Mallory-Weiss-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Mallory-Weiss-Syndrom

Ein Erbrechen von Blut kann mit einem Mallory-Weiss-Syndrom in Zusammenhang sehen, das sich aufgrund einer längerfristigen Reizung der Speiseröhre entwickeln kann. Betroffen sind häufig Alkoholiker und Bulimiekranke.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Mallory-Weiss-Syndrom?

Von einem Mallory-Weiss-Syndrom spricht die Medizin, wenn Längsrisse in der Speiseröhre Blutungen mit Bluterbrechen (Hämatemesis) verursachen. Dieses Krankheitsbild kann sich nach einem schlagartigen Druckanstieg im unteren Bereich der Speiseröhre entwickeln, zum Beispiel durch Erbrechen, Würgen oder Husten. Im schlimmsten Fall kann sogar die Speiseröhre reißen (Boerhaave-Syndrom). Beim Mallory-Weiss-Syndrom reißt die Speiseröhrenwand aber nicht vollständig und der Speiseröhreninhalt gelangt nicht in den Brustraum. Es tritt vorwiegend bei Menschen auf, bei denen die Schleimhaut der Speiseröhre aus verschiedenen Gründen chronisch gereizt wird.

Ursachen

Die Hauptursache eines Mallory-Weiss-Syndroms ist eine chronische Schleimhautschädigung, oft verbunden mit einem plötzlichen Druckanstieg in der Speiseröhre. Dadurch kommt es im Inneren zu länglichen Schleimhautrissen, die stark bluten können. Bei Betroffenen wurde meistens über einen längeren Zeitraum die Schleimhaut der Speiseröhre gereizt, zum Beispiel durch regelmäßigen Alkoholgenuss oder häufiges Erbrechen, wie es bei einer Bulimie der Fall ist.

Durch Würgen, Erbrechen oder Husten kann dann der Druck in der Speiseröhre so stark ansteigen, dass die Schleimhaut reißt und Blutungen verursacht. Seltener liegt die Ursache in Krampfanfällen oder dem Heben schwerer Lasten. Ein höheres Risiko tragen auch Menschen mit einer Refluxkrankheit, bei der die Schleimhaut durch den Rückfluss von saurem Speisebrei in die Speiseröhre chronisch gereizt wird. Wenn die Schleimhaut schon geschädigt ist, hält sie einen plötzlichen Druckanstieg schlechter aus und kann leichter einreißen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein typisches Symptom, das bei einem Mallory-Weiss-Syndrom auftritt, ist das Erbrechen von Blut nach mehrfachem unblutigen Erbrechen. Betroffenen macht meistens schon die Übelkeit und das häufige Erbrechen zu schaffen und beim Mallory-Weiss-Syndrom kommt noch die Angst hinzu, die durch das Bluterbrechen ausgelöst wird. Das Bluterbrechen kann so stark sein, dass es den Kreislauf schwächt.

Es kommt dann zu einem Blutdruckabfall und zu einer reflexbedingten Erhöhung der Herztätigkeit. Neben dem Bluterbrechen tritt Blut im Stuhl auf, das aufgrund der Zersetzung im Darm pechschwarz gefärbt ist. Aufgrund der Blutarmut kommt es zu einer allgemeinen Schwächung des Körpers. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter Magenschmerzen durch das häufige Erbrechen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Um eine genaue Diagnose stellen zu können, wird der Patient in der Anamnese zunächst nach seinen Beschwerden und Symptomen befragt. Um genau einschätzen zu können, ob es sich um ein Mallory-Weiss-Syndrom handelt, wird eine Magenspiegelung durchgeführt, bei der auch der Zustand der Speiseröhrenschleimhaut untersucht wird. Gibt der Patient an, dass er vor dem Auftreten der Blutung würgen musste, ist das ein Indiz für ein Mallory-Weiss-Syndrom.

Während der Spiegelung des oberen Magen-Darm-Traktes werden über ein eingeführtes Endoskop Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm im Hinblick auf mögliche Verletzungen oder krankhafte Veränderungen untersucht. Werden während der Untersuchung Blutungsquellen gefunden, können sie gleich behandelt werden. Wenn die Blutungen über einen längeren Zeitraum unbehandelt bleiben, kann es zu einem akuten Kreislaufversagen kommen.

Im Falle eines kompletten Speiseröhrenrisses (Boerhaave-Syndrom) besteht außerdem das Risiko, dass sich Flüssigkeit im Brustfellraum ansammelt (Pleuraerguss) oder Luft im Mittelfellraum zwischen den beiden Brustfällsäcken der Lunge. In diesem Bereich liegen auch Speiseröhre, Herz und große Blutgefäße wie die Aorta und Hohlvenen.

Komplikationen

Durch das Mallory-Weiss-Syndrom leiden die Betroffenen in vielen Fällen an einem Erbrechen, bei welchem auch Blut enthalten sein kann. Nicht selten führt das Erbrechen von Blut auch zu einer Panikattacke oder zu Schweißausbrüchen. Es kommt damit auch zu einer Schwächung des Kreislaufes, sodass die Patienten im weiteren Verlauf auch das Bewusstsein verlieren können.

Dabei kann es bei einem Sturz eventuell zu Verletzungen kommen. Ebenso kommt es zu einem verringerten Blutdruck und das Herz muss stärker schlagen, um den Blutfluss aufrecht zu erhalten. Dabei kann es auch zu einem Herzversagen kommen. Nicht selten führt das Mallory-Weiss-Syndrom auch zu einem blutigen Stuhlgang und damit auch zu einer Blutarmut.

Neben dem Erbrechen kommt es relativ häufig zu Schmerzen im Magen und damit zu deutlichen Einschränkungen im Alltag und zu einer Verringerung der Lebensqualität. Ohne Behandlung kann es zum Kreislaufversagen und damit zum Tode des Patienten kommen. In der Regel ist eine Bluttransfusion notwendig, um das Mallory-Weiss-Syndrom zu behandeln. Dabei kommt es nicht zu besonderen Komplikationen.

Weiterhin ist allerdings auch die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung notwendig, sodass die Betroffenen nicht selten eine psychologische Untersuchung oder einen Entzug durchführen müssen. Ob es dabei zu einer Verringerung der Lebenserwartung kommt, hängt stark von der ursächlichen Krankheit ab.

Behandlung & Therapie

Die Therapie ist sehr stark von der Lage und Beschaffenheit des Risses, dem Zeitpunkt und dem Allgemeinzustand des Patienten abhängig und wird daher individuell angepasst. Wenn ein massiver Blutverlust vorliegt, muss zunächst der Kreislauf des Patienten durch intravenöse Bluttransfusion und Flüssigkeitstransfusionen gestärkt werden. Durch die Spülung mit Flüssigkeit kann es zum Stillstand der Blutung kommen, wenn nicht, wird mit Hilfe des Endoskops Adrenalin kreisförmig um die Blutungsquelle herum im Abstand von circa 0,5 Zentimeter gespritzt.

Darüber hinaus kann die Blutungsquelle, oft eine Arterie, endoskopisch verödet werden. Wenn auch diese Maßnahme nicht hilft, ist ein operativer Eingriff notwendig. Zusätzlich erfolgt eine medikamentöse Therapie mit schleimhautschützenden und säurehemmenden Medikamenten, damit die Schleimhaut nicht weiter gereizt wird. Um gute Heilungschancen zu erzielen, ist eine frühzeitige Operation wichtig.

Erfolgt sie erst über 24 Stunden nach dem Riss, besteht die Gefahr, dass die Patienten an schwerwiegenden Komplikationen sterben. Die Heilungschancen sind sehr stark von der Lebensweise des Patienten nach dem Eingriff abhängig. Liegt die Ursache in einem übermäßigen Alkoholkonsum, muss der Patient künftig auf Alkoholexzesse verzichten und sich an die Einnahme der Medikamente halten. Bei ursächlicher Refluxkrankheit muss regelmäßig eine Kontrolluntersuchung stattfinden, um einem Mallory-Weiss-Syndrom vorzubeugen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da übermäßiger Alkoholgenuss eine der Hauptursachen für die Entstehung dieser Erkrankung ist, sollten Betroffene im Alkoholkonsum Maß halten oder gegebenfalls ganz auf Alkohol verzichten. Bulimiekranke sollten sich zeitig einer Psychotherapie unterziehen, weil das ständige Erbrechen neben den Zähnen auch die Speiseröhrenschleimhäute stark angreift, das Allgemeinbefinden verschlechtert und dem Mallory-Weiss-Syndrom auf diese Weise Vorschub leistet.

Menschen mit einem Reflux-Syndrom sollten auf stark säurebildende Lebensmittel verzichten und kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen, da üppige, fettreiche Mahlzeiten den Rückfluss vom Magen in die Speiseröhre begünstigen.

Das können Sie selbst tun

Im Rahmen eines Mallory-Weiss-Syndroms auftretende akute Blutungen müssen in jedem Fall ärztlich versorgt werden. Danach ist es äußerst wichtig, den Magen-Darm-Trakt während der Heilungsphase zu schonen und nach Möglichkeit die Ursachen abzustellen, die zum Auftreten der Erkrankung geführt haben.

Sowohl die Bulimie als auch eine Alkoholsucht bedürfen ärztlicher und therapeutischer Behandlung, begleitend kann der Besuch einer Selbsthilfegruppe hilfreich sein. Liegt eine Refluxerkrankung zugrunde, müssen alle Nahrungsmittel so weit wie möglich gemieden werden, die die Produktion von Magensäure anregen. Dies sind vor allem fettige, stark gewürzte und sehr zuckerhaltige Speisen, Kaffee, Alkohol und Schokolade. Mehrere kleine, über den Tag verteilte Mahlzeiten sind besser verträglich als drei große. Wer nachts unter Sodbrennen leidet, sollte das Kopfende des Bettes etwas höher stellen und das Abendessen spätestens drei Stunden vor dem Schlafengehen einnehmen. Tritt dennoch Sodbrennen auf, lindern eingeweichte Haferflocken, Zwieback oder in Wasser aufgelöste Heilerde die Beschwerden. Kamillentee und Käsepappeltee wirken entzündungshemmend und schützen die angegriffene Schleimhaut der Speiseröhre. Auch Aloe-Vera-Saft ist ein bewährtes Hausmittel gegen Sodbrennen.

Stress kann die Bildung von Magensäure verstärken. Eine bewusste Entschleunigung des Alltags, das Erlernen von Entspannungstechniken und regelmäßige sportliche Aktivitäten fördern das Wohlbefinden. Insbesondere die Mahlzeiten sollten immer in Ruhe und ohne Hektik eingenommen werden.

Bücher über Erbrechen

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: