MUTYH-assoziierte Polyposis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 24. Oktober 2016
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Die MUTYH-assoziierte Polyposis ist eng mit der adenomatös familiären Polyposis verwandt und wird durch eine genetische Mutation verursacht. Die Patienten leiden an multiplen Dickdarmpolypen mit Entartungsrisiko. Regelmäßige Koloskopien sind Pflicht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine MUTYH-assoziierte Polyposis?

Als Polyposis gelten Polypenerkrankungen in Hohlorganen. Polypen sind Ausstülpungen der Schleimhaut, die unter anderem im Magen-Darm-Trakt vermehrt vorkommen und in diesem Fall als Polyposis gastrointestinalis bezeichnet werden. Gerade im Kontext der Polyposis gastrointestinalis existieren unterschiedliche Erkrankungen mit genetischer und erblicher Basis.

Eine davon ist die autosomal-dominant vererbbare MUTYH-assoziierte Polyposis, die auch als MAP oder MHY associated polyposi bekannt ist. Die Krankheit wurde erst im Jahr 2002 als eigenständige Erberkrankung entdeckt. Sie verhält sich als eine klinisch abgeschwächte Variante der familiär adenomatösen Polyposis (FAP).

Aus diesem Grund gehen Forscher seit der Entdeckung davon aus, dass der generalisierte Verlauf der Krankheit der AFAP ähnelt. Darüber hinaus werden Patienten mit mildem Verlauf der adenomatös familiären Polyposis mittlerweile in bis zu 20 Prozent aller Fälle mit MAP diagnostiziert. Somit lässt sich die MUTYH-assoziierte Polyposis im weitesten Sinne als günstigste Untervariante oder naher Verwandter der adenomatös familiären Polyposis betrachten. Studien zufolge handelt es sich bei etwa einem Prozent der Bevölkerung um Träger der Erkrankung.

Ursachen

Die Ursache der MUTYH-assoziierten Polyposis liegt in den Genen. Genauer gesagt handelt es sich um eine Mutation im MUTYH-Gen, das auf Chromosom 1 im Genlocus 1p34.3-p32.1 angesiedelt ist. Die assoziierten Basenpaare 45.464.007 bis 45.475.152 tragen 16 codierte Exone. Das übergeordnete MUTYH-Gen ist in einem gesunden Organismus an der Herstellung eines DNA-reparierenden Proteins beteiligt.

Dabei handelt es sich um die sogenannte MUTYH-Glycosylase, die die Basenpaarbildung überwacht. Die Basenpaare des Gens kommen physiologischer Weise in zwei unterschiedlichen Formen vor und bestehen somit aus Adenin mit Thymin oder Guanin mit Cytosin. Bei Oxidation verschieben sich die Basenpaarpartner. Guanin kann so zum Beispiel mit Adenin ein Paar bilden.

In gesunden Organismen erkennt das DNA-reparierende Protein dieses Ereignis und repariert den Fehler. Bei einer Mutation im MUTYH-Gen verliert die MUTYH-Glycosylase ihre eigentliche Form und kann ihre Aufgaben nicht mehr hinzureichend erfüllen. Der Erbgang der MUTYH-assoziierte Polyposis ist autosomal-rezessiv. Geschwister eines Patienten besitzen damit ein 25-prozentiges Risiko, die Polypenerkrankung zu erben. Kinder eines Patienten tragen die Erbkrankheit auf jeden Fall.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten der MUTYH-assoziierten Polyposis leiden an Polypen des Dickdarms. Die Polypen können in Verbünden von bis zu 100 Stück auftreten. In einigen Fällen wurde aber auch nur von zehn Polypen berichtet. Mit Polypen des Dickdarms sind Begleitsymptome wie Blutungen, Blähungen, Koliken und Schmerzen im Enddarmbereich assoziiert.

Darüber hinaus treten häufig Verstopfungen, Durchfälle und starke Gewichtsverluste auf. Trotz der zuweilen beträchtliche Anzahl an Dickdarmpolypen wird die Erkrankung in ihrem Verlauf als milder eingeschätzt als die familiär adenomatöse Polyposis coli. Ungeachtet dessen finden sich unter den multiplen Polypen häufig hyperplastische oder serratierte Adenome.

Damit ist mit der Erberkrankung ein erhöhtes Krebsrisiko verbunden. Das mittlere Alter für ein Kolonkarzinom liegt für Träger der Krankheit bei etwa 50 Jahren. Die Karzinome bilden sich bevorzugt im Proximal-Anteil des Darms. Auch gutartige Knochentumore im Sinne von Osteomen wurden im Kontext der MUTYH-assoziierten Polyposis vermehrt beobachtet.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer MUTYH-assoziierten Polyposis wird in den meisten Fällen erst in einem höheren Alter als 50 Lebensjahre gestellt. In den meisten Fällen suchen die Betroffenen wegen Blutungen oder anhaltenden Schmerzen im Bereich des Enddarms einen Arzt auf. Im Rahmen der Diagnostik wird meist eine Endoskopie inklusive Biopsie der Polypen durchgeführt.

Eine humangenetische Untersuchung kann die Diagnostik abrunden. Dieses Verfahren ist vor allem für Fälle indiziert, in denen trotz vieler Kolonpolypen eine FAP ausgeschlossen wurde. Im Rahmen der humangenetischen Analyse wird eine vollständige Sequenzierung des MUTYH-Gens durchgeführt. Obwohl auch für Patienten der MUTYH-assoziierten Polyposis ein erhöhtes Darmkrebsrisiko besteht, ist ihre Prognose im Vergleich zu Patienten mit FAP weitaus günstiger.

Behandlung & Therapie

Eine ursächliche Therapie steht für Patienten mit MAP nicht zur Verfügung, da die Erkrankung genetisch bedingt ist und auf DNA-Schäden zurückzuführen ist. Mittlerweile sind wesentliche Fortschritte in der Gentherapie zu beobachten, sodass ein gentherapeutisch kausaler Therapieansatz innerhalb der nächsten Dekaden nicht ausgeschlossen ist.

Da sich gentherapeutische Ansätze bislang allerdings nicht in der klinischen Phase befinden, werden Patienten mit MUTYH-assoziierter Polyposis bislang ausschließlich symptomatisch behandelt. Im Mittelpunkt der symptomatischen Behandlung steht weniger eine tatsächliche Therapie als die regelmäßige Kontrolle. Kontrolluntersuchungen in engmaschigen Abständen sind wegen des erhöhten Krebsrisikos Pflicht und sollten spätestens ab dem 30. Lebensjahr stattfinden.

Von hyperplastischen oder anderweitig auffälligen Polypen werden im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen Biopsien genommen. Besonders auffällige Vertreter werden gegebenenfalls durch eine Resektion entfernt, um die Entartungsgefahr einzudämmen. Neben den Kontrolluntersuchungen steht Patienten mit der Erkrankung eine symptomatische Schmerztherapie zur Verfügung, die in der Regel einer medikamentösen Behandlung entspricht.

Falls aufgrund anhaltender Durchfälle Mangelernährung auftritt, wird der jeweilige Mangel mit intravenösen Infusionen zum Ausgleich gebracht.




Vorbeugung

Molekulargenetische Analysen sind im Kontext von MAP ein präventiver Schritt. Vor allem Menschen mit entsprechender Familienanamnese erfahren über die Analysen, ob sie homozygote Träger der MUTYH-Genmutation sind. Falls das der Fall ist, dienen regelmäßige Koloskopien ab einem Alter von 30 Jahren der Krebsprävention.

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