Mekoniumaspiration

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
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Der Begriff Mekoniumaspiration bezeichnet in der modernen Medizin das sogenannte Atemnotsyndrom bei Neugeborenen. Das Atemnotsyndrom tritt unmittelbar nach der Geburt des Neugeborenen in Erscheinung und beruht stets auf einer beeinträchtigten Lungenfunktion.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Mekoniumaspiration?

In circa 10 bis 15 Prozent aller verzeichneten Geburten kommt es zu einer sogenannten Mekoniumaspiration. Da sich die Lungen des Neugeborenen vor allem im Rahmen einer Frühgeburt nicht vollständig entfalten können, kommt es zu einem sogenannten Atemnotsyndrom.

Bereits im Fruchtwasser kommen die ungeborenen mit den einzelnen Mekoniumpartikeln in Kontakt. Nicht selten kommen die Neugeborenen daher bewusstlos auf die Welt. Dieser Zustand erfordert eine sofortige Wiederbelebung. In den meisten Fällen tritt das sogenannte Atemnotsyndrom jedoch erst nach mehreren Stunden in Erscheinung.

Sofern es im Rahmen einer Mekoniumaspiration zu einer Infektion kommt, besteht für die Neugeborenen eine akute Lebensgefahr. Oftmals entwickelt sich aus der besagten Infektion eine Lungenentzündung, welche im schlimmsten Fall zum Tode führen kann.

Ursachen

Für das Auftreten einer sogenannten Mekoniumaspiration zeichnen sich die sogenannten Mekoniumpartikel maßgeblich verantwortlich. Mit dem Begriff Mekonium bezeichnen die Mediziner in der Regel den ersten Stuhlgang von Ungeborenen.

Bereits ab der sechzehnten Schwangerschaftswoche kann ein Übertritt von Kot in das Fruchtwasser erfolgen. Oftmals erfolgt ein Übertritt von Kot in das Fruchtwasser im Rahmen einer Stresssituation. Resultierend aus diesem Vorgang färbt sich das Fruchtwasser in der Regel grün. Sofern ein Verdacht auf eine Mekoniumaspiration besteht, muss eine umfangreiche Untersuchung in Angriff genommen werden.

Typische Symptome & Anzeichen

  • grünlich verfärbtes Fruchtwasser bei der Geburt
  • kurz nach der Geburt keine normale Lebensreaktionen
  • schlaff und schwach wirkendes Baby
  • Wimmern statt schreien, gestörte Atmung
  • Zyanose (Blaufärbung der Haut und Schleimhäute)
  • mekoniumverschmierte Haut
  • grünlich verfärbte Fingernägel und Nabelschnur

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose einer sogenannten Mekoniumaspiration erfolgt im Rahmen einer ersten klinischen Untersuchung des Kindes. Während dieser Untersuchung wird unter anderem die Stimmritze des Kindes untersucht. Sofern hinter der Stimmritze grünes Wasser vorgefunden wird, sprechen die Mediziner von einer Mekoniumaspiration.

Zur Festigung des ersten Verdachts auf eine Mekoniumaspiration wird eine Röntgenaufnahme des Thoraxes in Erwägung gezogen. Durch eine Anwendung des bildgebenden Verfahrens können verdächtige Schatten auf der Lunge aufgedeckt werden. In den meisten Fällen beschränken sich die Schattierungen auf einen konkreten Bereich der Lunge. Sofern die Schattierungen jedoch die gesamte Lunge betreffen, spricht man in der modernen Medizin von einer sogenannten weißen Lunge.

Eine eventuell vorhandene Lungenentzündung lässt sich in diesem Fall nicht mehr eindeutig erkennen. Zur Vermeidung von möglichen Spätfolgen erfordert eine Mekoniumaspiration eine sofortige und umfangreiche Therapie.

Komplikationen

Aufgrund der Mekoniumaspiration leiden die Neugeborenen an verschiedenen Beschwerden. Ohne Behandlung dieser Beschwerden kann es dabei im schlimmsten Falle zum Tod des Kindes kommen. In der Regel zeigt das Kind direkt nach der Geburt keine Lebenszeichen und auch keine gewöhnliche Atmung. Auch die Haut und die Fingernägel werden durch die Atembeschwerden blau gefärbt. Die Kinder können auch nicht schreien, sondern wimmern nur und wirken sehr schwach und abgeschlagen.

In der Regel ist bei der Mekoniumaspiration eine sofortige Behandlung durch einen Arzt notwendig, damit es nicht zum Tod des Patienten oder zu weiteren Folgeschäden im Erwachsenenalter kommt. Vor allem die Eltern oder die Angehörigen des Kindes können aufgrund der Beschwerden der Mekoniumaspiration an starken psychischen Beschwerden oder an Depressionen und Angstzuständen leiden.

Die Behandlung selbst erfolgt mit Hilfe eines operativen Eingriffs. Dieser führt in der Regel zu einem Erfolg, wobei selten Komplikationen auftreten. Eventuell ist der Patient auf eine künstliche Beatmung angewiesen. Psychische Beschwerden der Eltern und Angehörigen müssen ebenfalls behandelt werden, wobei es in den meisten Fällen allerdings zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt.

Behandlung & Therapie

Eine Mekoniumaspiration wird stets in einem sogenannten Perinatalzentrum therapiert. Neben der technischen Ausstattung ist vor allem die personelle Ausstattung in einem Perinatalzentrum auf die Therapie einer Mekoniumaspiration ausgelegt.

Je nach Schweregrad wird eine sogenannte ­CPAP-Beatmung über die Nase in Angriff genommen. Im Rahmen dieser Therapiemethode wird das Neugeborene in der Phase des Ausatmens durch eine aktive Druckausübung unterstützt. Sofern es sich um ein schweres Atemnotsyndrom handelt, wird eine endotracheale Intubation in Verbindung mit einer maschinellen Beatmung in Erwägung gezogen. Die maschinelle Beatmung greift sowohl in der Phase des Einatmens als auch in der Phase des Ausatmens unterstützend ein.

Alle erwähnten Maßnahmen erfordern stets eine sogenannte Pulsoximetrie. Im Rahmen der sogenannten Pulsoximetrie wird neben der Sauerstoffsättigung des Blutes vor allem die Herzfrequenz des Kindes überwacht. Eine gleichzeitige Überwachung des Blutdrucks ist hierbei von wesentlicher Bedeutung.

Vorbeugung

Einer Mekoniumaspiration kann grundsätzlich nicht aktiv vorgebeugt werden. Jedoch kann das hieraus resultierende Atemnotsyndrom vor allem bei einer möglichen Frühgeburt präventiv behandelt werden. Sofern eine Frühgeburt erwartet wird, ziehen die Mediziner eine Gabe von Betamethason in Erwägung.

Durch die Gabe des speziellen Präparats soll die Lungenreifung des Ungeborenen aktiv unterstütz werden. Neben Betamethason wird unter anderem das Mittel Tokolyse eingesetzt. Durch die Gabe von Tokolyse kann der Zeitpunkt der Geburt in den meisten Fällen nach hinten verschoben werden.

Die gewonnene Zeit soll aktiv zum Reifeprozess der Lunge beitragen. Darüber hinaus können eine umfangreiche perinatale Betreuung sowie eine sanfte Einleitung der anstehenden Geburt das Risiko für das Auftreten eines Atemnotsyndroms spürbar senken.

Das können Sie selbst tun

Nach der initialen Therapie der Mekoniumaspiration können die Eltern verschiedene Maßnahmen ergreifen, um den Heilungsverlauf zu unterstützen und etwaige Folgebeschwerden zu vermeiden. Wichtig ist zunächst eine gute Überwachung des Neugeborenen. Sollten sich ungewöhnliche Symptome zeigen, muss der Hausarzt kontaktiert werden, der gegebenenfalls eine weitere Untersuchung durchführen und dem Kind ein geeignetes Medikament verschreiben wird. Da betroffene Kinder meist auch körperlich angeschlagen sind, sollten Stress und Anstrengung vermieden werden.

Trotz aller Maßnahmen kann das Kind im späteren Leben zu Asthma neigen. Eltern sollten sich frühzeitig über die Atemwegserkrankung informieren und vorbereitende Maßnahmen ergreifen. Ein Asthmaspray und andere Medikamenten werden am besten präventiv organisiert, um dann bei einem etwaigen Erstanfall schnell reagieren zu können.

Sollten im weiteren Verlauf ernste Komplikationen auftreten, ist eine intensivmedizinische Behandlung angezeigt. Bei einem schweren Verlauf benötigen die Eltern unter Umständen therapeutische Unterstützung. Selbsthilfegruppen sind eine gute Möglichkeit, mit anderen betroffenen Eltern zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen. Welche Maßnahmen im Genauen sinnvoll und notwendig sind, können die Eltern im Gespräch mit dem zuständigen Arzt und einem Therapeuten beantworten.

Bücher über Geburt & Schwangerschaft

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.T.M.: Die Geburtshilfe. Springer, Berlin Heidelberg 2011
  • Stiefel, A., Geist, C., Harder, U.: Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates, Stuttgart 2012

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