Lujan-Fryns-Syndrom

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Beim Lujan-Fryns-Syndrom (LFS) handelt es sich um eine X-chromosomal vererbte Krankheit, die zu einer Intelligenzminderung bei gleichzeitigem marfanoidem Wuchs führt. Bisher gilt die Krankheit als nicht heilbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Lujan-Fryns-Syndrom?

Eine andere Bezeichnung für das Lujan-Fryns-Syndrom ist: X-chromosomale geistige Retardierung mit Lujan-Syndrom bei gleichzeitigem marfanoidem Habitus. Es wurde erstmals 1984 von dem amerikanischen Kinderarzt J. Enrique Lujan bei vier männlichen Patienten beobachtet. 1987 beschrieb der Humangenetiker Jean-Pierre Frans zwei Fälle mit gleicher Symptomatik. Nach diesen Wissenschaftlern wurde die sehr seltene Erkrankung benannt.

Das Lujan-Fryns-Syndrom verursacht leichte bis mittelgradige Intelligenzminderung bei gleichzeitigem marfanoiden Wuchs, Gesichts-Dysmorphien und Verhaltensauffälligkeiten. Es kann außerdem zu Missbildungen kommen, die Herz und Gehirn beeinträchtigen. Nach dem Diagnoseklassifikationssystem ICD-10 ist das Lujan-Fryns-Syndrom als eine leichte Intelligenzminderung bei deutlicher Verhaltensstörung klassifiziert, Beobachtung ist angeraten.

Ursachen

Verantwortlich für das Lujan-Fryns-Syndrom sind Mutationen im MED12-Gen. MED12 ist eine Untereinheit eines Multiproteinkomplexes, der die Transkription reguliert, ein Mediator. Die untersuchten Fälle wiesen eine Punktmutation, genauer eine Substitution auf. Das ist der Fall, wenn eine Base der DNA gegen eine andere ausgetauscht wird. Die Kategorie der beim Lujan-Fryns-Syndrom vorliegenden Substitution ist eine Missense-Mutation vom Typus p.N1007S.

Das bedeutet, dass die Aminosäure Asparagin, die sich normalerweise an Position 1007 entlang der MED12 Sequenz befinden sollte, fälschlicherweise durch Serin ersetzt wurde. Die Mutation sorgt für falschen Ausdruck des Proteins, das kodiert wird, was zur Störung führt. Lokalisieren lässt sich das betroffene Gen auf dem X-Chromosom, sein Genlocus ist 13.1. Die genaue Ätiologie ist jedoch noch unklar.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Typische Symptome sind eine leichte bis mittelschwere Intelligenzminderung, aber auch einzelne Fälle schwerer geistiger Behinderung sind bekannt. Neben der geistigen Beschränkung bei marfanoidem Habitus weisen die vom Lujan-Fryns-Syndrom betroffenen Menschen meist eine krankheitstypische Gesichts-Physiognomie auf. Unter marfanoidem Habitus versteht man eine Gruppe physischer Eigenschaften, die für das Marfan-Syndrom typisch sind.

Dazu gehören eine hohe Stirn, ein langes Gesicht mit schmalen Zügen, sowie eine große Nase mit hochliegender Nasenwurzel häufig Hypoplasie des Oberkiefers, ein kurzes, tiefes Philtrum sowie ein hoher Gaumen. Typisch sind außerdem lange überstreckbare Gliedmaßen, Finger und Zehen. Die große Zehe ist verhältnismäßig kurz, die zweite Zehe zu lang.

Eine häufig mit dem Syndrom einhergehende Gehirnanomalität ist die Agenesie, also die fehlende Anlage und Entwicklung, des corpus callosum, auch Hirnbalken genannt. Dieses aus rund 250 Millionen Nervenfasern bestehende Gewebe verbindet die beiden Hirnhemisphären. Zu den häufigsten Auffälligkeiten im Verhalten erkrankter Personen zählt eine Störung ähnlich der bei Personen aus dem Autismus-Spektrum.

Weitere psychische Störungen, die in Zusammenhang mit dem Lujan-Fryns-Syndrom auftreten können, sind psychotisches Verhalten, Schizophrenie, Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizitstörungen, oppositionelles Trotzverhalten, Zwangsstörungen, niedrige Frustrationstoleranz, mangelnde Impulskontrolle, Lernbehinderung, Defizite im Kurzzeitgedächtnis und Appetitlosigkeit bis hin zu Unterernährung. In einzelnen Fällen tritt das Lujan-Fryns-Syndrom aber auch ohne mentale Beeinträchtigungen auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Betroffen sind vom Lujan-Fryns-Syndrom vor allem Männer, was wahrscheinlich genetische Ursache hat. Genaue Zahlen zur Prävalenz sind jedoch nicht bekannt. Bis 2007 war nur eine klinische Diagnose des Syndroms möglich, seitdem das entsprechende Gen identifiziert ist, kann die Diagnose durch DNA-Analyse erfolgen. Bei einer Diagnose anhand der Symptome werden neben physischen Befunden auch die psychopathologischen Verhaltensmuster der Patienten herangezogen.

Von anderen Formen X-chromosomal indizierter geistiger Behinderung unterscheidet sich das Lujan-Fryns-Syndrom durch den begleitenden marfanoiden Habitus. Den marfanoiden Habitus kann man jedoch häufig erst während der Pubertät erkennen, da die physischen Strukturen der Patienten davor noch nicht entsprechend ausgebildet sind. Für die DNA-Diagnose wird das Blut des Patienten sowie das weiterer Familienmitglieder untersucht. Mithilfe der Sequenzierung wird das Exon 22 des MED12-Gens einschließlich der Intron/Exon-Spleißstellen sowie der flankierenden intronischen Bereiche analysiert.

In der Differentialdiagnose gibt es eine weitere Erkrankung, die einige Gemeinsamkeiten mit dem Lujan-Fryns-Syndrom aufweist und ebenfalls auf eine Mutation des MED12-Gens zurückzuführen ist, das Opitz-Kaveggia Syndrom. Durch DNA-Analyse lässt sich feststellen, dass es sich um eine Missende-Mutation p.R961W handelt.

Behandlung & Therapie

Auf Grund der genetischen Ursprünge des Syndroms gibt es bisher keine spezifische Ursachenbehandlung für am Lujan-Fryns-Syndrom erkrankte Patienten. Die Erkrankung gilt als unheilbar. Dennoch gibt es Korrekturverfahren, präventive Interventionen und diverse Therapien für den Umgang mit den kraniofazialen, orthopädischen und psychiatrischen Problemen der Patienten.

Unregelmäßigkeiten mit dem Herzen sowie eventuelle Epilepsie sollte man regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls medikamentös behandeln lassen. Orthopädische Fehlstellungen lassen sich teilweise mit Physiotherapie verbessern. Eine psychologische Betreuung erkrankter Personen ist ebenfalls sinnvoll.

Dabei liegen die Schwerpunkte der Behandlung auf der Förderung der geistigen Entwicklung einerseits und der Früherkennung eventuell auftretender Psychosen und Schizophrenie andererseits. Impulskontrolle, das Vermeiden von Wutausbrüchen und sozial inkompatiblem Verhalten kann mit sonderpädagogischer und psychologischer Betreuung erlernt werden. Die Erkrankung wird dominant über das X-Chromosom vererbt. Das bedeutet, dass bereits ein durch einen betroffenen Elternteil vererbtes defektes Gen ausreicht, die Krankheit weiterzugeben.

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Vorbeugung

Da es sich bei dem Lujan-Fryns-Syndrom um eine genetisch bedingte Krankheit handelt, gibt es für den einzelnen Betroffenen keine Möglichkeit sich vor Erkrankung zu schützen. Da aus dem selben Grund keine Ansteckungsgefahr für die Umwelt besteht, ist keinerlei Prophylaxe notwendig.

Bücher über geistige Behinderungen

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Witkowski R., Prokop O., Ullrich E.: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen. Springer, Berlin 2003

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