Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. August 2017
Startseite » Krankheiten » Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel

Der Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel (MACD-Mangel) stellt eine genetisch bedingte Stoffwechselstörung dar, bei welcher mittelkettige Fettsäuren nur unzureichend abgebaut werden. Unter bestimmten Bedingungen kann es zu gefährlichen Stoffwechselentgleisungen kommen, die unter Umständen tödlich enden. Bei einem frühzeitigen Beginn einer Therapie ist die Erkrankung gut beherrschbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel?

Beim Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel ist der Abbau mittelkettiger Fettsäuren aufgrund genetischer Ursachen gestört. Diese können nicht mehr ausreichend zur Energiegewinnung herangezogen werden. Daher ist der Körper gezwungen, Kohlenhydrate und Aminosäuren in verstärktem Maße abzubauen.

Wenn der Energiebedarf durch höhere körperliche Belastungen, Wachstumsprozesse oder Infektionen steigt, werden die Kohlenhydratreserven des Körpers und körpereigene Proteine verstärkt zur Energiegewinnung verwendet. Das Gleiche gilt auch bei längerer Nahrungskarenz. Normalerweise wird unter diesen Bedingungen der Fettsäureabbau durch Betaoxidation forciert.

Das ist jedoch bei einem MACD-Mangel nicht ausreichend möglich. Der daraus resultierende verstärkte Abbau von Glukose führt zur gefährlichen Unterzuckerung. Durch den forcierten Abbau von Aminosäuren steigt gleichzeitig der Ammoniakgehalt im Blut. Das für den Energiestoffwechsel wichtige Karnitin ist erniedrigt, weil es Verbindungen mit den sich ansammelnden mittelkettigen Fettsäuren eingeht.

Die Verbindungen stellen Zwischenprodukte des Fettsäureabbaus dar. Da der weitere Abbau der mittelkettigen Fettsäuren durch ein fehlerhaftes Enzym im Acyl-Hydrogenase-Komplex blockiert ist, entwickelt sich ein sekundärer Karnitinmangel. Eine starke Abweichung der entsprechenden Werte kann zu lebensgefährlichen Komplikationen führen. Unbehandelt nehmen die durch diese Störung verursachten Stoffwechselentgleisungen zu etwa 25 Prozent einen tödlichen Verlauf.

Insgesamt gehört der Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen und ist Bestandteil der Untersuchungen im Rahmen eines Neugeborenenscreenings. Eine rechtzeitige Feststellung des verantwortlichen Gendefekts ist für eine effektive Therapie notwendig. Mit geeigneten Therapiemaßnahmen ist diese Erkrankung gut behandelbar.

Ursachen

Die Ursache für den Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel ist in einer Fehlfunktion des MCAD-Enzyms zu suchen. Durch eine autosomal-rezessive Mutation des MCAD-Gens, welches sich auf Chromosom 1 befindet, wird das Enzym in seinen Faltungseigenschaften beeinträchtigt. Es kommt zu einem fehlgefalteten Enzym, welches im Rahmen einer Proteinqualitätskontrolle ausgesondert und abgebaut wird.

Dadurch ist zu wenig Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase vorhanden. Mittelkettige Fettsäuren werden dann nur noch mangelhaft abgebaut. Wie bereits erwähnt, ist eine autosomal-rezessive Mutation des MCAD-Gens für diese Erkrankung verantwortlich. Bei einer autosomal-rezessiven Vererbung besitzt der betroffene Patient zwei defekte Gene, die mit jeweils einer Kopie von beiden Elternteilen übertragen wurden.

Personen mit nur einem mutierten Gen erkranken nicht. Daher wird die Erkrankung auch nicht von Generation zu Generation vererbt. Wenn beide Elternteile für jeweils ein defektes Gen heterozygot sind, beträgt die Wahrscheinlichkeit für die Nachkommen 25 Prozent, an MCAD-Mangel zu erkranken.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel ist durch die Neigung zu Hypoglykämie, Krämpfen und komatösen Zuständen charakterisiert. Die ersten Symptome erscheinen meist zwischen dem zweiten Lebensmonat und dem vierten Lebensjahr. Sie werden durch Infekte oder längere Nahrungskarenzen ausgelöst und äußern sich durch Durchfälle, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen sowie Krampfanfälle.

Die Leber kann vergrößert sein. Bei jeder Stoffwechselentgleisung sind die Blutzuckerwerte erniedrigt, die Ammoniakwerte im Blut erhöht und der Karnitinspiegel erniedrigt. Je stärker die Abweichungen sind, desto größere Gefahren bestehen, in ein lebensgefährliches Koma zu fallen. Es gibt jedoch auch Formen von MCAD-Mangel mit wesentlich milderen Symptomen.

In manchen Fällen treten überhaupt keine Krankheitserscheinungen auf. Hier weisen nur Laboruntersuchungen auf einen entsprechenden Gendefekt hin. Auch bei den schwerer erkrankten Patienten bestehen zwischen den Stoffwechselentgleisungen immer symptomfreie Phasen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel kann im Rahmen eines Neugeborenenscreenings mittels der Tandem-Massenspektroskopie nachgewiesen werden. Bei dieser Methode werden Bruchstücke von Acyl-Karnitinen bestimmt. Die Konzentration von Octanoylcarnitin gilt hierbei als Leitparameter. Wenn die Werte erhöht sind, kann eine DNA-Analyse zur Bestätigung der Diagnose beitragen.

In der akuten Phase der Erkrankung können Hypoglykämie, erhöhte Ammoniakwerte sowie erhöhte Werte von mittelkettigen Fettsäuren in Form von Dicarboxylsäuren im Urin festgestellt werden. Außerdem besteht eine Hyperurikämie (erhöhte Harnsäurewerte im Urin) und es zeigen sich Anzeichen einer Leberfunktionsstörung. Manchmal sind auch die Myoglobinwerte im Urin erhöht.

Komplikationen

Der Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel kann im schlimmsten Falle tödlich für den Patienten enden. Um schwere Komplikationen und Folgeschäden zu vermeiden muss daher eine frühzeitige Behandlung dieser Krankheit stattfinden. In den meisten Fällen leiden die Betroffenen dabei an starken Krämpfen, die auch mit Schmerzen verbunden sind.

Ebenso kann es durch den Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel zu einem Koma oder zu einem Bewusstseinsverlust kommen, sodass der Alltag des Betroffenen durch die Beschwerde deutlich eingeschränkt ist. Es treten Störungen des Bewusstseins auf und die Betroffenen leiden an Durchfällen und an Erbrechen. In vielen Fällen kommt es auch zu einer Vergrößerung der Leber, die ebenso mit Schmerzen verbunden ist.

Sollte sich der Betroffene in einem Koma befinden, kann sich dieser Zustand auch negativ auf die Psyche der Angehörigen oder der Eltern und Kinder auswirken und bei diesen Menschen zu Depressionen oder zu anderen psychischen Verstimmungen führen. In der Regel kann der Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel relativ gut behandelt werden, wenn er schon früh diagnostiziert wird.

Dabei kommt es nicht zu besonderen Komplikationen. Erst bei einer späten Diagnose und Behandlung können verschiedene Komplikationen auftreten, sodass der Betroffene zum Beispiel auf einen operativen Eingriff angewiesen ist.

Behandlung & Therapie

Wenn die Diagnose frühzeitig gestellt wird, ist die Prognose der Erkrankung sehr gut. Dann können rechtzeitig prophylaktische Maßnahmen eingeleitet werden, die Stoffwechselkrisen auch in schwierigen und belastenden Situationen verhindern. Wichtig ist das Vermeiden von längeren Nahrungskarenzen und Infektionen.

Eine Nahrungskarenz sollte nicht länger als zwei Stunden dauern. Auch für die Vorbereitung von eventuellen Operationen ist die Kenntnis dieser Erkrankung notwendig. Viele nicht unbedingt nötige Operationen sollten deshalb nicht durchgeführt werden. Wenn eine Operation nicht vermieden werden kann, ist zur Verhinderung einer Stoffwechselentgleisung eine künstliche Ernährung mit Glukoselösung unbedingt erforderlich.

Auch eine akute Stoffwechselentgleisung lässt sich nur durch eine Infusion mit Glukoselösung überwinden. Da Karnitin fehlt, ist auch eine orale Verabreichung von Karnitin sinnvoll. Des Weiteren kann die Gabe von Riboflavin zur Verbesserung des Fettstoffwechsels führen, weil es ein Koenzym beim Fettsäureabbau darstellt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Weil der Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel genetisch bedingt ist, gibt es keine Empfehlung zu dessen Vorbeugung. Bei familiärer Häufung ist eine humangenetische Beratung sinnvoll, wenn Kinderwunsch besteht. Durch DNA-Untersuchungen können die defekten Gene nachgewiesen werden.

Wenn beide Elternteile jeweils ein mutiertes Gen besitzen, besteht für die Nachkommen ein 25-prozentiges Risiko, an einem Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel zu erkranken. Wird bei dem Neugeborenenscreening ein MCAD-Mangel festgestellt, ist eine umfassende ärztliche Kontrolle zur Verhinderung von Infektionen notwendig. Die Ernährung muss auf eine kohlenhydratreiche und fettarme Diät eingestellt werden.

Bücher über Fettsäuren

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: