Lobotomie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Juni 2017
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Die Lobotomie ist ein chirurgischer Eingriff im menschlichen Gehirn. Bei dem operativen Eingriff werden Nervenbahnen durchtrennt. Ziel ist es, vorhandene Schmerzen zu minimieren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Lobotomie?

Die Lobotomie ist ein chirurgisches Verfahren. Bei einem operativen Eingriff werden gezielt Nervenbahnen des zentralen Nervensystems durchtrennt. Die Trennung ist dauerhaft.

Die Nerven im Gehirn können sich nicht mehr selbst regenerieren oder erneut zusammen wachsen. Durch diesen Schritt sollen chronische Schmerzen oder dauerhaften Beschwerden des Patienten gelindert sowie beseitigt werden. Betroffen sind Nervenbahnen, die sich zwischen dem Thalamus und dem Frontallappen befinden. Die Lobotomie ist ein sehr umstrittenes Verfahren. Obwohl der Erfinder der Methode, der Neurologe Walter J. Freeman im Jahr 1949 den Nobelpreis dafür bekam, wurde sie bereits in den 50er Jahren kritisch betrachtet.

Die auftretenden Nebenwirkungen sind als sehr schwer und meist lebensverändernd einzustufen. Oft leidet der Patient nach einem Eingriff lebenslang unter einer schweren Behinderung sowie starken psychischen Folgen. Viele der Patienten benötigten nach einem Eingriff eine permanente medizinische Betreuung. Oft mussten sie in Pflegeheime eingewiesen werden, die sie bis zum Ende ihres Lebens nicht mehr verlassen konnten. Aus diesem Grund wird die Methode von Medizinern heutzutage nicht mehr genutzt. Statt dessen werden verschiedene Psychopharmaka eingesetzt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Lobotomie wurde für Erkrankte schwerer psychischer Krankheiten entwickelt und eingesetzt. Anfänglich wurde das Verfahren der Lobotomie für einen Durchbruch der medizinischen Möglichkeiten gehalten.

Menschen, die als unheilbar krank galten und als Patienten in Nerven- oder Heilanstalten eingewiesen wurden, sollten eine dauerhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erleben. Die Lobotomie wurde durchgeführt, um vorrangig verschiedene psychische Erkrankungen oder geistige Zustände zu lindern. Die Mediziner gingen sogar von einer dauerhaften Heilung aus. Wurde diese nicht erreicht, so befanden sie, dass die Ergebnisse im Vergleich zum vorherigen Zustand eine wesentliche Verbesserung darstellten. In einem operativen Eingriff wurden als erkrankt eingestufte Nervenbahnen zwischen dem Thalamus und dem Frontallappen gezielt durchtrennt.

Ziel war es, dass als defekt eingestufte Signalstränge ihre Tätigkeit nicht mehr fortsetzen sollten. Nach der Auffassung der Mediziner wurden in den Nervenbahnen, die zum Zwischenhirn führen, Wahrnehmungen und Gedanken transportiert. Diese verbinden sich mit den Gefühlen des Menschen und sind bei den Patienten falsch verknüpft. Die Schnitte durch die Nervenfasern, sollten Gewebe des Gehirns durchtrennen. Dies bildete die Basis, damit der menschliche Organismus neue Nervenfasern bilden konnte. Die gesunden Fasern sollten dann im Laufe des Heilungsprozesses die Persönlichkeit des erkrankten Menschen positiv verändern. Die Vermutung war, dass das menschliche Gehirn plastisch ist und nach dem Verlust von Nervenfasern neue Vernetzungen entstehen, die automatisch als gesund einzustufen sind.

Vergleichbares ist bei Nervenfasern im Gesicht zu beobachten. Nach einigen Wochen oder Monaten regenerieren sich beschädigte Nervenbahnen insbesondere im Bereich der Wangenknochen. Sie sind anschließend voll funktionstüchtig und vorherige Schmerzen sind oftmals verschwunden. Diese Erkenntnisse nutzten Forscher und übertrugen ihre Theorien auf andere Bereiche des menschlichen Organismus. Neurowissenschaftlich bekamen Forscher Vorstellungen davon, in welchen Hirnregionen bestimmte Prozesse ablaufen. Sie sahen Ursachen für seelische Erkrankungen, Schizophrenie, Angstzustände oder eine Depression in defekten Nervenbahnen und Gewebe des Gehirns. Auch die Suchterkrankung Alkoholismus zählten sie dazu.

In der Überzeugung, auch Lernstörungen oder psychische Belastungen die durch das Erleben des Krieges entstanden, mit der Durchtrennung der Nervenfasern heilen zu können, führten sie die Lobotomie durch. Patienten, die zuvor ein auffälliges Verhalten hatten, dass trotz Therapien oder Medikamente nicht verbessert werden konnte, sollten wieder umgänglicher werden.

Die Verbesserung des Sozialverhaltens sowie der Persönlichkeit wurde angestrebt. Mediziner versprachen sich eine Linderung von einer dauerhaften inneren Anspannung, Panikstörungen oder Wahnvorstellungen. Die Überzeugung, dass der menschliche Organismus eine Art Selbstheilung durch das Entstehen neuer Nerven vornehmen würde, führte dazu, dass kranke Nervenfasern oft auch auf eine brutale Weise mit einem Stahlnagel durch die Augenhöhle getrennt wurden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Lobotomie hat eine Reihe von Nebenwirkungen und enormen Risiken. Diese reichen von psychischen Beschwerden bis hin zu lebenslangen Schwerbehinderungen. Betroffene Patienten wurden pflegebedürftig und mussten eine tägliche medizinische Versorgung in Anspruch nehmen.

Es gibt dokumentierte Fälle, bei denen eine häusliche Versorgung trotz großer Aufwände nicht mehr gewährleistet werden konnte. Vorhandene Erkrankungen wie Depressionen oder Alexithymie nahmen zu. Patienten zeigten ein apathisches Verhalten. Teilnahmslosigkeit und Gefühlsblindheit waren die Folgen. Die Betroffenen waren nicht mehr in der Lage, Emotionen zu erleben und Gefühle zu entwickeln. Die Bildung von Empathie war nicht mehr möglich. Darüber hinaus kam es bei Patienten nach dem Eingriff zu einer verminderten Intelligenz. Vorhandene Lernschwächen waren verstärkt und neues Wissen konnte nicht mehr in der Form erworben werden, wie es vor dem Eingriff der Fall war.

Damit war es einigen Patienten nicht mehr möglich, ihren Alltag selbständig zu bewältigen. Sie benötigten Unterstützung bei den einfachsten Aufgaben. Die Persönlichkeit erlebte bei vielen Patienten einen Wandel. Epileptische Anfälle traten auf, obwohl diese vor dem Eingriff nicht erlebt wurden. Es kam nach eine Lobotomie oft zu Einschränkungen der gesamten Motorik. Bewegungsabläufe konnten nicht vollständig durchgeführt werden. Trotz therapeutischer Begleitung verbesserte sich dieser Zustand nicht mehr in einem ausreichendem Maß. In vielen Fällen ist nach dem operativen Eingriff Inkontinenz dokumentiert worden.

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