Lost-Penis-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. Oktober 2017
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Das Lost-Penis-Syndrom ist eine Schwäche der weiblichen Beckenbodenmuskulatur. Beim Geschlechtsverkehr fühlt es sich so an, als befände sich das Glied des Partners nicht in der Scheide. Zur Behandlung findet vor allem Beckenbodentraining statt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Lost-Penis-Syndrom?

Das Lost-Penis-Syndrom klingt nach dem Albtraum jeden Mannes. Tatsächlich betrifft das Syndrom aber weniger den Mann als die Frau. Frauen mit dem Lost-Penis-Syndrom leiden an einer dauerhaften Erweiterung der Scheide. Beim Geschlechtsverkehr haben sie so das Gefühl, das Glied ihres Partners überhaupt nicht oder zumindest nicht durchgehend zu spüren.

Auch der Sexualpartner hat während des Verkehrs den Eindruck, eigentlich „keinen Penis zu besitzen“. Dieser Eindruck entsteht auf beiden Seiten aufgrund des fehlenden Kontakts, den das Glied beim Sex mit der Scheidenwand hat. Der Begriff „Lost-Penis-Syndrom“ wird im medizinischen Sprachgebrauch und in der zugehörigen Fachliteratur kaum verwendet.

Wesentlich häufiger findet die Bezeichnung im Internet Verwendung, so vor allem bei der Diskussion in Foren oder auf sozialen Netzwerken. Die Medizin spricht bei demselben Phänomen eher von einer krankhaft oder pathologisch erweiterten Scheidenwand, einer Beckenbodenstörung oder Beckenbodensenkung.

Tatsächlich steht das Lost-Penis-Syndrom in den meisten Fällen mit krankhaften Veränderungen des weiblichen Beckenbodens in Zusammenhang. Der Beckenboden ist der muskulöse Bindegewebsboden der Beckenhöhle und wird vor allem durch den Musculus levator ani geformt. Die weibliche Vagina liegt innerhalb der Beckenachse, wo sie den Beckenboden durchquert.

Ursachen

Das Lost-Penis-Syndrom kann angeboren oder erworben sein. Die erworbene Form stellt sich oft unmittelbar nach Geburten ein. Die frischgebackene Mutter macht mit der Geburt eines Kindes eine hohe Belastung mit, die mit einer Überdehnung der vaginalen Muskulatur einhergeht. Muskeln und Faszien sind elastisch.

Das heißt, dass sie sich dehnen können und nach der Dehnung in der Regel wieder in Ausgangsposition zurückfinden. Im Normalfall bildet sich die Muskulatur nach der Dehnung während einer Geburt also wieder zurück. Bei ungenügender Rückbildung kann allerdings das Lost-Penis-Syndrom eintreten. Die Qualität der Muskulatur und des Bindegewebes sind bis zu einem gewissen Anteil erblich. Eine ungenügende Rückbildung der Muskulatur ist so mit genetischer Disposition assoziiert.

Auch Muskelerkrankungen oder Bindegewebserkrankungen können die unzureichende Rückbildung fördern. Auch unabhängig von Geburten kann das Lost-Penis-Syndrom vorliegen. In den meisten Fällen steht das Syndrom in diesem Zusammenhang mit einer erblichen oder anderweitig begünstigten Erschlaffung des Beckenbodens in Verbindung. Diese Erschlaffung kann durch hormonelle Wirkungen nach der Menopause verursacht werden oder beispielsweise im Rahmen von neurologischen Störungen eintreten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome von Frauen mit Lost-Penis-Syndrom sind relativ spezifisch. Die Betroffenen leiden im weitesten Sinne an einer sexuellen Dysfunktion. Sie erleben den Geschlechtsverkehr nicht als lustvoll, da sie den Penis ihres Partners überhaupt nicht oder kaum in ihrer Vagina spüren. Zum vaginalen Orgasmus kommen sie unter diesen Umständen nicht.

Auch für ihren Partner ist der Orgasmus beim Geschlechtsverkehr annähernd ausgeschlossen, da auch er beim Sexualakt keine hinzureichende Stimulation erfährt. Häufig belastet die vaginale Dysfunktion die Beziehung ungemein und kann damit zu psychischen Folgeerkrankungen führen, so zum Beispiel zu Selbstwertdefizit auf beiden Seiten der Partnerschaft.

Im Einzelfall kann das Lost-Penis-Syndrom mit vielen weiteren Symptomen einhergehen, die von der primären Ursache abhängen. Eine Beckenbodenerweiterung kann sich für die Frau auch auf das Wasserlassen auswirken. Muskuläre und neuromuskuläre Dysfunktionen betreffen meist nicht ausschließlich den Beckenboden, sondern manifestieren sich zusätzlich in Muskelschwächen an anderer Stelle des Körpers.

Das Lost-Penis-Syndrom ist für viele Frauen außerdem erheblich schambesetzt. Schamgefühle können wieder anderen psychischen Beschwerden den Weg bahnen und so das Sexualleben der Betroffenen auf Dauer negativ beeinflussen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose des Lost-Penis-Syndroms entspricht in aller Regel der Diagnose einer erweiterten Beckenbodenmuskulatur. Die gynäkologische Diagnostik kennt diesen Befund meist als Zufallsbefund. In der Regel wenden sich Frauen mit Lost-Penis-Syndrom nicht explizit wegen sexuellen Dysfunktionen an den Arzt.

Die Scham hält sie meist davon ab. Um eine neurogene Ursache auszuschließen, erfolgt nach der Diagnose in der Regel eine neurologische Diagnostik mit Nervenleitungstests und Bildgebungen des Nervensystems.

Komplikationen

Das Lost-Penis-Syndrom führt in der Regel vor allem zu psychischen Beschwerden und Einschränkungen des Patienten. Die Betroffenen können dabei den Penis des Partners nicht spüren und haben damit beim Geschlechtsverkehr auch keinen Orgasmus. Damit kann sich das Lost-Penis-Syndrom sehr negativ auf die Beziehung zum Partner auswirken und ebenso zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen führen.

Nicht selten kommt es dabei auch zu Minderwertigkeitskomplexen oder zu einem verminderten Selbstwertgefühl beim Patienten. Nicht selten ist das Lost-Penis-Syndrom allerdings auch mit anderen geschwächten Muskeln am Körper verbunden, sodass auch andere Bereiche des Körpers von den Missempfindungen betroffen sind. Die Lebensqualität der betroffenen Person wird durch das Lost-Penis-Syndrom erheblich eingeschränkt und verringert.

Auf Dauer kann es dabei zu einem sehr eingeschränkten Sexualleben kommen. Nicht selten schämen sich die Betroffenen für diese Beschwerde und leiten daher auch keine Behandlung ein. In den meisten Fällen verschwinden die Beschwerden allerdings schon nach einigen Tagen von alleine und es treten keine besonderen Komplikationen auf. In einigen Fällen sind verschiedene Übungen notwendig, um die Beschwerden zu lösen. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch das Lost-Penis-Syndrom nicht beeinflusst. In einigen Fällen sind auch psychologische Behandlungen notwendig.

Behandlung & Therapie

Das Lost-Penis-Syndrom kann eine chronische Störung sein, aber auch temporär vorliegen. Temporäre Zustände entsprechen oft einer herkömmlichen Erschlaffung der Muskulatur und treten dementsprechend oft durch Überreizung ein. Dieses Phänomen erfordert keine Behandlung und behebt sich binnen Tage oder einige Wochen von selbst.

Eine Behandlung ist prinzipiell nur bei pathologischer Dysfunktion erforderlich. Die Art der Behandlung hängt stark von der primären Ursache ab. Meist bildet Beckenbodentraining den Behandlungsfokus. Wie jede Art von Skelettmuskulatur besitzt der Beckenboden auch in Ruhestellung einen bestimmten Tonus. Das heißt, dass auch ohne willkürliche Kontraktion der Muskeln eine Grundspannung vorhanden ist.

Beim Lost-Penis-Syndrom ist die Grundspannung der Beckenmuskulatur meist verringert. Die Muskulatur erhält so durch regelmäßiges Beckenbodentraining idealerweise eine generelle Tonus-Steigerung. Neben dieser Art von Bewegungstherapie kann eine medikamentöse Behandlung erfolgen, so zum Beispiel durch tonus-steigernde Wirkstoffe.

Wenn der Leidensdruck der Patientinnen zu groß ist und die konservativen Behandlungswege keine Besserung erbringen, kann eine plastisch-chirurgische Straffung der Beckenbodenmuskulatur und der umliegenden Bänder stattfinden. Bei neurogenen Ursachen erfolgt zusätzlich eine ursächliche Therapie der neurologischen Störung. Falls die Patientin bereits psychische Probleme zeigt, findet zusätzlich psychotherapeutisch supportive Begleitung statt.

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Vorbeugung

Beckenbodentraining kann dem Lost-Penis-Syndrom zumindest bis hin zu gewissem Grad vorbeugen.

Das können Sie selbst tun

In den meisten Fällen muss das Lost-Penis-Syndrom nicht behandelt werden, da die Beschwerden und Symptome von alleine wieder nach einigen Tagen oder Wochen verschwinden. Aus diesem Grund stehen dem Betroffenen nur eingeschränkt Möglichkeiten der Selbsthilfe bei diesem Syndrom zur Verfügung. Das Syndrom selbst kann verhindert werden, indem eine Überreizung der Muskulatur vermieden wird. In den meisten Fällen wirkt sich ein Training der Beckenbodenmuskulatur sehr positiv auf den Verlauf der Erkrankung aus und kann die Muskulatur stärken und damit auch die Beschwerden lindern. Ein chirurgischer Eingriff ist dabei nur in sehr seltenen Fällen notwendig.

In einigen Fällen kann das Lost-Penis-Syndrom allerdings auch zu psychischen Verstimmungen oder zu Depressionen führen. Durch Gespräche mit dem Partner oder mit den Freunden können solche Beschwerden oder Minderwertigkeitskomplexe vermieden und reduziert werden. Auch der Kontakt mit anderen Betroffenen kann sich positiv auf den Verlauf der Erkrankung auswirken und eventuell zum Austausch von Informationen beitragen. Da die Beschwerden des Syndroms schon innerhalb einer kurzen Zeit wieder verschwinden, ist dabei eine Behandlung durch einen Psychologen nicht unbedingt vonnöten. Durch Gespräche mit dem Partner können dadurch auch mögliche Sexualbeschwerden gelindert werden.

Bücher über Männergesundheit

Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, duale Reihe. Thieme, Stuttgart 2013

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