Meralgia paraesthetica

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. August 2017
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Unter der Meralgia paraesthetica wird ein Nervenkompressions-Syndrom verstanden. Sie trägt auch die Bezeichnung Inguinaltunnel-Syndrom.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Meralgia paraesthetica?

Von einer Meralgia paraesthetica ist in der Medizin die Rede, wenn es zur Einklemmung des Nervus cutaneus femoris lateralis kommt. Dieser Nerv hat seinen Ursprung im Plexus lumbalis. Außerdem ist er mit allgemein-somatosensiblen Fasern ausgestattet.

Der dünne Nerv befindet sich unterhalb des Leistenbandes und ist für die Versorgung der Oberschenkelregion bis zum Knie verantwortlich. Bei einer Meralgia paraesthetica leiden die betroffenen Personen unter Schmerzen, die geradezu elektrisierend einschießen. Bei der Hälfte aller Patienten treten außerdem Taubheitsgefühle auf.

Bekannt ist die Meralgia paraesthetica auch als Inguinaltunnel-Syndrom oder Bernhardt-Roth-Syndrom. Die Meralgia paraesthetica zählt zu den häufigsten Engpass-Syndromen. Sie zeigt sich beim männlichen Geschlecht drei Mal so oft wie beim weiblichen. Im Prinzip kann es bei jedem Menschen zum Ausbruch einer Meralgia paraesthetica kommen.

Ursachen

Hervorgerufen wird eine Meralgia paraesthetica zumeist durch mechanischen Druck unterhalb des Leistenbandes. Ebenso können jedoch Zugeffekte oder Druckeffekte im Verlauf des Nervus cutaneus femoris lateralis für das Entstehen des Syndroms verantwortlich sein, was besonders für die Beckenaustrittsregion gilt. In manchen Fällen ist auch eine Nervenschädigung im Rahmen von medizinischen Behandlungen der Grund für eine schmerzhafte Meralgia paraesthetica.

Dabei kann es sich um eine Punktion des Beckenkamms, eine Bauchdeckeneröffnung oder die Entnahme von Knochenspänen handeln. Begünstigt wird das Auftreten einer Meralgia paraesthetica nicht selten durch spezielle Risikofaktoren. Dies ist in erster Linie hoher Druck auf das Leistenband aufgrund einer Schwangerschaft, von Übergewicht (Fettsucht) oder zu engen Gürteln oder Hosen.

Einen zusätzlichen Risikofaktor stellt die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) dar. Als ungünstig werden außerdem stehende Arbeitstätigkeiten, bei denen es zu einer starken Extension an der Hüfte kommt, längere Märsche sowie ausgeprägtes Krafttraining an Hüfte, Oberschenkel oder Bauch angesehen.

Die Schmerzen bei einer Meralgia paraesthetica entstehen aufgrund einer Kompression des Nervus cutaneus femoris lateralis, weil es zu einem Durchtritt von bestimmten Muskelfasern kommt. Der Nerv knickt aus diesem Grund um rund 90 Grad ab.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bemerkbar macht sich eine Meralgia paraesthetica durch brennende Schmerzen, die an der äußeren Oberschenkelseite auftreten. Außerdem leiden die Betroffenen unter unangenehmen Parästhesien wie Taubheitsgefühlen, Wahrnehmungsstörungen oder Kribbeln. Beugt die betroffene Person ihr Hüftgelenk in die vordere Richtung, hat dies eine Besserung der Beschwerden zur Folge.

Im weiteren Verlauf des Inguinaltunnel-Syndroms zeigen sich auch Sensibilitätsstörungen wie eine Hypalgesie oder eine Hypästhesie. Ungefähr 20 Prozent aller Patienten leiden auf beiden Seiten des Körpers unter den Beschwerden. Mitunter erweist sich eine Meralgia paraesthetica als derart unangenehm, dass sogar das Tragen von Kleidung Beschwerden bei den Betroffenen hervorruft. Ein Kraftverlust tritt durch das Inguinaltunnel-Syndrom jedoch nicht auf, weil im Nervus cutaneus femoris lateralis keinerlei motorische Fasern enthalten sind.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Verdacht auf eine Meralgia paraesthetica wird der Besuch bei einem Arzt empfohlen. Dieser beginnt seine Untersuchung mit dem Erfassen der Krankengeschichte (Anamnese) seines Patienten. Im Anschluss daran führt er eine gründliche körperliche Untersuchung durch. Dazu gehört auch eine neurologische Begutachtung, die in der Regel auffällige Sensibilitätsstörungen an der Oberschenkelaußenseite ergibt.

Außerdem reagiert der Patient zumeist empfindlich auf Druckschmerzen, die der Arzt durch Druck mit zwei Fingern an der Spina iliaca anterior superior erzeugt. An dieser Stelle führt der Nerv durch das Leistenband hindurch. Bei manchen Patienten kann der Arzt außerdem krankhafte somatosensibel evozierte Potentiale (SEP) ableiten.

In einigen Fällen ist die Durchführung einer Kernspintomographie (MRT) angebracht, die zur besseren Beurteilung der Leistenbandstrukturen dient. Bei den meisten Patienten nimmt die Meralgia paraesthetica einen positiven Verlauf. So bessern sich die Schmerzen bei neun von zehn Betroffenen. Jeder vierte Patient leidet allerdings unter einer spontanen Remission.

Komplikationen

Durch die Meralgia paraesthetica kommt es beim Patienten zu sehr unangenehmen Gefühlen einer Lähmung oder einer Taubheit. In den meisten Fällen leiden die Betroffenen dabei an einem starken Kribbeln oder an Störungen der Wahrnehmung und an Gefühlsstörungen. In einigen Fällen kann es auch zu Schmerzen kommen, die sich hierbei auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten können. Die Lebensqualität wird durch die Sensibilitätsstörungen deutlich verringert und eingeschränkt.

Durch verschiedene Lähmungen kann es auch zu Einschränkungen im Alltag kommen, sodass die Betroffenen auf die Hilfe anderer Menschen durch die Meralgia paraesthetica angewiesen sind. Schmerzen treten vor allem in Form von Druckschmerzen oder Belastungsschmerzen auf. Sollte es zu Ruheschmerzen kommen, so können diese im Schlaf auch zu Schlafbeschwerden führen.

Die Behandlung der Meralgia paraesthetica erfolgt mit Hilfe von Schmerzmitteln und verschiedenen Therapien. In den meisten Fällen kommt es dabei nicht zu Komplikationen und die Beschwerden können relativ gut gelindert werden. Ob es allerdings zu einer vollständigen Heilung kommt, kann in der Regel nicht vorausgesagt werden. Die Lebenserwartung wird durch die Krankheit in der Regel nicht beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Die Therapie einer Meralgia paraesthetica richtet sich nach der auslösenden Ursache. Außerdem ist es ratsam, die Behandlung individuell an die Bedürfnisse des Patienten anzupassen. Je länger die Beschwerden andauern, desto mehr verschlechtern sich auch die Heilungschancen. Der Patient kann ebenfalls zur Besserung seiner Beschwerden beitragen, indem er es vermeidet, enge Kleidung zu tragen oder Streckhaltungen mit dem Hüftgelenk auszuüben.

Bei einer konservativen Behandlung kommen in der Regel Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zum Einsatz. Weiterhin lassen sich Präparate wie Baclofen, Gabapentin, Pregabalin, Carbamazepin sowie Pyrimidinnukleoside verabreichen. Auch ergänzende Analgetika wie zum Beispiel Ibuprofen gelten als sinnvoll für die Therapie. Außerdem ist das Behandeln von bestehenden Grunderkrankungen überaus wichtig.

Bewirken all diese Therapiemaßnahmen keine Besserung der Beschwerden, kommt ein operativer Eingriff in Betracht. Dabei findet entweder eine Dekompression des betroffenen Nervs oder gar sein Durchtrennen statt. Eine Durchtrennung des Nervs bewirkt innerhalb des Versorgungsgebietes eine vollständige Taubheit.

Andererseits besteht die Möglichkeit, dass das Nervenende, welches sich dabei bildet, hochempfindlich auf Gewebedruck reagiert, was wiederum neue Schmerzen zur Folge hat. Daher wird von einer Durchtrennung des Nervus cutaneus femoralis lateralis eher abgeraten. Dagegen werden bei einem chirurgischen Eingriff die Blätteranteile am Leistenband derart durchtrennt, dass Bewegungen des Hüftgelenks keine Schmerzen an dem kleinen Nerv mehr auslösen können.

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Vorbeugung

Spezielle vorbeugende Maßnahmen gegen eine Meralgia paraesthetica sind nicht bekannt. Wichtig ist jedoch das Vermeiden von bestimmten Risikofaktoren wie Übergewicht oder das Tragen von zu enger Kleidung.

Bücher über Schmerzen

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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