Maxilläre Retrognathie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
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Bei der maxillären Retrognathie ist der obere Kiefer unterentwickelt und der normalentwickelte Unterkiefer steht darüber hinaus. Das Phänomen ist eine Anomalie des Kiefer-Schädel-Verhältnisses und kann im Rahmen von erblichen Fehlbildungssyndromen oder in erworbener Form nach Traumata auftreten. Die Behandlung der Patienten entspricht einer speziellen Form der Osteotomie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine maxilläre Retrognathie?

Bei Prognathien handelt es sich um kieferorthopädische Fehlstellungen, bei denen der obere Kiefer bezüglich der Schädelbasis zu weit vorne liegt. Auch Zahnfehlstellungen mit zu weit vorne stehenden Frontzähnen des Oberkiefers werden zuweilen als Prognathie bezeichnet. Die maxilläre Retrognathie wird auch als falsche Progenie bezeichnet und entspricht einer Hypoplasie des Oberkiefers. Unter einer Hypoplasie versteht die Medizin eine Unterentwicklung.

Der unterentwickelte Oberkiefer der Patienten führt bei dieser Erscheinung fälschlicherweise zum Eindruck einer Prognathie. Das Phänomen wird auch als Opisthognathie, maxillary retrognathism und maxillary retrognathia bezeichnet. Meist entspricht die Unterentwicklung des Oberkiefers einer Verkürzung. Der normal entwickelte Unterkiefer ragt aus diesem Grund über den unterentwickelt oberen Kieferteil hinaus.

Die maxilläre Retrognathie zählt zu den Anomalien des Kiefer-Schädel-Verhältnisses. Häufig liegt der Erscheinung eine erbliche Basis zugrunde. Allerdings kann eine maxilläre Retrognathie unter bestimmten Umständen auch erworben sein. Das Phänomen ist die zweithäufigste Dysgnathie. Als solche werden Fehlentwicklungen der Zähne und des Kiefers zusammengefasst.

Ursachen

In den meisten Fällen ist die maxilläre Retrognathien erblich bedingt. Das Phänomen kann in diesem Zusammenhang zum Beispiel im Rahmen von Syndromen wie dem Crouzon-Syndrom vorliegen und dabei auf die primäre Ursache einer genetischen Mutation zurückzuführen sein. Die Hypoplasie des Oberkiefers entspricht bei angeborenen Fällen einer Wachstumshemmung.

Maxilläre Retrognathien kommen damit zum Beispiel im Rahmen einer Dysostosis cranio-facialis als kraniofaziale Fehlbildungen vor oder und vergesellschaften die Symptome einer Akrozephalosyndaktylie. Die Rethrognathie kann allerdings auch erworben sein und in diesem Zusammenhang zum Beispiel nach Operationen auftreten. Mitunter am häufigsten tritt sich nach operativen Eingriffen an einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte auf, die im Kindesalter stattfinden.

Wenn einem Patienten im Kindesalter Zähne gezogen werden oder der Patient Zähne des Oberkiefers auf andere Weise irreversibel verliert, kann auch dieser Verlust eine erworben maxilläre Retrognathie begünstigen. Abgesehen von den Betroffenen einer Erberkrankung sind die meisten Patienten mit maxillärer Retrognathie sind abgesehen von der Anomalie des Oberkiefers völlig gesund.

Erworbenen Formen kann unter Umständen ein Trauma des Kiefers oder Schädels vorausgehen, das nur unzureichend behandelt wurde. In diesem Zusammenhang ist das Phänomen eine lokale Komplikation.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten der maxillaren Retrognathie leiden an einem abnormen Verhältnis von Kiefer und Schädelbasis. Das Kinn der Patienten liegt im Vergleich zum Oberkiefer in wesentlichen Teilen zu weit vorne. Aus diesem Grund besitzen die Patienten ein konkaves Gesichtsprofil. Die Fehlentwicklung lässt die Nase und die Nasolabialfalte äußerst dominant hervortreten.

Häufig klagen die Patienten begleitsymptomatisch über eine erschwerte Atmung durch die Nase, da die Nasenatmung durch den Versatz des Kiefers eingeschränkt ist. Welche zusätzlichen Symptome vorliegen, hängt von der Ursache der maxillären Retrognathie ab. Im Rahmen von Fehlbildungssyndromen liegen in der Regel viele weitere Fehlbildungen des kraniofazialen Systems vor.

Bei erworbenen Fällen handelt es sich bei der Anomalie meist um eine isolierte Erscheinung. Unter bestimmten Umständen kann die Fehlentwicklung mit Schmerzen vergesellschaftet sein, so vor allem bei traumatischen Ursachen. Probleme beim Essen oder Trinken können sich ab einer gewissen Ausprägung einstellen. Außerdem können alle Fehlstellungen und Fehlbelastungen des Kiefers Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Verspannungen hervorrufen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Im Rahmen der Diagnostik ist die maxilläre Retrognathie von mandibulären Prognathien abzugrenzen. Bei diesen Fehlentwicklungen liegt kein verkürzter Oberkiefer, sondern ein verlängerter Unterkiefer vor, der über den Oberkiefer hinausragt. Die maxilläre Retrognathie macht auf den ersten Blick den Anschein einer Prognathie, aber entspricht in keinsterweise derselben Anomalie. Die Diagnose wird vom Zahnarzt oder dem Kieferchirurgen gestellt. In den meisten Fällen ist die Prognose hervorragend. Das gilt zumindest nach frühen Diagnosen der Anomalie.

Komplikationen

Bei dieser Krankheit leiden die Betroffenen in der Regel an verschiedenen Beschwerden im Bereich des Kiefers. Dabei kommt es zu Veränderungen und zu Deformationen im Gesicht, sodass die Betroffenen in erster Linie an einer eingeschränkten Ästhetik leiden. Dabei können vor allem auch Kinder an Mobbing oder an Hänseleien leiden.

Dabei kommt es nicht selten auch zu einem stark verringerten Selbstwertgefühl oder sogar zu Minderwertigkeitskomplexen. Mitunter führt die Krankheit auch zu Atembeschwerden, sodass die Patienten im schlimmsten Fall auch das Bewusstsein verlieren können. Auch die inneren Organe werden dabei mit weniger Sauerstoff versorgt.

Auch Fehlbildungen können im Gesicht vorkommen. Ebenso führt die Krankheit zu Verspannungen im Nacken und im Kiefer und nicht selten auch zu Kopfschmerzen. Auch Fehlstellungen können dabei auftreten. Die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeiten kann mit Schwierigkeiten einhergehen.

Die Behandlung dieser Krankheit wird mit Hilfe von verschiedenen Eingriffen durchgeführt. Dabei treten in der Regel keine besonderen Komplikationen auf. Viele Fehlstellungen und Beschwerden können dadurch korrigiert werden. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Erkrankung in der Regel nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Patienten der maxillären Retrognathie müssen so früh wie möglich behandelt werden. Die Anomalie des Kiefers kann unbehandelt schwere Schädigungen der Zähne und des Halteapparats verursachen. Diese Komplikationen gilt es mittels einer frühzeitigen Behandlung zu vermeiden. Die Behandlung ist meist ursächlich und findet in kieferorthopädischer Betreuung statt. Konservative Behandlungsmöglichkeiten für das Phänomen gibt es nicht.

Operativen Verfahren ist der Vortritt zu lassen. Der Kieferchirurg löst die Fehlbildung meist im Rahmen einer speziellen Osteotomie auf. Osteotomien sind Operationsverfahren zur gezielten Durchtrennung von Knochen, die Fehlstellungen korrigieren können. In diesem Zusammenhang ist häufig von einer sogenannten Korrekturosteotomie die Rede. Auf eine Osteotomie folgt eine Osteosynthese, bei der die durchtrennten Knochen in Position gebracht und fixiert werden.

Bei Patienten der maxillären Retrognathie dienen Osteotomie und Osteosynthese der Vorverlagerung des Oberkiefers. Die Operation findet in diesem Fall bevorzugt nach der Technik einer Le-Fort-I-Osteotomie statt. In den meisten Fällen kann die Operation die Anomalie zumindest insoweit beheben, dass Komplikationen wie Zahnschädigungen oder Schädigungen des Halteapparats ausgeschlossen sind.

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Vorbeugung

Einer maxillären Retrognathie im Rahmen von Fehlbildungssyndromen lässt sich nur schwer vorbeugen. Allerdings können erworbene Anomalien dieser Art ausgeschlossen werden, indem Eingriffe am kindlichen Kiefer oder der Kiefer-Gaumen-Spalte erst ab einem gewissen Alter und mit der erforderlichen Vor- und Nachsorge durchgeführt werden.

Das können Sie selbst tun

Beim Verdacht auf die maxilläre Retrognathie sollte umgehend ein Arzt oder Kieferorthopäde konsultiert werden. Eine sofortige Behandlung ist notwendig, um schwere Schädigungen der Zähne und des Halteapparats zu vermeiden und insgesamt eine rasche Genesung zu gewährleisten.

Die Behandlung selbst kann von den Betroffen durch eine gute Zahn- und Mundhygiene unterstützt werden. Durch vermehrtes Zähneputzen und die Anwendung eines medizinischen Mundwassers wird vor allem bei bestehenden Schädigungen des Zahnhalteapparats das Risiko von Entzündungen reduziert. Sind noch keine Schäden entstanden, besteht die wichtigste Maßnahme darin, die erschwerte Nasenatmung durch bewusste Mundatmung auszugleichen. Wichtig ist dies insbesondere bei schweren Fehlbildungen des Kiefers, denn ein ausgeprägter Versatz kann starke Atembeschwerden und in der Folge einen chronischen Sauerstoffmangel hervorrufen.

Darüber hinaus muss gegen die einzelnen Symptome vorgegangen werden. Kopfschmerzen lassen sich durch bewusste Entspannung und frische Luft reduzieren. Wirksame Mittel aus der Naturheilkunde sind unter anderem Baldrian und Kamille. Gegen Verspannungen im Bereich des Kiefers hilft eine sanfte Massage. Auch hier kann bewusstes Entspannen die Beschwerden reduzieren. Bei ausgeprägten Symptomen sollte allerdings ein Arzt konsultiert werden.

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Quellen

  • Gängler, P., et al.: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W.: Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2016

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