Lymphogranuloma inguinale

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. August 2017
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Lymphogranuloma inguinale ist eine Geschlechtskrankheit, die durch den Erreger Chlamydia trachomatis ausgelöst wird. In der westlichen Welt kommt die Geschlechtskrankheit jedoch eher selten vor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lymphogranuloma inguinale?

Lymphogranuma inguinale ist auch unter den Namen Lymphogranuloma venereum, venerisches Granulom oder Nicola-Durand-Favre-Krankheit. Die Erkrankung wird sexuell übertragen. In der westlichen Welt ist sie nur äußerst selten zu finden. Sie kommt überwiegend in den Tropen vor. Erreger sind unterschiedliche Formen von Chlamydia trachomatis. Unbehandelt kann die Krankheit chronisch werden. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Antibiotika.

Ursachen

Lymphogranuloma inguinale wird beim Geschlechtsverkehr übertragen. Sie gehört somit zu den Geschlechtskrankheiten (STD). Auslöser der Erkrankung ist das Bakterium Chlamydia trachomatis. Es handelt sich dabei um ein gramnegatives Bakterium, das intrazellulär lebt. Es kommt in unterschiedlichen Serotypen vor und ruft somit auch unterschiedliche Erkrankungen hervor.

Ursächlich für Lymphogranuloma venerum sind die Serotypen L1 bis L3. Chlamydia trachomatis gehört weltweit zu den häufigsten Erregern von sexuell übertragbaren Infektionen. Jährlich gibt es etwa 90 Millionen Neuinfektionen mit Chlamydien. Meistens handelt es sich dabei aber um andere Serotypen. Die Inzidienz an Lymphogranuloma inguinale nimmt weltweit eher ab. In Afrika, Asien, Südamerika und in der Karibik ist die Krankheit allerdings immer noch weit verbreitet.

Die meisten Infektionen finden zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr statt. In der Regel sind Menschen mit einem niedrigeren sozialen Status häufiger betroffen. In Deutschland finden sich seit dem Jahr 2000 wieder einige Infektionen. Insbesondere HIV-infizierte Männer sind betroffen. Vorherrschend ist hier der Seroytp L2.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome vergehen drei bis zwölf Tage. Am Infektionsort bildet sich ein schmerzloses Bläschen. Die klinische Manifestation dieses Primärstadiums ist abhängig von der Eintrittsstelle von Chlamydia trachomatis. Bei Befall von Penis oder Scheide zerfällt das Bläschen recht schnell. Es bildet sich ein Geschwür. Dieses ist nur wenige Millimeter groß und ebenfalls schmerzlos. Nach einigen Tagen bildet sich das Geschwür spontan zurück.

Wurde der Erreger beim Analverkehr übertragen, ist der Enddarm befallen. Hier verläuft das Primärstadium in der Regel unbemerkt. Nach Oralverkehr kann es auch zu einem Befall der Mund- und Rachenschleimhaut kommen. Diese Variante der Erkrankung ist allerdings eher selten.Wird das Lymphogranuloma inguinale im ersten Stadium nicht behandelt, schließt sich das Sekundärstadium an. Nach einer Latenzzeit von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen breiten sich die Erreger über die Lymphbahnen im Körper aus. Es kommt zu einer Entzündung der Lymphwege (Lymphangitis) und zu einer Entzündung der Lymphknoten (Lymphadenitis).

Insbesondere die Lymphknoten sind äußerst schmerzhaft. Man spricht hier auch von druckdolenten „Bubonen“. Befindet sich die Eintrittspforte im Bereich der Genitalien, so sind die genitalen Lymphknoten, die Leistenlymphknoten und die Lymphknoten rund um den Anus betroffen. Im Laufe der Entzündung kommt es zu einer Gewebseinschmelzung. Die Folge sind Abszesse und Fisteln. Die Haut über den Lymphknoten wird blau. Das Gewebe im Bereich der Entzündungen wird immer dünner, bis schließlich die Abszesse durchbrechen und ihren Eiter nach außen entleeren.

Diese Symptomatiken sind meist begleitet von Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen. Bei Frauen kann es unter Umständen zudem zu einer Entzündung der Gebärmutter (Zervizitis) oder der Eierstöcke (Salpingitis) kommen. Bei einer Entzündung der Gebärmutter kommt es zu Schmerzen und Juckreiz. Charakteristisch ist zudem ein eitriger Vaginalausfluss. Auch die Salpingitis geht mit Schmerzen und Ausfluss einher.

Eine rektale Infektion kann eine Proktitis oder eine Proktokolitis zur Folge haben. Ohne Behandlung chronifiziert sich die Erkrankung und geht in das Tertiärstadium über. Typisch ist hier eine Fistelbildung in den betroffenen Abschnitten des Lymphsystems. Teile des Systems werden zudem bindegewebig umgebaut (Fibrose). Dadurch wird der Lymphabfluss gestört, sodass Lymphödeme entstehen können. Sehr ausgeprägte Lymphödeme können in eine Elephantiasis im Genitalbereich münden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ziel der Diagnostik ist ein Erregernachweis. Aus einem Abstrich der Bläschen oder aus der Flüssigkeit aus einem Lymphknoten wird mittels PCR die DNA des Erregers nachgewiesen. Es können aber auch Methoden wie der Immunfluoreszenz-Direktnachweis (DFA) oder der ELISA-Suchtest zum Einsatz kommen. Die Anzüchtung des Erregers auf speziellen Medien ist allerdings eher schwer und sehr aufwendig und wird deshalb nur in Ausnahmefällen durchgeführt. Wichtig bei der Diagnosestellung ist die Abgrenzung zu ähnlichen Erkrankungen wie Granuloma venereum, Syphilis oder Ulcus molle.

Komplikationen

Bei der Lymphogranuloma inguinale leiden die Betroffenen in erster Linie an Beschwerden an den Genitalien. Diese Beschwerden sind für die meisten Menschen sehr unangenehm, sodass sie sich dafür schämen und möglicherweise auch an Minderwertigkeitskomplexen oder an einem verringerten Selbstwertgefühl leiden. Ebenso bilden sich an den Genitalien Bläschen aus, die zu Schmerzen führen.

Auch ein Geschwür kann sich dabei ausbilden und die Lebensqualität des Betroffenen deutlich verringern. Weiterhin wird auch der Geschlechtsverkehr des Betroffenen durch die Lymphogranuloma inguinale deutlich eingeschränkt, sodass es zu Spannungen mit dem Partner kommen kann. Weiterhin kann sich die Krankheit auch in den Mundbereich übertragen.

Patienten leiden weiterhin auch an Gelenkschmerzen oder an Kopfschmerzen. Auch die Belastbarkeit des Betroffenen sinkt durch die Lymphogranuloma inguinale deutlich ab und bei Frauen können Entzündungen an der Gebärmutter auftreten. In der Regel kann die Lymphogranuloma inguinale mit Hilfe von Antibiotika behandelt werden.

Dabei treten keine Komplikationen auf. In der Regel verschwinden die Beschwerden nach wenigen Tagen wieder und es kommt zu einem positiven Krankheitsverlauf. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Lymphogranuloma inguinale in der Regel nicht beeinflusst.

Therapie & Behandlung

Die Behandlung des Lymphogranulomas inguinale erfolgt durch orale Antibiotikagabe. Zum Einsatz kommen Antibiotika wie Erythromycin, Tetracyclin oder Doxycyclin. Die Medikamente müssen von den Betroffenen über mindestens drei Wochen eingenommen werden. Wichtig ist, dass der oder die Sexualpartner ebenfalls behandelt werden. Andernfalls kommt es zum sogenannten Ping-Pong-Effekt, sprich: eine erneute Infektion mit einer Geschlechtskrankheit durch Sex mit einem früheren Geschlechtspartner, der nicht mitbehandelt wurde. Der Erreger wird also quasi wie beim Ping-Pong „hin und her gespielt“.

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Vorbeugung

Gegen das Lymphogranuloma inguinale gibt es keine Impfung. Vorgebeugt werden kann der Erkrankung ausschließlich durch Verhütung. Dafür ist es wichtig auch in Entwicklungsländern Aufklärungsarbeit zu leisten, denn nur so kann die Verbreitung von sexuell übertragbaren Erkrankungen eingedämmt werden. Safer Sex sollte aber auch in Deutschland eine Selbstverständlichkeit sein, denn Kondome schützen nicht nur vor Lymphogranuloma inguinale, sondern auch vor vielen weiteren sexuell übertragbaren Erkrankungen.

Bücher über Geschlechtskrankheiten

Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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