Merkelzell-Polyomavirus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Juni 2017
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Das Merkelzell-Polyomavirus verursacht beim Menschen Hautkrebs. Dieser hat eine bösartige Form und gilt als aggressiv. Das Virus wurde erstmalig Anfang des 21. Jahrhunderts entdeckt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Merkelzell-Polyomavirus?

Das Merkelzell-Polyomavirus ist für die Ausbildung eines bösartigen Hautkrebses verantwortlich. Die Merkelzellen gehören zu den Zellen, die Reize auf der Haut des menschlichen Körpers aufnehmen und die Informationen an das Gehirn weiterleiten. So nehmen die Merkelzellen etwa die Reize einer Berührung sowie Druck auf der Haut wahr. Sie sind langsam adaptierend.

Der Merkelzell-Polyomavirus ist der fünfte von den insgesamt sieben bekannten Onkoviren. Das Merkelzell-Polyomavirus wird abgekürzt mit den Buchstaben MCPyV. Es wird bei ungefähr 80% der Menschen nachgewiesen, die an einem Merkelzellkarzinom erkrankt sind. Das Karzinom tritt selten auf, gilt jedoch als eine besonders aggressive Hautkrebserkrankung.

Das Merkelzell-Polyomavirus wird häufig in Sekreten der Bronchien gefunden. Aus diesem Grund gehen Wissenschaftler davon aus, dass es über die Atemwege übertragen und verbreitet werden kann. Der bösartige Hautkrebs wird vermehrt bei älteren Menschen diagnostiziert, kann aber auch bereits bei Kindern oder Jugendlichen auftreten. Als besonders gefährdet gelten Patienten mit einem Immundefekt.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Das Merkelzell-Polyoma-Virus wurde im Jahr 2008 entdeckt. Es hat eine genetische Ähnlichkeit mit dem B-lymphotropen Polyomavirus. Aus diesem Grund gehen Wissenschaftler davon aus, dass es in ähnlicher Form bereits bei den Menschenaffen vorhanden war. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es seither koexistiert und erst vor wenigen Jahren durch Labortest gefunden wurde.

Das Merkelzell-Polyoma-Virus ist weltweit verbreitet und hat kein geschlechtsspezifisches Auftreten. Darüber hinaus kann es bei Menschen in jeder Altersstufe diagnostiziert werden. Über die genaue Form der Übertragung zwischen den Menschen herrscht noch keine ausreichende Klarheit. Es wird jedoch als sehr wahrscheinlich angesehen, dass es durch die Atmung übertragen wird. Die Vermutung entstand, da Mediziner es mehrfach in den Abstrichen der Bronchien-Sekrete bei Erkrankten nachweisen konnten.

Das Merkelzell-Polyoma-Virus gehört zu der Gattung des Polyomavirus und wird der Genogruppe des Murinen Polyomavirus zugeordnet. Es ist ein humanes Polyomavirus, welches als monotypisch gilt. Die Viren haben eine Größe von ungefähr 50 nm. Die sehr kleinen Viren sind hüllenlos. Sie besitzen ein Genom, das aus 5387 Basenpaaren besteht. Darüber hinaus handelt es sich um eine ringförmig geschlossene Doppelstrang-DNA. Zu der Aufgabe des Genoms gehört die Kodierung der Proteine, die zu den Polyomaviren gehören. Die Kodierung dient dem Aufbau der typisch komplexen Struktur des Proteins. Mediziner sprechen bei diesem Vorgang von einem Aufbau des Kapsids.

Das Genom kodiert neben den charakteristischen Proteinen auch verschiedene Struktur- und Nicht-Strukturproteine. Bei den Strukturproteinen handelt es sich um VP1 sowie VP2/3. Zu den Nicht-Strukturproteinen gehören ein kleines t-Antigen sowie ein großes T-Antigen. Letztere sind vergleichbar mit den sogenannten Onkogenen. Hierbei handelt es sich um Gene, die eine Veränderung eines normalen Zellwachstums in ein ungebremstes Wachstum der Zellen auslösen können. Das große MCPyV-T-Antigen ist ein Splicing-Gen, das verschiedene Proteine nach einem bestimmten Spleißmuster erzeugen kann. Das große T-Antigen und das kleine t-Antigen haben beide die Eigenschaft, gesunde Zellen des Körpers in Krebszellen umzuwandeln.

Beide Antigene hemmen das Retinoblastom-Protein. Dieses Protein hat im Organismus die Aufgabe der Tumorsuppression. Wird das Protein in seiner Funktionstätigkeit eingeschränkt, so findet keine Unterdrückung des Wachstums der Krebszellen statt und es kommt durch die stattfindende Zellteilung zu einer Vermehrung der Tumorzellen.

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Krankheiten & Beschwerden

Das Merkelzell-Polyoma-Virus löst das Merkelzellkarzinom aus. Dies ist eine Hautkrebserkrankung, die durch ein sehr schnelles Wachstum der Krebszellen auffällt. Das Virus verursacht bei einer Vielzahl von Patienten diese bösartige Tumorerkrankung, die als sehr aggressiv gilt.

In den meisten Fällen tritt die Erkrankung bei Menschen über dem 60. Lebensjahr auf. Das sogenannte kutane neuroendokrine Karzinom kann sich bei einer hohen Belastung von UV-Strahlen ausbilden. Aus diesem Grund gelten Menschen in einem hohen Lebensalter gefährdeter. Aufgrund ihres Alters ist ihre Haut häufiger in den Kontakt mit UV-Strahlen gekommen als bei jungen Menschen. Dennoch können auch jüngere an dem Karzinom erkranken.

Die betroffenen Patienten verfügen über eine schwache Immunabwehr. Dies kann chronisch sowie erblich bedingt sein oder durch die Gabe von Medikamenten ausgelöst werden. Insbesondere Patienten, die eine HIV-Infektion haben oder sich einer Organtransplantation unterzogen haben, gelten als Risikogruppen für das Merkelzellkarzinom. Dennoch ist bis heute unklar, ob die Risikofaktoren zu einer Steigerung der Hautkrebserkrankung beitragen oder sie davon unabhängig angesehen werden können.

Das Karzinom gilt als schmerzfrei. Auf dem Kopf, im Nacken sowie Gesicht bilden sich kleine Knötchen. Diese haben eine bläulich-rote Färbung oder sind hautfarben. Da das Merkelzellkarzinom als besonders bösartig eingestuft ist, ist eine Früherkennung sehr wichtig, um gute Heilungschancen zu wahren. Zu den Therapieformen zählen ein operativer Eingriff mit der Entfernung der Knötchen sowie einer anschließenden Chemo- oder Strahlentherapie. Um das Risiko des Hautkrebses zu minimieren, sollten Kinder und Erwachsene einen Sonnenschutz auf der Haut auftragen, bevor sie sich der Sonnenstrahlung aussetzen. Dies gilt insbesondere für Menschen mit einer blassen Haut, da sie besonders anfällig sind für einen Sonnenbrand.

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