Lunatummalazie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Die Lunatummalazie (Synonyme: Mondbeintod, Lunatumnekrose oder Morbus Kienböck) ist einer Erkrankung eines Handwurzelknochens, bei dem das Mondbein (Os lunatum) ganz oder teilweise abstirbt (nekrotisiert). Die Erkrankung kann verschiedene Schweregrade erreichen, die unterschiedliche Symptome aufweisen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lunatummalazie?

Bei der Lunatummalazie (der Arzt spricht auch von Mondbeintod oder Morbus Kienböck) kommt es zum fortschreitenden Zerfall der kleinen Knochenbälkchen im Mondbein durch Minderdurchblutung.

Die menschliche Hand besteht aus acht Handwurzelknochen. Das Mondbein (Os lunatum) ist einer der wichtigsten Handwurzelknochen und befindet sich in der Mitte der Handwurzel. Die Knochenbälkchen sterben teilweise oder sogar komplett ab.

Am häufigsten tritt die Lunatummalazie im Alter zwischen etwa 20 bis 40 Jahren auf. Männer erkranken doppelt so häufig am Mondbeintod wie Frauen.

Ursachen

Die Ursachen für eine Lunatummalazie stehen nicht sicher fest, sie werden von Ärzten bis heute eher vermutet. Die Erkrankung ist schon seit über 100 Jahren bekannt. Schon damals vermutete der Arzt Kienböck, dass eine zunehmende Durchblutungsstörung Ursache für die Lunatummalazie ist. Diese Durchblutungsstörungen können dabei unterschiedliche Gründe haben.

Zum einen kann die mangelnde Durchblutung veranlagt sein. Auch Unfälle und ein Bruch des Mondbeins können zu verminderter Durchblutung und damit zu einer Lunatummalazie führen. Eine weitere Möglichkeit ist eine dauernde Druck- oder auch Fehlbelastung des Mondbeins (kann z.B. bei einem häufigen Umgang mit dem Presslufthammer vorkommen).

Zudem gibt es auch Menschen, die im Verhältnis zur Speiche eine verkürzte Elle haben (Elle und Speiche sind die beiden Unterarmknochen). Dieses „Missverhältnis“ kann eine Minderdurchblutung des Mondbeines zur Folge haben.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Zur Diagnosestellung dient zunächst einmal eine Röntgenaufnahme. Allerdings kann ein normales Röntgenbild die Lunatummalazie im Anfangsstadium noch nicht feststellen. Erst spätere Stadien zeigen sich auf dem Röntgenbild. Deshalb wird die Krankheit häufig auch erst spät erkannt. Weitere Diagnosemöglichkeiten sind die Kernspin- und die Computertomografie.

Der Arzt führt natürlich auch eine körperliche Untersuchung durch. Der Patient klagt über Schmerzen im Handgelenk und glaubt subjektiv, dass das Handgelenk anschwillt. Druck auf das Mondbein führt zu starken Schmerzen in diesem Bereich.

Differentialdiagnostisch kann der Arzt die Lunatummalazie von einer Sehnenscheidenentzündung durch die Lokalisation des Schmerzes abgrenzen. Beim Mondbeintod ist der stärkste Schmerz direkt über dem Mondbein lokalisiert, bei der Sehnenscheidenentzündung verbreitet sich der Schmerz gleich stark über verschiedene Stellen der Hand oder des Arms. Auch das Aufstützen der Hand führt zu starken Schmerzen über dem Mondbein.

Ist die Erkrankung weiter fortgeschritten, verteilt sich der Schmerz über das ganze Handgelenk, es kommt zu Schwellungen an der Hand und die Hand ist in der Bewegung eingeschränkt.

Der Arzt teilt die Lunatummalazie in vier verschiedene Stadien ein, je nachdem, wie stark das Mondbein geschädigt ist. Ist die Erkrankung ganz weit fortgeschritten, kommt es auch zu Deformitäten der benachbarten Handwurzelknochen.

Komplikationen

In erster Linie führt die Lunatummalazie zu relativ starken Schmerzen an der Hand. Diese Schmerzen können sich auch in die Finger oder in den Handrücken ausbreiten und dort zu Beschwerden führen. Nicht selten treten die Schmerzen auch in der Nacht auf und können dabei zu Schlafbeschwerden und damit zu Depressionen oder zu einer Gereiztheit des Patienten führen.

Weiterhin sind die Muskeln der betroffenen Hand stark geschwächt und es kommt zu einer deutlichen Verringerung der Belastbarkeit des Patienten. Auch die Hand selbst kann nicht mehr ohne Weiteres bewegt werden, sodass es zu verschiedenen Einschränkungen im Alltag des Patienten kommt. In vielen Fällen ist auch die Entwicklung von Kindern durch die Lunatummalazie betroffen. Weiterhin treten Schwellungen oder Blutergüsse auf.

In den meisten Fällen kann die Lunatummalazie gut behandelt werden, ohne dass es zu verschiedenen Komplikationen kommt. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird bei dieser Krankheit nicht verringert. Nicht selten ist dabei ein operativer Eingriff notwendig, der allerdings ebenso nicht mit Komplikationen verbunden ist. Weiterhin sind die Betroffenen allerdings auch auf verschiedene Therapien angewiesen, um die Bewegung der Hand wiederherzustellen.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der Lunatummalazie hängt vom vorhandenen Stadium ab. Zunächst einmal versucht der Arzt, die Krankheit in einem möglichst frühen Stadium zum Stillstand zu bringen, also das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Solange noch nicht das letzte Stadium erreicht ist, stehen die Chancen dazu gut.

In den beiden Anfangsstadien ist eine Gelenkspieglung Mittel der Wahl. So kann der Arzt die betroffenen Gelenke und Handknochen genau beurteilen. Auch eine feingewebliche Untersuchung gehört zur Gelenkspieglung dazu. Die Gewebsentnahme selbst entlastet zudem den Knochen. Er kann sich wieder aufbauen, da er nun wieder mehr Platz zur Verfügung hat.

Bei sehr schwerem Krankheitsbild entnimmt der Arzt aus dem Becken des Patienten Knochenmaterial, um damit den betroffenen Handwurzelknochen wieder aufzufüllen. Ist eine verkürzte Elle Ursache der Erkrankung, ist ebenfalls eine Operation notwendig, in der der Arzt entweder die Elle verlängert oder die Speiche verkürzt.

Weitere Möglichkeit ist, dass der Arzt bestimmte Nervenfasern unterbricht, um eine Schmerzleitung durch diese Nerven zu verhindern. Wenn der Arzt trotz aller Maßnahmen die Erkrankung nicht stoppen kann, kann eine Teilversteifung von drei Handwurzelknochen oder gar eine Versteifung des gesamten Handgelenks nötig sein.

Begleitend zu den operativen Verfahren braucht der Patient eine Unterarmgipsschiene und je nach Operationsart auch krankengymnastische Bewegungstherapie.

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Vorbeugung

Vorbeugung ist nur dahin gehend möglich, dass eine Über- und Fehlbelastung des Handgelenks vermieden wird. Liegt eine angeborene Durchblutungsstörung vor oder hat der Patient eine angeborene Verkürzung der Elle, ist eine Vorbeugung nicht möglich.

Das können Sie selbst tun

Sollte es zu einer Lunatummalazie gekommen sein, so muss eine weitere Fehlbelastung oder im Allgemeinen eine Belastung des Handgelenkes weiterhin vermieden werden. Dadurch kann eine weitere Beschädigung verhindert werden. In der Regel wirkt sich hierbei eine frühzeitige Diagnose und Behandlung positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus.

Die Möglichkeiten zur Selbsthilfe sind bei dieser Krankheit stark eingeschränkt, wobei die Betroffenen in der Regel immer auf einen operativen Eingriff angewiesen sind. Ohne diesen Eingriff können die Beschwerden nicht gelindert werden. Häufig sind die Patienten auf eine Bewegungstherapie oder auf Krankengymnastik nach der Operation angewiesen, um die Bewegung der Hand wiederherzustellen. Die dabei durchgeführten Übungen können häufig auch im eigenen Zuhause durchgeführt werden, was die Heilung beschleunigen kann. Die Hand sollte jedoch immer geschont und nicht unnötig belastet werden.

Häufig kann sich bei der Lunatummalazie auch der Kontakt zu anderen Betroffenen der Erkrankung gut auf ihren Verlauf auswirken. Dabei kann es zu einem Informationsaustausch kommen, welcher den Alltag erleichtern kann. Da viele Betroffene in ihrem Alltag durch die Schmerzen eingeschränkt sind, wirkt sich hierbei Hilfe durch Angehörige oder Freunde ebenfalls positiv auf den Krankheitsverlauf aus.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Rössler, H., Rüther, W.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München, 2005

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