Menorrhagie (lange und starke Regelblutung)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
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Eine lange und starke Regelblutung bezeichnet man in der Gynäkologie als Menorrhagie. Es baut sich während des monatlichen Zyklus viel Schleimhaut auf und während der Regelblutung kommt es zu einer langen und starken Blutung. Das Gegenteil zur Menorrhagie ist die Oligomenorrhoe (kurze und schwache Regelblutung).

Inhaltsverzeichnis

Was ist Menorrhagie?

Der monatliche Zyklus der Frau im gebärfähigen Alter beträgt normalerweise achtundzwanzig Tage. Vier bis sieben Tage davon hat die Frau davon ihre monatliche Regelblutung, bei der das über den Monat für eine Schwangerschaft aufgebaute Gewebe abgestoßen wird.

Bleibt diese Schwangerschaft aus, wird unter komplizierten hormonellen Vorgängen dieses nun überflüssige Gewebe wieder entfernt. Dieser Vorgang wiederholt sich von der ersten Regelblutung in der frühen Pubertät bis zur letzten vor der Menopause, den so genannten Wechseljahren. Die meisten Frauen haben wenig Beschwerden mit der monatlichen Blutung, aber bei einigen kommt es zu starken, schmerzhaften Blutungen.

Dies kann verschiedene Gründe wie gutartige und bösartige Veränderungen in der Gebärmutter oder Endometriose haben. Aber auch durch hormonelle Störungen und einen veränderten Zustand der Gebärmutter nach mehrfachen Geburten oder Abtreibungen tritt Menorrhagie auf.

Ursachen

Wenn sich an und in der Gebärmutter Zysten, Abszesse oder Tumoren gebildet haben, kann es zu einer verstärkten Regelblutung kommen. Aber auch schon Vorstufen einer Krebserkrankung können diese Symptomatik hervorrufen. Die Krankheit Endometriose bildet einen Sonderfall bei den Störungen der Menstruation.

Dabei wird wegen hormoneller Störungen im ganzen Körper der Frau Gebärmuttergewebe aufgebaut. Diese schwere und chronische Erkrankung muss von einem Gynäkologen überwacht und behandelt werden. Hormonelle Störungen können zu verstärkten Regelblutungen führen, wobei ein Ungleichgewicht zwischen Progesteron und Östrogen entsteht. Frauen, die bereits mehrere Kinder geboren haben, neigen zu verstärkter und verlängerter Menstruation.

Die Gebärmutter ist meist vergrößert und baut während des Zyklus zu viel Gewebe auf. Die gleiche Symptomatik tritt auch des öfteren bei Frauen auf, die einen oder mehrere Aborte erlitten haben. Daneben können auch Infektionen mit Viren, Pilzen, Bakterien und Einzellern zu Regelstörungen führen.

Typische Symptome & Anzeichen

  • starke und lange Regelblutung zwischen ein bis zwei Wochen Dauer
  • Zyklusstörungen

Diagnose

Wie bei allen Krankheitsdiagnose steht auch bei einer Menorrhagie das Arzt-Patienten-Gespräche, also die Anamnse, an erster Stelle. Im weiteren Verlauf kann der Arzt dann, je nach Verdacht und Hinweisen, folgende Untersuchungsmethoden anwenden:

  • Tastuntersuchung
  • Ultraschall
  • Schwangerschaftstest
  • Untersuchung des Muttermundes und der Scheide
  • Krebsuntersuchung mittel Abstrich und Kolposkopie
  • Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT)
  • Blutuntersuchung
  • Untersuchung des Hormonhaushaltes

Komplikationen

Komplikationen der Menorrhagie können sich aus dem starken Blutverlust ergeben. Bei einer sowohl sehr starken als auch sehr langen Monatsblutung können Frauen soviel Blut verlieren, dass zum einen Kreislaufbeschwerden die Folge sein können. Da diesen kein grundsätzlicher Krankheitswert zugrunde liegt, bedürfen leichte Kreislaufprobleme keiner gesonderten ärztlichen Behandlung.

Schwerwiegender kann der Eisenmangel sein. Starker Blutverlust lässt die Eisenwerte rasch absinken. Als Grenze gilt hier etwa ein Eisenwert von 12. Fällt dieser darunter, können Symptome wie Blässe, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und allgemeine Schwäche auftreten. Ein Eisenmangel begünstigt auch das Auftreten von Infekten, da das Immunsystem in seiner Leistungsfähigkeit bei dauerhaftem Eisenmangel eingeschränkt wird.

Eisen hat wichtige Funktionen im Bereich der Blutbildung und sollte deswegen entsprechend substituiert werden. Da eine Überversorgung des Körpers mit Eisen aber ebenso kritisch wie Mangel sein kann, sollte ein Eisenmangel vor Einnahme von entsprechenden Präparaten auch diagnostiziert sein. Im Rahmen einer Menorrhagie sollte die gynäkologische Vorsorge in Anspruch genommen werden. In seltenen Fällen ist die Menorrhagie Folge eines Tumors im Gewebe der Gebärmutter, der dann mit Komplikationen wie Unfruchtbarkeit oder Ausbreitung auf andere Organe einhergeht.

Behandlung & Therapie

Die verschiedenen Ursachen der Menorrhagie erfordern eine unterschiedliche Behandlung. Zunächst wird der Arzt versuchen, die zu starke Blutung durch den Einsatz von Medikamenten zum Versiegen zu bringen. Beim Verdacht auf Zysten oder eine Krebserkrankung werden danach oder eventuell auch noch während der Blutung Gewebeproben entnommen und in einem Labor untersucht.

Je nach Resultat werden Zysten entfernt oder eine Operation zur Entfernung von Krebsgeschwüren muss erfolgen. Diese kann auch eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung nach sich ziehen. Beim geringsten Verdacht auf eine Krebserkrankung wird der Gynäkologe sehr schnell handeln, da sich durch versprengtes Gewebe Metastasen bilden können.

Ist die Menorrhagie durch hormonelle Störungen entstanden, wird der Arzt versuchen, diese mit Hormonpräparaten oder homöopathischen Medikamenten zu behandeln. Außerdem kommt hier die Einnahme der so genannten Antibabypille in Frage, die Monatsblutungen auf ein Mindestmaß reduziert.

Bei Frauen, die mehrfach geboren haben oder die Aborte erlitten haben, muss über eine Ausschabung der Gebärmutter nachgedacht werden. Dabei wird überschüssiges Gewebe entfernt, um der Schleimhaut einen totalen Neuaufbau zu ermöglichen. Allerdings wird diese Methode nur noch in seltenen Fällen angewandt, da sich Narben in der Gebärmutter bilden, welche die Menorrhagie zusätzlich verstärken können.

Bei infektiösen Erkrankungen der Geschlechtsorgane wird der Gynäkologe entsprechend des Grundleidens mit oralen und lokalen Medikamenten behandeln, wobei der Sexualpartner meist mitbehandelt werden muss.

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Vorbeugung

Es gibt vorbeugende Maßnahmen zur Prävention mancher Formen der Menorrhagie. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Verhütung von Schwangerschaften kann Frauen einen Abort ersparen. Das Stillen des Säuglings nach der Geburt hat direkten Einfluss auf die Rückbildung der Gebärmutter auf eine normale Größe. Infektionen des Urogenitaltraktes entstehen sehr oft durch wechselnde Sexualpartner und mangelnde Hygiene. Eine Ansteckung mit dem HP Virus kann durch Impfung oder Kondome verhindert werden. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen der Scheide, der Gebärmutter und der Eierstöcke bewahren viele Frauen vor einer Krebserkrankung oder diese wird frühzeitig erkannt und rechtzeitig behandelt.

Das können Sie selbst tun

Neben körperlichen Ursachen können auch psychische Belastungen eine Menorrhagie auslösen. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung an der frischen Luft, das Erlernen von Entspannungstechniken zum Stressabbau und ausreichend Schlaf beeinflussen den Menstruationszyklus positiv und verbessern das seelische und körperliche Wohlbefinden.

Die Pflanzenheilkunde kennt zahlreiche Heilkräuter, die meist als Teezubereitung gegen starke und lange Regelblutungen angewandt werden: Dazu zählen unter anderem Frauenmantel, Hirtentäschel, Mönchspfeffer und Himbeerblätter. Zimt, Cayennepfeffer und Koriandersamen können als Gewürz oder Aufguss gegen starke Blutungen helfen. Bei Menorrhagie sollte auf die ausreichende Aufnahme von Magnesium, Eisen und der Vitamine B, C und E geachtet werden, da diese Mikronährstoffe auf die Produktion und Funktion von Hormonen und Blutzellen Einfluss nehmen. Reichlich enthalten sind Vitamine und Mineralstoffe in frischem Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und Nüssen – Nahrungsergänzungsmittel sollten nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen.

Unterstützend reduzieren kalte Kompressen Blutfluss und Schmerzen: Sie können bis zu viermal am Tag für etwa 15 Minuten auf den Unterbauch aufgelegt werden. Wenn die Kälteanwendung auf dem Bauch als unangenehm empfunden wird, sind Fußbäder mit kaltem Wasser oder kühlende Wadenwickel eine Alternative. Entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Apotheke können ebenfalls den Blutfluss verringern. Zeigt die Selbstbehandlung keine Wirkung, sollte ein Frauenarzt aufgesucht werden.

Bücher über Menstruationsbeschwerden

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013

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