vor allem in akuten Notfällen sollte direkt das Krankenhaus aufgesucht oder ein Notarzt gerufen werden. Dies ist dann der Fall, wenn der Betroffene an einer starken Spannung des Bauches oder an einem Darmverschluss leidet. Diese Beschwerden werden dabei von starken Schmerzen begleitet. Die Behandlung des Mesenterialinfarktes erfolgt immer in einem Krankenhaus durch einen operativen Eingriff und führt meistens auch zu einem Erfolg, falls der Eingriff frühzeitig durchgeführt wird. Häufig ist dabei auch noch ein zweiter Eingriff notwendig, um weitere Nekrosen zu vermeiden.

Ein Mesenterialinfarkt kann durch einen gesunden Lebensstil vermieden werden. Dazu zählen eine gesunde Ernährung und auch sportliche Betätigungen. Ebenso wirkt sich der Verzicht von Alkohol und Zigaretten ebenfalls positiv auf die Erkrankung aus. Risikopatienten sollten dabei an regelmäßigen Untersuchungen teilnehmen, um einen Mesenterialinfarkt zu vermeiden. Bei einer erfolgreichen Behandlung kommt es meistens nicht zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

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