Locked-In-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Gefangener seines eigenen Körpers sein - eine schreckliche Vorstellung, die beim Locked-In-Syndrom (zu deutsch: Gefangensein-Syndrom oder Eingeschlossensein-Syndrom) beklemmende Wahrheit wird. Das bekannteste, medienpräsente Beispiel der heutigen Zeit ist wohl Stephen Hawking.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Locked-In-Syndrom?

Beim Locked-In-Syndrom handelt es sich um eine komplette Lähmung der vier Gliedmaßen und des Körpers, sowie des Sprachapparates, welches zu einem beinahe vollkommenen Verlust der Kommunikationsfähigkeit des Menschen mit seiner Umwelt führt.

Die Betroffenen können sich meist nur noch via Augenbewegungen (Zwinkern, Blinzeln u.ä.) verständigen, jedoch sind selbst auf diesem Wege nur sehr eingeschränkte Äußerungen durch Ja/Nein-Fragen (bzw. Und/Oder-Fragen) möglich.

Entfält auch diese Möglichkeit der Verständigung, kann nur noch durch technische Mittel Hilfe geleistet werden, um einen aktiven Kontakt zur Außenwelt weiterhin aufrecht zu erhalten.

Jedoch sollte umbedingt bemerkt werden, dass es sich bei dieser Erkrankung keineswegs um einen wachkomatösen Zustand handelt, da der Patient über sein gesamtes Bewusstsein verfügt, also sowohl hören, sehen, als auch seine Umwelt verstehen kann.

Ursachen

Die häufigste Ursache für diese Lähmungserkrankung liegt im Hirnstamminfarkt. Dabei wird die Blutversorgung von Mittelhirn, Hirnbrücke und verlängertem Rückenmark so stark eingeschränkt oder teilweise komplett unterbrochen, dass es zu erheblichen Einschränkungen in verschiedenen Körperfunktionen kommt.

Andere häufige Ursachen sind Meningitis (Hirnhautentzündung), spezielle Nervenerkrankungen (z.B. amyotrophe Lateralsklerose), Schlaganfälle sowie schwere Traumata und Unfälle. Seltner kann das Locked-In-Syndrom bei Patienten mit Multiple Sklerose, Arterien-/Nervenentzündungen oder nach Missbrauch giftiger Substanzen/Drogen (Heroin) beobachtet werden.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose eines LiS kann durch reines "In Augenschein nehmen" nicht gestellt werden, da das Krankheitsbild rein äußerlich viel Ähnlichkeit zum Wachkoma oder akinetischen Mutismus (eine Erkrankung die sich v.a. durch eine schwere Antriebsstörung auszeichnet) aufweist.

Geeignete Diagnosemethoden bilden v.a. elektrische und magnetische Messungen der Gehirn- und Muskelaktivitäten. Mittels CT und MRT können somit Veränderungen in Durchblutung und Stoffwechsel des Hirns festgestellt werden. Meist werden diese technischen Diagnosemethoden mit Labortechniken kombiniert, um z.B. einen Entzündungszustand bei Meningitis besser beurteilen zu können.

Der Verlauf dieser Erkrankung ist sehr individuell und hängt sowohl von seiner medizinischen Betreuung, als auch von der Ursache des Ausbruchs ab. So kann davon ausgegangen werden das eine Sterblichkeit von 59-70% dann vorliegt, wenn das LiS durch eine Blutung oder Verstopfung in Gehirngefäßen ausgelöst wurde. Bei Traumata, Tumoren u.ä. sinkt diese Rate auf ca. 30%. Durch Toxine (Gifte/Drogen) ausgelöste Erkrankungen führen sogut wie nie zum Tode.

Komplikationen

In der Regel leiden die Betroffenen durch das Locked-In-Syndrom an erheblichen psychischen Beschwerden und Komplikationen. Sie können sich allerdings gegenüber der Außenwelt nicht äußern und mit dieser nicht kommunizieren. Damit kommt es zu deutlichen und erheblichen Einschränkungen im Alltag des Betroffenen. Die Patienten selbst leiden beim Locked-In-Syndrom in der Regel an Lähmungen und sind damit in ihrem Alltag auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen.

Oft kommt es damit zu Bewegungseinschränkungen, sodass die Patienten auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Aufgrund der Sprachstörungen entfällt in der Regel die Kommunikation mit der Außenwelt. Die Betroffenes selbst befinden sich dabei in einem Wachkoma und leiden an starken Depressionen und an anderen psychischen Verstimmungen.

Die Lebenserwartung des Patienten wird durch das Locked-In-Syndrom in den meisten Fällen nicht eingeschränkt. Allerdings hängt der weitere Verlauf stark von der Ursache des Locked-In-Syndroms ab, sodass ein allgemeiner Verlauf der Krankheit nicht vorausgesagt werden kann. Eine kausale Behandlung des Locked-In-Syndroms ist in der Regel nicht möglich.

Die Betroffenen sind dabei auf verschiedene Therapien und Hilfen im Alltag angewiesen. In der Regel kann das Syndrom auch nicht vollständig geheilt werden. Vor allem die Angehörigen des Patienten leiden durch das Syndrom an erheblichen Depressionen und anderen psychischen Einschränkungen.

Behandlung & Therapie

Eine Behandlung der Betroffenen erfordert in erste Linie eines: Eine intensive und individuelle Kombination aus Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie. Hauptziel ist es dabei, den Patienten zu mobilisieren und ihn somit aus seiner Bewegungsunfähigkeit herauszulösen. Je eher eine solche Rehabilitation angesetzt wird, desto wahrscheinlicher sind Erfolge.

In der Physiotherapie wird heute vor allem das Prinzip des "systematische repetitive Basis-Training" angewandt. Dieses beinhaltet das zunächst nur einzelne, kleine Bewegungen an Gelenken trainiert werden. Sind diese wieder selbstständig durchführbar und bestimmte Stellungen haltbar, werden die Trainingsübungen auf mehrere Gelenke und Muskelgruppen erweitert und später in genauen Tätigkeiten ausgeübt (z.B. Gabel halten und zum Mund führen).

Weitere Hilfestellung beim Wiedererlernen verschiedener Fähigkeiten bietet die Ergotherapie, deren Ziele v.a. im Wiederaufbau von Fein- und Grobmotorik bietet. Andere Aufgabenbereiche sind die Verbesserung von Kommunikation (via Körpersprache), die Entwicklung sozio-emotionaler Fähigkeiten (Zeigen von Gefühlszuständen) aber auch die Hilfestellung bei eventuellen Umbauten im häuslichen Umfeld und die Anschaffung geeigneter Hilfsmittel.

Der Einsatz von Logopäden als dritte Säule der Therapie dient vor allem dem Schlucktraining, um selbstständige Nahrungsaufnahme wieder zu ermöglichen. Durch häufige, gezielte Übungen soll zudem eine Verbesserung der Sprachfähigkeit wiederhergestellt werden, um eine aktivere Kommunikation mit dem Patientenumfeld zu erreichen.

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Vorbeugung

Um eine Erkrankung zu vermeiden gibt es keine besonderen Maßnahmen. Eine gesunde Lebensführung ohne Körpergifte wie Alkohol, Nikotin (und den in Zigaretten enthaltenen Begleitstoffen) sowie Drogen jeglicher Art können Ursachen wie Schlaganfälle u.ä. minimieren, jedoch ist dadurch kein Garant gegeben.

Das können Sie selbst tun

Die Maßnahmen, die Betroffene eines Locked-In-Syndroms zur Verbesserung ihrer Situation ergreifen können, sind aufgrund der Symptome beschränkt. Bis zum Anschlagen einer geeigneten Therapie, die zumindest Teilbewegungen und Teilbewegungsabläufe ermöglicht, sind Betroffene daher - mit Ausnahme der Möglichkeit der Kommunikation - auf ihr Umfeld komplett angewiesen.

Mit beginnender Therapie, ist es auch am Betroffenen, Übungen, die allein oder im privaten Umfeld durchführbar sind, konsequent in seine Tagesplanung einzubauen. Dies gilt besonders dann, wenn der stationäre Aufenthalt beendet wird, da dies zumeist auch einen Rückgang von Therapiestunden bedeutet.

Für das Umfeld des Betroffenen bedeutet die Situation, dass sie bestimmte Kommunikationsformen ebenfalls erlernen müssen. Durch die Einschränkungen, wird es nötig, die Kommunikation anzupassen, um mit dem Betroffenen in Kontakt zu bleiben. Gleichzeitig sollte nicht zu sehr vereinfacht - einem Kleinkind gerecht beispielsweise - gesprochen werden, da Locked-In-Syndrom-Patienten zwar objektiv hilflos scheinen, aber sich ihre Wahrnehmung in der Regel nicht eingeschränkt ist. Auch obliegt es Angehörigen, die Pflege des Betroffenen zu unterstützen. Dies umfasst Besuche, eigens durchgeführte Handgriffe (insofern zugelassen) und natürlich das Überprüfen auf mögliches Wundliegen oder schlechte Körperhaltungen.

Weitere Maßnahmen, die vom Betroffenen und ihrem Umfeld ergriffen werden können, sind sehr von einem möglichen Therapieerfolg und den Spätauswirkungen des Locked-In-Syndroms abhängig. Sie gehören entsprechend gemeinsam mit Ärzten und Therapeuten erarbeitet.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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