Loa loa (Loiasis)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2017
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Loiasis ist eine parasitäre Infektionskrankheit, die durch spezifische Fadenwürmer, den Loa loa-Filarien, verursacht wird und sich in erster Linie anhand entzündlicher, allergiebedingter Schwellungsreaktionen manifestiert. Schätzungsweise 3 bis 30 Prozent der Bevölkerung sind in den Verbreitungsgebieten (West- und Zentralafrika) mit Loa loa-Würmern infiziert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Loa loa?

Als Loiasis wird eine Infektion mit dem Nematoden (Fadenwurm) Loa loa bezeichnet, die durch tagaktive Bremsen der Gattung Chrysops übertragen wird und in erster Linie im tropischen Regenwald West- und Zentralafrikas (Kongobecken) anzutreffen ist.

Etwa zwei bis zwölf Monate nach der Infektion mit dem Loa loa zirkuliert der Parasit im Unterhautzellgewebe und Bindegewebe sowie gelegentlich im subkonjunktivalen Gewebe (Augenbindegewebe).

Allergische Reaktionen auf den Loa loa-Wurm führen zu plötzlich auftretenden, juckenden Schwellungen der Haut (sogenannte Kalabarbeule), insbesondere im Gesicht und an den Beinen, die mehrere Tage bestehen bleiben und in unregelmäßigen Abständen rezidivieren (wiederkehren) können. Wird der Kehlkopf von den Loa loa-Parasiten befallen, kann sich ein lebensbedrohendes Glottisödem (akute Schwellung des Kehlkopfes) manifestieren.

Ursachen

Loa loa ist ist ein parasitärer Fadenwurm (Filarien), der durch infizierte tagaktive Bremsen der Gattung Chrysops übertragen wird. Die von der Bremse übertragenden Mikrofilarien (Larven des Loa loa-Wurms) reifen innerhalb der Inkubationszeit (2-9 Monate) im infizierten, menschlichen Körper zu geschlechtsreifen, adulten Filarien, die im Unterhautzellgewebe und Bindegewebe der Haut, Schleimhäute und gegebenenfalls Augen leben und innerhalb dieser Strukturen wandern können (sogenannte „Wanderfilarien“).

Die adulten (ausgewachsenen) Filarien bringen darüber hinaus im Bindegewebe eine große Anzahl infektiöser Mikrofilarien hervor, die tagsüber über das Lymphsystem in den Blutkreislauf gelangen und dort zirkulieren. Allergiebedingt werden durch die Ausbreitung der adulten Filarien sowie der Mikrofilarien die für eine Loiasis charakteristischen Entzündungsreaktionen und Schwellungen hervorgerufen.

Wird ein infizierter Mensch in diesem Erkrankungsstadium von einer tagaktiven Bremse gebissen, wird diese infiziert und kann die infektiösen Loa loa-Mikrofilarien auf weitere Menschen oder Menschenaffen übertragen. Eine direkte Übertragung des Loa loa-Wurms von Mensch zu Mensch ist dagegen auszuschließen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Infektion mit Loa loa-Parasiten kann in der Regel anhand der charakteristischen Symptome diagnostiziert werden. Abgesichert wird die Diagnose einer Loiasis durch den Nachweise der Loa-loa-Mikrofilarien im Blut.

Hierbei sollte die Blutentnahme für den Nachweis tagsüber durchgeführt werden, das sich die Mikrofilarien an die tagaktive Bremse als Zwischenwirt angepasst haben und entsprechend lediglich zu dieser Zeit im Blutkreislauf zirkulieren.

Daneben können ein Immunfluoreszenztest zum Nachweis der Infektionsantikörper sowie Diethylcarbamazin (DEC), das nach einmaliger Gabe Juckreiz auslöst und einen indirekten Nachweis der Mikrofilarien darstellt, zum Einsatz kommen.

In der Mehrzahl der Fälle ist eine Infektion mit Loa loa gut behandelbar und weist ein gute Prognose auf. In seltenen Fällen kann es bei einem lang andauernden Verlauf der Loiasis zu Spätkomplikationen wie Endokarditis, Meningoenzephalitis oder Nierenschädigungen kommen.

Komplikationen

Bei Loa loa kommt es zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen, die am gesamten Körper des Patienten auftreten können. In den meisten Fällen kommt es dabei zu einer allergischen Reaktion des Körpers, sodass die Betroffenen an einer geröteten Haut oder an einem Juckreiz auf der Haut leiden. Durch das Kratzen wird der Juckreiz in der Regel nur noch weiter verstärkt.

Vor allem im Gesicht können die Juckreize und Rötungen für den Betroffenen sehr unangenehm sein und zu einem verringerten Selbstwertgefühl führen. Nicht selten tränen auch die Augen und es kommt zu Augenschmerzen. Komplikationen treten durch Loa loa in der Regel nur dann auf, wenn es nicht zu einer Behandlung kommt oder wenn die Behandlung erst sehr spät eingeleitet wird.

Dabei können die Patienten auch Schäden an den Nieren erleiden, sodass es im schlimmsten Falle zu einer Niereninsuffizienz kommt. Dabei ist der Patient dann auf eine Dialyse oder auf eine Nierentransplantation angewiesen. Die Behandlung von Loa loa wird mit Hilfe von Medikamenten durchgeführt. Dabei treten keine Komplikationen auf. Die Betroffenen wirken durch die Erkrankung nicht selten müde und abgeschlagen und können nicht mehr aktiv am Leben teilnehmen. In den meisten Fällen stellt sich allerdings ein positiver Krankheitsverlauf ein.

Behandlung & Therapie

Eine Loiasis wird allgemein medikamentös mit Diethylcarbamazin, einem Anthelminthikum bzw. Wurmmittel, therapiert, das die Loa loa-Mikrofilarien und zum Teil die adulten Filarien abtötet, indem es in den Stoffwechsel der Erreger eingreift.

Hierbei wird anfänglich eine geringere und sukzessiv zu steigernde Dosierung empfohlen, da durch die sehr hohe Zahl absterbender Loa loa-Parasiten toxisch wirkende Substanzen freigesetzt werden, die ausgeprägte allergische Reaktionen wie Ausschlag, asthmatische Anfällen, Fieber und Müdigkeit im menschlichen Organismus hervorrufen können (sogenannte Mazzotti-Reaktion). Zur Hemmung bzw. Abschwächung derartiger allergischer Reaktionen sowie zur Reduzierung des Juckreizes und der Entzündungsreaktionen sollten gleichzeitig Antihistaminika oder Corticosteroide eingenommen werden.

In einigen Fällen kommen im Vorfeld der Diethylcarbamazin-Therapie weitere Anthelminthika wie Ivermectin oder Albendazol zum Einsatz. Diethylcarbamazin ist bei vorliegender Schwangerschaft sowie bei gleichzeitigem Vorliegen weiterer parasitärer Infektionskrankheiten wie Dirofilaria immitis oder Onchozerkose aufgrund der durch die freigesetzten Toxine ausgelösten allergischen Reaktionen kontraindiziert.

Die in manchen Fällen mit der Diethylcarbamazin-Therapie einhergehende Proteinurie (Ausscheidung von Eiweißen über den Harn) ist bei einer Loiasis in der Regel vorübergehend. Sind Loa loa-Parasiten in der Bindehaut des Auges sichtbar, können diese unter lokaler Anästhesie (Betäubung) chirurgisch entfernt werden.

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Vorbeugung

Da gegen Loa loa bislang kein Impfstoff existiert, beschränken sich die vorbeugenden Maßnahmen auf eine Expositionsprophylaxe. Hierzu gehören das Tragen heller, die Haut bedeckender Kleidung sowie die Anwendung von Repellents (Sprays, Cremes, Lotionen zur Insektenabwehr) sowie Moskitonetze, um sich gegen Stiche von mit Loiasis infizierten Bremsen zu schützen.

Das können Sie selbst tun

Beim Verdacht auf eine Loasis sollte zunächst ein Arzt konsultiert werden. Ein Mediziner muss die Erkrankung abklären und gegebenenfalls eine Behandlung einleiten. Einige Selbsthilfe-Maßnahmen und verschiedene Mittel aus dem Haushalt und der Natur unterstützen den Heilungsverlauf.

Die medikamentöse Therapie kann durch einen aktiven und gesunden Lebensstil unterstützt werden. Während in den ersten Tagen nach der Erkrankung noch Schonung und Bettruhe gelten, darf nach der akuten Phase leichter Sport getrieben werden. Bewegung an der frischen Luft stärkt das Immunsystem und lindert Symptome wie Müdigkeit und Asthma. Sollten ernste Komplikationen auftreten, muss der Arzt informiert werden. Loa Loa ist zwar gut behandelbar, dennoch muss eine engmaschige ärztliche Überwachung stattfinden. Andernfalls können sich Folgeerkrankungen entwickeln.

Die medikamentöse Behandlung kann außerdem durch ein Beschwerdetagebuch unterstützt werden. Darin sollten die Erkrankten etwaige Neben- und Wechselwirkungen sowie die Auswirkungen des Präparats auf Hautausschläge und andere typische Symptome festhalten. Mit Hilfe dieser Notizen kann der Arzt die Medikation optimal einstellen und eine schnelle Heilung gewährleisten. Begleitend dazu müssen erneute Infektionen vermieden werden, indem die notwendigen Vorkehrungsmaßnahmen getroffen werden.

Bücher über Tropenkrankheiten

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004
  • Wenk, P., Renz, A.: Parasitologie. Thieme, Stuttgart 2003

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