Medikamenteninduzierter Kopfschmerz (Kopfschmerzen durch Schmerzmittel)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
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Medikamenteninduzierter Kopfschmerz gehört zur Gruppe der sekundären Kopfschmerzen, welche i. d. R. durch Schmerzmittel oder andere Arzneimittel hervorgerufen werden. Diese Art von Kopfschmerzen kann sowohl ein- als auch beidseitig auftreten. Medikamenteninduzierter Kopfschmerz lässt sich im Allgemeinen gut behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist medikamenteninduzierter Kopfschmerz?

Ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz liegt vor, wenn an mind. 15 Tagen pro Monat dauerhafte Kopfschmerzen auftreten. Diese Kopfschmerzen liegen vor, nachdem über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten schmerzstillende Medikamente an mehr als 10 Tagen pro Monat eingenommen wurden.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz ist kein primärer, sprich eigenständiger Kopfschmerz wie z. B. Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Jedoch sind die primären Kopfschmerzen Voraussetzung dafür, dass ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz erst entstehen kann.

Man unterscheidet beim medikamenteninduzierten Kopfschmerz drei Arten: chronifizierte Migräne, chronifizierter Spannungskopfschmerz und chronifizierter Kombinationskopfschmerz.

Neben Analgetika (Schmerzmittel) können auch andere Arzneimittel einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz auslösen. Hierbei muss berücksichtigt werden, ob das Medikament primär zur Behandlung von Kopfschmerzen oder für eine andere Erkrankung eingesetzt wurde, da der medikamenteninduzierte Kopfschmerz auch als Nebenwirkung bei einer Dauermedikation auftreten kann.

Ursachen

Die Ursache für medikamenteninduzierten Kopfschmerz ist ein Kopfschmerz, der übermäßig mit Schmerzmitteln therapiert wurde. In der Regel sind Migräne und Spannungskopfschmerzen die primären Kopfschmerzen.

Nicht jede Form von Kopfschmerz führt automatisch zu medikamenteninduzierten Kopfschmerzen. Clusterkopfschmerzen führen i. d. R. auch bei übermäßiger Einnahme von Analgetika nur in Ausnahmefällen zu medikamenteninduzierten Kopfschmerzen.

Es ist des Weiteren zu beachten, dass gegen rheumatische Erkrankungen, Verletzungen und andere Krankheiten eingenommene Schmerzmittel nicht als Ursache für medikamenteninduzierte Kopfschmerzen gelten.

Da eine konkrete Ursache für medikamenteninduzierte Kopfschmerzen bis jetzt nicht eruiert werden konnte, geht man davon aus, dass eine genetische Veranlagung infrage kommt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Infogramm zu den Ursachen und Symptomen bei Migräne und Kopfschmerzen. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Diagnostiziert wird der medikamenteninduzierte Kopfschmerz durch den Allgemeinmediziner als auch durch den Neurologen. Nach einer ausführlichen Anamnese wird dem Betroffenen i. d. R. empfohlen über einen längeren Zeitraum ein sog. Kopfschmerztagebuch zu führen.

Des Weiteren erfolgen eine allg. körperliche Untersuchung sowie eine Blutanalyse. Der Neurologe untersucht den neurologischen Status des Patienten mithilfe von EEG und weiteren neurologischen Untersuchungsmethoden.

Ergeben sich in der Blutanalyse Auffälligkeiten, kann zudem ein Internist hinzugezogen werden. Vor allem nach jahrelangem Schmerzmittelmissbrauch können Nieren und Leber geschädigt worden sein. Der Zustand der inneren Organe wird mithilfe von weiteren Blutanalysen festgestellt. Des Weiteren werden bildgebende Verfahren wie Ultraschall eingesetzt, um festzustellen, ob und in welcher Ausprägung Schäden an den Organen vorhanden sind.

Der Verlauf bei medikamenteninduziertem Kopfschmerz ist als gut zu bezeichnen. Bei adäquater Therapie liegt die Erfolgsquote bei 80 Prozent.

Je nachdem wie lange der medikamenteninduzierte Kopfschmerz schon vorhanden ist bzw. wie lange der Schmerz- und Arzneimittelmissbrauch betrieben wurde, kann es im weiteren Verlauf zu Komplikationen kommen. Neben Leber und Niere können Magengeschwüre und Magentumore auftreten. Bei Betroffenen mit medikamenteninduziertem Kopfschmerz liegen zudem häufig Depressionen vor, die durch eine Verhaltenstherapie jedoch gut behandelt werden können.

Komplikationen

Bei dieser Beschwerde kommt es beim Patienten zu sehr starken Kopfschmerzen. In den meisten Fällen sind diese Schmerzen in der Regel stechend oder drückend und können damit die Lebensqualität deutlich einschränken. Auch die Konzentration und die Koordination des Betroffenen wird durch diese Beschwerde verringert.

Die Schmerzen breiten sich vom Kopf nicht selten auch in andere Regionen des Körpers aus und können auch dort zu Beschwerden führen. Mitunter kommt es auch zu einer Lichtempfindlichkeit, sodass die Kopfschmerzen durch grelles Licht noch weiter verstärkt werden. Auch eine Lärmempfindlichkeit kann eintreten. Die Patienten haben oft ein Flimmern vor den Augen und können ihre gewöhnlichen Tätigkeiten nicht mehr durchführen.

Die Beschwerden selbst können einfach eingeschränkt werden, indem die jeweiligen Medikamente abgesetzt oder durch andere ersetzt werden. Vor allem auf Schmerzmittel müssen die Betroffenen verzichten. Dabei kann es auch zu Entzugserscheinungen kommen. Sollte keine Behandlung dieser Beschwerde stattfinden, so kann es auch zu Entzündungen am Magen oder im schlimmsten Falle zu einer Niereninsuffizienz kommen, die ohne Behandlung tödlich verläuft. In der Regel wird auch die Lebenserwartung durch die Krankheit verringert, wenn es nicht zu einer Behandlung dieser Beschwerde kommt.

Behandlung & Therapie

Eine erfolgreiche Behandlung eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes sieht vor, dass gleich zu Beginn die auslösenden Schmerz- und Arzneimittel abgesetzt werden.

Da im Laufe der Monate und Jahre der Erkrankung diese häufig suchtbedingt ist, ist eine Entgiftung bzw. ein Entzug das Mittel der Wahl. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Patient dies zu 100 Prozent möchte, denn durch den Verzicht auf Schmerzmittel setzt ein sog. Rebound-Effekt ein, dass heißt, die Schmerzen intensivieren sich durch das Absetzen der Medikamente. Diese Entzugskopfschmerzen können in der Regel bis zu drei Wochen anhalten.

Da neben dem medikamenteninduzierten Kopfschmerz häufig auch Depressionen bei den Betroffenen vorhanden sind, ist es ratsam einen stationären Entzug zu machen. Neben der Behandlung der Schmerzen und anderer Entzugssymptome durch spezielle Medikamente, ist eine Verhaltenstherapie ein wichtiger Faktor, um den Erfolg der Behandlung zu sichern.

Wenn die Beschwerden abgeklungen sind, ist es wichtig, die Ursache für den ursächlichen Kopfschmerz zu finden und zu behandeln. Die Therapie beginnt schon während des Entzuges und wird langfristig in den Folgemonaten fortgesetzt. Neben einer adäquaten Schmerztherapie und einem psychologischen Verhaltenstraining, ist es wichtig, dass auch physiotherapeutische Maßnahmen ergriffen werden, insbesondere dann, wenn Spannungskopfschmerzen die Ursache für den medikamenteninduzierten Kopfschmerz sind.

Die Behandlung des medikamenteninduzierten Kopfschmerzes sieht auch die Behandlung der Folgen des Schmerzmittelmissbrauchs vor. Durch den übermäßigen Gebrauch von Schmerzmitteln werden vor allem Magen, Leber, Nieren als auch die Blutgefäße geschädigt. Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüre, Hepatitis und Niereninsuffizienz sind nur einige der Krankheiten, die als Folge des medikamenteninduzierten Kopfschmerzes auftreten können.

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Vorbeugung

Einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz lässt sich gut vorbeugen. Wichtigster Punkt ist, dass bei Kopfschmerzen an nicht mehr als max. drei hintereinander liegenden Tagen und an nicht mehr als max. zehn Tagen im Monat Schmerz- und Migränemittel eingenommen werden.

Liegt ein primärer Kopfschmerz vor, so sollte man Schmerzmittel nur in der erlaubten Dosierung und Dauer gem. des Beipackzettels einnehmen. Sollten die Kopfschmerzen nicht innerhalb von 48 Stunden abklingen, ist ein Arzt zu konsultieren, der ggf. andere, wirksamere Medikamente verordnen kann.

Da ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz Folge von anderen Kopfschmerzen ist, ist es ratsam ein sog. Kopfschmerztagebuch zu führen. Auf diese Weise kann man die Diagnose- und Ursachenfindung erleichtern. Zudem dient das Tagebuch als Überwachungsorgan, so dass eine versehentliche oder beabsichtige Mehreinnahme von Schmerzmitteln vermieden werden kann.

Da primäre Kopfschmerzen häufig durch verspannte Muskeln ausgelöst wird (Spannungskopfschmerzen), ist es sinnvoll physiotherapeutische Maßnahmen zu ergreifen, so dass aus dem primären kein medikamenteninduzierter Kopfschmerz entsteht.

Das können Sie selbst tun

Patienten mit einem medikamenteninduziertem Kopfschmerz können versuchen, auf alternative Möglichkeiten zur Schmerzbekämpfung auszuweichen. Als besonders hilfreich haben sich Entspannungsverfahren erwiesen. Diese können nach dem Erlernen bestimmter Übungen eigenverantwortlich und ganz nach eigenem Ermessen jederzeit durchgeführt werden. Über unterschiedliche Techniken wird die mentale Stärke des Betroffenen aufgebaut und Stress kann reduziert werden. Als förderlich haben sich Methoden wie Meditation, autogenes Training oder Yoga gezeigt. Vielen Patienten ist es darüber erfolgreich gelungen, die Dosis der Schmerzmittel herabsetzen zu können oder auf ein weniger wirkstoffreiches Medikament umsteigen zu können.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Naturheilmittel, die sich bei der Schmerzbekämpfung bewährt haben. Zu ihnen zählen die Teufelskralle, Ingwer, Weidenrinde, Arnika oder Curcumin. Können die Schmerzen darüber gelindert werden, kann die Schmerzmedikation ebenfalls umgestellt und verändert werden.

Bei einem Kopfschmerz sollte der Patient nach Möglichkeit ausreichend und unter guten Bedingungen schlafen. Die Schlafhygiene ist daher zu optimieren und der Tagesablauf ist auf die Bedürfnisse abzustimmen. Ein weitere Möglichkeit, um die Schmerzmittel reduzieren oder absetzen zu können ist die Methode der Akupunktur. Je nach Schmerzursache kann der Patient durch das Naturheilverfahren eine Linderung der Beschwerden erzielen. Diese kann zu einer Schmerzfreiheit führen, so dass keine Medikamente mehr benötigt werden.

Bücher über Migräne & Kopfschmerzen

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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