Lochienstauung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. November 2017
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Die Lochienstauung ist eine bei Frauen im Kindbett auftretende Erkrankung. Der nicht oder nur mangelhaft abgehende Wochenfluss kann mit unspezifischen Beschwerden einhergehen und wird daher von manchen jungen Patienten nicht ernst genommen. Dennoch sollte die Wöchnerin so schnell wie möglich ihren Frauenarzt kontaktieren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lochienstauung?

Die Lochienstauung ist eine Wochenbetterkrankung, die durch geringen oder aufhörenden Wochenfluss gekennzeichnet ist. Sie wird auch Lochial-Stau und Wochenflussstau genannt. Das normalerweise unproblematisch aus der Vagina abfließende nachgeburtliche Wundsekret staut sich in der Gebärmutterhöhle.

Die nach dem Abgang von Plazenta und Eihaut-Resten wunde Gebärmutterschleimhaut wird normalerweise durch die Ausscheidung des Wochenflusses vor Infektionen geschützt und kann abheilen. Kommt es jedoch zur Lochienstauung, zersetzen sich die aus abgestorbenen Geweberesten, Bakterien, weißen Blutkörperchen, Blut, seröser Flüssigkeit und Vaginal-Sekret bestehenden Lochien.

Im schlimmsten Fall kommt es zur Gebärmutter-Entzündung und - wenn die Erreger zu den Ovarien weiterwandern - zur Eileiter- und Eierstockentzündung. In sehr seltenen Fällen kann die junge Mutter sogar eine lebensgefährliche Blutvergiftung bekommen.

Ursachen

Die Lochienstauung kann verschiedene Ursachen haben. Bei Kaiserschnitt und natürlichen Geburten kann es beispielsweise durch einen Muttermund-Spasmus oder durch eine dort befindliche Ansammlung geronnenen Blutes (Koagula) zu einem verengten oder ganz verschlossenen Muttermund kommen. Auch die nicht ausgeschiedenen Eihaut-Reste können den Zervikalkanal blockieren.

Außerdem kann eine nach hinten oder stark nach vorne gerichtete Gebärmutter (Retroflexio uteri beziehungsweise Hyperanteflexio uteri) am Entstehen einer Lochienstauung Schuld sein. Dabei wird der Gebärmutterhals abgeknickt, sodass der Wochenfluss nicht über die Vagina abgehen kann. Sogar eine übervolle Blase oder ein überfüllter Enddarm können den Lochial-Stau verursachen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Hauptsymptom der Wochenbett-Erkrankung ist natürlich das Ausbleiben, abrupte Aufhören oder der mengenmäßig zu geringe Abgang von Wundsekret aus dem Uterus. Die Wöchnerin bekommt während der ersten zwei bis sieben Tage nach der Niederkunft hohes Fieber (mehr als 38 °C). Ihre Gebärmutter ist stark vergrößert und kann nach der Blasenentleerung gut ertastet werden. Sie fühlt sich weich an, schmerzt jedoch, wenn leichter Druck auf sie ausgeübt wird.

Hinzu kommen meist noch starke Unterleibsschmerzen und unspezifische Krankheitssymptome wie Kopf- und Ohrschmerzen. Der Stirnkopfschmerz ist stechend bis ziehend und geht von beiden Schläfen aus. Da diese Symptome auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftauchen, wird die Lochienstauung mitunter nicht ernst genommen. Ist der Wochenfluss lediglich verringert, hat das ausgeschiedene Sekret oft einen üblen Geruch.

Anstatt umgehend den Frauenarzt zu kontaktieren, verstärken manche junge Mütter lieber ihre Hygiene-Maßnahmen, weil sie den Eindruck haben, dass es sich um ein hygienisches Problem handele. Bemerkt die Wöchnerin, dass der Wochenfluss nur wenige Tage nach der Geburt plötzlich versiegt oder nur wenig Flüssigkeit abgesondert wird, so sollte sie schnellstmöglich ihren Frauenarzt aufsuchen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Lochienstauung lässt sich im Ultraschall des Unterbauchs sehr deutlich erkennen. Der Arzt sieht genau, dass die Gebärmutter mit Flüssigkeit gefüllt ist. Das Abtasten des Uterus ergibt, dass die Gebärmutter stark vergrößert ist, was auf eine unzureichende Rückbildung hindeutet.

Komplikationen

Die Lochienstauung führt in der Regel zu relativ hohem Fieber und damit zu einer starken Abgeschlagenheit des Patienten. Auch die Lebensqualität wird durch diese Krankheit deutlich verringert. Die Betroffenen fühlen sich müde und es kommt zu einer verringerten Belastbarkeit. Weiterhin treten auch Schmerzen im Unterleib und im Kopf auf.

Diese Schmerzen können sich dabei auch in benachbarte Regionen ausbreiten. Schmerzen in der Nacht führen weiterhin auch zu Schlafstörungen und möglicherweise zu Depressionen. In vielen Fällen wird die Lochienstauung erst spät diagnostiziert, da die Beschwerden nicht besonders gefährlich erscheinen. Allerdings ist bei dieser Krankheit eine sofortige Untersuchung bei einem Frauenarzt notwendig, um Komplikationen zu vermeiden.

Die Gebärmutter kann durch die Lochienstauung stark vergrößert sein und sich nicht mehr zurückbilden. Die Lochienstauung kann mit Hilfe verschiedener Medikamente oder Antibiotika behandelt werden Komplikationen treten dabei nicht auf und die Beschwerden verschwinden relativ schnell. Auch durch verschiedene Mittel der Selbsthilfe können die Beschwerden eingeschränkt werden. Bei einer erfolgreichen Behandlung kommt es nicht zu weiteren Komplikationen und auch die Lebenserwartung der Patientin wird durch die Lochienstauung nicht verringert.

Therapie & Behandlung

Die Lochienstauung wird meist mit einer Kombination verschiedener Anwendungen beseitigt. Um den verkrampften Muttermund zu entspannen, verabreicht der Arzt der Patientin krampflösende Medikamente (Spasmolytika) wie beispielsweise Buscopan. Eine Kurzinfusion mit Oxytocin löst Nachwehen aus. Die Gebärmutter-Muskulatur zieht sich zusammen, was dann den Wochenfluss auslöst.

Das Wehenmittel kann auch als Nasenspray verabreicht werden. Alternativ dazu muss die junge Mutter Methergin als Tropfen oder Dragees einnehmen. Das Medikament enthält Methylergometrin, eine Wirk-Substanz, die ebenfalls zu Gebärmutter-Kontraktionen führt. Bei drohender oder schon vorhandener Unterleibsinfektion verordnet der Gynäkologe Antibiotika zum Abtöten der Krankheitserreger.

Wird der Muttermund durch Koagula verstopft, so werden sie umgehend entfernt, damit die gestauten Lochien wieder ungehindert abfließen können. Der verengte Zervikalkanal wird vom Frauenarzt leicht gedehnt. Bis zum erneuten Abfließen der Lochien sollte die junge Mutter täglich mit ihrem Frauenarzt oder ihrer Hebamme Kontakt halten. Sie informiert ihn/sie über Menge, Farbe und Geruch des ausgeschiedenen Wochenflusses.

Außer den in der Frauenarzt-Praxis durchgeführten medizinischen Maßnahmen kann die Wöchnerin selbst dazu beitragen, dass der notwendige Wochenfluss wieder einsetzt oder aber stärker wird. Sie legt sich mindestens zweimal pro Tag mit einem in Höhe der Gebärmutter untergelegten Kissen auf den Bauch und bleibt in dieser Position jeweils 30 Minuten liegen. Dadurch wird das Zusammenziehen der Gebärmutter angeregt.

Auch eine Massage des Unterbauchs im Uterus-Bereich kann helfen, die Stauung des Wochenflusses zu beseitigen. Wärme fördert den Lochien-Abgang noch zusätzlich. Ein probates Mittel sind auch heiße Sitzbäder mit Kamillen oder Eichenrinden-Extrakt aus der Apotheke. Dabei sollte das Wasser jedoch nur bis zum Bauchnabel reichen.

Da die Lochien mitunter infektiös sind, empfiehlt es sich, die Brüste nicht ins Wasser einzutauchen. Auch das Auflegen einer Wärme-Packung kann helfen. Wer Tees mag, kann sich zur Beseitigung der Lochienstauung auch einen Hirtentäschel oder Frauenmantel-Tee zubereiten.

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Vorbeugung

Damit es nicht zur Stauung des Wochenflusses kommt, sollte die junge Mutter ihre Wochenbett-Gymnastik zur Rückbildung konsequent durchführen. Auch eine Mobilisation gleich nach der Niederkunft (häufiges Aufstehen) kann helfen, der Erkrankung vorzubeugen. Regelmäßiges Stillen des Babys sorgt dafür, dass der Körper vermehrt Oxytozin ausschüttet, das die Kontraktion der Gebärmutter anregt und den Wochenfluss fördert.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Lochienstauung sollte sich die Patientin schonen. Der Organismus benötigt Ruhe und sollte nicht überfordert werden. Zudem ist eine ausreichende Zufuhr an Flüssigkeiten wichtig. Es kommt bei einer Lochienstauung zu Fieber. Dieses kann bei einem Flüssigkeitsmangel im schlimmsten Fall zu einer Austrocknung und damit zu einer Dehydration führen. Da dies ein lebensbedrohlicher Zustand ist, muss darauf geachtet werden, wie viel Flüssigkeit täglich aufgenommen wurde.

Zusätzlich ist eine ausreichende Wärmezufuhr hilfreich. Wird der Unterleib mit Wärmflaschen oder Heizdecken gewärmt, fördert dies den Wochenfluss. Sitzbäder oder der Konsum von warmen Tees sind ebenfalls zu empfehlen. Unterstützend können Massagen des Unterleibs durchgeführt werden. Bei leichter Druckausübung und kreisenden Bewegungen findet eine Anregung des Kreislaufs statt. Dadurch besteht die Möglichkeit, die Stauung zu minimieren oder aufzulösen. Die Massagen können von der Patientin selbständig jederzeit nach den eigenen Bedürfnissen durchgeführt werden.

Zur Linderung der Schmerzen und dem Aufbau des Wohlbefindens können Entspannungstechniken angewendet werden. Über einen meditativen Zustand oder autogenem Training werden die inneren Kräfte mobilisiert und Stressoren abgebaut. Aufregung und Hektik ist zu vermeiden. Konflikte oder andere Unstimmigkeiten sollten verschoben werden, damit keinen neuen Belastungssituationen entstehen. Hilfreich sind hingegen optimistische und freudige Gespräche mit den Mitmenschen.

Bücher über Wochenbett, Geburt & Schwangerschaft

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Stiefel, A., Geist, C., Harder, U.: Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates, Stuttgart 2012
  • Uhl, B.: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Thieme, Stuttgart 2013

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