Lymphbildung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. Januar 2017
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Ein geringer Teil der interzellulären Gewebsflüssigkeit, die nicht auf direktem Weg durch die Wände der Blutkapillaren in den Blutkreislauf zurück diffundiert, wird von Lymphkapillaren aufgenommen.

Sie wird schließlich mit Zellen der Immunabwehr sowie mit Peptiden und Polypeptiden zur Steuerung der Immunabwehr angereichert.

Diese Flüssigkeit wird Lymphe genannt und es handelt sich dabei um die Lymphbildung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Lymphbildung?

Etwa 10 % der Interzellularflüssigkeit, die aus den Blutkapillaren in den interzellulären Zwischenraum eintritt, kann nicht wieder durch die Wände der Blutkapillaren in den Blutkreislauf zurück diffundieren. Meist verhindern größere Moleküle aus Abbauprodukten des extrazellulären Raumes oder hydrophobe Stoffe die direkte Rückkehr in den Blutkreislauf. Diese Restflüssigkeit wird von den geöffneten Enden der Lymphkapillare, die in den Interzellularraum hineinragen, aufgenommen und in Richtung Lymphknoten transportiert.

Beim Menschen werden etwa 2 bis 3 Liter Lymphe pro Tag produziert. In den Lymphgefäßen wird die ehemalige Gewebsflüssigkeit, die unter anderem Ionen und Enzyme enthält, mit Lymphozyten, also weißen Blutkörperchen wie B- und T-Lymphozyten und natürlichen Killerzellen der angeborenen Immunabwehr angereichert.

Zusätzlich sezernieren die Immunzellen je nach Bedarf und Anregung Zytokine, mit denen das Immunsystem die Immunantwort steuert. Die so entstandene, mit Immunzellen sowie Zytokinen und sogenannten lymphpflichtigen Lasten angereicherte ehemalige Gewebsflüssigkeit wird als Lymphe bezeichnet.

Falls das umliegende Gewebe von pathogenen Keimen befallen ist, kann die Lymphe auch entsprechende Keime oder deren Abbauprodukte enthalten, was auf eine bereits erfolgreiche Abwehr durch Gewebsmakrophagen hindeutet. Ebenso können bei bestimmten Tumorerkrankungen metastasierte Krebszellen von der Gewebsflüssigkeit in die Lymphgefäße geschwemmt werden.

Funktion & Aufgabe

Die dezentrale Lymphbildung „vor Ort“ hat den großen Vorteil, dass die Immunantwort auf bestimmte Herausforderungen nicht nur global im gesamten Körperkreislauf erfolgen, sondern auch lokal begrenzt werden kann.

Die Immunantworten auf Entzündungsherde können durch die Lymphbildung direkt gesteuert werden. Durch die kontinuierliche Lymphbildung wird der offene Lymphkreislauf angeregt. Die Lymphgefäße bekommen einen Reiz, in regelmäßigen Abständen mit peristaltikähnlichen Kontraktionen die Lymphe weiter zu befördern. Die Lymphbildung im Verdauungstrakt unterscheidet sich von der Lymphbildung im übrigen Körper.

Lipidstoffe und Proteine, die aufgrund ihrer molekularen Größe nicht direkt über die Kapillarwände in den Darmwänden in das Blut eintreten können, werden in die offenen Lymphkapillare eingeschwemmt. Die Stoffe werden von der Lymphbildung nach „Eingangskontrolle“ akzeptiert und mit der Lymphe weiter transportiert, um letztlich über einen der Venenwinkel unterhalb des Herzens doch noch in den Blutkreislauf eintreten zu können.

Beim Menschen werden etwa 2 bis 3 Liter Lymphe pro Tag produziert. In den Lymphgefäßen wird die Lymphe mit Lymphozyten angereichert.

Falls das Immunsystem bei der Eingangskontrolle der großmoleküligen Lipide oder Proteine Schadstoffe oder pathogene Keime feststellt, erfolgt über die Steuerung der Lymphbildung eine unmittelbare Immunantwort. Ohne die Lymphbildung käme es sehr bald zu einem Stau von zellulären Abbauprodukten im Interzellularraum und zu ungebremster Vermehrung pathogener Keime, weil eine individuelle Immunantwort auf lokale Vorgänge im Gewebe nicht möglich wäre.

Auch der Abtransport abgestorbener und zerlegter körpereigener Zellen wäre nicht möglich, so dass es zur Ausbildung toxischer Stoffe und einer Vergiftung des Gewebes käme. Die dezentrale Bildung der Lymphe ist für den Körper von essentieller Bedeutung für die Immunreaktionen und für den Stoffwechsel.

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Krankheiten & Beschwerden

Eine der häufigsten Beschwerden und Störungen, die im Zusammenhang mit der Lymphbildung auftritt, betrifft nicht die Funktionsbeeinträchtigung der Lymphbildung oder die Beschaffenheit der Lymphe, sondern beruht auf einer Funktionsbeeinträchtigung der Lymphbahnen.

Der Lymphabfluss kann durch Verstopfung der Lymphbahnen so gestört sein, dass es zu Ansammlungen von Lymphe im Gewebe kommt, zu sogenannten Lymphödemen. Die häufigste Ursache für das Auftreten von Lymphödemen in den Lymphgefäßen und im Interzellularraum sind postoperative Symptome nach der operationellen Entfernung umliegender Lymphknoten zur Vorbeugung oder zur Eliminierung bereits metastasierter Tumorzellen, die sich in den Lymphknoten festgesetzt haben.

Eine parasitäre Krankheit, die einen extremen Lymphstau in den unteren Extremitäten bis zu den Knien und in den äußeren Geschlechtsorganen zur Folge hat, ist die im tropischen Hochland meist durch Wurmparasiten verursachte Elephantiasis.

Weitere Ursachen für einen Lymphstau können eine selten auftretende bakterielle Entzündung der Lymphbahnen (Lymphangitis) oder der Lymphknoten (Lymphadenitis) sein. Chemo- und Strahlentherapien können als unvermeidbare Nebenwirkungen ebenfalls die Funktion der Lymphbahnen und Lymphknoten beeinträchtigen, so dass sich Lymphödeme ausbilden.

Weitere Beeinträchtigungen des lymphatischen Systems können durch bösartige Lymphome verursacht werden. Es handelt sich dabei um eine Krebsart, die die Primärorgane des lymphatischen Systems betrifft, besonders aber die Lymphknoten. Es wird dabei zwischen Hodgkin-Lymphomen und Non-Hodgkin-Lymphomen unterschieden.

Die Unterscheidung zwischen den beiden Krebsarten erfolgt ausschließlich danach, ob in dem Tumor Sternberg-Reed-Zellen nachgewiesen werden können. Wenn dies der Fall ist, handelt es sich um ein Hodgkin-Lymphom. „Sternberg-Reed-Riesenzellen“, wie sie auch genannt werden, entstehen durch Zusammenschlüsse und Verschmelzungen mehrerer B-Lymphozyten, die aus dem Keimzentrum von Lymphknoten stammen.

Eine Krankheit, die die Lymphbildung direkt betrifft, ist die chronische lymphatische Leukämie (CLL). Vereinfacht ausgedrückt, kommt es zu einer zu starken Vermehrung der Leukozyten. Die CLL ist mit ca. 33 % aller Leukämien die häufigste Leukämie in der industrialisierten Welt. Im Verlauf der Krankheit werden vermehrt funktionsuntüchtige Leukozyten gebildet, die zu Leber- und Milzanschwellungen führen sowie zu einer Verdrängung der Vorläuferzellen für die roten Blutkörperchen im Knochenmark. Bei fortgeschrittener Krankheit stellt sich eine lebensbedrohliche Blutarmut (Anämie) ein.

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