Medianuslähmung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. Oktober 2017
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Der Begriff Medianuslähmung ist die Kurzbezeichnung für eine Lähmung des Nervus medianus. Dieser Nerv ist einer der drei Hauptnerven des Armes. Bei einer Medianuslähmung ist die Beugung von Hand und Fingern sowie die Daumenfunktion eingeschränkt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Medianuslähmung?

Eine Medianuslähmung kommt zustande, wenn der Nervus medianus an irgendeiner Stelle so geschädigt wird, dass von ihm abhängige Muskeln keine Nervenimpulse mehr empfangen.

Art und Ausmaß der Lähmung hängen davon ab, auf welcher Höhe seines Verlaufs der Nerv geschädigt wird. Für ein Verständnis der Medianuslähmung ist es wichtig, die Anatomie des Nervs grob zu kennen. Der Nervus medianus (der "mittlere Nerv") geht in der Achselhöhle aus dem Armnervengeflecht (Plexus brachialis) hervor und verläuft in einer Rinne medial des Musculus biceps brachii (ugs. "Bizeps") zur Ellenbeuge.

Dort tritt er zwischen den beiden Köpfen des Musculus pronator teres auf die Vorderseite des Unterarms und innerviert hier den Großteil der Beugemuskeln. Zusammen mit den Sehnen dieser Beugemuskeln gelangt der Nervus medianus durch den Karpaltunnel zur Hand. In der Hohlhand verzweigt er sich in sensible Endäste und motorische Äste für die Daumenmuskulatur.

Man unterscheidet grob eine proximale (rumpfnahe) Medianuslähmung mit Läsion im Ellenbogenbereich und eine distale (rumpfferne) Medianuslähmung, bei welcher der Nerv am Handgelenk geschädigt wird.

Ursachen

Die häufigste Ursache einer Medianuslähmung ist eine Schädigung durch chronischen Druck im Karpaltunnel (sog. Karpaltunnelsyndrom). Der Karpaltunnel ist ein Kanal, der von den Handwurzelknochen gebildet und von Bandstrukturen überdacht wird. Bei manchen Menschen ist der Karpaltunnel von Natur aus eng angelegt. Treten zusätzlich pathologische Raumforderungen auf, z. B. durch Sehnenscheidenentzündungen, wird der Nervus medianus chronisch komprimiert.

Neben Dauerkompression kann äußere Gewalteinwirkung eine Medianuslähmung hervorrufen. Proximalen Medianuslähmungen liegen häufig Knochenbrüche oder auch Luxationen (Auskugelungen) des Ellenbogengelenks zugrunde. Distale Medianuslähmungen können auf Schnittverletzungen am Handgelenk oder Frakturen der Handwurzelknochen zurückzuführen sein.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Diagnostizieren lässt sich eine Medianuslähmung meist anhand der charakteristischen motorischen und sensiblen Ausfallerscheinungen. Bei einer proximalen Medianuslähmung entsteht beim versuchten Faustschluss eine "Schwurhand": Nur Ringfinger und kleiner Finger lassen sich noch beugen.

Das "Flaschenzeichen" ist positiv, d. h. eine Flasche kann durch den Ausfall der Daumenmuskulatur nicht mehr richtig umfasst werden. Pronation (Einwärtsdrehen) der Hand gelingt nur unvollständig. Auf der Haut der Handinnenseite tritt vom Daumen bis zum halben Ringfinger Taubheit auf. Bei distaler Medianuslähmung funktionieren die langen Handbeuger am Unterarm noch, sodass keine Schwurhand entsteht.

Das "Flaschenzeichen" ist auch hier positiv. Die Fingerspitzen von Zeige- und Mittelfinger sind taub. Neben der umfassenden neurologischen Untersuchung hilft eine Anamnese bei der Diagnose: Hinweise liefern vorausgegangene Verletzungen des Arms oder ein bekanntes Karpaltunnelsyndrom. Apparativ kann die Diagnose Medianuslähmung durch die Messung elektrischer Muskelaktivität (Elektromyografie) gestützt werden.

Komplikationen

Durch die Medianuslähmung kommt es in erster Linie zu verschiedenen Störungen der Sensibilität oder zu Lähmungen, die vor allem an den Fingern und an der Hand auftreten. Auch der Daumen ist von der Medianuslähmung in den meisten Fällen betroffen. Die Finger können dabei nur noch eingeschränkt bewegt werden, sodass es beim Patienten zu erheblichen Einschränkungen im Alltag kommt.

Gewisse Tätigkeiten oder Arbeiten können durch die Medianuslähmung nicht mehr ohne Weiteres durchgeführt werden, sodass die Lebensqualität deutlich verringert wird. Ebenso treten verschiedene Gefühlsstörungen auf, die den Alltag weiterhin beeinträchtigen. Der weitere Verlauf der Krankheit hängt in der Regel auch von ihrer Ursache ab.

In den meisten Fällen treten allerdings keine besonderen Komplikationen auf, falls die Verletzung nicht besonders schwerwiegend ist. Die Lebenserwartung wird durch die Medianuslähmung in der Regel auch nicht eingeschränkt oder verringert. Eine Behandlung dieser Lähmung ist in der Regel nicht notwendig. Die Beschwerden verschwinden in den meisten Fällen mit der Zeit wieder von alleine. Nur in seltenen Fällen sind Eingriffe notwendig, um die Beschwerden zu lindern. Hierbei kommt es ebenso nicht zu weiteren Komplikationen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Medianuslähmung richtet sich nach der Schädigungsursache. Lähmungen durch Druckschäden bilden sich oft von alleine wieder zurück. Bei einer Durchtrennung des Nervs im Rahmen von Frakturen oder Schnittverletzungen kann eine operative Rekonstruktion versucht werden.

Entsteht die Medianuslähmung durch Kompression im Karpaltunnel, wird je nach Schweregrad entweder eine konservative Therapie (z. B. durch Medikamente und/ oder spezielle Sanitätstechnik) oder eine Operation durchgeführt. Ziel der Operation ist eine dauerhafte Druckentlastung, etwa durch Eröffnung des gesamten Karpaltunnels oder durch Sehnenspaltung. Zur Nachbehandlung ist meist Physiotherapie nötig.

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Vorbeugung

Gegen eine traumatische Medianuslähmung lässt sich keine Prävention durchführen. Für ein Karpaltunnelsyndrom gibt es hingegen beeinflussbare Risikofaktoren.

Gefährdet sind u. a. Personen, die stark abgenommen, aber ihre Muskulatur wenig gekräftigt haben und daher über schlaffes Bindegewebe verfügen. Auch Patienten mit Nierenschäden oder Diabetes mellitus besitzen wegen der Gefahr von Gewebeschwellungen ein höheres Risiko. Erstsymptome eines Karpaltunnelsyndroms sind Missempfindungen und Schmerzen an der daumenseitigen Innenhand, die insbesondere nachts oder nach mechanischen Belastungen des Handgelenks auftreten.

Derartige Anzeichen sollten ernst genommen und ärztlich begutachtet werden, um eine etwaige Nervenkompression zu behandeln, bevor sich eine vollständige Medianuslähmung ausbildet.

Das können Sie selbst tun

Welche Maßnahmen bei einer Medianuslähmung ergriffen werden können, hängt von der Ursache und Schwere der Schädigung ab. Leichte Lähmungserscheinungen, beispielsweise durch eine Prellung oder Verstauchung am Arm hervorgerufen, verschwinden meistens von alleine wieder.

Bei schweren Verletzungen ist eine Operation erforderlich. Zuvor muss gemeinsam mit dem Arzt ein Untersuchungsplan erstellt werden, in dem die Kontrolluntersuchungen und andere Details festgehalten werden. Kurz vor dem Eingriff sollte der Betroffene den Muskel nicht mehr belasten und sich ansonsten an die Vorgaben des zuständigen Arztes halten. Die Genesung kann dann durch die typischen Nachsorge-Maßnahmen, also Schonung und Kühlung, unterstützt werden, aber auch durch leichte Dehnübungen.

Generell sollte mit einer Medianuslähmung täglich Krankengymnastik durchgeführt werden, damit sich die Lähmung schnellstmöglich wieder vollständig zurückbildet. Wird eine motorische Ersatzoperation durchgeführt, muss der Spendermuskel gezielt gestärkt werden, etwa durch Krankengymnastik oder durch Massagen und Hilfsmittel. Die krankengymnastischen Übungen werden bei einer Ersatzoperation meist nach vier bis fünf Wochen begonnen. Welche Maßnahmen der Betroffene ansonsten noch ergreifen kann, um die Heilung zu fördern, kann nur der zuständige Facharzt beantworten.

Bücher über Handlähmung & Karpaltunnelsyndrom

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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