Medulloblastom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
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Das Medulloblastom ist eine neurologische Erkrankung, die vorwiegend im Kindesalter auftritt. Der bösartige Hirntumor tritt vorwiegend im Bereich des Hinterkopfes auf, hat aber gute Heilungschancen. Die Erforschung der Ursachen ist noch nicht hinreichend abgeschlossen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Medulloblastom?

Das Medulloblastom gilt als der am häufigsten vorkommende bösartige Hirntumor bei Kindern bis zum 15. Lebensjahr. Er entwickelt sich als bösartiger Tumor im Bereich des Kleinhirns, wächst von dort aus meist bis an eine angrenzende Hirnkammer heran und breitet sich weiter auf gesundes Gewebe aus.

Häufig ist auch der Hirnstamm vom Medulloblastom betroffen. Metastasen bilden sich vorrangig an den Stellen, die mit dem Nervenwasser in Kontakt stehen. Neben den Hirnkammern selbst gehören dazu auch Bereiche um das Gehirn herum, die Hirnhäute sowie das Rückenmark.

Pro Jahr erkranken durchschnittlich etwa 90 Kinder neu an einem Medulloblastom. Jungen sind dabei etwa anderthalb mal so häufig betroffen, wie Mädchen. Das Alter der Erkrankung liegt in der Regel zwischen fünf und acht Jahren.

Ursachen

Das Medulloblastom entsteht meist spontan, das heißt, dass Vererbungen als Ursachen des Tumors unwahrscheinlich sind. Dennoch sind die Ursachen der Erkrankung bisher nicht hinreichend erforscht. Es ist jedoch bekannt, dass das Medulloblastom aus unreifen, embryonalen Zellen entartet, sich also Zellen des Nervengewebes bösartig verändern.

Bei Erkrankungen im Erwachsenenalter konnte wiederholt ein Zusammenhang zwischen Strahlentherapien im Kindesalter, beispielsweise im Zuge der Behandlung von Leukämie, und der Entwicklung des Tumors im späteren Alter festgestellt werden.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung zur Lage eines Gehirntumores im Gehirn. Klicken, um zu vergrößern.

Zahlreiche Symptome, die ein Medulloblastom mit sich bringt, sind uncharakteristisch, treten also häufig auch bei anderen Erkrankungen auf und können eine harmlose Ursache haben.

Von Kopfschmerzen über Übelkeit, Schwindel und Sehstörungen bis hin zu Taubheitsgefühlen ist die Liste an Symptomen lang. Auch Koordinationsschwierigkeiten können im Zuge der Erkrankung auftreten. Denkbar sind alle Symptome, die durch den steigenden Druck im Hirn ausgelöst oder aber durch Metastasen, insbesondere im Bereich des Rückenmarks, verursacht werden.

Bei besonders jungen Patienten lässt sich im fortgeschrittenen Stadium häufig auch eine verstärkte Zunahme des Kopfumfanges und der sogenannte Wasserkopf feststellen.

Die Diagnose gründet auf eine eingehende Anamnese. Darauf folgen die Bild gebenden Verfahren. Mittels Computertomografie und Magnetresonanztomografie werden erste Untersuchungsergebnisse eingeholt. Bei begründetem Verdacht auf ein Medulloblastom wird operativ eine Gewebeprobe entnommen, die einer feingeweblichen Untersuchung unterzogen wird.

Auch eine Entnahme und Untersuchung des Nervenwasser ist notwendig. Auf der Basis der Untersuchungsergebnisse wird die Art des Tumors, die Lage und Größe sowie die Streuung diagnostiziert.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: C71 Bösartige Neubildung des Gehirns) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Da es sich beim Medulloblastom um einen Tumor im Gehirn handelt, führt dieser zu den gewöhnlichen Beschwerden einer Krebserkrankung. In der Regel kann sich der Krebs in einem sehr ungünstigen Fall auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und auch dort gesundes Gewebe befallen. Dadurch wird die Lebenserwartung des Betroffenen verringert. Aus diesem Grund hängen die weiteren Komplikationen oder Heilungschancen sehr stark vom Zeitpunkt der Diagnose und von der Ausprägung des Medulloblastoms ab.

Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an starken Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen. Weiterhin kommt es auch zu Erbrechen oder zum Schielen. Die Patienten erfahren Störungen der Sensibilität oder Lähmungen an verschiedenen Körperstellen. In vielen Fällen kommt es auch zu Störungen der Koordination oder der Konzentration. Auch Sehbeschwerden können auftreten und dadurch die Lebensqualität des Patienten deutlich verringern.

Die Behandlung des Medulloblastoms kann operativ erfolgen und ist nicht mit Komplikationen verbunden. Weiterhin sind die Patienten allerdings auf eine Chemotherapie angewiesen, welche zu verschiedenen Nebenwirkungen führen kann. Auch weitere Kontrolluntersuchungen sind nach der Behandlung notwendig. Ob es durch das Medulloblastom zu einer Verringerung der Lebenserwartung kommt, kann in der Regel nicht universell vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlungschancen stehen bei frühzeitiger Erkennung des Medulloblastom günstig. So können heute bereits mehr als 70 Prozent der Patienten geheilt werden, wenn der Tumor rechtzeitig erkannt und behandelt wird.

Zunächst wird der Tumor möglichst komplett entfernt. Dazu wird die Schädeldecke operativ geöffnet und das erkrankte Gewebe herausgeschnitten. Dieses wird, wenn möglich, im mikro- oder laserchirurgischen Verfahren durchgeführt, um die anschließenden körperlichen Beschwerden möglichst gering zu halten. Zusätzlich wird eine Therapie mit radioaktiver Bestrahlung durchgeführt, da die Tumorzellen besonders strahlenempfindlich sind.

Alternativ wird eine Chemotherapie durchgeführt. Je nach Alter des Patienten und dessen Entwicklung müssen mögliche Nebenwirkungen beider Therapieformen abgewogen werden.

Bei besonders großen Tumoren oder liegt der Medulloblastom an einer sehr schwer zugänglichen Stelle, kann das kranke Gewebe zunächst auch operativ nur zum Teil entfernt und anschließend mit Strahlen- und Chemotherapie verkleinern werden. So kann in einem zweiten operativen Eingriff schließlich das restliche Material entfernt werden.

Zusätzlich kann es nötig sein, Begleiterscheinungen einzudämmen. Durch das Medulloblastom kann der Abfluss des Nervenwassers verschlossen oder umgelegt werden. Über ein Schlauchsystem muss diese Fehlstellung dann behoben werden. Dabei wird häufig eine sogenannte externe Drainage gelegt, mit der das Nervenwasser nach außen hin abgeleitet wird.

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Vorbeugung

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, sich und seine Kinder vor Strahleneinwirkungen und Schadstoffbelastung zu schützen. Auch der Kontakt mit krebserregenden Chemikalien sollte vermieden werden. Zusätzlich stärkt eine gesunde, ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung das Immunsystem. Dennoch gibt es keine allgemeinen Maßnahmen, die die Entstehung eines Medulloblastom verhindern.

Das können Sie selbst tun

Wurde ein Medulloblastom diagnostiziert, ist auf jeden Fall eine operative Entfernung des Tumors angezeigt. Welche Maßnahmen die Betroffenen selbst ergreifen können, hängt von der Ausprägung des Tumors und etwaigen Begleitsymptomen ab. Die einzelnen Beschwerden lassen sich im Prinzip selbst behandeln.

Gegen die typischen Kopfschmerzen helfen kühle Auflagen auf Stirn und Nacken. Auch sanfte Naturheilmittel wie zum Beispiel Belladonna oder Arnika können helfen. Übelkeit und Erbrechen lassen sich meist durch eine reichhaltige Mahlzeit lindern. Treten ernste Beschwerden wie Sehstörungen oder Gleichgewichtsstörungen auf, sollte der Arzt eingeschaltet werden. Von einer Selbstbehandlung mittels Hausmitteln wird dann am besten abgesehen.

Nach einem operativen Eingriff sollte sich der Betroffene für einige Wochen schonen. Parallel dazu sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Arzt notwendig, um etwaige Rezidive oder anderweitige Probleme frühzeitig erkennen zu können. Sollten sich infolge der Strahlenbehandlung körperliche Beschwerden entwickeln, ist ebenfalls medizinischer Rat gefragt. Gegen typische Folgeerscheinungen wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit helfen allgemeine Maßnahmen wie Sport und eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Begleitend zu diesen Maßnahmen kann ein Therapeut hinzugezogen werden, der den Patienten im Umgang mit der Krebserkrankung unterstützt.

Bücher über Gehirntumor

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Korinthenberg, R., Panteliadis, C.P., Hagel, C. (Hrsg.): Neuropädiatrie – Evidenzbasierte Therapie. Urban & Fischer, München 2014
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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