Lymphopenie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. August 2017
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Lymphozyten, die selbst in eine Vielzahl von Erscheinungsformen mit verschiedenen Aufgaben untergliedert werden, stellen eine Untergruppe der Leukozyten dar. Sie sind mit wenigen Ausnahmen Teil der erworbenen Immunabwehr, und ihr relativer Anteil an der Gesamtzahl der Leukozyten beträgt im Normalfall 25 bis 45 Prozent der Leukozyten. Falls der relative Anteil oder die absolute Zahl unter einen bestimmten Wert absinkt, liegt eine Lymphopenie vor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Lymphopenie?

Als Lymphopenie wird eine pathologisch niedrige absolute oder relative Anzahl von Lymphozyten im Blut bezeichnet. Eine Lymphopenie verkörpert damit eigentlich eine Lymphozytopenie. Lymphozyten, die eine Untergruppe der Leukozyten, der weißen Blutzellen, darstellen, lassen sich selbst in eine Vielzahl unterschiedlicher Zelltypen mit unterschiedlichen Aufgaben in der erworbenen Immunabwehr untergliedern.

Prinzipiell lässt sich die Lymphopenie in eine absolute und eine relative Form einteilen. Eine absolute Lymphopenie liegt vor, wenn die Zahl der Lymphozyten auf einen Wert von weniger als 1000 Zellen pro Mikroliter Blut absinkt. Bei einer relativen Lymphopenie beträgt der Anteil der Lymphozyten innerhalb der Gruppe der Leukozyten weniger als 15 Prozent oder bei anderen Autoren weniger als 25 Prozent.

Ein einheitlich festgelegter und verbindlicher Richtwert existiert nicht. Im Normalfall liegt der relative Anteil der Lymphozyten bei etwa 20 bis 40 Prozent der Gesamtzahl der Leukozyten. Die absolute Lymphopenie ist hinsichtlich ihrer physiologischen Wirkung aussagekräftiger, weil der relative Wert von der Gesamtzahl der Leukozyten abhängt.

Wenn beispielsweise die absolute Anzahl der Lymphozyten im Normalbereich liegt und die absolute Zahl der übrigen Leukozyten pathologisch erhöht ist, könnte sich daraus rechnerisch eine Lymphopenie ableiten lassen, obwohl es sich um eine Erhöhung der Leukozyten, also um eine Leukozytose handelt.

Ursachen

Lymphopenien können aufgrund verschiedenster Ursachenkomplexe entstehen. Nicht immer wird eine Lymphopenie durch eine bestimmte Krankheit verursacht. Beispielsweise können spezifische Infekte eine starke Vermehrung der Granulozyten verursachen, so dass durch eine stark erhöhte Zahl der Leukozyten eine relative Lymphopenie entsteht.

Absolute Lymphopenien können durch eine Vielzahl verschiedener Virus- und Autoimmunerkrankungen wie HIV, Masern und Gelbfieber sowie durch Multiple Sklerose (MS), Zöliakie, Morbus Hodgkin oder eine rheumatoide Arthritis verursacht werden. Eine HIV-Infektion ist die weltweit häufigste Ursache für das Entstehen einer Infekt- bedingten Lymphopenie.

Typischerweise sind auch verschiedene Formen der Leukämie Verursacher einer Lymphopenie. In vielen Fällen wird die Verminderung der Lymphozyten durch unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten wie Immunsuppressiva, Zytostatika oder Glukokortikoide (Kortisonpräparate) verursacht.

Eine Proteinmangelernährung wie sie in einigen Entwicklungsländern vorherrschend ist, ist der weltweit häufigste Grund für eine Lymphopenie. In seltenen Fällen handelt es sich um einen angeborenen Immundefekt, der von Geburt an eine verminderte Zahl von Lymphozyten bedingt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Lymphopenie wird nicht durch typische Beschwerden oder Symptome begleitet, sondern präsentiert sich zunächst recht unauffällig. Das ist auch der Grund dafür, dass die Krankheit häufig erst im Rahmen einer Blutuntersuchung aus anderen Gründen entdeckt wird.

Begleitsymptome, Anzeichen und Beschwerden entsprechen in der Regel der verursachenden Krankheit, falls sich die Lymphopenie nicht auf andere Ursachen begründet. Beispielsweise werden auftretende Symptome einer hämatologischen Erkrankung wie Ekzeme, erweiterte Kapillaren mit Blutungen und andere Anzeichen nicht durch die Lymphopenie, sondern durch die verursachende hämatologische Erkrankung ausgelöst.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die absolute oder relative Lymphopenie lässt sich laborchemisch über das Blutbild diagnostizieren. Aufgrund fehlender spezifischer Symptomatik findet die Untersuchung allerdings meist nicht statt, weil keine Veranlassung erkennbar ist. Häufig wird die Erkrankung erst im Rahmen einer Untersuchung aus anderen Gründen zufällig entdeckt.

Die Situation ändert sich erst, wenn der Patient über häufig wiederkehrende Infektionen klagt. Es kann dann der Verdacht auf angeborenen oder erworbenen Immundefekt fallen. In diesen Fällen kann eine Blutuntersuchung Aufschluss auf die absolute Menge und die relative Verteilung der unterschiedlichen Leukozyten und damit auch der Lymphozyten geben.

Der Verlauf der Krankheit, der in der Regel Begleiterscheinung einer Grunderkrankung ist, hängt vom Verlauf der Grunderkrankung ab. Die Lymphopenie kann sich daher völlig unterschiedlich entwickeln. Die Verlaufsformen decken daher ein sehr unterschiedliches Spektrum ab, das von harmlos bis schwerwiegend - etwa bei MS oder Leukämie - reicht.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es durch die Lymphopenie nicht zu charakteristischen oder besonderen Beschwerden, die nur für diese Krankheit sprechen. Sie wird aus diesem Grund erst relativ spät erkannt, sodass es auch zu einer verspäteten Behandlung des Patienten kommt. In der Regel kann sie erst bei einer Blutuntersuchung diagnostiziert werden.

Die Betroffenen können dabei an verschiedenen Blutungen leiden, die ohne besonderen Grund eintreten. Dabei kommt es nicht in jedem Fall zu Einschränkungen oder zu anderen Komplikationen. Nur selten führen die Blutungen oder Schwellungen zu Schmerzen oder anderen Einschränkungen im Alltag des Betroffenen. Weiterhin leiden die Betroffenen öfter an Infekten und an Entzündungen. Der weitere Verlauf der Lymphopenie hängt allerdings sehr stark von der verursachenden Grunderkrankung ab, sodass ein allgemeiner Verlauf der Krankheit in der Regel nicht vorhergesagt werden kann.

Die Behandlung der Krankheit zielt in erster Linie auf die Grunderkrankung ab. Ob es dabei zu Komplikationen kommt, kann ebenfalls nicht universell vorausgesagt werden. In vielen Fällen können die Beschwerden allerdings durch eine Transplantation von Stammzellen eingeschränkt werden, sodass es nicht zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten kommt.

Behandlung & Therapie

Eine effiziente Therapie der Lymphopenie zielt auf die Behandlung der Grunderkrankung ab. Das setzt voraus, dass die Grunderkrankung sicher diagnostiziert wurde und effektiv behandelbar ist. Im Falle einer durch Nebenwirkungen von Medikamenten verursachten Lymphopenie reicht es unter Umständen aus, das Medikament durch andere Medikamente mit alternativen Wirkstoffen zu substituieren.

Falls ein angeborener Immundefekt zu einem chronischen Mangel an Immunglobulinen führt und häufige Infekte die Folge sind, kann eine intravenöse Verabreichung von Gammaglobulinen mit Antikörpereigenschaften angezeigt sein. Falls die Infusion mit Gammaglobulinen nicht die erhoffte Wirkung zeigt, bleibt als Ultima Ratio eine hämatopoetische Stammzelltransplantation. Lymphopenien, die durch eine Proteinmangelernährung verursacht wurde, ließe sich sehr einfach durch Zufuhr proteinreicher Nahrung behandeln und auskurieren.

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Vorbeugung

Direkt vorbeugende Maßnahmen, die das Auftreten einer Lymphopenie verhindern könnten, existieren nicht, weil die Krankheit meist als Begleiterscheinung einer anderen Grunderkrankung in Erscheinung tritt. Allerdings bestehen einfache vorbeugende Maßnahmen für die beiden weltweit führenden Verursacher einer Lymphopenie.

Es handelt sich einerseits um die ernährungsbedingte Form, die durch chronischen Proteinmangel hervorgerufen wird und um die durch eine HIV-Infektion verursachte Lymphopenie. Im ersteren Fall würde eine Anreicherung der Nahrung mit Proteinen vorbeugend wirken, und im letzteren Fall könnte wirksamer Schutz gegen die Ansteckung mit dem HIV-Virus als vorbeugend eingeschätzt werden.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Murphy, K., Travers, P., Walport, M.: Janeway – Immunologie. Spektrum, Heidelberg, 2010
  • Schütt, C., Bröker, B.: Grundwissen Immunologie. Spektrum, Heidelberg 2011

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