Mastdarmkrebs

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Oktober 2017
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Maligne Tumore, die im Mastdarm entstehen, werden als Mastdarmkrebs oder Rektumkarzinom bezeichnet. Der Mastdarmkrebs zählt zu den kolorektalen Karzinomen, welche in Deutschland sowohl bei Männern als auch bei Frauen die zweithäufigste Krebsart darstellen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Mastdarmkrebs?

Mastdarmkrebs ist die Sammelbezeichnung für sämtliche bösartige Tumore des Mastdarms. Der Mastdarm (Rektum) ist ein Teil des Enddarms und damit zugleich Teil des Dickdarms. Es handelt sich um den ca. 15-18 cm langen Darmabschnitt zwischen Colon sigmoideum und Analkanal.

Er dient dem Speichern von Darminhalt bis zur nächsten Defäkation und ist mit Darmschleimhaut ausgekleidet, die sich deutlich von jener der vorgelagerten Dickdarmabschnitte unterscheidet. Der Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) lässt sich vom Dickdarmkrebs (Colonkarzinom) abgrenzen, obwohl beide Krebsarten sich ähneln und daher oft auch unter dem Begriff kolorektales Karzinom zusammengefasst werden.

Ursachen

Ein Mastdarmkrebs entsteht meistens als Adenokarzinom, d. h. der Tumor geht aus Drüsengewebe hervor. Die Tumorzellen vermehren sich unkontrolliert und ohne Rücksicht auf umgebendes Gewebe. Wie bei anderen Krebsarten sind auch beim Mastdarmkrebs Mutationen verantwortlich für die unkontrollierte Teilung der Tumorzellen.

In etwa 95% der Fälle entstehen die verhängnisvollen Genmutationen sporadisch, nur in 5% sind sie erblicher Natur. Es wird vermutet, dass sich Mastdarmkrebs erst über mehrere gutartige Vorstufen hinweg zum bösartigen Krebs entwickelt. Die Vorstufen werden als Dickdarmadenome oder Polypen bezeichnet und können über Jahre als gutartige Wucherungen bestehen, bevor sie entarten.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Das kolorektale Karzinom zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Die jährliche Zahl der Neuerkrankungen beträgt 20 bis 40 pro 100.000 Einwohner, wobei der Erkrankungsgipfel im 6. und 7. Lebensjahrzehnt liegt.

Zur Früherkennung haben ältere Versicherte in regelmäßigen Abständen Anspruch auf Darmspiegelungen und Stuhltests. Daneben können Symptome wie Blut im Stuhl, eine auffällige Veränderung des Stuhlgangs, Schmerzen, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit den Patienten zum Arzt führen. Zur Diagnostik werden die Vorgeschichte und aktuelle Beschwerden herangezogen.

Gesichert wird die Diagnose durch eine Darmspiegelung (Koloskopie), in deren Rahmen auch Biopsien entnommen werden. Anschließend untersucht ein Pathologe die Gewebeprobe, um zwischen gutartigen und bösartigen Wucherungen zu differenzieren. Weitere apparative Untersuchungen können Röntgen-Kontrasteinläufe, Computertomografie oder Ultraschall-Untersuchungen sein.

Bestätigt sich die Diagnose Mastdarmkrebs, muss das Tumorstadium bestimmt werden. Hierzu wird geprüft, wie tief die Tumorzellen in die Darmwand vorgedrungen sind und ob sie bereits in benachbarte Organe oder Lymphknoten metastasiert oder sogar entfernte Strukturen wie Leber oder Lunge befallen haben.

Komplikationen

Mastdarmkrebs führt zunächst zu Verdauungsbeschwerden und starken Schmerzen. Typische Komplikationen sind auch der Darmverschluss aufgrund des Tumors und in der Folge die Perforation der Darmwand. Dadurch kann es zu einer Bauchfellentzündung mit einer lebensbedrohlichen Sepsis kommen. Mitunter greift der Krebs auf Nachbarorgane (Blase, Vagina, Leber) über oder drückt lebenswichtige Blutgefäße ab.

Dadurch kann es zur Gewebsnekrose kommen, also dem Infarkt und Absterben des Darmes oder der umliegenden Organe. Weit fortgeschrittener Mastdarmkrebs bildet häufig Metastasen aus. Diese können die Leber befallen und Gerinnungsstörungen, Ödeme und Entzündungen auslösen. In letzter Konsequenz kommt es zum Leberversagen und dadurch zum Tod des Patienten. Nach einer Darmkrebsoperation können Wundinfektionen, Blutungen und Schmerzen auftreten.

Ein vorübergehender Darmausfall kann zur Darmlähmung und in der Folge zu Verdauungsbeschwerden führen. Außerdem kann eine sogenannte Anastomoseninsuffizienz auftreten, bei welcher die Naht zwischen zwei Darmenden undicht ist. Gelegentlich bleiben Komplikationen wie Verdauungsprobleme, Inkontinenz und Störungen der Blase und der Sexualfunktion dauerhaft bestehen. Durch die verordneten Arzneimittel ausgelösten Komplikationen (z.B. Nebenwirkungen, allergische Reaktionen, Wechselwirkungen) sind dagegen meist nicht von langer Dauer.

Behandlung & Therapie

Die Therapieplanung bei Mastdarmkrebs hängt von verschiedenen Gesichtspunkten ab, u. a. von der Größe und Ausbreitung des Tumors, dem Grad der Metastasierung und dem Allgemeinzustand des Patienten.

In den meisten Fällen beginnt die Behandlung mit einer operativen Ausräumung des Tumorgewebes aus dem Darm. Dabei kann heutzutage oft eine natürliche Stuhlpassage erhalten werden. Falls der Schließmuskel entfernt muss, wird ein künstlicher Dickdarmausgang (sog. Kolostoma) angelegt. Um verbliebene Tumorzellen abzutöten und Rezidive zu verhindern, wird nach der Operation Chemotherapie oder Strahlentherapie angewandt.

Diese können auch als palliative Therapie angezeigt sein, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, aber Lebenserwartung und/ oder Lebensqualität des Patienten noch verbessert werden können. Auch bei Patienten mit guter Prognose ist eine sorgfältige Tumornachsorge unabdingbar: Bis zu 5 Jahre nach erfolgreicher Tumorresektion sollten regelmäßige Nachkontrollen erfolgen. Die 5-Jahres-Überlebensrate bei Mastdarmkrebs liegt bei 40 bis 60%.

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Vorbeugung

Ein fortgeschrittenes Lebensalter ist ein wesentlicher Risikofaktor für Mastdarmkrebs. Doch es existieren auch beeinflussbare Risikofaktoren: Langjähriges Rauchen steigert das Erkrankungsrisiko signifikant.

Auch ein hoher Konsum von rotem Fleisch steht im Verdacht, das Darmkrebsrisiko zu erhöhen. Der Verzehr von Fisch und Ballaststoffen soll sich hingegen schützend auswirken, genauso wie eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D, die sich über die Nahrung oder ausreichende Sonneneinstrahlung sicherstellen lässt. D

er Prävention dienen auch die Vorsorgeuntersuchungen: Ein frühzeitiges Erkennen und präventives Entfernen von Polypen kann helfen, ihre Entartung als Mastdarmkrebs zu verhindern. Besonders Menschen mit bekannten Darmkrebsfällen in der Familiengeschichte sollten die Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen.

Das können Sie selbst tun

Im Alltag ist der Umgang mit einer Krebserkrankung besonders herausfordernd. Hilfreich kann da die Kontaktaufnahme zu Selbsthilfegruppen sein. Erkrankte können sich hier in einem anonymen Rahmen austauschen und sich gegenseitig Tipps zur Bewältigung verschiedener Herausforderungen geben. Eine Heilung der Erkrankung ist ohne eine medizinische Versorgung sehr unwahrscheinlich. Daher ist die Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt sehr wichtig.

In Einzelfällen gibt es Berichte, dass über die Umstellung der Lebensführung eine Linderung der Beschwerden erreicht wurde. Eine bewiesene und statistisch belegbare Methode gibt es jedoch nicht. Zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens hilft eine gesunde Lebensführung. Die Ernährung sollte ausgewogen und vollwertig sein. Besonders wichtig ist die Zufuhr von vielen Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Trotz einer Appetitlosigkeit oder Übelkeit ist auf eine ausreichende Lebensmittelzufuhr zu achten. Der Konsum von Schad- und Giftstoffen wie Nikotin, Alkohol und Drogen ist grundsätzlich zu vermeiden.

Für eine mentale Unterstützung und Stabilisierung der Psyche werden Entspannungstechniken empfohlen. Yoga, Meditation, Autogenes Training oder Qi Gong gelten als die Methoden, die besonders häufig angewendet werden. Sofern es die Gesundheit zulässt, kann die körperliche Aktivität durch eine ausreichende Bewegung gefördert werden. Spaziergänge oder leichte Übungen zur Stärkung der Muskeln fördern das Wohlbefinden. Gleichzeitig ist eine starke Belastung des Organismus zu vermeiden.

Bücher über Darmkrebs

Quellen

  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Winkler, R., Otto, P., Schiedeck, T.: Proktologie. Thieme, Stuttgart 2011

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