Lupus-Nephritis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. Juli 2017
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Lupus-Nephritis ist eine Entzündung der Nieren, die durch systemischen Lupus erythematodes (SLE) hervorgerufen wird. SLE wiederum ist eine Autoimmunerkrankung, die, neben der Haut, auch verschiedene Organe oder Regionen des Körpers befallen kann. Bei Patienten, die an Lupus-Nephritis leiden, sind also die Nieren in Mitleidenschaft gezogen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lupus-Nephritis?

Etwa 70 bis 100 Prozent der Patienten, die an SLE leiden, sind auch an Lupus-Nephritis erkrankt. Laut Histologie können alle SLE-Patienten auch Lupus-Nephritis in sich tragen, selbst wenn die klinischen Untersuchungen noch keine Schädigung der Nieren zeigen. Der Name leitet sich ab von dem lateinischen Wort „lupus“ (der Wolf) sowie „nephritis“ (Sammelbegriff für alle entzündlichen Erkrankungen der Nieren).

Die Krankheit tritt in Schüben auf. Nach dem Abklingen eines Schubes soll die Haut der Lupus-Patienten durch die narbenähnlichen Vertiefungen einem Wolfsgesicht ähneln, so erklärt sich der Name der Krankheit. Bei Lupus-Nephritis liegt eine Glomerulonephritis vor, das ist eine abakterielle (ohne Nachweis von Keimen am Entzündungsort) Entzündung, die in der Regel beide Nieren befällt.

Die Glomeruli sind kleine Ansammlungen von Gefäßen oder Nerven. Bei den Nieren sind sie ein wesentlicher Bestandteil der Nierenkörperchen, die für die Filtration des Harns zuständig sind. Unbehandelt kann Lupus-Nephritis zum totalen Nierenversagen führen.

Ursachen

Wie bereits weiter oben beschrieben, tritt Lupus-Nephritis bei den meisten Patienten auf, die an systemischem Lupus erythematodes leiden. Das ist eine Autoimmunerkrankung, die zu den sogenannten Kollagenosen gehört. Das bedeutet, das körpereigene Immunsystem greift das eigene Bindegewebe an und löst dort Entzündungen aus.

In der Regel treten solche Erkrankungen im mittleren Lebensalter auf. Frauen sind häufiger davon betroffen als Männer. Die genaue Ursache von Lupus erythematodes ist unbekannt, jedoch fallen bestimmte vorherrschende genetische Faktoren auf, die die Krankheit begünstigen. Auch äußere Umstände, wie zum Beispiel hormonelle Veränderungen, Stress, andere Infekte oder auch Medikamente, können Lupus-Nephritis auslösen.

An SLE erkrankte Patienten sollten also in jedem Fall auch auf ihre Nierenfunktion getestet werden, um ein eventuelles Vorliegen von Lupus-Nephritis zu diagnostizieren oder auszuschließen. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann totales Nierenversagen die Folge sein. Deshalb gilt, je früher Lupus-Nephritis entdeckt wird, desto günstiger ist die Prognose für die Betroffenen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Lupus-Nephritis ist eine ernste Erkrankung. Leider ist es nicht immer einfach, sie sofort zu diagnostizieren, da sie eine Reihe von unspezifischen Symptomen haben kann. Genauer hinsehen sollte der Arzt jedoch, wenn Patienten über Schwellungen der Beine, besonders der Knöchel klagen.

Manchmal können auch Hände oder Gesicht anschwellen. Andere Symptome für Lupus-Nephritis können ein Anstieg des Gewichts oder hoher Blutdruck sein. Verdächtig ist es auch, wenn der Urin dunkel verfärbt oder schaumig ist. Nächtlicher Harndrang kann ebenfalls auf Lupus-Nephritis hinweisen.

Proteinurie, also eine verstärkte Ansammlung von Eiweiß im Urin, sowie eine Mikrohämaturie (Blut im Urin, das mit dem bloßen Auge nicht sichtbar ist) sollten den Arzt auch hellhörig machen. In seltenen Fällen zeigt sich bei Lupus-Nephritis auch eine Makrohämaturie, das bedeutet, es ist so viel Blut im Urin, dass es ohne Mikroskop sichtbar ist. Manche Medikamente, die bei Lupus gegeben werden, können diese Symptome auch hervorrufen, hier kann ein vorübergehendes Absetzen der Medikation Klarheit bringen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Wurde bei einem Patienten SLE festgestellt, wird der Arzt eine Reihe von Untersuchungen und Tests anordnen, um die Nierenfunktion zu überprüfen. Darunter fallen zunächst eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Eine Ultraschall-Untersuchung der Nieren sowie verschiedene Labortests, die bei Nierenproblemen üblich sind (Blut- und Urintests) geben ebenfalls Aufschluss.

Komplettiert wird die Diagnose schließlich durch die Nierenbiopsie. Es gibt sechs Typen von Lupus-Nephritis, die gemäß ISN/RPS (International Society of Nephrology/Renal Pathology Society)wie folgt klassifiziert werden:

  • I. Minimale mesangiale Lupus-Nephritis
  • II. Mesangiale proliferative Lupus-Nephritis
  • III. Fokale Lupus-Nephritis
  • IV. Diffuse segmentale oder globale Lupus-Nephritis
  • V. Membranöse Lupus-Nephritis
  • VI. Fortgeschrittene sklerosierte Lupus-Nephritis

Das Ergebnis der Biopsie gibt Aufschluss darüber, um welchen Typ der Lupus-Nephritis es sich handelt. Schweregrad und Krankheitsverlauf sind von Patient zu Patient verschieden, deshalb kann hier keine pauschale Aussage getroffen werden.

Komplikationen

In vielen Fällen kann die Lupus-Nephritis nicht direkt diagnostiziert werden, sodass eine frühzeitige Behandlung in vielen Fällen nicht möglich ist und daher auch nicht stattfindet. In der Regel leiden die Betroffenen allerdings an starken Schwellungen an den Beinen und damit in vielen Fällen an Bewegungseinschränkungen oder auch an Schmerzen.

Weiterhin können die Schwellungen auch an den Händen oder sogar im Gesicht auftreten und dabei die Ästhetik des Betroffenen verringern. Nicht selten kommt es dabei zu einem verringerten Selbstwertgefühl oder zu Minderwertigkeitskomplexen. Weiterhin führt die Lupus-Nephritis zu einem nächtlichen Harndrang, welcher zu Depressionen und anderen psychischen Verstimmungen führen kann.

Im schlimmsten Falle kommt es durch diese Erkrankung zu einer Niereninsuffizienz, die weiterhin auch zum Tode des Betroffenen führen kann. Die Behandlung dieser Krankheit wird mit Hilfe von Medikamenten durchgeführt. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf und stellt sich meistens ein positiver Krankheitsverlauf ein. Allerdings können die Medikamente starke Nebenwirkungen haben.

In schwerwiegenden Fällen ist der Betroffene auf eine Transplantation der Niere oder auf eine Dialyse angewiesen. Dabei kann es mitunter zu einer Verringerung der Lebenserwartung des Patienten kommen.

Behandlung & Therapie

Da Lupus-Nephritis so facettenreich ist, wird die Behandlung individuell auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten. Zunächst wird der Arzt versuchen, die Krankheit mit Medikamenten zu kontrollieren. Die Gabe von Kortikosteroiden kann einen akuten Entzündungsschub lindern.

Da diese Medikamente schwere Nebenwirkungen haben können, muss der Patient engmaschig überwacht werden. In der Regel wird die Dosis verringert, sobald sich die Symptome bessern. Auch immunsuppressive Medikamente können zum Einsatz kommen. Sie unterdrücken die nierenschädigende Aktivität des Immunsystems.

Cyclophosphamid, Azathioprin oder Mycophenolat gehören zur Familie der Immunsuppressiva. Desweiteren werden in manchen Fällen auch Blutverdünner oder Blutdrucksenker gegeben. Die medikamentöse Therapie kann jedoch ein weiteres Verschlechtern der Nierenfunktion nicht immer verhindern. Sollte es zum totalen Nierenversagen kommen, benötigt der Patient eine Dialyse und, im Extremfall, sogar eine Nierentransplantation.

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Vorbeugung

Da Lupus-Nephritis zu den Autoimmunerkrankungen gehört, die ihre Ursache meistens in der genetischen Veranlagung haben, ist es schwer, gezielt vorzubeugen. Jeder Mensch kann jedoch dafür Sorge tragen, sich und sein Immunsystem möglichst gesund zu erhalten. Gesunde Ernährung, wenig Stress, ausreichend Schlaf sowie Verzicht auf Nikotin oder Kosmetika, die Weichmacher enthalten, können hier viel bewirken.

Bücher über Nierenschwäche (Niereninsuffizienz)

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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