Lippenkrebs

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. September 2017
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Die Lippen, eines der wichtigsten Sinnesorgane des Menschen, dienen zum Artikulieren, zur Speiseaufnahme, zur Mimik. Ein Tumor in diesem Bereich ist mit erheblichen Beeinträchtigungen in der Funktionsweise verbunden. In den meisten Fällen handelt es sich um eine maligne Form eines Tumors. Wird ein Lippenkrebs im Frühstadium diagnostiziert, bestehen jedoch gute Heilungschancen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lippenkrebs?

Lippenkrebs ist bezeichnend für eine Wucherung bösartiger Krebszellen, die sich auf einer oder beiden Lippen ausbreiten. Risikofaktoren sind hauptsächlich Nikotin und intensives Sonnenbaden. Der Lippenkrebs wird in zwei Kategorien eingeteilt. Sein Wachstum kann exophylitisch oder auch endophylitisch sein.

Exophylitisch (exo – außerhalb) wachsende Karzinome zeigen ihr Volumen deutlich abgrenzend zur Umgebung mit einer typischen zerklüfteten Oberfläche. Dabei dringen sie in tiefere Schichten ein. Im weiteren Verlauf wird das Geschwür (Ulkus) im Zentrum sichtbar.

Lippenkrebs, der endophytisch (endo –innen) wächst, wird als derber und verdickter Rand wahrgenommen. Dabei wirkt er leicht erhaben gegenüber der umgebenden Haut, fällt aber zur Mitte flach ein. Am Grund des Tumors sind die grau bis rötlich gefärbten Fleckenbildungen (Fibrin) zu sehen.

Ursachen

Die Ursachen sind vielschichtig. Das Rauchen und ein hoher Genuss an alkoholischen hochprozentigen Getränken sind sehr oft als Hauptrisikofaktoren an der Entstehung beteiligt. Aber auch das übermäßige Sonnenbaden ist gesundheitsschädlich. Beide Faktoren gleichzeitig begünstigen jedoch das Risiko umso mehr.

Eine einseitige Ernährung führt zu verschiedenen Mangelerscheinungen im Körper. So kann beispielsweise ein Eisenmangel und Vitaminmangel die Entstehung einer Krebserkrankung fördern. Zahnärzte weisen auch auf eine zunehmende mangelnde Mundhygiene hin. Karies und Parodontitis sind nur harmlose Erscheinungen.

In der weiteren Folge breiten sich die Entzündungsherde durch eindringende Keime, Viren und Bakterien weiter aus und begünstigen die Entwicklung von Karzinomen voran. Wird in diesem Stadium noch eine Zahnprothese benötigt, kann die Anpassung Probleme aufwerfen. Diese drückt und scheuert zusätzlich, sodass sich Infektionsherde nicht nur auf den Lippenbereich beschränken.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das erhöhte UV-Licht beim Sonnen steht als ein primärer Risikofaktor. So erklärt dies auch das gehäufte Auftreten des Karzinoms an der Unterlippe. Die Oberlippe ist somit aus anatomischer Sicht weniger der Sonneneinstrahlung ausgesetzt, aber trotzdem für diese Krebsart anfällig.

Das Lippenkarzinom wächst nur sehr langsam. Während der Anfangsphase bilden sich auf der Übergangsschleimhaut an der Lippe helle bis weißliche, nicht wegwischbare Flecke, deren Zellen stärker verhornen als in der Umgebung. Es entwickelt sich eine Leukoplakie (Weißschwielenkrankheit), die als eine Art Vorstufe zum Krebs gilt. Der betroffene Lippenbereich beginnt zu schmerzen und schwillt an. Darauf folgen stark abgegrenzte, dunkelrote und leicht erhabene Knotenbildungen.

Anzeichen einer Krebserkrankung sind mitunter auch durch frühzeitige Symptome erkennbar, die in erster Linie nicht spezifisch am betroffenen Körperteil auftreten. Auch werden oft Zusammenhänge mit schon bestehenden Erkrankungen gezogen. Im späteren Verlauf kann es zur Bildung von Metastasen über die Lymphbahnen kommen, die weitere Komplikationen in Gang setzten.

Probleme zeigen sich hierbei beispielsweise beim Kauen und Schlucken. Die eng miteinander verzweigten Gesichtsnerven reagieren auf Druckwirkungen. So sind Kaubeschwerden das Ergebnis einer Schwellung im Kieferbereich, die sich durch Quetschungen und Druck der umliegenden Nerven entwickelt. Einige Patienten klagen zudem über Sprachstörungen. Psychosoziale Auswirkungen sind somit vorprogrammiert.

Bösartige Krebserkrankungen, wie auch der Lippenkrebs, gehen beispielsweise mit einem deutlichen Gewichtsverlust oder einer chronischen Müdigkeit einher, die in jedem Falle ernste Warnzeichen darstellen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Oft wird ein Lippenkrebs auch mit dem Herpes simplex verwechselt, wobei nicht selten Eigenbehandlungen mit diversen Cremes oder Salben folgen. Diese verschlimmern allerdings die Ausgangslage sehr stark. Das gilt ebenso für das leichtsinnige Abwarten, denn Lippenkrebs wird oft erst in einem späten Stadium erkannt. Deshalb sollte bei unklaren Beschwerden oder verdächtigen Veränderungen des Hautbildes in jedem Fall eine Abklärung beim Arzt erfolgen.

Die Diagnosestellung von Lippenkrebs erfolgt meist durch eine klinische Untersuchung mittels Lupenvergrößerung. Eine schon bestehende Leukoplakie (Vorstufe zum Krebs) bestätigt den Verdacht durch die typischen, bösartigen Veränderungen im Hautbild. Für die Absicherung des Befundes dienen den Medizinern Untersuchungen zur Strukturdarstellung des Gewebes mit Ultraschall, Röntgen sowie Computertomographie und Magnetresonanztomographie.

Im Ausschlussverfahren erfolgt letztendlich unter örtlicher Betäubung noch eine Gewebeprobe (Biopsie). Durch die feingewebliche Untersuchung kann der Pathologe das endgültige Diagnoseergebnis feststellen. Dabei bestehen bei einer Größe des malignen Geschwürs von weniger als fünf Millimeter noch sehr gute Heilungschancen.

Komplikationen

Aufgrund des Lippenkrebs leidet der Betroffene in der Regel an verschiedenen Beschwerden und Symptomen, die direkt an den Lippen auftreten. In den meisten Fällen kommt es dabei zu weißen Flecken, die nicht entfernt werden können. Ebenso schwellen die Lippen an und können ebenfalls schmerzen. Nicht selten führt der Lippenkrebs auch zu Einschränkungen oder Beschwerden bei der Einnahme von Nahrung und Flüssigkeit, sodass es zu Mangelerscheinungen oder zu einer Dehydrierung kommen kann.

In der Regel kann sich der Lippenkrebs auch in andere Bereiche des Körpers ausbreiten und auch dort gesundes Gewebe befallen. Nicht selten führt der Lippenkrebs dabei auch zu Sprachfehlern oder zu einem Gewichtsverlust. Wie auch bei anderen Tumorerkrankungen kommt es dabei zu einer Abgeschlagenheit des Patienten und zu einer Müdigkeit. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch den Lippenkrebs erheblich eingeschränkt und verringert.

Der Lippenkrebs kann mit Hilfe eines operativen Eingriffes behandelt werden. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf. Falls der Lippenkrebs schon in einem frühen Stadium diagnostiziert wird, kann dieser in der Regel noch gut behandelt werden. Eventuell ist die Lebenserwartung des Patienten eingeschränkt, falls sich der Krebs weiterhin ausbreitet.

Behandlung & Therapie

Vor Beginn der Behandlung erfolgt ein intensives Anamnesegespräch. Der Arzt wird sich nach derzeitigen Beschwerden mit Verlauf, zur allgemeinen Krankengeschichte sowie zu familiären Gegebenheiten und Erbkrankheiten erkundigen. Gezielte Rückfragen betreffen Risikofaktoren wie Rauchgewohnheiten und Trinkverhalten.

Mittels eines speziellen medizinischen Spiegelgerätes beginnt der Arzt mit der Begutachtung der Lippen, tastet weiterhin Mundhöhle sowie die Lymphknoten am Hals und Unterkiefer ab. Dadurch sind schon geringe Vergrößerungen festzustellen. Obwohl Tumore meist operativ entfernt werden, stellt die Bestrahlung in manchen Fällen eine Alternative dar.

Auch die Anwendung beider Verfahren nacheinander ist möglich. Der Nachteil einer Bestrahlung vor der Operation besteht allerdings in der hohen Blutungsneigung des Gewebes bei einem chirurgischen Eingriff. Letztendlich ist ein chirurgischer Eingriff die einzige Möglichkeit, die flächige Ausbreitung des Karzinoms zu verringern.

Der Tumor wird in allen Ebenen mit einem Sicherheitsabstand von ungefähr einem Zentimeter aus dem angrenzenden, gesunden Gewebe entnommen. Somit stellt das Verfahren auch einen erheblichen ästhetischen Einschnitt verbunden mit möglichen psychischen Belastungen dar. Die Lippe ist ohnehin eine sehr auffällige Gesichtsregion, die dazu noch wichtige Funktionen ausübt.

Ein Eingriff beeinflusst deshalb auch die Artikulation, die Mimik und die Nahrungsaufnahme. Des soll im zeitlichen Abstand ebenfalls eine plastische Rekonstruktion erfolgen. Dies ist besonders im Gesichtsbereich sehr wichtig. In seltenen Fällen ist ein Einsatz der Electro-Cancer-Therpie (ECT) möglich. Es handelt sich hierbei um ein tumorzerstörendes Verfahren der alternativen Krebsbehandlung.

Hierbei werden Platinelektroden platziert, die mittels sanfter Stromeinwirkung die malignen Zellen des Tumors direkt zerstören. Der Einsatz ist jedoch abhängig von der Tumorgröße, dem Lymphknotenstatus und weiterer Metasierungen im Körper sowie dem Lebensalter des Patienten und dessen Allgemeinzustand. Eine Chemotherapie kommt erst zum Tragen, wenn durch vorangegangene Behandlungen wie Bestrahlung und Operation keine Heilungschancen mehr bestehen.

Vorbeugung

Eine gesunde Lebensweise lässt eine Vielzahl an Beschwerden und Krankheiten gar nicht erst in Erscheinung treten. Zur Vorbeugung von Lippenkrebs gilt es einfach, die Risikofaktoren zu umgehen. So bedarf es der Vermeidung von Alkohol und Nikotin. Eine regelmäßige Zahnpflege und auch Kontrolluntersuchung mit Zahnsanierung beim Zahnarzt müssen eingehalten werden.

Weiterhin ist im Sommer auf reichlich Lichtschutzmittel zu achten und bei starker Sonnenexposition der Aufenthalt im Schatten vorzuziehen. Bei unklaren Hautveränderungen oder nicht abheilenden Wunden muss selbstverständlich ärztlicher Rat eingeholt werden.

Bücher über Krebs & Krebserkrankungen

Quellen

  • Bork, K., Burkdorf, W., Hoede, N.: Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten. Schattauer, Stuttgart 2008
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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