Mückenstich

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Dezember 2017
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Mückenstiche sind in Deutschland meist nur ein lästiges Ärgernis. Dennoch häufen sich in der letzten Zeit Berichte von starken allergischen Reaktionen. In südlicheren Gefilden, insbesondere in Südamerika und Afrika, können ernsthafte bis tödliche Krankheiten durch Mücken übertragen werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Mückenstich?

Es gibt zahlreiche Arten von Stechmücken, die nahezu auf dem gesamten Erdball anzutreffen sind. Lediglich die Polargebiete und einige Wüsten sind vollständig frei von ihnen. Der Mückenstich wird ausschließlich von weiblichen Tieren vollzogen, da Proteine des Blutes notwendig sind, um die befruchteten Eier heranwachsen zu lassen.

Dabei ist die Bezeichnung "Stich" unter genauerer Betrachtung nicht ganz korrekt. Eine Mücke besitzt einen Saugrüssel, um Blut zu trinken - es handelt sich nicht um einen Stachel. Sie benutzen stattdessen verschiedene Mundwerkzeuge, um Blut zu saugen.

Hauptsächlich kommen die Stechborsten zum Einsatz, die im Inneren zwei Kanäle besitzen. Durch den einen wird der Speichel des Insektes in die Haut injiziert, während der andere zum Blutsaugen verwendet wird. Die Speichelinjektion dient mehreren Zwecken. Erstens wird die Blutgerinnung des Wirtes verhindert, damit die Blutmahlzeit ausreichend ergiebig sein kann.

Zweitens werden auch Chemikalien in die Einstichstelle abgegeben, die zuerst den Juckreiz unterdrücken. Das "Opfer" soll schließlich nichts von dem Stich bemerken. Anschließend führen gerade diese Stoffe durch eine Unverträglichkeitsreaktion zu Schwellung und Juckreiz.

Ursachen

Mücken sind in der Lage, Erkrankungen auf den Menschen zu übertragen. Dazu gehören parasitäre (Malaria, Filariose und Leishmaniose), virale (u.a. Gelbfieber, Denguefieber) und bakterielle Erkrankungen (Tularämie). Eine Krankheit kann nur dann übertragen werden, wenn das Insekt über einen befallenen Wirt ebenfalls infiziert wurde.

Die Zeit von der Aufnahme der Krankheitserreger durch eine Stechmücke und der Möglichkeit, diese über den Speichel weiterzugeben, wird als extrinsische Inkubationszeit bezeichnet. Vor Ablauf dieser Zeit kann die Infektion nicht auf ein anderes Lebewesen weitergegeben werden.

Typische Symptome & Anzeiche

Diagnose & Verlauf

Infogramm zum Übertragungs-Zyklus von Malaria durch die Anopheles-Mücke. Klicken, um zu vergrößern.

Wenn nach einer Reise in tropische Regionen ungewöhnliche Symptome auftreten, sollte stets auch an eine durch Mücken übertragene Erkrankung gedacht werden.

Bei einer Malaria kann die Inkubationszeit bis zu 4 Wochen betragen. Die Symptome der durch Anopheles Mücken übertragbaren Infektion ähneln einer Grippe.

Anders als das Gelbfieber, das sich bereits nach 3 bis 6 Tagen bemerkbar macht, kann bei Malaria der Zusammenhang zur Reise oft nicht mehr hergestellt werden. Je nach Ursache werden die verschiedenen Krankheitsbilder auf unterschiedliche Arten diagnostiziert.

Die Diagnose des Gelbfiebers erfolgt meist klinisch, während beim Sandfliegen-Fieber eine Untersuchung des Blutes auf Antikörper wegweisend ist.

Bei der Hautleishmaniose, die von Parasiten der Gattung Leishmania ausgelöst werden, zeigen die Betroffenen bei einigen Formen typische Hautveränderungen. Eine Biopsie kann die Diagnose stützen, wobei im Präparat schiffchenförmige Leishmanien erkennbar sind.

Komplikationen

Mückenstiche heilen in der Regel schnell wieder ab. In seltenen Fällen kann es jedoch zu Komplikationen kommen. Komplikationen sind unter anderem durch eine heftige allergische Reaktion des Körpers auf die von der Mücke beim Stich injizierten Eiweißstoffe möglich. Wie bei allen anderen Insektenstichen kann es dabei zu riesigen mit Fieber begleiteten Schwellungen oder sogar zu einem anaphylaktischen Schock kommen.

Allerdings sind auch Komplikationen möglich, die sich aus dem Verhalten der gestochenen Personen ergeben. Da sich an der betroffenen Stelle immer eine stark juckende rötliche Quaddel ausbildet, wird oft versucht, das unerträgliche Jucken durch Kratzen zu lindern. Dabei entstehen Hautverletzungen, die als Eintrittspforte für verschiedene bakterielle Krankheitserreger dienen können.

So können unter anderem Streptokokken in das Lymphsystem gelangen, sich dort vermehren und ein Lymphödem hervorrufen. Wenn die Krankheitskeime in die Blutbahn kommen, kann sich sogar eine potenziell tödliche Blutvergiftung (Sepsis) entwickeln. Gefährlich ist es auch, wenn die Mücken Fäkalbakterien wie Kolibakterien, die sie durch Aufsetzen über tierischen Fäkalabfällen annehmen, beim Stechen in die Blutbahn injizieren.

Mücken als Krankheitsüberträger tropischer Erkrankungen spielen in Deutschland noch keine Rolle. Allerdings sollten Reisende ins tropische Ausland auch gegen tropische Krankheitserreger geimpft werden. Ansonsten können bei einem Mückenstich dort solche Krankheiten wie Malaria, Gelbfieber, Denguefieber, West-Nil-Fieber oder das Chikungunyafieber übertragen werden.

Behandlung & Therapie

Mückenstiche aus nordeuropäischen Gebieten benötigen fast nie ärztliche Behandlung. In einigen Fällen können allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie (allergischer Schock) ausgelöst werden. Ein Arzt sollte unbedingt konsultiert werden, wenn entsprechende Symptome auftreten.

Ein komplikationsloser Stich wird mit kleinen Hausmitteln behandelt, wie beispielsweise Zwiebelsaft oder einer desinfizierenden Lotion. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien minimiert. Trotz enormen Juckreizes ist vom Kratzen abzuraten, da die Symptome verstärkt werden können und die Gefahr einer Entzündung besteht. Gegen massives Jucken schafft ein kühlendes Gel Abhilfe, das auch für Brandwunden und andere Hautirritationen eingesetzt werden kann.

Die ernsteren übertragbaren Krankheiten sind in den meisten Fällen unbedingt behandlungsbedürftig, da sie sonst zum Tod führen können. Viele Therapien können den Krankheitsverlauf nur abmildern oder das Immunsystem verstärken, um gegen die Infektion anzukämpfen.

Gegen Malaria wurde noch kein Heilmittel entdeckt. Das Medikament Chloroquin wird bei akuten Schüben eingenommen. Bei Resistenz gegen Chloroquin werden bei hohem Malariarisiko Doxycyclin oder Atovaquon-Proguanil zur Prophylaxe verabreicht. Ähnlich verhält es sich beim Gelb- und Denguefieber, sowie bei Leishmaniose und Filariose. Die oft tödlich verlaufende Tularämie wird mit Antibiotika behandelt, wobei Streptomycin die beste Wirkung entfaltet.

Die durch Fadenwürmer (Nematoden) aus der Gruppe der Filarien ausgelöste Filariose existiert in zahlreichen Unterformen, von denen einige gut behandelbar sind. Hierbei übertragen Stechmücken Mikrofilarien - mikroskopisch kleine Fadenwürmer - über ihren Speichel. Behandelt wird mit Anthelminthika (Medikamente gegen Würmer), wobei spezielle Medikamente für ausgewachsene Würmer und Mikrofilarien verabreicht werden.

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Vorbeugung

Die beste Vorbeugung gegen Mückenstiche allgemein ist das Tragen von langärmeligen, dichten Kleidungsstücken in Problemgebieten. Ein Abwehrspray gegen Mücken oder ein Moskitonetz schaffen Abhilfe. Bezüglich der schwerwiegenden Krankheitsbilder in tropischen Gebieten sind Informationen vor der Reise über die dortigen ansteckenden Erkrankungen unerlässlich. Impfungen sind gegen viele der beschriebenen Infektionen möglich.

Das können Sie selbst tun

In der Regel ist bei einem Mückenstich keine ärztliche Versorgung notwendig. Die Behandlung kann durch selbst durchführbare Maßnahmen erfolgen. Lediglich bei schweren allergischen Reaktionen – wie sie bei Kontakt mit Insekten aus tropischen Regionen auftreten können – ist die Konsultation eines Arztes empfehlenswert.

Die erste Maßnahme bei der Behandlung stellt die Kühlung dar. So wird die Schwellung reduziert und zugleich der Juckreiz gemindert. In Apotheken und Drogeriehandlungen können juckreizmildernde Lotionen und Gele erworben werden. Auch für Kinder gibt es spezielle Produkte, mit weniger Zusatzstoffen. Ein bewährtes Hausmittel ist die Zwiebel: Eine Hälfte auf die gestochene Hautstelle gelegt, lindert Juckreiz und Schwellung. Kühlend wirkt auch der reine Saft der Aloe vera. Zugleich pflegt dieser die gereizte Haut. Auch ein heißer Löffel auf der Wunde mindert den Juckreiz, da das Protein des Mückengiftes durch die Wärme ausfällt.

Am wirkungsvollsten ist jedoch die Vorbeugung. Hierfür empfehlen sich Moskitonetze an Fenstern und Türen, das Meiden von stehenden Gewässern, der Verzicht auf sehr stark duftende Parfums sowie Duschen am Morgen und Abend, da der Schweißgeruch auf Mücken anziehend wirkt. Apotheken bieten zahlreiche Sprays und Lotionen mit Mücken abwehrenden Substanzen. Vorsicht ist bei der Verwendung für Kinder und Allergiker geboten. Im Zweifelsfall sollte ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden.

Bücher über Malaria & Mückenstiche

Quellen

  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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