Lupus vulgaris

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
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Lupus vulgaris ist eine von etwa zehn bekannten Arten der sogenannten Hauttuberkulose, die meist wie die Lungentuberkulose durch das Mycobacterium tuberculosis verursacht wird. In der Regel handelt es sich bei der in Mitteleuropa nur noch selten auftretenden Infektionskrankheit um eine Reinfektion, weil die Haut normalerweise für den Krankheitserreger eine undurchdringliche Barriere darstellt. Lupus vulgaris äußert sich meist durch hartnäckig und chronisch verlaufende Entzündungsherde im Bereich Nase, Wangen und Nacken.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lupus vulgaris?

Als Lupus vulgaris wird eine besondere Form von Hauttuberkulose bezeichnet. Der Erreger ist meist – wie auch bei anderen Formen der Tuberkulose – das Mycobacterium tuberculosis. Während die Krankheit in Mitteleuropa nur noch selten auftritt, ist sie aufgrund der ungünstigeren hygienischen Verhältnisse und der weniger flächendeckenden medizinischen Versorgung in einigen Entwicklungsländern noch relativ häufig anzutreffen.

Symptomatisch für Lupus vulgaris sind Hautveränderungen im Bereich Nase, Wangen und Nacken. Typischerweise bilden sich auf der Haut kleine bräunliche Papeln, die sich weich anfühlen und sich im Verlauf teilweise zu Ulzera entwickeln. Im Gegensatz zu anderen Formen der Tuberkulose ist Lupus vulgaris aufgrund seines nur schwach infektiösen Verlaufs nicht meldepflichtig.

In der Regel wird die Krankheit nicht durch eine Primärinfektion mit dem Mycobacterium tuberculosis verursacht, sondern sie entspricht meist einer Re- oder Sekundärinfektion. Dabei kann die ursprüngliche Infektion mit dem Mycobacterium tuberculosis bereits längere Zeit – bis zu mehreren Jahren – zurückliegen und eine Tuberkulose ausgelöst haben oder auch einen symptomlosen und damit unbemerkten Verlauf genommen haben.

Ursachen

Die Hauttuberkulose Lupus vulgaris ist eine Infektionskrankheit, die meist durch den pathogenen Keim Mycobacterium tuberculosis verursacht wird. Allerdings wird die Krankheit nur selten durch eine Primärinfektion ausgelöst, weil die pathogenen Bakterien in gesunde Haut nicht eindringen können und in der Regel zunächst durch Tröpfcheninfektion in Bronchien und Lunge gelangen oder aber auch in den Verdauungstrakt.

Der Tuberkelbazillus, wie das Mycobacterium tuberculosis auch genannt wird, kann erst den Lupus vulgaris auslösen, wenn er beispielsweise über die Lymph- oder Blutbahnen in das Bindegewebe der Unterhaut eintreten kann. Nur in Ausnahmefällen kann das Bakterium direkt über eine nässende Wunde oder ähnliche Eintrittspforten in die Haut eindringen und dort eine Primärinfektion auslösen. Voraussetzung ist dabei, dass die potenziellen Hauteintrittspforten direkt mit Tuberkelbazillen in Berührung kommen (Schmierinfektion).

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Symptomatisch für Lupus vulgaris sind im Anfangsstadium kleine, etwa erbsengroße, braune Bläschen oder Knötchen (Papeln), die sich zunächst weich anfühlen und keinerlei Schmerzen oder Beschwerden verursachen. Üblicherweise sind vor allem Nasen-, Wangen- und Nackenpartien betroffen. In einigen Fällen sind auch die Extremitäten, also Hände und Füße betroffen.

Häufig sind kleine schuppende Stellen auf der Haut, die sich ähnlich wie Warzen entwickeln, symptomatisch für das Anfangsstadium der Krankheit. Das Allgemeinbefinden der erkrankten Menschen ist während der Anfangsphase des Lupus vulgaris, die einen Zeitraum von mehreren Jahren umfassen kann, merkwürdigerweise kaum eingeschränkt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Neben den äußerlich sichtbaren Symptomen der Haut spielt das Anlegen von Bakterienkulturen eine wichtige Rolle. Die Bakterien für die Anzucht werden aus Biopsiematerial des erkrankten Gewebes isoliert. Zusätzlich empfehlen sich Differentialdiagnosen, um den vermuteten Lupus vulgaris gegenüber anderen Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik, vor allem gegenüber Tuberculosis cutis verrucosa und Lupus erythematodes chronicus discoides klar abzugrenzen.

Der Versuch, die Tuberkelbazillen mittels gängiger Färbemethoden lichtmikroskopisch nachzuweisen, liefert meist unbrauchbare Ergebnisse. Histologisch auffällig ist das Auftreten von Langhans-Riesenzellen in den Hautknötchen. Sie entstehen aus der Fusion von Makrophagen während des Fressvorgangs (Phagozytose).

Im Verlauf der Krankheit bilden sich am Rand der Entzündungsherde neue Knötchen, während die Inneren abheilen. Allmählich können sich tiefreichende Ulzera ausbilden, und in einigen Fällen, in denen die Nasenschleimhaut befallen ist, wird sogar der Nasenknorpel angegriffen, so dass auch Entstellungen im Gesicht zur Symptomatik eines fortgeschrittenen Lupus vulgaris gezählt werden müssen. Auch tiefreichende Gewebezerstörungen an Händen und Füßen werden beobachtet.

Komplikationen

In der Regel kommt es bei Lupus vulgaris zur Ausbildung von kleinen Bläschen auf der Haut. Die Bläschen selbst stellen noch keine Komplikation oder Beschwerde dar und sind in den meisten Fällen auch nicht mit Schmerzen verbunden. Sie können sich allerdings negativ auf die Ästhetik des Patienten auswirken und dabei zu einem verringerten Selbstwertgefühl oder zu Minderwertigkeitskomplexen führen.

Weiterhin sind vor allem die Extremitäten des Patienten von dieser Beschwerde betroffen. Die Stellen können dabei auch Warzen aufzeigen, die ebenso die Ästhetik beeinflussen können. In vielen Fällen wird auch keine Behandlung von dem Patienten eingeleitet, wenn die Symptome nicht zu besonderen Beschwerden führen oder auch nicht schmerzen.

Sollte es allerdings nicht zu einer Behandlung kommen, kann dies eine Zerstörung des Gewebes an den Füßen und den Händen begünstigen. Dabei kann es auch zu Schmerzen kommen. In der Regel findet die Behandlung dieser Krankheit mit Hilfe von Medikamenten statt und kann die Beschwerden relativ gut einschränken. Die Therapie kann allerdings mehrere Monate lang andauern. Komplikationen treten dabei in den meisten Fällen nicht auf. Ebenso wird auch die Lebenserwartung des Patienten durch diese Beschwerde nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Da es sich bei Lupus vulgaris meist um eine postprimäre Art der Tuberkulose handelt, kann davon ausgegangen werden, dass sich der Erreger, das Mycobacterium tuberculosis, bereits an anderen Stellen des Körpers befindet und potenziell – auch bei Fehlen entsprechender Symptome – wieder pathogen werden kann.

Zusätzlich sprechen der chronische und sehr hartnäckige Verlauf des Lupus vulgaris dafür, dass eine lokale Bekämpfung der Tuberkelbazillen nicht für eine nachhaltige Therapie ausreicht. Empfehlenswert ist eine Behandlung mit systemisch wirkenden Tuberkulostatika, die im günstigsten Fall zu einer vollständigen Abtötung der pathogenen Keime führt. Es steht eine Reihe von Tuberkulostatika zur Verfügung, die an verschiedenen Stellen in den Stoffwechsel der Tuberkelbazillen eingreifen.

In der Regel beginnt die medikamentöse Therapie als Kombinationstherapie mit der gleichzeitigen Einnahme mehrerer Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen, um eine möglichst breite Wirkung zu erzielen. Nach der Anfangstherapie, die standardmäßig etwa zwei Monate umfasst, schließt sich eine weitere mehrmonatige Therapie mit veränderter Zusammensetzung der Medikamente an.

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Vorbeugung

Direkt vorbeugende Maßnahmen, die eine Infektion mit Tuberkelbazillen verhindern könnten, gibt es nicht. Die besten indirekt wirksamen Maßnahmen zur Vorbeugung bestehen darin, gewisse Hygienestandards zu beachten und sich von potenziellen Infektionsquellen fernzuhalten sowie für eine Stärkung des Immunsystems zu sorgen.

Bis in die 1990er Jahre gab es die Möglichkeit der Impfung mit abgeschwächtem Lebendimpfstoff (BCG-Impfung) zur Vorbeugung einer Tuberkuloseinfektion. Allerdings wird die Impfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) derzeit aufgrund mangelhafter Wirksamkeit und wegen erheblicher Nebenwirkungen nicht mehr empfohlen.

Das können Sie selbst tun

Eine Lupus vulgaris muss auf jeden Fall medizinisch abgeklärt und behandelt werden. Die ärztliche Behandlung kann durch einige Selbsthilfemaßnahmen und Hausmittel unterstützt werden.

Zunächst gilt Bettruhe und Schonung. Erkrankte sollten darauf achten, dass die betroffenen Hautareale keinen reizenden Stoffen wie Fusseln, Staub oder Schweiß ausgesetzt sind. Am besten werden die Bläschen und Knötchen regelmäßig mit lauwarmem Wasser gereinigt und anschließend desinfiziert. In Rücksprache mit dem Arzt können unter Umständen auch Naturheilmittel angewendet werden – es empfehlen sich beispielsweise Salben aus Frauenmantel oder Blutwurz. Auch Arnika kann in Form eines Aufgusses aufgetragen werden, insofern die Haut nicht entzündet ist. Daneben empfehlen sich allgemeine Maßnahmen wie ein gesunder und ausgewogener Lebensstil. Bewegung und eine geeignete Diät reduzieren Stress und tragen zu einer raschen Genesung bei.

Bei länger andauernden Erkrankungen ist eine therapeutische Beratung sinnvoll. Im Gespräch mit dem Fachmann können die ästhetischen und damit auch seelischen Probleme, die eine Lupus vulgaris mit sich bringt, aufgearbeitet werden. Sollten die Beschwerden nach einigen Tagen nicht zurückgegangen sein, muss noch einmal mit dem zuständigen Arzt gesprochen.

Bücher über Lupus vulgaris & Hautkrankheiten

Quellen

  • Altmeyer, P.: Therapielexikon Dermatologie und Allergologie. Springer Medizin Verlag, Berlin Heidelberg 2005
  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

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