Mädchen beim Frauenarzt

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Juli 2017
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Trotz aller Aufklärung scheuen auch heute noch zahlreiche Frauen den in ihrem eigenen Interesse notwendigen Gang zum Frauenarzt. Selbst viele Mütter lassen es nach einer Entbindung leider an Einsicht für die nötige Kontrolle fehlen und versäumen aus Sorglosigkeit oder falscher Scham die obligatorische Nachuntersuchung. Wenn aber gar die Tochter in jungen Jahren über Unterleibsbeschwerden klagt oder Scheidenausfluss hat, dann siegt bedauerlicherweise meist die Scheu vor einem Arztbesuch, weil die Mütter aus überholter Vorstellung glauben, sie müssten sich für ihr Kind schämen.

Inhaltsverzeichnis

Keine Scham beim Frauenarzt

Vielleicht zwingen sich einige von ihnen gerade noch zu einer verschämten Anfrage in der ärztlichen Sprechstunde, was "das" zu bedeuten habe, oder ob man "dagegen" etwas tun solle. Aber so können wir nicht helfen. Wie vor jeder Behandlung muss der Arzt selbst die Diagnose stellen, müssen Erkrankung auf ihre Ursachen erforscht sein. Das gilt besonders für den Ausfluss aus der Scheide (Fluor), der kein in sich abgeschlossenes Krankheitsbild darstellt, obwohl er uns Frauenärzte schon seit langem beschäftigt und bei mehr als 50 Prozent unserer Patientinnen vorkommt. Für das Auftreten des Fluors gibt es zahlreiche Ursachen, und es ist unbedingt notwendig, die spezielle unter zahlreichen Entstehungsmöglichkeiten herauszufinden.

Daraus ergibt sich bereits, dass kein Universalmittel gegen den Ausfluss verordnet werden kann und darf, dass jede Behandlung den individuellen Gegebenheiten der einzelnen Patientin angepasst sein muss. Das trifft nicht nur für den Erwachsenen zu, sondern auch für das Kind. Deshalb ist die Einstellung, man könne doch ein Kind nicht zum Gynäkologen bringen, völlig unhaltbar. Wenn es sich auch beim kindlichen Ausfluss in vielen Fällen um eine alltägliche, nicht besonders tragisch zu bewertende Angelegenheit handelt, muss er doch frühzeitig, ernsthaft und konsequent ärztlich ergründet und behandelt werden.

Scheidenerkrankungen bei Kindern & Jugendlichen

Trotz aller Aufklärung scheuen auch heute noch zahlreiche Frauen den in ihrem eigenen Interesse notwendigen Gang zum Frauenarzt.

Schon beim neugeborenen Mädchen können wir oft bereits in den ersten Tagen am äußeren Genitalbereich eine weiß-schleimige Absonderung, ähnlich einer geleeartigen Masse beobachten, die dem Scheidenausfluss in späteren Jahren ähnelt.

Es handelt sich hierbei um eine leichte, natürliche Entzündung mit Abstoßung feinster Oberflächenzellen beim Ausklang der mütterlichen Hormonwirkung, die auch recht vereinzelt gegen Ende der ersten Lebenswoche eine spärliche Blutung aus der Scheide beziehungsweise aus der Gebärmutterschleimhaut des Kindes bewirken kann. Der bei Säuglingen und später auftretende eigentliche Fluor ist eine vermehrte Flüssigkeitsabsonderung aus dem Gebiet vor dem Scheideneingang (Vulva), von der Scheidenschleimhaut oder aus Teilen der Gebärmutter.

Dabei muss man berücksichtigen, dass die Scheidenschleimhaut normalerweise nie trocken und vom Hymen (Jungfernhäutchen) bis zum äußeren Muttermund und den Scheidengewölben hin auch im gesunden Zustand keimhaltig ist. Erst vom Muttermund an aufwärts beginnt eine eigentlich keimfreie Zone, solange keine Erkrankungen oder Schwangerschaften das Gleichgewicht des Scheidensekrets verändert haben.

Das Vorhandensein der Scheidenbakterien ist keinesfalls krankhaft. Diese Keime, nach dem Entdecker sowie ihrer Form auch "Döderlein-Bakterien" genannt, gehören zu den Milchsäurebakterien, die aus den Stärkeanteilen zerfallender Zellen Gärungsmilchsäure produzieren. Stärke, Scheidenbakterien und Milchsäure bilden aber zusammen mit Flüssigkeitsabsonderung das normale Scheidensekret, in dem die meisten Fremdbakterien zugrunde gehen. Daher spricht man zu Recht von einem anatomischen und funktionellen Schutzmechanismus der Scheide infolge ständiger Selbstreinigung. Jede Verschiebung innerhalb dieser Bakterienflora führt zu krankhaften Erscheinungen und damit zum Ausfluss.

Noch bis in die ersten Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, vor der weitgehenden Anwendung der Antibiotika, stand die durch Tripper (Gonorrhoe) bedingte Scheidenentzündung bei Säuglingen und Kleinkindern im Vordergrund kindlicher Erkrankungen an Fluor. Sie kann wie die gonorrhoische Augenentzündung der Säuglinge während der Geburt entstehen, wenn eine Frau an einem unbemerkten, nicht behandelten Tripper leidet.

Diese Entzündung macht sich selten beim Neugeborenen sofort bemerkbar und tritt meist erst nach etwa zwei bis drei Wochen, häufig auch erst ab zweitem Lebensjahr in Erscheinung. Zuweilen ist eine direkte Übertragung der Infektion durch Benutzung gleicher Badeschwämme, desselben Badewassers oder gemeinsamer Händtücher möglich, wenn auch dieser Weg seltener ist. In frischem Zustand wird die Diagnose dieser Erkrankung oft schon mit bloßem Auge vom Arzt gestellt werden können, noch bevor die typischen Erreger, die Gonokokken, sich im Labor nachweisen lassen.

Die großen Schamlippen sind gerötet und mit rahmartigem, gelb-grünem Eiter bedeckt; in der Wäsche des kleinen Mädchens findet man dann gelbe Fleeten. Bleibt diese Entzündung unbemerkt und unbehandelt, wird sie chronisch; der Ausfluss lässt nach und ist schließlich kaum noch wahrnehmbar. Typisch dabei ist ferner, dass vor der Pubertät die kindliche Scheidenschleimhaut besonders häufig entzündlich reagiert, während bei der erwachsenen Frau vornehmlich Harnröhren-, Gebärmutter- und Mastdarmschleimhaut in Mitleidenschaft gezogen werden und die Scheide selbst unempfindlich bleibt.

Eine weitere häufige, krankhafte Störung stellt die sogenannte Vulvitis Simplex dar, eine "einfache" Scheidenentzündung, bei der man nur gering wässerig-schleimigen Ausfluss beobachtet. Selbst die Entzündung tritt wenig in Erscheinung, und insbesondere sind Harnröhrenöffnung und Schleimhaut nicht an der Rötung beteiligt. Hierbei handelt es sich oft um eine Begleiterscheinung einer angeborenen, verstärkten Reizbarkeit von Haut und Schleimhäuten, so dass gleichzeitig Ekzeme oder juckende Flechten am übrigen Körper, vorwiegend auch in den Falten der Leistenbeugen, auftreten. In diesem Falle wird eine vom Arzt verordnete, überwiegend pflanzliche Diät schon den Rückgang der Störungen bewirken.

Auch im Gefolge akuter Infektionskrankheiten wie Diphtherie, Masern, Pocken, Typhus, Windpocken oder Wundrose kann eitriger Fluor auftreten. Mit Ausheilung der Krankheit klingt er aber wieder ab. Wo noch örtlich reizende Ursachen hinzukommen, zum Beispiel Würmer, mangelnde Hygiene, Kratzen oder Onanie mit unsauberen Händen, macht sich Scheidenausfluss häufiger und stärker bemerkbar.

Auch Fremdkörper in der Scheide fördern Erscheinungen dieser Art. Das finden wir sogar schon bei zwei- bis dreijährigen Mädchen, deren Neugier in bezug auf ihren Körper sehr gross ist und die beim Spiel nicht nur in Nase und Ohren kleine Gegenstände verschwinden lassen. Bei fast zwei Dritteln der Fälle von kindlichem Fluor handelt es sich aber um Infektionen des Scheidensekretes durch "alltägliche" Keime, die überwiegend harmlos und in kurzer Zeit zu bekämpfen sind.

Schließlich kann bei älteren Mädchen ein leichter Pubertätsfluor auftreten, der in der Regel ebenfalls harmlos ist. Da sich dabei, wenn auch recht vereinzelt, andere Erkrankungen hinter dem Ausfluss verbergen können, zum Beispiel eine Urogenitaltuberkulose, sollte man generell bei jedem Anzeichen von Fluor umgehend einen Facharzt aufsuchen.

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Keine Gefahr für Mädchen beim Frauenarzt

Die Befürchtungen, die frauenärztliche Untersuchung sei einem Kind noch nicht zumutbar, weil sie nicht schonend genug durchgeführt werden könne und eine Verletzung des Jungfernhäutchens mit sich bringe, können wir entkräften. Bei Kleinst- und Kleinkind genügt ein Ohrtrichter, um eine gewisse Beurteilung der Scheidenschleimhaut samt Sekretentnahme durchzuführen.

Auch die Untersuchung vom After her ist bei Kindern schonend möglich, wodurch sich feststellen lässt, ob die Organe im kleinen Becken in Ordnung sind. Ferner stehen dem Gynäkologen zur Untersuchung von Kindern sehr kleine Spezialspiegel zur Verfügung, die ungefährlich sind und das Hymen unverletzt lassen, wenn sich das Mädchen entspannt und ruhig verhält.

Am Rande sei aber auch die Frage gestattet, was dem Kind gegebenenfalls mehr schadet: ein verschlepptes Leiden mit der Gefahr einer bis in die Eileiter aufsteigenden Entzündung und damit spätere Kinderlosigkeit oder ein eventuell nicht mehr erhaltenes Jungfernhäutchen, das heute wohl niemand mehr zur Voraussetzung für eine Eheschließung machen kann.

In den meisten Fällen befreit eine ganz einfache Heilbehandlung das Mädchen von seinem unangenehmen Leiden, bei der der Frauenarzt auch die mütterliche Hilfe in Anspruch nehmen kann. Ob es sich dabei zum Beispiel um äußere Salbenanwendung, medizinische Bäder, das Einnehmen bestimmter Medikamente oder das Einträufeln gewisser Lösungen in die Scheide handelt, muss entsprechend der jeweiligen Erkrankung vom Facharzt verordnet werden.

Allgemein gelten für den kindlichen Fluor die gleichen Grundsätze wie bei der erwachsenen Frau: frühzeitige Behandlung, exaktes Einhalten der ärztlichen Hinweise und pünktliche Wiedervorstellung in der Sprechstunde. Auf diese Weise können die Mädchen von dem keineswegs peinlichen Leiden befreit werden.

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