Mandibuläre Retrognathie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 9. August 2017
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Bei der Mandibulären Retrognathie handelt es sich um eine Rückverlagerung des Unterkiefers in Bezug auf die Schädelbasis. Der Begriff der Mandibulären Retrognathie bezieht sich lediglich auf die Beschreibung der Position des Unterkiefers, jedoch nicht auf dessen Größe. Auch charakterisiert die Mandibuläre Retrognathie nicht die Lage von Oberkiefer und Unterkiefer zueinander.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Mandibuläre Retrognathie?

Die Mandibuläre Retrognathie stellt eine genetisch bedingte Dysgnathie dar. Darunter werden Fehlentwicklungen des Kiefers oder der Zähne verstanden. Bei der Mandibulären Retrognathie liegt ein verkürzter Unterkiefer vor, der vom Oberkiefer überragt wird. Die Erkrankung zeigt sich in einem fliehenden Kinn und einer vorspringenden Oberlippe, wodurch eine negative Lippenstufe entsteht.

Im Rahmen der Mandibulären Retrognathie tritt in der Profilansicht ein sogenanntes Vogelgesicht in Erscheinung. Dies ist eine Folge der relativen Rücklage des zu kleinen Unterkiefers. Wird der Mund geschlossen, ragen die vorderen Zähne des Oberkiefers deutlich vor jene des Unterkiefers, der oftmals in den Gaumen beißt.

Ursachen

Die Entstehung einer Mandibulären Retrognathie kann durch diverse Ursachen bedingt sein. In einem Großteil der Fälle ist die Erkrankung erblich bedingt. Dabei besteht die Krankheit von Geburt an und prägt sich im Verlauf der kindlichen und pubertären Wachstumsphasen immer stärker aus. Darüber hinaus existieren weitere Ursachen, die für die Bildung einer Mandibulären Retrognathie verantwortlich sein können und die nicht erblich bedingt sind.

So können zum Beispiel Störungen in Bezug auf das Wachstum des Kiefers, verursacht etwa durch eine Knochenmarksentzündung (medizinische Bezeichnung Osteomyelitis) Mandibuläre Retrognathien begünstigen. Auch Frakturen an den Gelenkfortsätzen sowie Ankylosen können die Entstehung der Erkrankung fördern. Darüber hinaus stellen Entzündungen in den Wachstumsfugen des Kiefers mögliche Ursachen für die Mandibuläre Retrognathie dar.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome einer Mandibulären Retrognathie treten in der Regel deutlich in Erscheinung und prägen das Aussehen der betroffenen Personen. Die Patienten verfügen über ein fliehendes Kinn sowie eine vorspringende Oberlippe. Üblicherweise tritt die Mandibuläre Retrognathie beidseitig auf. In nicht erblich bedingten Fällen kann sie auch einseitig vorkommen. Geprägt ist die Mandibuläre Retrognathie durch eine erhebliche Unterentwicklung (medizinische Bezeichnung Hypoplasie) des Unterkiefers, wodurch eine Rücklage des Kinns entsteht.

Daraus ergibt sich ein sogenannter Distalbiss beziehungsweise Überbiss. In einzelnen Fällen kann die Mandibuläre Retrognathie in Kombination mit einer Maxillären Prognathie auftreten. Dabei handelt es sich um eine Fehlstellung der Zähne des Oberkiefers. Tritt die Mandibuläre Retrognathie bei Gelenkfrakturen und Ankylosen auf, ergeben sich für die betroffenen Personen mitunter Einschränkungen beim Öffnen des Mundes.

Oftmals sind die Schneidezähne verlängert, weil ihnen in der Wachstumsphase ein natürlicher Widerstand, etwa in Form der oberen Frontzähne, fehlte. Beim Schlussbiss berühren die unteren Schneidezähne die Gaumenschleimhaut. Im Rahmen einer Mandibulären Retrognathie treten in vielen Fällen andere Syndrome auf, wie etwa das Schlafapnoe-Syndrom.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnose der Mandibulären Retrognathie kommen diverse Methoden der Untersuchung in Betracht, die je nach Ausprägung der Erkrankung im individuellen Fall zur Anwendung kommen. Prinzipiell sind die klinischen Symptome in Form des fliehendes Kinns und des Überbisses derartig charakteristisch, dass sich der Verdacht auf das Vorliegen einer Mandibulären Retrognathie sehr schnell ergibt.

Durch adäquate fachärztliche Untersuchungen müssen diese Vermutungen überprüft werden, um eine sichere Diagnose stellen und entsprechende therapeutische Maßnahmen anordnen zu können. So stellen Röntgenuntersuchungen in vielen Fällen das Mittel der Wahl zur Diagnose einer Mandibulären Retrognathie dar. Diese können zum Beispiel von einem Kieferorthopäden durchgeführt werden.

Im Röntgenbild ist die Fehlstellung von Oberkiefer und Unterkiefer deutlich zu erkennen. Hier kann auch die individuelle Ausprägung der Mandibulären Retrognathie ermittelt werden. Eine fachärztliche Diagnose ist in jedem Fall erforderlich, um die Mandibuläre Retrognathie von eventuellen weiteren Erkrankungen des Kiefers abgrenzen zu können.

Komplikationen

In der Regel kommt es bei dieser Krankheit zu einem deutlich veränderten Aussehen des Patienten. Aus diesem Grund kann es zu einem verringerten Selbstwertgefühl oder auch zu Minderwertigkeitskomplexen kommen. Auch Kinder können dabei an Mobbing oder auch an Hänseleien im jungen Alter leiden und damit an Depressionen oder an anderen psychischen Verstimmungen erkranken.

Die meisten Betroffenen leiden weiterhin auch an einem Überbiss. Nicht selten kommt es durch die Krankheit zu Beschwerden beim Öffnen und beim Schließen des Mundes, sodass es auch zu Einschränkungen bei der Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr kommt. Dies kann es eventuell eine Mangelernährung oder Dehydration begünstigen. Durch die verringerte Ästhetik leiden die Betroffenen auch an sozialen Schwierigkeiten und eventuell an einer Ausgrenzung.

Die Beschwerden dieser Krankheit können in den meisten Fällen durch operative Eingriffe behandelt werden. Komplikationen treten dabei nicht auf. In einigen Fällen sind allerdings mehrere Eingriffe notwendig. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch dieses Syndrom nicht verringert oder eingeschränkt. Weiterhin ist für die Operation eventuell die Transplantation von Knochen notwendig. Besondere Komplikationen oder Beschwerden treten allerdings nicht auf.

Behandlung & Therapie

Zur Behandlung der Mandibulären Retrognathie stehen diverse Methoden zur Verfügung, die an den individuellen Fall angepasst werden. In der Phase des Wachstums sollte sich der betroffene Patient einer kieferorthopädischen Behandlung unterziehen. Wird diese Therapie erfolgreich abgeschlossen, ist in den meisten Fällen eine Aufbauplastik des Kinns beziehungsweise des Unterkiefers erforderlich.

Die therapeutischen Maßnahmen ähneln hier denen der Maxillären Retrognathie. Zur Behandlung der Mandibulären Retrognathie bei Erwachsenen kommen diverse weitere Operationen in Frage. Möglich sind Operationen in den sogenannten aufsteigenden Ästen. Hier wird der Kiefer gespalten und der Unterkiefer nach vorn versetzt, wobei ein Bissschlüssel als Hilfe dient. Die einzelnen Fragmente werden mittels Zugschraubenosteosynthese stabil fixiert.

Wenn die Fehlstellung keiner rechtzeitigen Therapie unterzogen wird, können sich Schäden an Zähnen und Zahnhalteapparat ergeben. Dies kann den vorzeitigen Verlust von Zähnen zur Folge haben. Eine Vorverlagerung des Unterkiefers kann nur durch Verlängerung der aufsteigenden Äste am Unterkieferknochen erreicht werden. Für diesen Zweck ist kieferchirurgisch entweder eine Knochentransplantation erforderlich, oder gespaltene Knochenfragmente werden allmählich auseinandergezogen (medizinische Bezeichnung Kallusdistraktion).

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Vorbeugung

Da es sich bei der Mandibulären Retrognathie meist um eine erblich bedingte Erkrankung des Kiefers handelt, bestehen keine wirksamen Methoden zur Prävention der Krankheit. Die betroffenen Patienten können lediglich durch rechtzeitige kieferorthopädische Therapie der Fehlstellung des Unterkiefers entgegenwirken und damit gleichzeitig auch möglichen Folgeschäden der Mandibulären Retrognathie vorbeugen.

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Quellen

  • Hausamen, J.-E., et al.: Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Springer, Heidelberg 2012
  • Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W.: Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2016

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