Lymphatische Diathese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2017
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Die lymphatische Diathese ist keine Erkrankung, sondern eine konstitutionelle Anlage, die die Entstehung bestimmter Krankheiten begünstigt. Diese Neigung wird auch als Lymphatismus oder exsudativ-lymphatische Diathese bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine lymphatische Diathese?

Die lymphatische Diathese ist ein Konzept, das eher in der Naturheilkunde als in der Schulmedizin verbreitet ist. Der Lymphatismus ist kein eigenständiges Krankheitsbild. Es handelt sich dabei um eine Konstitution. Früher wurde diese Veranlagung mit überschießenden Reaktionen des Lymphsystems auch als Skrofulose bezeichnet. Das konstitutionelle Bild des Lymphatismus ist gekennzeichnet, durch die Unfähigkeit des Immunsystems Infektionen komplett zu überwinden. Im Vordergrund stehen wiederholte Infektionen und Entzündungen im Bereich der lymphatischen Organe.

Ursachen

In der modernen Schuldmedizin findet das Krankheitsbild des Lymphatismus keine Beachtung mehr. In der Naturheilkunde wird vermutet, dass es sich bei der lymphatischen Diathese um eine Erbbelastung handelt. Die Konstitution bezeichnet immer die individuelle Gesamtheit aller Erbanlagen und umfasst alle angeborenen Eigenschaften. In diesen Erbanlagen ist auch der sogenannte Locus minoris resistentiae festgelegt.

Dabei handelt es sich um den Ort des geringsten Widerstandes, also gewissermaßen um den Schwachpunkt des Organismus. Bei der lymphatischen Diathese liegt dieser Schwachpunkt im Immunsystem und im Bereich der Schleimhäute. In der Homöopathie spielt die lymphatische Diathese ebenfalls unter dem Begriff Skrofulose eine Rolle.

Die Skrofulose ist eins der großen Miasmen. Miasmen können aus Sicht der Homöopathie erblich bedingt oder erworben sein. Die Miasmen sorgen für eine Fehlsteuerung im energetisch-dynamischen System. Dadurch kommt es zu Störungen, die sich sowohl in diesem energetischen System als auch auf körperlicher Ebene zeigen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die lymphatische Diathese entwickelt sich in den ersten Lebensmonaten und endet meistens mit Beginn der Pubertät. Anfangs zeigt sich der Lymphatismus bei Säuglingen beispielsweise in Form von Milchschorf, nässenden Hautentzündungen oder Windelekzemen. Kleinkinder leiden hingegen unter trockenen Ekzemen, Urtikaria oder Neurodermitis.

Charakteristisch für die lymphatische Diathese sind wiederkehrende Entzündungen der Schleimhäute und der lymphatischen Organe. Die Kinder sind häufig erkältet. Auch Mandelentzündungen treten immer wieder auf. Zudem klagen die kleinen Patienten über Ohrenschmerzen. Auch der Blinddarm ist ein lymphatisches Organ. Kinder mit einer lymphatischen Diathese zeigen häufiger Blinddarmreizungen. Eventuell kommt es auch zu Entzündungen des Blinddarms. In solchen Fällen muss der Blinddarm dann entfernt werden.

Teilweise sind die Kinder so oft krank, dass sie dadurch in ihrer Entwicklung gestört werden. Sie lernen später sprechen oder laufen als andere Kinder und fehlen häufig in Schule oder Kindergarten. Das Immunsystem von Kindern ist im Allgemeinen sehr aktiv. So kommt es auch bei gesunden Kindern häufig zu Schwellungen der lymphatischen Organe. Bei lymphatischen Kindern übersteigt diese Aktivität allerdings das normale Maß. Dies wird durch ständige Mandelschwellungen, Irritationen des Blinddarms oder auch durch Milzschwellungen ersichtlich.

Die Lymphknoten im Halsbereich sind auch ohne laufende Infektion vergrößert und druckempfindlich. Die Nasenpolypen sind ebenfalls vergrößert, die Nase ist häufig verstopft. Dadurch ist die Nasenatmung behindert, sodass es zur Mundatmung kommt. Infolge von Mittelohrentzündungen und Paukenhöhlenergüssen staut sich Sekret. Deswegen treten häufig Nasennebenhöhlenentzündungen auf.

Für eine normale Gebiss- und Kieferentwicklung ist es wichtig, dass die Kinder überwiegend durch die Nase atmen. Aufgrund der ständig verstopften Nase atmen Kinder mit einer lymphatischen Diathese vermehrt durch den Mund. Die Folge sind Gebiss- und Kieferfehlstellungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der lymphatischen Diathese erfolgt größtenteils anhand der Krankenanamnese. Hier lässt sich eine Neigung zu Erkrankungen des lymphatischen Systems feststellen. Kinder mit einer lymphatischen Konstitution sind zudem eher blass, blondhaarig und blauäugig. Somit kann auch das Aussehen Hinweise auf die Diathese liefern.

Die Irisdiagnostik ist ein naturheilkundliches Verfahren, mit dem anhand der Augen Krankheiten diagnostiziert werden können. Auch hiermit kann die lymphatische Diathese erkannt werden. Personen mit einer lymphatischen Diathese haben in der Regel blaue Augen mit einem hellen Ring um die Darmkrause. Dieser helle Ring befindet sich in der Lymphzone. Die Irisdiagnose ist allerdings kein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren.

Komplikationen

In der Regel leiden die Patienten bei dieser Krankheit an verschiedenen Beschwerden und Erkrankungen an der Haut. Dabei kommt es vor allem zu Entzündungen und zur Ausbildung eines Juckreizes. Nicht selten schämen sich die Betroffenen für die Beschwerden und leiden dabei an einem verringerten Selbstwertgefühl oder an Minderwertigkeitskomplexen.

Ebenso kommt es mitunter zu einer Mandelentzündung oder zu Entzündungen in den Ohren. Diese sind in der Regel mit starken Ohrenschmerzen verbunden, die sich auch in den Kopf oder in den Nacken ausbreiten können. Ebenso führt die Krankheit zu einer Blinddarmentzündung, bei welche der Blinddarm schließlich entfernt werden muss.

Die Betroffenen können auch an einer Nasennebenhöhlenentzündung leiden, wodurch die Lebensqualität des Patienten erheblich verringert wird. Auch Kiefer und Gebiss des Betroffenen können in einigen Fällen falsch entwickelt sein, sodass es zu Beschwerden beim Essen und Trinken kommt. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch verschiedene Eingriffe und durch die Einnahme von Medikamente. Damit können Entzündungen und Fehlstellungen relativ gut bekämpft und gelindert werden.

Therapie & Behandlung

Aus naturheilkundlicher Sicht sollte bei Patienten mit einer lymphatischen Diathese das Immunsystem unterstützt werden. Verschiedene Phytotherapeutika wie die Kappelargonie oder der Sonnenhut (Echinacea) wirken immunstimulierend und immunmodulierend. Bei Infekten der oberen Atemwege können Pflanzen wie Eibischwurzel, Königskerze, Huflattich oder wilde Malve zum Einsatz kommen.

Typische Einzelmittel der klassischen Homöopathie sind Calcium carbonicum, Tuberculinum, Psorinum, Scrophularia nodosa oder Kalium sulfuricum. Ein wesentlicher Teil des menschlichen Immunsystems sitzt im Darm. Eine gestörte Darmflora kann das Immunsystem schwächen. Mithilfe von Probiotika soll die Darmflora der Patienten aufgebaut und gegebenenfalls modifiziert werden. Ergänzt wird diese Darmsanierung häufig mit einer sogenannten Ausleitungstherapie.

In der Naturheilkunde wird davon ausgegangen, dass sich im Laufe des Lebens Stoffwechselendprodukte in verschiedenen Geweben des Körpers ablagern und die dort stattfindenden Stoffwechselprozesse behindern. Häufig ist von Schlacken die Rede. Ziel der Ausleitungstherapie ist es, den Körper von diesen Schlacken zu befreien. Dafür werden Ausscheidungsorgane wie Niere, Leber und die Haut mit Komplexhomöopathika oder pflanzlichen Arzneimitteln unterstützt.

Brennnessel und Goldrute unterstützen beispielsweise die Niere, Mariendistel und Löwenzahn wirken sich positiv auf die Leberfunktion aus. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es jedoch keine Indikation für eine Ausleitung. Ebenso umstritten ist der Verzicht auf Kuhmilch, der bei der lymphatischen Diathese von vielen Therapeuten empfohlen wird.

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Vorbeugung

Die lymphatische Diathese ist angeboren, sodass es keine Mittel gibt, um sie zu verhindern. Bei einer bekannten lymphatischen Diathese kann der Körper allerdings gezielt unterstützt werden. Möglicherweise können Folgeerkrankungen so vermieden werden.

Das können Sie selbst tun

Eine lympathische Diathese sollte in jedem Fall von einem Arzt abgeklärt werden. Begleitend zur medizinischen Behandlung können die Betroffenen die Beschwerden mit Hilfe einiger Mittel aus der Naturheilkunde lindern. Bewährt haben sich zum Beispiel verschiedene Phytotherapeutika wie etwa Sonnenhut oder Kappelargonie. Auch Pflanzen wie Eibischwurzel oder Huflattich wirken stimulierend auf das Immunsystem. Königskerze und Arnika helfen bei Infekten der oberen Atemwege.

Ergänzend bietet die Homöopathie eine Reihe von Einzelmitteln, darunter Calcium carbonicum und Kalium sulfuricum. Unterstützend dazu können Probiotika eingesetzt werden, denn diese schützen die Darmflora und helfen bei Beschwerden. Weitere wirksame Pflanzen sind Brennnessel, Goldrute und Mariendistel. Die Verwendung dieser Mittel sollte zuvor mit dem zuständigen Arzt besprochen werden.

Daneben gilt es, die Ursache für die lympathische Diathese zu ermitteln. Abhängig vom Auslöser sind dann verschiedene Maßnahmen sinnvoll. Generell ist eine Umstellung des Lebensstiles anzuraten. Ein gestärktes Immunsystem ist weniger anfällig für Erkrankungen und sorgt für ein besseres Wohlbefinden. Begleitend dazu muss auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet werden, welche die medizinischen Therapiemaßnahmen unterstützt.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Peter, H.-H., Pichler, W.J. (Hrsg.): Klinische Immunologie. Urban & Fischer, München 2012
  • Schütt, C., Bröker, B.: Grundwissen Immunologie. Spektrum, Heidelberg 2011

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