Mastoiditis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. Oktober 2017
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Eine Mastoiditis ist eine entzündliche Infektionskrankheit des Warzenfortsatzes (Processus mastoideus), die die häufigste Komplikation einer Otitis media acuta (akute Mittelohrentzündung) infolge einer unzureichenden Behandlung darstellt. Eine Mastoiditis ist in der Regel bei frühzeitigem Therapiebeginn gut behandelbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Mastoiditis?

Als Mastoiditis wird eine bakteriell bedingte Entzündung der Schleimhaut in den lufthaltigen Zellen des Warzenfortsatzes (Processus mastoideus) des Schläfenbeins bezeichnet. In den meisten Fällen ist eine Mastoiditis eine Folgeerkrankung einer nicht vollständig auskurierten Otitis media acuta (akute Mittelohrentzündung).

Ist die Mastoiditis beim Kleinkind oder Säugling auf eine latente (verborgene bzw. unentdeckte) Otitis media zurückzuführen, wird von einer okkulten Mastoiditis gesprochen.

Symptomatisch äußert sich eine Mastoiditis durch langanhaltendes Fieber im akuten Erkrankungsstadium, Ohrenfluss (Otorrhö), Druckempfindlichkeit über dem Processus mastoideus, retroaurikuläre (hinter dem Ohr befindliche) Schwellung mit abstehendem Ohr sowie Unruhe, Schlafstörungen, Verlust des Hungergefühls und progrediente (fortschreitende) Schwerhörigkeit.

Sind Kleinkinder von einer Mastoiditis betroffen, können diese auch an Durchfall und/oder Erbrechen leiden.

Ursachen

In der Regel wird eine Mastoiditis durch eine bakterielle Infektion mit Pneumokokken, Streptokokken, Haemophilus influenzae Typ B und bei Säuglingen auch mit Staphylokokken verursacht. In einigen Fällen ist der bakteriellen eine virale Infektion mit Rhinoviren, Influenzaviren, Coxsackieviren und Adenoviren vorausgegangen, die Schnupfen und Entzündungen im Halsbereich bedingen und zu einer Schwächung des Immunsystems führen können.

Infolge des geschwächten Abwehrsystems ist der betroffene Organismus anfälliger für bakterielle Erreger. Bakterien dringen in die Strukturen im Nasen-Rachen-Raum ein, von wo aus sie in das Mittelohr gelangen und eine Otitis media bedingen können. Im Falle einer Falsch- oder Nichtbehandlung können die Bakterien benachbarte Strukturen wie die lufthaltigen Knochenzellen des Processus mastoideus besiedeln und eine Mastoiditis verursachen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Ohr
Eine Mastoiditis kann zu starken Ohrenschmerzen führen.

Eine Mastoiditis kann durch eine Otoskopie (Ohrenspiegelung), im Rahmen derer die äußeren Gehörgänge und das Trommelfell mit einem Otoskop untersucht werden, diagnostiziert werden. Eine abgesenkte hintere Gehörgangswand sowie ein verdicktes, intransparentes Trommelfell, das gegebenenfalls eine Vorwölbung und/oder Perforation (Riss) mit eitriger Ohrensekretion (Ohrenfluss) aufweist, können auf eine Mastoiditis hinweisen.

Abgesichert wird die Diagnose anhand einer Schüller-Schläfenbeinaufnahme (spezielle Röntgenaufnahme nach Schüller), die eine Verschattung der Mastoidzellen (Zellen des Warzenfortsatzes bzw. Processus mastoideus) und eine Auflösung der Knochenbälkchen zeigt. Eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomographie lassen Aussagen über die Ausprägung der Mastoiditis zu. Eine erhöhte Leukozytenzahl, ein erhöhter CRP-Wert (C-reaktives Protein) sowie eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit weisen als Entzündungsmarker auf die entzündlichen Reaktionen infolge der Mastoiditis hin.

Bei einer Hörprüfung kann bei einer Mastoiditis eine Schallleitungsschwerhörigkeit festgestellt werden. Bei frühzeitiger Diagnose und frühzeitigem Therapiebeginn ist eine Mastoiditis in der Regel gut therapierbar und heilt ohne Konsequenzen wie Hörverlust aus.

Komplikationen

Die Mastoiditis stellt selbst eine Komplikation der Mittelohrentzündung dar. Ohne eine entsprechende medizinische Behandlung kann sie ihrerseits schwerwiegende Folgen haben. Zu den häufigsten Komplikationen der Mastoiditis zählt das Entstehen von Abszessen unter der Knochenhaut am Warzenfortsatz. Bei einem Abszess handelt es sich um eine abgekapselte Ansammlung von Eiter.

Bricht der Eiter in die seitliche Muskulatur von Hals und Nacken ein, sprechen die Ärzte von einem Bezoid-Abszess. Ebenso möglich ist eine Abszessbildung an den Schläfenlappen oder im Kleinhirn. Eine weitere Folgeerscheinung bildet die Zystomaticitis. Dabei kommt es zur Eiteransammlung unterhalb des Jochbogens, was sich wiederum durch Druckschmerzen bemerkbar macht.

Weitere mögliche Symptome sind Bewegungseinschränkungen des Kiefers, Schwellungen sowie ein Lidödem. Dringt der Eiter bis in die Pars petrosa des Schläfenbeins vor, drohen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schädigungen der Hirnnerven sowie eine Hirnhautentzündung (Meningitis).

Des Weiteren kann der Eiter bis zu den Partien des Musculus sternocleidomastoideus (Kopfnicker) gelangen. Die Folge davon sind eine schiefe Haltung des Halses in Richtung gesunde Seite sowie sein Anschwellen auf der erkrankten Seite, wodurch Druckschmerzen entstehen.

Komplikationen können auch dann entstehen, wenn die Krankheitserreger streuen, da sie über die Blutbahn andere Körperregionen erreichen können. Es drohen daher eine Sinusthrombose, eine Labyrinthitis (Infektion im Innenohr-Labyrinth), eine Lähmung des Gesichts (Facialisparese) sowie eine lebensgefährliche Blutvergiftung (Sepsis).

Behandlung & Therapie

Eine Mastoiditis wird in Abhängigkeit vom Ausmaß der Entzündung therapiert. Bei Vorliegen einer okkulten Mastoiditis oder eines sehr frühen Erkrankungsstadiums können abschwellend wirkende Nasentropfen sowie eine intravenöse Therapie mit hochdosierten Antibiotika in Kombination mit einer Parazentese (Inzision des Trommelfells) erfolgreich sein.

Liegt eine Beteiligung der knöchernen Strukturen vor oder bleibt der Therapieerfolg aus, wird die Mastoiditis in aller Regel operativ und mit einer Antibiotika-Therapie behandelt. Dazu werden im Rahmen einer sogenannten Mastoidektomie über eine Inzision (Schnitt) hinter der Ohrmuschel die Eiter- und Flüssigkeitsansammlungen (Exsudat) abdrainiert und mit Hilfe spezieller Fräsen die infizierten Mastoidzellen (Zellen des Warzenfortsatzes) abgetragen.

Zusätzlich wird ein hochdosiertes Antibiotikum intravenös infundiert, um die im Organismus verbliebenen Bakterien abzutöten. Unterstützend kommen in einigen Fällen Fiebersenker und Schmerzmittel (Paracetamol, Ibuprofen) zur Reduzierung der oftmals ausgeprägten Ohrenschmerzen zum Einsatz, die allerdings bei Kleinkindern lediglich kurzfristig angewendet werden sollten.

Hinsichtlich des Erfolgs der Antibiotika-Therapie ist bei einer Mastoiditis wie bei anderen bakteriellen Infektionskrankheiten ausschlaggebend, dass die Antibiotika nicht zu früh abgesetzt werden, um Resistenzen seitens des Erregers zu vermeiden. Kann der Erreger aufgrund von Antibiotika-Resistenzen nicht mehr abgetötet werden, können schwerwiegende Komplikationen wie eine Sepsis (Blutvergiftung), Meningitis (Hirnhautentzündung), ein Hirnabszess oder Taubheit die Folge einer Mastoiditis sein.

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Vorbeugung

Einer Mastoiditis kann nicht direkt vorgebeugt werden. Vielmehr sollte Erkältungskrankheiten, Schnupfen oder einer Mittelohrentzündung durch ein gesundes, körpereigenes Abwehrsystem (gesunde Ernährung, viel Bewegung) sowie adäquate Kleidung bei feuchtkalten Witterungsbedingungen vorgebeugt werden. Zudem sollte die Therapie vorliegender Infektionserkrankungen und Entzündungen im Bereich der Ohren nicht vorzeitig abgebrochen werden, um einer Mastoiditis vorzubeugen.

Das können Sie selbst tun

Bei Verdacht auf eine Mastoiditis sollte zeitnah ein Arzt konsultiert werden. Treten die ersten Anzeichen wie Ohrenschmerzen oder Fieber nachts oder am Wochenende auf, können leichte Symptome zunächst mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln behandelt werden. Sofern die Ohrenschmerzen über Nacht wieder abklingen, lag eventuell nur eine vorübergehende Tubenbelüftungsstörung vor. Dabei handelt es sich um einen eingeschränkten oder fehlenden Druckausgleich des Mittelohres mit dem Nasen-Rachen-Raum. Falls die Ohrenschmerzen wieder auftreten, sobald die Wirkung des Schmerzmittels nachlässt, erhärtet das den Verdacht auf eine Mittelohrentzündung, die unbedingt dem Arzt vorgestellt werden sollte.

Ohrentropfen dürfen ohne ärztliche Verordnung in dieser Situation nicht verabreicht werden. Sofern das Trommelfell noch unbeschadet ist, können die Tropfen das Mittelohr ohnehin nicht erreichen. Hat das Trommelfell bereits einen Riss, können die Tropfen gegebenenfalls zu Schäden am Innenohr führen. Sinnvoll ist dagegen eine Wärmebehandlung, die die Heilung fördert und schmerzlindernd wirkt. Dazu kann ein Rotlicht, ein Heizkissen oder eine Wärmflasche genutzt werden. In der Naturheilkunde wird das Auflegen heißer, in ein Handtuch gewickelter Kartoffel empfohlen. Zur unterstützenden Behandlung einer akuten Mastoiditis kommen in der Homöopathie regelmäßige Gaben von Chamomilla, Aconitum und Belladonna in niedrigen Potenzen zum Einsatz.

Eitriger Ausfluss aus dem Ohr sollte regelmäßig mit einem alkoholgetränktem Papiertaschentuch oder einem Wattepad entfernt werden. Dagegen darf der Gehörgang nicht mit Watte oder anderen Stoffen verschlossen werden, da dies die Vermehrung von Krankheitserregern fördern könnte.

Bücher über Mittelohrentzündung

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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