Machado-Joseph-Krankheit

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 25. Oktober 2016
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Die Machado-Joseph-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung aus der Gruppe der spinozerebellären Ataxien. Krankheitsursache ist eine genetische Mutation, die im autosomal-dominanten Erbgang weitergegeben wird. Bislang stehen ausschließlich supportive Behandlungsmethoden wie Physio- und Ergotherapie zur Verfügung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Machado-Joseph-Krankheit?

Neurodegenerative Erkrankungen sind durch pathologische Prozesse im Nervensystem gekennzeichnet, die einen Funktionsverlust von Nervenzellen herbeiführen. Die Gruppe der neurodegenerativen Erkrankungen besteht aus unterschiedlichen Untergruppierungen.

Eine davon ist die spinozerebelläre Ataxie 3, eine Krankheitsgruppe mit Degenerationen des Zentralnervensystems. Die spinozerebelläre Ataxie 3 entspricht der Machado-Joseph-Krankheit (MJD). Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu einem fortschreitenden Untergang der Purkinjezellen. Hierbei handelt es sich um die größten Nervenzellen des Kleinhirns mit Lokalisation im Stratum ganglionare der Kleinhirnrinde.

Purkinje-Zellen sind mit metabotropen Glutamatrezeptoren ausgestattet, die der Modulation und Integration motorischer Efferenzen dienen und so das Lernen von Bewegungsabläufen ermöglichen. Die Prävalenz von spinozerebellären Ataxien wird mit eins bis neun Fällen auf 100 000 Menschen angegeben. Die Machado-Joseph-Krankheit ist in Deutschland die verbreiteteste Form.

Ursachen

Die Machado-Joseph-Krankheit ist eine Erberkrankung. Wie für alle anderen Erberkrankungen liegt die primäre Ursache für die spinozerebelläre Ataxie 3 in den Genen. Für die Machado-Joseph-Krankheit gilt ein autosomal-dominanter Erbgang. Familiäre Häufungen wurden daher an den bisher dokumentierten Fällen beobachtet.

Ein sporadisches Auftreten ohne familiäre Häufung ist eher selten. Vererbt wird bei der Machado-Joseph-Krankheit eine genetische Mutation. Diese Veränderung des genetischen Materials betrifft das auf Chromosom 14 im Genlocus q24.3-32.1. Das dort angesiedelte Gen wird seiner physiologisch vorgesehenen Kodierung nicht mehr gerecht und verlängert durch die Mutation den Polyglutamin-Bereich.

Mehr als ein Dutzend unterschiedlicher Gene wurden bislang als Mutationslokalisation für spinozerebelläre Ataxien identifiziert. Im Verlauf der MJD verursacht die Mutation anders als andere Formen der spinozerebellären Ataxie eine fortschreitende Degeneration der defekten Purkinjezellen, was vorwiegend zu Bewegungsstörungen führt.

Symptome, Beschwerden und Anzeichen

Patienten mit Machado-Joseph-Krankheit leiden an Störungen der Bewegungskoordinationszentrale. Diese Bewegungszentrale ist im Cerebellum angesiedelt und steht mit den Purkinjezellen in Zusammenhang, die in einem gesunden Organismus über ihre metabotropen Glutamatrezeptoren die Integration von motorischen Bewegungssignalen steuern.

Da die Purkinjezellen von Patienten mit Machado-Joseph-Krankheit fortschreitend degenerieren, ist vor allem die Motorik der Betroffenen gestört. Im mittleren Lebensalter treten zu unspezifischen Bewegungsstörungen auf. Die Betroffenen führen scheinbar unsinnige Bewegungsmuster aus, da ihre Steuerzentrale die motorischen Efferenzen nicht mehr sinnig integriert und damit die Bewegungsplanung erschwert.

MJD äußert sich zunächst meist in Augenbewegungen ohne logisches Muster. Die Fixation scheint durch die Bewegungen erschwert zu sein. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto stärker beeinträchtigt ist der Orientierungssinn.

Starke Störungen der Wahrnehmung treten zur Symptomatik hinzu. Zwar hängt die Symptomatik im Einzelfall von der Schwere des Verlaufs ab, allerdings besteht ab einem gewissen Zeitpunkt in der Regel zumindest eine mittelgradige Behinderung.

Diagnose und Krankheitsverlauf

Die Diagnose der Machado-Joseph-Krankheit wird anhand der klinischen Symptome gestellt, wobei in frühen Stadien vor allem die charakteristischen Augenbewegungen diagnosebildend sind. Die Familienanamnese ist im Rahmen der Diagnostik ein entscheidender Punkt. Die differenzialdiagnostische Abgrenzung der Erkrankung von anderen spinozerebellären Ataxien lässt sich auf den ersten Blick nicht ohne Weiteres vornehmen.

Bildgebungen des Gehirns zeigen typische Veränderungen innerhalb des Kleinhirns. Diagnosesichernd und der Differentialdiagnostik dienlich kann eine molekulargenetische Analyse sein, die einen Nachweis über die zugeordnete Mutation erbringt. Die Prognose hängt für Patienten mit Machado-Joseph-Krankheit von den Symptomen und dem Verlauf im Einzelfall ab.

Die Lebenserwartung der Betroffenen ist in der Regel nicht beeinträchtigt. Allerdings ist für besonders schwere Verläufe eine multiple Behinderung zu erwarten, die mit mehr oder weniger hohen Pflegestufen einhergeht. Auch leichtere Fälle mit moderater Beeinträchtigung im alltäglichen Leben sind dokumentiert worden.

Behandlung und Therapie

Die Machado-Joseph-Krankheit zählt zu den unheilbaren Erkrankungen. Eine kausale Therapie steht für Patienten mit den Bewegungsstörungen also nicht zur Verfügung. Kausale Therapien lösen die Ursache einer Erkrankung auf, um alle Symptome verschwinden zu lassen.

Da die Ursache von spinozerebellären Ataxien in den Genen liegt, könnten nur gentherapeutische Ansätze eine kausale Behandlung und die damit verbundene Heilung in Aussicht stellen. Gentherapie ist derzeit ein Fokus der medizinischen Forschung. Allerdings haben die Ansätze die klinische Phase bislang nicht erreicht. Deshalb werden Patienten mit Machado-Joseph-Krankheit bislang ausschließlich supportiv behandelt.

Symptomatische Behandlungsansätze sind stark limitiert, was nicht zuletzt an der Seltenheit der Erkrankung im US-amerikanischen und mitteleuropäischen Bereich liegt. Zu den supportiven Behandlungsmaßnahmen zählen vor allem Physio- und Ergotherapie. Insbesondere in der Ergotherapie lernen die Betroffenen mit der Erkrankung im Alltag umzugehen.

Der Einsatz von unterschiedlichen Hilfsmitteln und anderen Kompensationsstrategien erleichtert ihnen das alltägliche Leben und steigert ihre Lebensqualität. Außerdem wird den Betroffenen meist Psychotherapie angeboten. Zusammen mit einem erfahrenen Therapeuten setzen sie sich mit ihrer Erkrankung auseinander und verarbeiten die Diagnose.

Auch für Angehörige kann psychotherapeutische Hilfestellung ein sinnvoller Schritt zur Verarbeitung sein. Ebenso wichtig ist für betroffene Familien die genetische Beratung. Medikamentöse Behandlungsansätze zur Verzögerung des Krankheitsverlaufs existieren bisher nicht. Allerdings kann regelmäßige Physiotherapie den Verlauf Spekulationen zufolge verzögern.

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Vorbeugung

Wie alle anderen Erberkrankungen lässt sich auch der Machado-Joseph-Krankheit bisher nur über genetische Beratung in der Phase der Familienplanung vorbeugen. Paare mit einem erhöhten Risiko können sich gegebenenfalls gegen eigene Kinder und für Adoption entscheiden.

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