Lymphödem

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. November 2017
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Ein Lymphödem, verursacht durch eine Störung des Lymphsystems, tritt meist an den Extremitäten (Hände, Füße, Beine) auf. Es kann jedoch auch andere Körperteile betreffen. Die Behandlung ist abhängig von Form und Fortschritt der Erkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Lymphödem?

Ein Lymphöden ist eine sicht- und tastbare Schwellung eines Körperteils und wird durch eine Stauung der Lypmhflüssigkeit verursacht. Die Lymphflüssigkeit ist zuständig für den Transport von Lymphplasma und Lymphozyten über Lymphbahnen und die Lymphknoten, den Filter- und Reinigungsstationen der Lymphe.

Ist dieser Transport gestört, so staut sich die Flüssigkeit vor einem Lymphknoten und entsteht ein Lymphödem. Das ist eine eiweißhaltige Wassereinlagerung, die den betroffenen Körperteil stark anschwellen und prall aussehen lässt.

Die häufigsten betroffenen Körperstellen sind Arme und Beine. Betroffen können auch Kopf, Hals, Rumpf und Genitalien sein.

Lymphödeme sind als eher selten zu bezeichnen, wobei Frauen neun Mal häufiger betroffen sind als Männer.

Nach Auftrittsalter unterscheidet man das frühzeitige Lymphödem, das zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr auftritt, und das späte Lymphödem bei über 35-jährigen. Das späte Lymphödem ist sehr selten.

Ursachen

Grundsätzlich entsteht ein Lymphödem durch verschlossene Lymphbahnen, die einen so hohen Druck erzeugen, dass die Lymphflüssigkeit in das umliegende Körpergewebe austritt.

Um die Ursachen genauer eingrenzen zu können, unterscheidet die Medizin zwischen primären und sekundären Formen des Lymphödems:

1. Das Primäre Lymphödem tritt ohne objektive Ursachen auf und ist meist auf eine Extremität beschränkt oder ist vererbt und kann von Geburt an auftreten oder im Laufe des Lebens entstehen. Ursache des erblichen Lymphödems ist eine Entwicklungsstörung des Lymphsystems, die ohne weitere Symptome oder begleitet von Kleinwuchs, geistiger Behinderung und Übergewicht auftreten kann.

2. Beim sekundären Lymphödem kann eine Ursache ausgemacht werden, wobei die Auslöser vielfältig sind. Grundsätzlich lassen sich Verletzungen und Operationsfolgen als Ursachen ausmachen. Auch Krebs, ein Blutstau, eine Entzündung der Lymphbahnen und Parasiten sind denkbare Ursachen.

Typische Symptome & Anzeichen

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbaus von Lymphknoten. Klicken, um zu vergrößern.

Diagnose & Verlauf

Ein Lymphödem ist anhand der vorliegenden Symptome leicht diagnostizierbar, der Arzt muss jedoch zwischen einem primären und einem sekundären Ödem unterscheiden:

Das primäre Lymphödem am Bein zeigt sich deutlich an mitbetroffenen Zehen. Das sekundäre Lymphödem muss auf seine Ursache untersucht werden. Dies erfolgt mittels Blutanalyse, Ultraschall und einer Untersuchung des Lymphtransports, genannt Lymphabflussszintigraphie. Früher wurde das Lymphsystem unter Kontrastmitteln geröngt, diese Diagnostik wird jedoch heute kaum mehr durchgeführt.

Komplikationen

Durch das Lymphödem kommt es in den meisten Fällen zu Beschwerden und Komplikationen an den Extremitäten. Die Lymphknoten schwellen dabei relativ stark an und es kann auch ein Lymphstau auftreten. Die betroffenen Regionen des Körpers sind dadurch stark angeschwollen, sodass es zu verschiedenen Beschwerden und Einschränkungen im Alltag des Patienten kommen kann.

In den meisten Fällen führt das Lymphödem auch zu Wassereinlagerungen, die an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten können. In einigen Fällen kann es auch zu Schmerzen an den Extremitäten kommen, sodass der Betroffene an deutlichen Einschränkungen im Alltag und bei der Ausführung gewöhnlicher Tätigkeiten leidet. Ein Lymphödem kann allerdings relativ einfach identifiziert werden, sodass auch eine schnelle und frühzeitige Behandlung stattfinden kann.

Die Behandlung des Lymphödems führt nicht zu weiteren Komplikationen oder Beschwerden. Die Symptome selbst können durch die Behandlung gut eingeschränkt werden. In der Regel ist allerdings weiterhin eine Behandlung der Grunderkrankung notwendig, damit diese Beschwerden nicht nochmals auftreten. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch diese Krankheit nicht verringert. In vielen Fällen sind die Patienten allerdings auf verschiedene Übungen angewiesen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines Lymphödems richtet sich nach Ursache und, in der Diagnostik zu bestimmendem, Stadium der Erkrankung. Entscheidend für die adäquate Behandlung ist daher eine ausführliche Diagnose.

Grundsätzliches Behandlungsziel ist die Entstauung des betroffenen Lymphknotens, was durch Hochlagerung des betroffenen Körperteils erreicht werden kann.

Zusätzlich sollte der Patient darauf achten, keine enge Kleidung zu tragen und Verletzungen zu vermeiden, um das Lymphsystem durch diese nicht weiter zu belasten.

Bei einem sekundären Lymphödem, das durch Erkrankungen verursacht wurde, muss zusätzlich zur Therapie des Ödems die Grunderkrankung behandelt werden.

Das primäre Lymphödem erfordert eine komplexe physikalische Entstauungstherapie aus den Säulen:

  • Lymphdrainage
  • Kompression des betroffenen Körperteiles, beispielsweise mit Kompressionsstrümpfe oder -stiefel.
  • Entstauung mittels gymnastischer Übungen und präventive Haut- und Fußpflege

Weitere Therapiemöglichkeiten sind die Einnahme von Diuretika, eine Langzeitbehandlung mit Antibiotika und die chirurgische Wiederherstellung der betroffenen Lymphsysteme.

Während im ersten und zweiten Stadium gute Heilungschancen bestehen, muss der Patient im dritten Stadium, dem Fibrom, mit einer intensiven und langwierigen Behandlung rechnen. Im vierten Stadium, der lymphostatische Elephantiasis, das mit einer Verdickung und Verhärtung der Haut einhergeht, ist das Lymphödem irrversibel, es kann jedoch ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden.

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Vorbeugung

Es ist nicht möglich, einem primären Lymphödem vorzubeugen. Das Risiko, ein sekundäres Lymphödem zu erwerben, kann jedoch durch die Vermeidung von Übergewicht und regelmäßige Untersuchungen des Lymphsystems deutlich verringert werden. Aufgabe eines bei Krebs operierenden Arztes ist es zudem, das Lymphsystem auch bei notwendiger Entfernung von Lymphknoten so wenig wie möglich zu verletzen.

Das können Sie selbst tun

Bei der Behandlung eines Lymphödems können Betroffene einige Maßnahmen selbst durchführen um die Beschwerden zu lindern. Grundlegend wichtig ist die Anregung des Stoffwechsels und der Blutzirkulation. Nur so kann auch der Lymphfluss und die damit einhergehende Entgiftung des Organismus angeregt werden. Werden Schlacken und andere Abfallprodukte des Stoffwechsels ausreichend abtransportiert, steigert dies das allgemeine Wohlbefinden.

Selbsthilfemaßnahmen lassen sich als Rituale leicht in den Alltag einbinden. So kann der Morgen mit einer Bürstenmassage begonnen werden. Gebürstet wird immer in Richtung des Herzens. Durch die Massage werden Blut- und Lymphfluss stimuliert. Anschließend können anregende Öle (Ingwer) in die Haut einmassiert werden. Dies stärkt zudem das Bindegewebe. Auch ausreichend Bewegung ist bei der Behandlung eines Lymphödems grundlegend wichtig. Besonders geeignet ist das Schwimmen. Durch die Bewegungen im Wasser werden sowohl arterielle als auch venöse Blut- und Lymphgefäße nachweislich trainiert, gestärkt und regeneriert. Die betroffenen Körperregionen sollten zudem so oft wie möglich hochgelagert werden. So wird der Blut- und Lymphfluss erleichtert.

Weiterhin ist auf eng anliegende Kleidung zu verzichten, da diese das Lymphsystem zusätzlich belastet. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen stellt hingegen eine sehr gute Behandlungsunterstützung dar. Die Naturheilkunde empfiehlt eine begleitende Einnahme von dreimal täglich fünf Globuli Lycopodium clavatum C5 sowie Ginko bioba. Beide erleichtern den Abfluss der Lymphflüssigkeit.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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