Lisurid

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. August 2017
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Der Arzneistoff Lisurid gehört zur Wirkstoffklasse der Dopaminagonisten. Er zählt auch zu den Serotoninantagonisten und zu den HT2B-Antagonisten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lisurid?

Das Ergolin-Derivat Lisurid kommt bei verschiedenen Indikationen zum Einsatz. Hauptsächlich wird der Arzneistoff jedoch in der Therapie von Parkinson verwendet. Medikamente mit dem Wirkstoff Lisurid unterliegen in Deutschland der ärztlichen Verschreibungspflicht.

Lisurid ist ein Arzneistoff, der von Mutterkornalkaloiden abgeleitet wurde. Das Mutterkorn ist eine Form des Mutterkornpilzes. Es befällt Nahrungs-und Futtergetreide und weist aufgrund der enthaltenen Alkaloide eine hohe Toxizität auf. Das vom Mutterkorn abgeleitete Lisurid verfügt über ein Ergolingrundgerüst. Ergolin ist eine stickstoffhaltige, organisch chemische Verbindung und das Grundgerüst vieler Mutterkornalkaloide. Das Ergolin des Lisurids unterscheidet sich von den natürlich vorkommenden Ergolinen in einer speziellen Konfiguration des Ergolingerüsts.

Pharmakologische Wirkung

Lisurid gehört zu den sogenannten "Dirty Drugs". Der Begriff Dirty Drug wird für Medikamente genutzt, die sich im Gehirn an verschiedene Rezeptoren binden können. Dadurch wird eine sehr große Bandbreite erwirkt. Es kommt allerdings auch öfter zu Nebenwirkungen. Lisurid hat eine Affinität zu Serotoninrezeptoren, Dopaminrezeptoren, Adrenorezeptoren, Beta-Adrenorezeptoren und zu Histaminrezeptoren.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Hauptsächlich wird der Arzneistoff Lisurid in der Therapie von Parkinson verwendet.

Für die Wirksamkeit des Arzneistoffes in der Parkinson-Therapie ist die Affinität zu den Dopaminrezeptoren verantwortlich. Parkinson wird durch einen Untergang der dopaminproduzierenden Zellen in der Substantia nigra im Gehirn verursacht. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der für den reibungslosen Ablauf von Bewegungsabläufen unabdingbar ist. Durch den Dopaminmangel kommt es zu Symptomen wie Bewegungsarmut, Muskelsteifheit, Gleichgewichtsstörungen, Zittern oder Gangstörungen. Lisurid kann sich an die Dopaminrezeptoren binden und diese stimulieren. Dadurch tritt eine dopaminähnliche Wirkung ein. Die Symptome der Parkinsonschen Krankheit werden entsprechend abgemildert.

Da Dopamin jedoch nicht nur in der Motorik eine Rolle spielt, sondern auch in der Hypophyse eine hemmende Wirkung auf die Sekretion des Hormons Prolaktin hat, verstärkt Lisurid die Prolaktinhemmung. Dies wirkt sich etwa auf den Milchfluss aus. Lisurid wird deshalb in Einzelfällen zur Hemmung der Laktation beim Abstillen eingesetzt. Auch prolaktinbedingte Amenorrhoe und krankhafter Milchfluss (Galaktorrhoe) sind Indikationen für Lisurid. Weitere Anwendungsgebiete sind das Restless-Legs-Syndrom und das maligne Neuroleptika-Syndrom.

In höherer Dosierung wirkt Lisurid an Serotoninrezeptoren als Antagonist. Die Rezeptoren werden gehemmt. Aufgrund dieser Wirkung wurde Lisurid lange Zeit vor seinem Einsatz als Anti-Parkinsonmittel zur Prophylaxe von Migräne eingesetzt. Heute hat der Wirkstoff dafür keine Zulassung mehr.

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Risiken & Nebenwirkungen

Nebenwirkungen wie Übelkeit, Benommenheit, Schwindel, Schwitzen oder Mundtrockenheit treten häufig zu Beginn der Therapie auf. Auch bei zu hoher Dosierung, bei einer Dosissteigerung oder bei einer Einnahme außerhalb der Mahlzeiten können Nebenwirkungen auftreten.

Zu den seltenen Nebenwirkungen gehören ein plötzlicher Blutdruckabfall und Retroperitonealfibrosen. Diese sind auch als Ormond-Syndrom bekannt. Es handelt sich dabei um Bindegewebsvermehrungen zwischen dem Bauchfell und der Wirbelsäule. Gefäße, Nerven und Harnleiter werden von dem Bindegewebe regelrecht ummauert. Die Erkrankung äußert sich in Form von schweren Schmerzen in den Flanken, im Hodensack, im Unterbauch und im Rücken. Durch die Einengung des Harnleiters kann es zum Rückstau von Urin in die Nieren kommen. Solche Fibrosierungen können nicht nur im Retroperitonealraum, sondern auch an den vier Herzklappen auftreten.

In Tierversuchen konnte nachgewiesen werden, dass Lisurid eine vorzeitige Ejakulation auslösen kann. Weibliche Ratten reagierten auf Lisurid mit der Ausbildung männlicher Verhaltensmuster. Ähnliche unerwünschte Wirkungen konnten beim Menschen allerdings bisher noch nicht nachgewiesen werden. Die sedierende Wirkung von Lisurid kann durch andere dämpfende Arzneimittel verstärkt werden. Wenn Lisurid zusammen mit Neuroleptika oder Dopaminantagonisten eingenommen wird, schwächen sich die Arzneistoffe gegenseitig ab.

Kontraindikationen für die Behandlung mit Lisurid sind Störungen der Leberfunktion und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch bei Organfibrosen, wie beispielsweise bei der Lungenfibrose, darf Lisurid nicht verabreicht werden. Andernfalls könnte es zu einem vermehrten pathologischen bindegewebigem Umbau des Organfunktionsgewebes kommen.

Lisurid darf in der Schwangerschaft nur in absoluten Ausnahmefällen eingesetzt werden. Bei Stillenden ist die milchhemmende Wirkung zu beachten. Eine weitere Kontraindikation für Lisurid sind Herzrhythmusstörungen.

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