Lungenszintigraphie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. November 2016
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Eines der wichtigsten bildgebenden Verfahren zur Lungenuntersuchung ist die Lungenszintigraphie. Besonders bei der Diagnose einer Lungenembolie ist sie das Standardverfahren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Lungenszintigraphie?

Die Lungenszintigraphie zählt zu den nicht-invasiven Verfahren und ist eine nuklearmedizinische, bildgebende Untersuchungsmethode, um die Durchblutung und Belüftung der Lunge einschätzen zu können. Selbst kleinste Durchblutungsstörungen können über eine Gammakamera sichtbar gemacht werden, was sie für die Diagnose einer Lungenembolie unverzichtbar macht.

Die Lungenszintigraphie findet neben der Diagnostik einer Lungenembolie Anwendung bei verschiedenen Lungenerkrankungen und -missbildungen. Sie bietet darüber hinaus den Vorteil, dass mit dieser Methode auch die Durchblutung zwischen den Lungenflügeln berechnet werden kann, um Operationsrisiken einschätzen und Prognosen nach der Entfernung von Lungengewebe bei Lungenkrebs geben zu können.

Funktion, Wirkung & Ziele

Eine Lungenszintigraphie setzt sich aus verschiedenen Techniken, die miteinander kombiniert werden können, zusammen:

Bei der Ventilationsszintigraphie muss ein radioaktives Edelgas, in der Regel 133Xenon, vom Patienten ein- und ausgeatmet werden. Der Körper nimmt Edelgase nicht auf. Während des Ein- und Ausatmens zeichnet die Gammakamera 3 Bilder auf (Dreiphasenszintigraphie): Bild 1 wird beim Einatmen aufgenommen, Bild 2 während der Verteilung des Gases in der Lunge und Bild 3 beim Ausatmen des Gases. Die Gasverteilung zeigt die Belüftung im jeweiligen Bereich an. Mit dieser Technik soll festgestellt werden, ob die Luftströmung behindert ist oder die Dehnbarkeit der Lunge eingeschränkt ist. Sie ist aber technisch aufwändig und der Patient muss im richtigen Moment ein- und ausatmen.

Bei der Inhalationsszintigraphie werden kleinste, radioaktiv gemarkerte, Teilchen einer Trägersubstanz fein verdampft oder vernebelt der Atemluft des Patienten zugeführt. Sie kommt meistens vor einer Perfusionsszintigraphie zum Einsatz, weil dadurch die Belüftung und Durchblutung der Lunge verglichen werden kann. Der Arzt kann so auch die ursprünglichen Beschwerden erkennen und mit diesen Erkenntnissen die richtige Therapie einleiten.

Bei der Perfusionsszintigraphie werden dem Patienten radioaktiv markierte Eiweißbausteine intravenös gespritzt, die über die Adern in die Lunge wandern. Wo die Durchblutung gestört ist, sind weniger radioaktive Teilchen sichtbar. Bei der Verteilung der radioaktiven Teilchen ist die Körperhaltung des Patienten während der Injektion von Bedeutung. Beim gesunden Menschen werden aufgrund der Gravitation tiefer liegende Lungenbereiche stärker abgebildet, während beim pulmonalen Hochdruck (erhöhter Blutdruck in der Lunge alle Bereiche gleichmäßig abgebildet werden.

Wenn der Verdacht auf eine lebensbedrohliche Embolie durch ein Blutgerinnsel besteht, ist die Perfusionsszintigraphie meistens die erste Wahl und wird mit einem Röntgen-Thorax kombiniert.

Die Lungenszintigraphie findet neben der Diagnostik einer Lungenembolie Anwendung bei verschiedenen Lungenerkrankungen und -missbildungen.

Sie kann auch Rechts-Links-Shunts im Lungenkreislauf nachweisen, bei denen über eine Verbindung zwischen Lungen- und Körperkreislauf Blut ohne Zufuhr von Sauerstoff aus der Lunge in den Körper gepumpt wird. Im Normalfall bleiben die radioaktiven Teilchen in der Lunge und werden über die Lunge auch wieder abgebaut. Bei einem Shunt wandern sie hingegen in den Körperkreislauf und werden über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Über das Blutvolumen, das pro Minute durch die Nieren fließt, kann der Computer das Volumen und Ausmaß des Shunts berechnen.

Beim Lungenkrebs wird vor und nach der Operation die Inhalationsszintigraphie mit der Perfusionsszintigraphie kombiniert, um die Funktion der Lunge bzw. des verbliebenen Lungenanteils vor und nach der Operation einschätzen zu können und eine Prognose nach der Operation geben zu können.

Eine Lungenszintigraphie mit Gallium-Citrat ermöglicht die Einschätzung von Knorpelgerüst-Erkrankungen und entzündlichen Prozessen in der Lunge und findet besonders Anwendung in der Untersuchung einer Staublunge oder Tuberkulose. Auch eine Lungenentzündung und ein Lungeninfarkt können über eine Lungenszintigraphie schneller erkannt werden als mit anderen Untersuchungsmethoden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Nebenwirkungen sind bei einer Lungenszintigraphie eher selten, allenfalls besteht das Risiko einer geringen Strahlenbelastung durch die verwendeten radioaktiven Arzneimittel, die erheblich unter der normalen Strahlenbelastung in einem Jahr liegt. Es sind keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt. Bei der intravenösen Injektion können mitunter leichte allergische Reaktionen auftreten auf die Eiweißbestandteile. Bei bestehender Eiweißallergie ist zu überlegen, ob die Lungenszintigraphie in diesem Fall sinnvoll ist. Patienten, die Blutverdünner (z. B. Marcumar) einnehmen müssen, sollten ggf. mit einer kleinen Nachblutung an der Einstichstelle rechnen.

Nuklearmedizinische Untersuchungen wie eine Lungenszintigraphie können mit Einschränkungen auch in der Schwangerschaft durchgeführt werden, aber hier zählt in erster Linie eine gesunde Entwicklung des Kindes. Mögliche Nebenwirkungen und Risiken sollten sorgfältig abgewogen und mit der schwangeren Frau besprochen werden. Ggf. kann die Dosis verringert werden. Stillende Frauen sollten 48 Stunden nach nuklearmedizinischen Untersuchungen nicht stillen.

Für die Lungenszintigraphie ist keine besondere Vorbereitung notwendig und Patienten müssen nicht nüchtern erscheinen. Patienten, die unter Asthma leiden, sollten vor der Untersuchung bronchienerweiternde Medikamente nehmen. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Da eine Lungenszintigraphie mit wenig Risiken und Nebenwirkungen verbunden ist, ist sie eine sehr empfehlenswerte Methode zur Untersuchung der Durchblutung und Belüftung der Lunge und für die Diagnostik einer Lungenembolie das beste Untersuchungsverfahren. Geringe Einschränkungen in der Aussagekraft gibt es allenfalls bei den chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD).

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